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Zehn Tipps, wie Sie bessere Texte schreiben lernen

Gute Texte fallen nicht vom Himmel. Aber lassen Sie sich trösten: Sie können wenigstens lernen, wie man gute Texte schreibt. 😉 Manchmal machen schon Kleinigkeiten den Unterschied. Lesen Sie hier zehn Tipps für bessere Texte.

1. Seien Sie einzigartig

Nein, keine Bange. Damit meine ich nicht, dass Sie nur die Dinge schreiben dürfen, die noch niemand vor ihnen geschrieben hat. Das wäre wohl auch kaum machbar. Aber viele Autoren verzichten leichtfertig auf das, was ihre Texte zu Kostbarkeiten machen würde: Ihre eigene Stimme.

Manche schreiben ab, käuen wieder oder ahmen nach. Andere bemühen sich krampfhaft um eine „neutrale“, emotionslose Schreibe. Beide nehmen dem Leser den Grund, ihre Texte zu lesen: Nämlich eine weitere Perspektive oder Herangehensweise zu bekommen, zusätzliche Erfahrungen oder Informationen, persönliche Meinungen, den ganz eigenen Stil des Autors, und und.

Trauen Sie sich und schreiben Sie das, was Sie schreiben wollen.

2. Haben Sie etwas zu sagen

Bei vielen Texten hat man das Gefühl, dass ihr Autor nicht wirklich etwas zu sagen hatte. Das gilt nicht nur für Pressemeldungen, die in der Hinsicht berüchtigt sind. Man muss keine Story über den neuen Firmenwagen in einem größeren Magazin unterbringen wollen, um sich in der Reihe der „Zeilenschinder“ wiederzufinden. 😉

Die üblichen Übertreibungen, Sprachhülsen und anderes „Wortgeklingel“ tun es auch, um auch den letzten Leser an Phrasen wie „der Kunde ist bei uns König“ verzweifeln zu lassen.

Sagen Sie doch einfach, was Sie wirklich zu bieten haben, machen Sie das an Beispielen deutlich – und heben Sie sich Geschichten über den neuen Firmenwagen allenfalls für das Stadtmagazin als Lokalkolorit auf. Es sei denn, der Firmenwagen hätte etwas Besonderes, versteht sich. Denn dann haben Sie ja wieder etwas zu sagen. 😉

3. Schreiben Sie lesbar

Fühlen Sie sich gerade ob Ihrer S**klaue angesprochen? *schmunzel*

Nun, auch das ist eine Klippe, die über Gedeih und Verderb eines Textes entscheiden kann. Ich dachte allerdings eher an die Buchstabenwüsten endloser Fließtexte oder Mammutsätze, die – Nebensatz an Nebensatz reihend – über ganze Seiten gehen.

Wie heißt es so schön: Das Auge isst mit. Und ein Text, der den Leser schon rein optisch abschreckt, ist auch ein Text, der gute Chancen hat, nicht gelesen zu werden.

Gliedern Sie Ihre Texte sinnvoll und arbeiten Sie mit allem, was das Layout zu bieten hat: Absätze, Zwischenüberschriften, Aufzählungen, Listen, und und.

4. Bleiben Sie verständlich

Ich weiß, das ist nicht leicht. Wir Menschen sind verschieden und haben jeweils einen anderen Hintergrund. Der eine spricht als Sozialarbeiter ganz selbstverständlich vom Regelvollzug, der andere als Werber von der Headline, einem Dritten könnten beides böhmische Dörfer sein.

Fachsprache ist immer ein Risiko, das Textverständnis ist oft an den Bildungshintergrund der Leser gekoppelt, und selbst Metaphern wie meine „böhmischen Dörfer“ müssen kein leicht verständliches Allgemeingut sein.

Wenn Sie nicht für alles und jedes die Erklärung gleich mitliefern oder aber auf eine farbige Sprache verzichten wollen, bleibt Ihnen nur, sich so gut es geht auf Ihren potenziellen Leser einzustimmen und ihn sprachlich „abzuholen“. Das heißt, so zu schreiben, wie er es vermutlich verstehen dürfte.

5. Meiden Sie bürokratische Höhenflüge

Bei offiziellen Schreiben droht man es schon mal: In die schwindelnden Höhen geschraubter Behördensprache abzudriften. Da darf es dann nicht mehr unsere normale Alltagssprache sein, sondern es wimmelt von Phrasen wie „Bezug nehmend auf“, „in Erwartung Ihrer Rechnung verbleibe ich“ und anderen Anklängen an Amtsdeutsch und Bürokratentum.

