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Paraphrasieren und eindeutiger kommunizieren

von Heike Thormann

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Unsere Kommunikation ist stark fehleranfällig, Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Missverständnisse, die schnell zu Konflikten führen können, wenn man sie nicht als solche erkennt. Eine Lösung: Paraphrasieren Sie und lernen Sie, eindeutiger zu kommunizieren.

„Du verstehst mich nicht.“ – Das ist nicht nur eine zum Klischee gewordene Klage frustrierter Ehefrauen. Ganz banales „Nicht-Verstehen“ von Gesprächspartner und Co. ist auch der Grund für so manchen handfesten Konflikt.

Denn kaum etwas ist so fehleranfällig wie unsere Kommunikation. Wenn A etwas sagt, muss B das noch lange nicht so verstehen. Jeder Mensch kommuniziert vor dem Hintergrund seiner eigenen Denkweise und Erfahrungen. Unsere Gedanken, unsere Erlebnisse, unsere Werte, die Bilder, die wir vor Augen haben – alles prägt unsere Sprache. Das Problem ist, dass unser Gegenüber diese Gedanken nicht teilt.

Wenn wir diese in mehr oder weniger eindeutige Worte kleiden und in eine logische Reihenfolge bringen, kann man uns vielleicht noch folgen. Genauso, wenn wir zum Beispiel mit Gesten oder Gesichtsausdruck unterstreichen, was wir eigentlich meinen. Manchmal kann sich unser Gesprächspartner auch eine „unsichere Stelle“ aus dem Zusammenhang (Kontext) erklären.

Genauso gut kann die Sache aber auch danebengehen. Wenn beispielsweise der Zuhörer nur halbherzig zuhört, der Sprecher seine Botschaften nur indirekt andeutet oder beide fest davon überzeugt sind, den anderen richtig verstanden zu haben, sind Missverständnisse nicht weit – und mit ihnen vielleicht so mancher Streit.

Eine Lösung: Paraphrasieren Sie.

Paraphrasieren heißt, etwas mit eigenen Worten wiederzugeben. Wenn Sie paraphrasieren, wiederholen Sie die Botschaft Ihres Gegenübers so, wie sie bei Ihnen angekommen ist. Mit anderen Worten: Die ideale Gelegenheit für Sie und Ihren Gesprächspartner, um herauszufinden, bis zu welchem Grad Sie sich verstanden haben.

Beispiel:

A möchte B ein Kompliment machen und sagt: „Heute hast Du richtig gute Arbeit geleistet.“

Nun könnte B das durchaus als Kompliment auffassen und sich erfreut bedanken. Fall erledigt. Je nach vorheriger Erfahrung könnte sich B aber auch an dem Wörtchen „heute“ stören und versteckte Kritik wittern (nach dem Motto „sonst nicht?“), oder gar Manipulation und Druck vermuten („sieh zu, dass Du bessere Arbeit leistest“).

Wenn der Fall jetzt nicht geklärt wird, stehen die Zeichen – womöglich völlig unnötig – auf Sturm. Statt sauer zu reagieren, könnte B also lieber paraphrasieren: „Du meinst, dass ich da sonst noch bessere Arbeit leisten kann?“

Worauf A sehen würde, wie (ungut) sein Satz bei B angekommen ist, und die Gelegenheit bekäme, sich genauer auszudrücken: „Nein, ich finde, Du arbeitest immer gut. Aber heute hast Du den Vogel abgeschossen und Dich sozusagen selbst übertroffen.“

In diesem Sinne: Stutzen Sie bei unklaren Gesprächsstellen nicht nur und gehen dann achselzuckend über sie hinweg oder tragen sie als Kränkung mit sich herum. Paraphrasieren Sie alles, was Sie irgendwie irritiert.

Dazu können Sie zum Beispiel folgende Einstiege nutzen:

  • „Du meinst, dass …“
  • „Du hast Dich also …“
  • „Es geht Dir also darum …“
  • „Ich wiederhole noch mal …“
  • „Demnach möchtest Du also …“
  • „Ich habe den Eindruck, dass … Richtig?“
  • „Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann …“

Und Ähnliches mehr.

Versuchen Sie auch, sachlich zu bleiben und nicht selbst zu Formulierungen zu greifen, die als Angriff gesehen werden können.

Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Die neutrale Wiederholung und Paraphrase „Du meinst, dass ich da sonst noch bessere Arbeit leisten kann?“ durch ein spitzes Kontern wie „Soll das heißen, dass ich Dir nicht gut genug arbeite?“ zu ersetzen, kann – je nach Tonfall – erst recht Öl ins Feuer gießen.

Paraphrasieren ist nicht ganz einfach. Oft scheitert es schon daran, dass wir seine Notwendigkeit nicht sehen und zu wissen glauben, was der andere meint. Aber es lohnt sich. Und zwar nicht nur, um Konflikte zu vermeiden. Sondern um sich klarzumachen, dass jeder buchstäblich anders denkt und es eine bunte Vielfalt gibt, unsere Welt zu sehen. :-)

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.06.08

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