Kennen Sie den Stoßseufzer “ich vergesse immer alles” oder auch “ich kann mir einfach nichts merken”? Haben Sie ihn vielleicht selbst mehr als einmal getan? Dann sind Sie hier richtig. Nutzen Sie diese kleine Aufzählung und lernen Sie, wie Sie sich Dinge leichter merken und besser behalten können.
Nebenbei: Natürlich ist auch die Form dieser Aufzählung selbst schon ein Kniff, um sich Ihr unwilliges Gedächtnis gefügiger zu machen.
“Wissens-ABCs” oder, mit Vera F. Birkenbihl, “ABC-Listen” sind eine prima Möglichkeit, Fakten nicht nur zu assoziieren, sondern sie auch wieder ins Gedächtnis zu rufen. Strukturiert, vernetzt, schlaglichtartig, visuell aufbereitet und in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht. Mit anderen Worten: Alles, was das Herz, pardon, das Gehirn begehrt.
Ach ja, und wenn Ihnen jetzt aufgefallen ist, dass in diesem Alphabet einige Buchstaben fehlen – stricken Sie sich doch Ihre eigenen. Es gibt nur eine Methode, etwas richtig gut zu lernen: Es selbst zu tun. In diesem Sinne: Viel Spaß dabei, Ihre Heike Thormann.
A = Anker
Verankern Sie neue Informationen mit schon vorhandenem Wissen. Wenn Sie wissen, wie man mit einer elektrischen Schreibmaschine umgeht, dürfte es Ihnen auch nicht schwer fallen, eine Computertastatur zu bedienen. Machen Sie sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bewusst. Ordnen Sie das neue Wissen in Ihren Erfahrungsschatz ein.
B = Beispiele
Arbeiten Sie mit Beispielen. Beispiele erklären Ihnen nicht nur, wie etwas funktioniert oder gemeint ist. Mit Beispielen können Sie sich das auch besser vorstellen. Und alles, was man in sein Wissen einordnen, wovon man sich ein Bild machen kann, kann man sich auch besser merken.
C = Checklisten
Greifen Sie im Zweifelsfall ruhig auf Checklisten und andere Hilfsmittel zurück. Wer hat gesagt, dass wir alles im Kopf haben müssen? Entlasten Sie Ihr Gehirn und hangeln Sie sich an kurzen Stichpunkten entlang. Nebenbei: Stichpunkte kann man sich immer besser merken, als ausformulierte Sätze. Nutzen Sie auch diese Liste in diesem Sinne.
E = Eselsbrücken
Wer kennt es nicht? 753 – Rom schlüpft aus dem Ei. Oder auch: Wer nämlich mit h schreibt, ist … Na? Eselsbrücken sind eine prima Methode, sich Dinge zu merken, die man ansonsten nur schwer irgendwo verankern kann (Zahlen und Fakten zum Beispiel). Die Verankerung erfolgt hier nicht über den Inhalt, sondern über Klang und Reim. Wann immer Sie können, basteln Sie sich Eselsbrücken, um Ihr Gedächtnis zu stützen.
F = Festhalten
Wie heißt es so schön: Wer schreibt, der bleibt. Auf jeden Fall im Gedächtnis. Machen Sie sich Notizen (wenn Sie Vorträge hören), arbeiten Sie mit Karteikarten (wenn Sie selbst welche halten) oder tragen Sie Stift und Papier mit sich herum. Wenn Sie (mit-) schreiben, setzen Sie Anker, die Sie im Bedarfsfall wieder abrufen können. Ideen und Informationen sind flüchtig. Halten Sie sie fest. Schreiben ist Denken auf Papier.
G = Gewohnheiten
Schon wieder den Schlüssel verlegt? Wo war er denn beim letzten Mal? Bevor Sie wieder suchen: Geben Sie ihm einen Stammplatz. Entwickeln Sie Gewohnheiten. Je regelmäßiger Sie etwas tun, desto nachdrücklicher werden die Bahnen in Ihrem Gedächtnis gezogen – und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sie auch dort behalten.
H = Hilfsmittel
Nutzen Sie alles, was Sie in die Finger bekommen, um das festzuhalten, was auf keinen Fall verloren gehen soll. Notizbücher, Terminkalender, kleine elektronische Helfer. Auswendig können ist gut. Wissen, wo etwas steht, nicht selten besser. Und angesichts der Menge an Dingen, die es sich heutzutage zu merken gilt, auf jeden Fall ökonomischer.
K = Konzentration
Hektik, Stress und Druck prägen unsere Zeit. Unsere Konzentration ist ständig gefordert und doch oft beim Teufel. Wie man da noch einen klaren Kopf behalten und sich gezielt an etwas erinnern soll, ist fraglich. Wenn Sie etwas für Ihr Gedächtnis tun wollen, dann tun Sie etwas für Ihre Konzentration. Und wenn Sie etwas für Ihre Konzentration tun wollen, dann tun Sie etwas gegen Ihren Stress.
Mehr dazu erfahren Sie auch in meinem Beitrag Mit Wohlfühlfaktor besser arbeiten und denken.
L = Lerngründe
Mal ehrlich: Warum wollen Sie sich eigentlich etwas merken? Weil Sie wollen oder weil Sie müssen? Wenn Sie müssen, dann haben Sie schlechte Karten. Der Schlüssel für ein gutes Gedächtnis ist unsere Motivation. Erst wenn wir etwas wirklich wissen wollen, passiert die Information unsere “psychologischen Filter” und wandert ins Langzeitgedächtnis. Deshalb: Versuchen Sie immer, sich den Grund klar zu machen, warum Sie etwas behalten wollen. Je höher das Interesse, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, etwas nicht zu vergessen.
