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Entscheidungen sind eine vertrackte Sache und fallen vielen schwer. Soll ich mich nun so entscheiden, oder lieber so, oder so? Ihre Gefühle und Körpersignale, die somatischen Marker, können helfen, die Antwort klarer zu sehen. So fällt es Ihnen leichter, sich zu entscheiden.

Sagen Sie, wie treffen Sie Entscheidungen? So spontan aus dem Bauch heraus? Pi mal Daumen? Nach ewig langem Grübeln? Überhaupt nicht?

  • Pi mal Daumen bedient das Zufallsprinzip. Sie können sich damit einen Gefallen tun, vielleicht aber auch nicht.
  • Abwägen mit dem Verstand dauert, genau, in der Regel ziemlich lange. Und wenn wir die Entscheidung gefühlsmäßig nicht mittragen können, haben wir ein Problem.
  • „Überhaupt nicht“ ist natürlich auch eine Entscheidung – die Entscheidung, sich nach der Entscheidung anderer zu richten.
  • Spontan aus dem Bauch heraus – mmh, könnte klappen. Das Dumme ist nur, dass unser Bauch sich – und damit auch uns – zunächst mal in Sicherheit bringen will. Das kann mit unseren Interessen übereinstimmen, muss aber nicht.

Was nun?

Den Verstand sollten Sie nicht ausschalten. Der Bauch ist ein etwas unsicherer Führer.

Doch ein bisschen Schützenhilfe könnte den grauen Zellen nicht schaden. Schließlich legt auch der Bauch den Finger oft auf eine Wunde. Wenn wir sie nur besser verstehen würden.

Vielleicht geht ja beides – indem Sie sich bei Ihren Entscheidungen von Ihren Gefühlen und somatischen Markern helfen lassen.

Was sind somatische Marker?

Alles beginnt mit dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis. Hier speichern Sie alle Erfahrungen, die Sie so im Laufe Ihres Lebens machen. Zusammen mit den Emotionen, die Sie dabei verspürt haben.

Das emotionale Erfahrungsgedächtnis bestimmt, wie wir eine neue Situation bewerten und interpetieren. Haben wir mit Situation A früher schlechte Erfahrungen gemacht, wird die ähnliche Situation B heute diese Erfahrungen re-aktivieren und ungute Gefühle auslösen.

Wie wir eine Situation interpretieren, in welcher Stimmung wir sind, drücken wir mit unseren somatischen Markern aus.

Diese somatischen Marker sind Signale unseres Körpers. Wir haben vielleicht ein ungutes Gefühl im Bauch. („Oh je, nicht schon wieder. Das kann nicht gut gehen.“) Es schnürt uns die Luft ab. Oder auch: Wir fühlen uns leicht und frei, wir atmen automatisch tief durch. Wir empfinden Freude und könnten singen.

Das erste war ein negativer somatischer Marker, ausgelöst durch eine negative Situationsbewertung. Das zweite war ein positiver somatischer Marker. Sie sind guter Dinge.

Dabei hat jeder seine eigenen somatischen Marker. Bei manchen sind es vage Empfindungen, bei anderen Gefühle, bei dritten ein Lächeln um den Mund.

Diese somatischen Marker können Sie nutzen, um sich besser und schneller zu entscheiden.

Mit somatischen Markern bessere Entscheidungen treffen

1. Achten Sie auf Warnzeichen oder auch Bekräftigungen

Wir hatten es gerade, bei Situationen, die Sie – auf der Basis Ihres Erfahrungsgedächtnisses, das ist wichtig – als negativ, ungut oder bedrohlich einstufen, wird Ihr Körper Ihnen das durch negative somatische Marker mitteilen. Bei positiven umgekehrt.

Das wäre eine erste Hilfe, Situationen für Entscheidungen zu beurteilen. Wenn Sie bei etwas spontan ein ungutes Gefühl haben, klären Sie die Sache oder Finger weg. Wenn es sich gut anfühlt, lohnt es eher, Gas zu geben.

Achten Sie nur darauf, dass diese Marker und Gefühle immer auf Ihren Erfahrungen beruhen. Sie sind in diesem Sinne einseitig und begrenzt. Neue Verhältnisse brauchen auch immer die Beurteilung durch Ihren Verstand.

2. Hören Sie zu einer bestimmten Fragestellung in sich hinein

Wenn Sie meine Artikel schon länger lesen oder an einem Kurs von mir teilgenommen haben, wissen Sie, dass ich immer wieder dazu auffordere, „in sich hineinzuhören“. So müssen Sie nicht darauf warten, ob Sie irgendwann ein Alarmsignal oder Ähnliches wahrnehmen. Sie unterstützen Ihren Verstand darin, die somatischen Marker und Gefühle bewusster wahrzunehmen.

Das können Sie auch ganz praktisch zu einer konkreten Fragestellung machen.

Nehmen wir an, Sie stehen vor einer Entscheidung. Sollen Sie das Jobangebot annehmen? Sollen Sie umziehen?

Hören Sie dann in sich hinein und fragen Sie sich beispielsweise: Wie fühle ich mich, wenn ich an den neuen Job denke? Wie fühle ich mich, wenn ich mir verschiedene Wohnungen im Geist vorstelle? Kann ich mich in dem neuen Job „sehen“ oder „spüren“? Muckt mein Körper bei dem Gedanken daran auf, beruflich demnächst x zu machen? Stellen sich gereizt meine Härchen auf den Unterarmen auf, wenn ich daran denke, noch länger y tun zu müssen?

Fragen Sie Ihren Körper.

3. Beeinflussen Sie Ihre Entscheidungen

Wenn Sie kein klares Pro- oder Contra-Signal bekommen, können Sie die auf der Kippe stehende Situation auch auseinandernehmen.

Fragen Sie sich zum Beispiel: Was genau ist an dieser Situation jetzt für mich eher mit negativen Markern verbunden? Was mit positiven? Wo sagt mein Erfahrungsgedächtnis „das ist gut für dich“? Und wo sagt es „lass lieber die Finger davon“?

Überlegen Sie anschließend, ob Sie die bedenklichen Teile in Ihrem Sinne positiv lösen können. Wenn ja, könnte das eine ursprünglich eher negative Entscheidung in eine positive verwandeln.

4. Gewissheit über eine Entscheidung bekommen

Und nicht zu vergessen: Sie werden es merken, wenn Sie eine richtige Entscheidung getroffen haben. Irgendein somatischer Marker wird es Ihnen mitteilen. Vielleicht werden Sie erleichtert aufatmen. Vielleicht wird ein stilles Lächeln über Ihr Gesicht huschen.

Achten Sie darauf. :-)

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.07.10

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