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Mit Synonymen abwechslungsreicher schreiben

Wollen Sie abwechslungsreicher schreiben? Wollen Sie Ihren Wortschatz steigern? Wollen Sie mit Sprache spielen und Ihren Texten mehr Ausdruck und Farbe verleihen? Dann greifen Sie zu Synonymen. Was das ist und wie das geht? Na, so …

Das Teekesselchen-Spiel

Kennen Sie das Teekesselchen-Spiel? Das haben wir früher in der Schule gespielt.

Zwei Schüler stellten sich vor die Klasse, suchten sich nach Absprache jeder einen Begriff aus und ließen die Klasse diesen Begriff erraten. Dazu gab es Tipps und Hinweise wie: „Mein Teekesselchen kann man kochen …“ „Mein Teekesselchen hat sechs Buchstaben …“ Und so fort.

Der Witz daran war, dass die Begriffe der zwei Schüler die gleichen waren und doch nicht die gleichen. Oder genauer: Sie waren Homonyme. Das heißt, es waren Worte, die entweder gleich geschrieben werden oder gleich klingen, aber verschiedene Bedeutungen haben.

Beispiele sind etwa Bank (Sitzbank) und Bank (Kreditinstitut). Oder Baum (Botanik) und Baum (Mastbaum, Schiff). Oder Blatt (Botanik) und Blatt (Papier). Oder Lachen (das Verb) und Lachen (Pfützen).

Was sind Synonyme?

Homonyme sind eine spezielle Variante von Synonymen, also Worten mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung, die für dieses Spiel besonderen Spaß machten. Denn mit ihnen konnte man die Mitschüler so schön verwirren. Etwa nach dem Motto: Hängt das Teekesselchen, der gesuchte Begriff, jetzt am Baum oder kann man darauf schreiben? 😉

Der eigentliche Sinn der Sache war natürlich, Synonyme zu finden und ein Gefühl für den Reichtum der Sprache zu bekommen. Auf einer Bank kann man eben nicht nur sitzen. Man kann in ihr auch Geld einzahlen. 😉

Die meisten Synonyme werden allerdings nicht gleich geschrieben. Sie müssen nur eine vergleichbare Bedeutung haben.

Also beispielsweise:

  • Bank, Kreditinstitut, Geldinstitut, Kasse, Sparkasse
  • lachen, lächeln, glucksen, kichern
  • Papier, Blatt, Zettel

Achtung: Manche Autoren legen Synonyme strenger aus als andere. „Kichern“ wäre demnach kein Synonym mehr zu „lachen“, weil es sich in der Bedeutung zu sehr unterscheidet. Andere sehen das lockerer. Stuhl und Sessel können dort genauso synonym sein wie Tür und Pforte.

Welchen Nutzen haben Synonyme?

Mit Synonymen können Sie abwechslungsreicher und spannender schreiben. Wiederholen Sie zum Beispiel nicht fünfmal das Wort „lachen“. Variieren Sie. Spielen Sie mit der Sprache.

„Sie war eine Frohnatur. Wenn sie lachte, musste man unwillkürlich mitlachen. So ansteckend war ihr fröhliches Kichern und Prusten.“

Das liest sich doch viel besser als:

„Sie lachte gern. Wenn sie lachte, musste man ebenfalls lachen. So ansteckend war ihr Lachen.“

Synonyme können Ihnen auch helfen, eine Sache so genau und treffend wie möglich zu beschreiben.

Bleiben wir wieder beim Beispiel „lachen“.

Das Wort „lachen“ selbst ist noch relativ unbestimmt. Es hat sich allenfalls eingebürgert, es mit „breit lachen“ oder „aus vollem Hals lachen“ oder Ähnlichem gleichzusetzen. Das heißt, wir sehen gedanklich jemanden mit mehr oder weniger offenem Mund lachen.

