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In fünf Schritten aus Fehlern lernen

von Heike Thormann

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Fehler sind unbeliebt, aber sie sind auch eine Chance. Hier habe ich fünf Tipps für Sie, wie Sie aus Ihren Erfahrungen lernen und Fehler in Wissen verwandeln.

Fehler sind unbeliebt. Es gibt wohl keinen, der sie freiwillig macht, und nur wenige, die sie bereitwillig melden. Fehler kratzen an unserem Image und können unangenehme Folgen nach sich ziehen. Nicht nur, wenn der Arbeitgeber zu einer toleranten Fehlerkultur lediglich Lippenbekenntnisse ablegt.

Fehler lassen uns innehalten, fluchen, manchmal verzweifeln. Verständlich, aber auch fatal. Denn Fehler sind nicht nur ein Rückschlag. Sie sind auch eine Chance. Eine Chance, zu lernen, zu wachsen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Es kommt nicht darauf an, möglichst wenig zu riskieren, um nur ja keine Fehler zu machen. Es kommt darauf an, Erfahrungen zu sammeln und aus seinen Fehlern zu lernen. Dazu sollten Sie allerdings einen wichtigen Schritt nicht unter den Tisch fallen lassen – Ihre Erfahrungen zu verarbeiten und in Wissen zu verwandeln. Schließlich: Wer will schon seine Fehler immer wieder machen. ;-)

Tipp 1: Versuchen Sie, Ihre Fehler vorauszuahnen.

Nein, keine Bange. Ich will Sie nicht zum nächsten Wahrsager schicken und in die Zukunft sehen kann keiner. Was wir aber können, ist, uns auf mögliche Fehler vorzubereiten.

Fragen, die Sie sich dazu stellen könnten, wären etwa:

  • Verfüge ich über die erforderlichen Kenntnisse?
  • Wo könnten Hindernisse in meiner Planung sein?
  • Was kann alles schief gehen und wie gehe ich damit um?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus Entscheidung A, welche aus B?
  • Hat sich schon jemand an meinem Projekt versucht und ist damit gescheitert? Und wenn ja, warum?

Machen Sie sich im Voraus mögliche Fehlerquellen klar und bewerten Sie sie. Umso besser können Sie vorsorgen, schneller auf Fehler reagieren oder das Steuer bei zu hohem Risiko herumreißen.

Tipp 2: Analysieren Sie Ihre Fehler.

Es ist passiert. Sie haben einen Fehler gemacht. Shit happens. Gehen Sie aber jetzt nicht in Deckung und machen Sie die Augen zu, sondern sehen Sie genauer hin. Versuchen Sie Ihren Fehler zu verstehen, zeichnen Sie seinen Weg nach.

Überlegen Sie:

  • Wie hätte es eigentlich laufen sollen?
  • Wie ist es dann tatsächlich gekommen?
  • Wo ist es umgeschlagen von „genau richtig“ zu „leider falsch“?
  • Welche meiner Handlungen hat den Fehler verursacht?
  • Welche Probleme hätte ich vorhersehen können?
  • Welche Alternativen hätte ich gehabt?

Gehen Sie detektivisch vor und folgen Sie der Spur Ihres Fehlers. Umso leichter können Sie ihn für die Zukunft ausschalten.

Nebenbei: Ganz Kreative können nicht nur der Spur ihres Fehlers folgen, sondern zu ihrem Fehler werden. Wechseln Sie die Perspektive und erzählen Sie die Geschichte Ihres Fehlers. Begleiten Sie ihn von seiner heimlichen Geburt bis zu seinem offenkundigen Zu-Tage-Treten. Lernen Sie Ihren Fehler kennen und damit besser vermeiden. :-)

Tipp 3: Halten Sie Ihre Fehler fest.

Verstehen ist gut, nicht vergessen besser. Deshalb: Arbeiten Sie Ihre Fehler auf und halten Sie Ihre Erkenntnisse anschließend irgendwo fest.

Sie können dazu eine Art Fehlertagebuch führen, in das Sie Ihre Erinnerungen schreiben. Oder Sie können – etwa als Unternehmen – eine eigene Datenbank anlegen, in der Sie Ihre Erfahrungen dokumentieren.

Sie können selbstreflexiv und im stillen Kämmerlein arbeiten oder gemeinsame Workshops und Besprechungen abhalten.

Welche Form Sie im Einzelnen wählen, ist relativ egal. Sie muss nur zu Ihren Bedürfnissen passen und Ihre Ziele unterstützen. Das heißt, Sie muss es Ihnen ermöglichen,

  • sich intensiv mit Ihrem Fehler auseinanderzusetzen (und sich an die Einzelheiten zu erinnern)
  • Ihre Schlussfolgerungen übersichtlich aufzuzeichnen (um in Zukunft darauf zurückgreifen zu können)
  • und geeignete Lösungsschritte bereitzuhalten (um sich die Lösungen zu merken und nicht die Fehler einzuprägen).

Wenn Sie dann wieder in einer vergleichbaren Situation sind, können Sie auf diesen Schatz an Erfahrungen und Wissen zurückgreifen – anstatt sich noch einmal in denselben Fehler zu stürzen. ;-)

Tipp 4: Lernen Sie aus den Fehlern Ihrer Mitmenschen.

Und für ganz Schlaue habe ich noch einen Tipp: Lernen Sie nicht nur aus Ihren eigenen Fehlern (denn die tun weh), sondern möglichst auch aus denen der anderen (dann müssen Sie diese Fehler nicht auch noch machen).

Im Projektmanagement hat sich diese Praxis schon bewährt: die Lessons Learned. Die systematische Erfassung der Erfahrungen, die man mit einem Projekt gemacht hat – ob positiv oder negativ. Zentral gespeichert und möglichst vielen zugänglich gemacht, hat hier jeder die Chance, sich beim nächsten Projekt schlau zu machen und die Versuch-und-Irrtum-Phase möglichst klein zu halten.

Überlegen Sie doch einmal, ob Sie in Ihrem Unternehmen vergleichbare Strukturen schaffen können.

Und wenn Sie „privat“ sind?

Dann hören Sie aufmerksam zu, wenn andere von ihren Fehlern und Erfahrungen berichten – und geben Sie auch Ihr eigenes Wissen weiter. Ob in Netzwerken oder der Familie. So wächst der Schatz an Wissen – und verringert sich die Zahl der Fehler.

Vor allem aber …

Tipp 5: Akzeptieren Sie Ihre Fehler.

Fehler sind ärgerlich, ich weiß. Und wir würden einiges dafür geben, wenn wir sie zurücknehmen könnten. Aber permanentes Grübeln bringt ebensowenig wie die Suche nach einem Schuldigen.

Beschränken Sie sich darauf, aus Fehlern zu lernen und sie damit für die Zukunft zu vermeiden. Und dann schließen Sie die Tür und vergessen den Rest.

Wir sind Menschen und wir machen Fehler. Immer wieder. Solange wir aus ihnen lernen, waren sie nicht umsonst. Und nur darauf kommt es an.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Januar 2007

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