M = Mnemotechniken
Mancher hat vielleicht schon die ganze Zeit auf sie gewartet: Die Mnemotechniken. Oder auf gut Deutsch: Techniken, die Ihnen das Behalten und Erinnern erleichtern sollen. Dabei ist Ihnen durchaus schon eine begegnet: Die Eselsbrücke.
Nutzen Sie die Tatsache, das unser Gehirn mit allen Sinnen arbeitet und prägen Sie sich etwas über Bilder (ein Winterfoto kann Ihr Referat über Schnee beflügeln), Klänge oder Knüttelverse ein. Erfinden Sie Geschichten (dann bleibt etwas nicht farblos, sondern wird be-greifbar) oder verbinden Sie Ihren Lernstoff mit den Dingen um Sie herum. (Cicero & Co. verankerten dazu den Inhalt ihrer Reden mit Stühlen, Tischen, Fenstern und was ihnen sonst noch so bei der Hand war. So fiel ihnen jedesmal, wenn sie einen Tisch sahen, prompt das und das dazu ein.)
N = Netze
Alles in unserem Gehirn wird in netzartigen Strukturen gespeichert und irgendwo einsortiert. Nichts steht für sich allein, alles ist mit allem verbunden. Gesteuert wird das Ganze über Verknüpfungen, die Assoziationen. Wenn Sie also zum Beispiel das Wort “heiß” hören, könnte Ihnen dazu spontan (als Gegenteil) “kalt” einfallen oder auch (über den Klang) “Preis”. Unterstützen Sie diesen Prozess, indem Sie (Wissens-) Netze knüpfen und bewusst mit Assoziationen arbeiten.
P = Pausen
Mach’ mal Pause, könnte man einen Slogan hier gebrauchen. Wenn Sie auf einem Empfang sind und sich ein Dutzend Namen merken sollen, dann nützt es Ihnen wenig, wenn Sie das so schnell wie möglich hinter sich zu bringen versuchen. Das Chaos ist vorprogrammiert. Geben Sie Ihrem Gehirn die Möglichkeit, neue Eindrücke schrittweise zu verarbeiten. Nur so kann sich das Gelernte auch wirklich setzen.
R = Regeln
Kinder lernen auswendig. Erwachsene finden Regeln. So könnte man den unterschiedlichen Lernansatz zusammenfassen. Und in der Tat, die Fähigkeit, etwas auswendig zu lernen, lässt mit dem Alter spürbar nach. Dafür nehmen unsere Erfahrungen und unsere Fähigkeit, nach Gesetzmäßigkeiten zu suchen und Parallelen zu ziehen, spürbar zu.
Was kommt nach Frühjahr, Sommer und Herbst? Na? Und warum? Haben Sie es auswendig gelernt oder kennen Sie den Grund dafür? Wenn Sie Strukturen bilden, setzen Sie sich aktiv mit einem Problem auseinander. Wenn Sie Regeln finden, haben Sie etwas im wahrsten Sinne des Wortes durchschaut.
S = Sinne
Wir hatten das schon: In unserem Gehirn ist alles mit allem verbunden und Informationen werden nicht nur sprachlich, sondern immer unter Einbeziehung aller Sinne verarbeitet. Je mehr Sinne Sie ansprechen, desto besser werden neue Informationen im Gehirn integriert, desto leichter fällt es Ihnen auch, diese wieder abzurufen.
T = Training
Halten Sie Ihr Gehirn fit. Nichts ist tödlicher für unser Denkvermögen als Unterforderung und Langeweile. Wenn Ihr Gedächtnis sich weigert, mitzuspielen, kann das daran liegen, dass Sie es schon lange nicht mehr gefordert haben. Übungen zum Gehirntraining finden Sie im Fachhandel oder im Internet.
V = Vergessen
Hatten Sie gedacht, dass Sie alles “nur so”, spontan und von selbst vergessen? Dann trennen Sie sich besser wieder von dieser Vorstellung. Wir vergessen nicht von selbst, sondern
- weil wir etwas gar nicht erst richtig wahrgenommen haben
- weil wir etwas nicht richtig verarbeitet haben
- weil wir etwas mit ähnlichen Informationen überlagert haben
- weil wir etwas lange nicht gebraucht und keinen Zugriff mehr drauf haben
- und last but not least: weil wir etwas verdrängen oder vergessen *wollen*.
Und wenn Sie jetzt aufmerksam bis hierher gelesen haben, wissen Sie auch, was Sie dagegen tun können: Arbeiten Sie mit allen Sinnen, verankern Sie neues Wissen, machen Sie Pausen oder wechseln Sie Ihren Lernstoff, knüpfen Sie Wissensnetze, trainieren Sie Ihr Gedächtnis und, vor allem, stellen Sie sicher, dass Sie sich auch erinnern wollen. Oft genug ist hier der Hund begraben.
Wenn Sie dann noch alles regelmäßig
W = Wiederholen
bis es sitzt, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn Sie noch länger von sich sagen müssen: “Ich vergesse immer alles.”
Sie wissen doch,
Ü = Übung macht den Meister und
ohne F = Fleiß kein Preis.
Und ich höre jetzt lieber auf, bevor ich nur noch in Buchstaben denke.
© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Juni 2006
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