„Lächeln“ ist deutlich verhaltener und stiller. Manchmal verzieht sich nur der Mund, ein leichter Ausdruck der Freude. Wobei man sich beim Lächeln nicht einmal freuen muss. Es kann auch ein Moment der Erinnerung gemeint sein, ein angenehmes Gefühl, ein anerkennendes Nicken und vieles andere mehr.

Beim Wort „kichern“ habe zumindest ich immer das Bild vor Augen, wie jemand sich die Hand vor den Mund hält, unter der Bettdecke herauslugt oder sonstwie gebremst oder verstohlen seiner Freude (oder auch Schadenfreude ;-)) Ausdruck gibt.

„Prusten“ ist klar – da bahnt sich ein Lachen gewaltsam Bahn. Es bricht zwischen dem geschlossenen Mund durch und ist nicht mehr zu halten. 😉

Ihre Aufgabe ist es, sich zu überlegen, was Sie wirklich schreiben wollen. Welches Bild haben Sie vor Augen? Lacht Ihre Figur offen und frei? Prustet sie wider Willen? Kichert sie unter der Bettdecke? Was …?

Suchen Sie anschließend gezielt Ihr Synonym aus.

Wie finde ich Synonyme?

Grundsätzlich hilft es, wenn Sie viel lesen und Ihren Wortschatz trainieren.

Es gibt auch Wörterbücher speziell für Synonyme.

Und Sie können natürlich im Internet recherchieren. Spezielle Webseiten und Datenbanken machen es Ihnen leicht. Geben Sie bei so einer Datenbank einfach das Wort ein, für das Sie Synonyme suchen. Und die Maschine dahinter spuckt Ihnen diverse Vorschläge aus.

Einige Beispiele sind:

Eine Zeitlang war ich auch ganz vernarrt in die Thesaurus-Funktion meines Textverarbeitungsprogramms. Erstaunlich, wie viele Bedeutungen ein Wort haben oder wie viele Worte eine ähnliche Bedeutung haben können.

Mittlerweile belasse ich es zwar bei meinem angelesenen Wortschatz. Es dauert mir sonst zu lange, noch über solche Hilfsmittel nach Synonymen zu suchen. (Und ich gebe zu, ich lese mich bei solchen Gelegenheiten ganz gern fest. Also besser vorbeugen und die Finger davon lassen. ;-)) Doch für den Anfang sind sie eine schöne Unterstützung. Sehen Sie einfach selbst, wie und womit Sie gut arbeiten können.

Synonyme sind nicht immer gut

Noch einmal Achtung: Synonyme sind nicht immer gut.

Greifen Sie nicht zwanghaft zu Synonymen, nur um nicht zweimal dasselbe Wort verwenden zu müssen.

Manchmal passen Synonyme einfach nicht. „Kichern“ ist nicht „lachen“, und „prusten“ nicht „lächeln“. Sie unterscheiden sich leicht, aber merklich. Verwenden Sie ein Synonym nur dann, wenn es den Sinn von dem wiedergibt, was Sie sagen wollen.

Manchmal ist ein Synonym längst nicht so griffig wie das Wort, das es ersetzen soll. Der „Leuchtkörper“ für die Lampe oder die „Sitzgelegenheit“ für den Stuhl können einen Text schwerfällig und steif klingen lassen.

Manchmal sind Synonyme auch abgedroschen und abgenutzt. Sie langweilen. Das „runde Leder“ für den Fußball wäre so ein Fall.

Zudem kann man Wiederholungen bewusst als Stilmittel einsetzen. Wenn Sie sich an den alten Lehrsatz aus der Schule „keine zwei Mal dasselbe Wort verwenden“ halten, entgeht Ihnen diese Gestaltungsmöglichkeit.

Oder anders formuliert: Lassen Sie sich von solchen Glaubenssätzen nicht aufhalten. Wenn Ihnen nach Wiederholungen ist, nutzen Sie sie. Und wenn Ihnen ein schönes Synonym einfällt – na, dann lassen Sie es von der Leine. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.08.2010

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