So etwas liest man noch nicht mal gern auf den erwähnten Amtsschreiben. Aber da erwartet man zumindest nichts anderes und ist vorgewarnt. Überraschen Sie Ihre Leser doch damit, vertraut und alltagsnah zu klingen. Wir können zwar nicht wirklich so schreiben, wie wir reden. Aber wir können zumindest alles meiden, was wir nicht sagen würden. Tun Sie’s. 😉

6. Werden Sie konkret

Wer meine Artikel schon länger liest, kennt das jetzt: Meinen Appell, so konkret wie möglich zu werden. Und zwar nicht nur, weil vage Angaben oder ungenannte „man“’s etwa im Handwerk jedes Journalisten nichts zu suchen haben (sollten).

Abstrakte Sammelbegriffe (etwa: Pflanzen statt Rose) lassen zudem kein Bild im Kopf des Lesers entstehen. Er muss raten, worum es genau geht. Und detailarme Verallgemeinerungen (etwa: „die Preise sind im letzten Monat wieder gestiegen“) lassen den Leser oft eher kalt. Erst wenn Sie schreiben, dass, sagen wir, die Butter um 40 Cent das Päckchen teurer geworden ist, wird er hellhörig werden.

7. Schreiben Sie anschaulich

Meine Teilnehmer trieze ich gern damit, dass sie so anschaulich wie möglich schreiben und die Sinne ihrer Leser ansprechen sollen. Der Leser will nicht nur „lesen“. Er will auch sehen, schmecken, riechen, hören, denken. Kurz, er will Anteil nehmen am Text, diesen selbst erleben, beurteilen oder werten.

Erklären Sie ihn nicht zum Unmündigen, indem Sie ihm sagen, wie er etwas verstehen und interpretieren soll. Die Kunst liegt darin, so zu schreiben, dass er von selbst die nötigen Bilder in seinem Kopf erzeugt und die entsprechenden Schlussfolgerungen zieht. Je besser Sie mit Ihren Worten seine Sinne ansprechen, desto leichter wird ihm das fallen.

8. Achten Sie auf Dynamik

„In der Kürze liegt die Würze.“ Manchmal ist dieses Sprichwort mehr als wahr – und zwar nicht nur bei ellenlangen Sätzen, die es dem Leser erschweren, Ihre Texte zu lesen.

Alles, was Ihren Text unnötig aufbläht, können und sollten Sie streichen: Überflüssige Wiederholungen, Füllwörter (Beispiel: irgendwie, eben, grundsätzlich), beschreibende Adjektive, die Ihrem Leser sagen, was er sehen und denken soll (Beispiel: „mit gefährlichem Knurren“), und anderes mehr.

Werfen Sie alles raus, was Ihr Erzähltempo verlangsamt oder dem Leser die Chance nimmt, am Geschehen teilzuhaben. Achten Sie auf Dynamik. Wenn Sie wählen können, verwenden Sie auch lieber Verben, die etwas aktiv ausdrücken, statt Substantive, die schnell abstrakt und sperrig wirken. (Beispiel: „Texte schreiben, die Leser anziehen“ statt „Texte mit Sogwirkung schreiben“.)

9. Trennen Sie sich von Floskeln

Wir hatten sie schon bei der Behördensprache: Floskeln wie „Bezug nehmend auf“ oder „in Erwartung Ihrer Rechung“. Formulierungen, über die man kaum noch nachdenkt, die aber auch genausowenig sagen.

Wann immer Sie auf „Unkosten“ statt „Kosten“ stoßen, etwas „übermitteln“ wollen, was man auch „mitteilen“ kann, „mit schlafwandlerischer Sicherheit agieren“ statt beherzt zuzupacken – raus damit. Behördensprache, Relikte und abgenutzte Sprachbilder drohen zu verwirren oder zu langweilen.

10. Vergessen Sie die Überarbeitung nicht

Und bei allem Verständnis dafür, zum Schluss kommen zu wollen: Vergessen Sie die Überarbeitung nicht. 😉

Und damit meine ich nicht nur Rechtschreibung, Zeichensetzung oder Flüchtigkeitsfehler. Eine Überarbeitung greift tief in den Text ein, überprüft ihn auf seine Logik und Struktur, verbessert Klang und Sprache, geht Zitaten und Belegen nach, und und.

Eine Überarbeitung macht einen Text erst rund. Bis zum nächsten Mal – und dem nächsten Text. :-)

PS: Ein Text ist nur so gut wie sein Aufbau und sein Gerüst – lernen Sie deshalb in meinem Selbstlernkurs, wie Sie „Bücher und Texte konzipieren und planen“.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.08.2009

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