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Kreativitätstechnik: Bisoziation


von Heike Thormann

Bei der Kreativitätstechnik Bisoziation bringen Sie zwei Kontexte
zusammen, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben.
Damit können Sie eingefahrene Gleise verlassen und geistige
Routinen durchbrechen.


Der Begriff Bisoziation wurde in den 1970er Jahren vom Philosophen und Schriftsteller Arthur Koestler analog zur Assoziation geschaffen und meint sozusagen „zweimal assoziieren“.


Der Unterschied Assoziation - Bisoziation

Bei einer Assoziation steht die Ausgangsfrage im Mittelpunkt. Von hier aus lassen Sie Ihre Gedanken schweifen und überlegen, was Ihnen dazu alles einfällt. Dadurch bleiben Sie aber in einem zusammengehörigen Kontext. Beispiel: Sie müssen beim Thema Urlaub unwillkürlich an Ihre letzte Afrika-Tour denken.

Bei einer Bisoziation hingegen assoziieren Sie zweimal: Das erste Mal sammeln Sie Gedanken und Ideen zu einem Thema, das möglichst wenig mit Ihrer Ausgangsfrage zu tun hat. Im zweiten Durchgang versuchen Sie dann, die Ausgangsfrage mit den so gewonnenen Assoziationen zu verknüpfen und durch diese neuen Ansätze zu lösen. Ein „Doppel-Denken“, mit dem Sie zwei Kontexte zusammenbringen, die ansonsten nichts gemein haben.

Beispiel: Ihre Ausgangsfrage lautet „wo kann ich meinen nächsten Urlaub verbringen“. Anschließend könnten Sie spontan Assoziationen zu Ihrem Computerbildschirm wie etwa Microsoft oder weiß (die Farbe) oder flach wie eine Flunder (Flachbildschirm) sammeln. Und übertragen auf Ihre Ausgangsfrage könnten Sie Ihren nächsten Urlaub in der Heimat von Bill Gates, in der Antarktis (weiß) oder im Indischen Ozean verbringen (und tauchen).


Sinn und Zweck einer Bisoziation

Sinn der Sache ist es, durch die ungewöhnlichen Kombinationen eingefahrene Gleise zu verlassen und geistige Routinen zu durchbrechen. Eine Voraussetzung für Kreativität und eine ideale Basis, um durch die neue Perspektive auch abseitigere Ideen zu finden, sich ganz andere Lösungsmöglichkeiten zu erschließen.

Zudem können Ihnen die Assoziationen auch dabei helfen, vergessene Erfahrungen und unbewusste Wünsche hervorzuholen, übergeordnete Zusammenhänge besser zu verstehen. Denn alle Ihre Assoziationen sind ein Spiegel Ihrer Gedanken und Kenntnisse. Was Sie um zwei Ecken an den Indischen Ozean denken lässt, ist genauso Ausdruck Ihrer selbst, wie die Verbindungen, die Sie – vielleicht zum ersten Mal bewusst - zwischen zwei Dingen ziehen.

Nicht von ungefähr nutzt man bei der Bisoziation deshalb auch Bilder oder bildhafte Vergleiche, um die Suche nach Assoziationen zu unterstützen. Beide sprechen unsere Vorstellungskraft, die visuelle Arbeitsweise unseres Gehirns an. Beide holen unsere Erinnerungen und unser – bildhaft gespeichertes – Wissen wieder hervor.

Oder anders formuliert: Wer einen flachen Bildschirm vor seinem inneren Auge rotieren sieht, tut sich leichter damit, an eine ebenfalls flache Flunder zu denken. Und von dort ist es dann auch nicht mehr weit zum nächstbesten Gewässer. ;-)
 

Wie funktioniert die Bisoziation?
  1. Fangen Sie damit an, Ihr Problem oder Ihre Frage so klar und eindeutig wie möglich zu formulieren. Halten Sie diese Ausgangsfrage anschließend zum Beispiel auf einer Flipchart oder einem Bogen Packpapier gut sichtbar fest.

  2. Suchen Sie sich nach dem Zufallsprinzip aus einem Stapel von Bildern, Katalogen, Postkarten, Zeitungsausschnitten oder Ähnlichem eine Abbildung heraus. Wenn Sie eine Gruppe sind, können Sie damit entweder einen Einzelnen betrauen oder auch mehrere Fotos ziehen und sich dann auf eines einigen.

  3. Achten Sie darauf, dass die Bilder keinen direkten Bezug zur Ausgangsfrage haben. Je weiter weg diese von Ihrem Problem sind, desto untypischer und interessanter können Ihre Kombinationen ausfallen; umso mehr wird auch Ihre Fähigkeit angeregt, um die Ecke zu denken. Das ist der eigentliche Reiz dieser Methode.

  4. Sehen Sie sich das Foto Ihrer Wahl genau an und lassen Sie sich inspirieren. Was fällt Ihnen dazu ein? Welche Assoziationen, Gedanken und Erinnerungsbilder gehen Ihnen durch den Kopf? Schreiben Sie Ihre Ideen auf einem Zettel oder einzelnen Karten auf. In der Gruppe kann der Moderator oder ein Assistent diese Aufgabe übernehmen, die Karten mit Ihren Ergebnissen zum Beispiel an einer Pinnwand sammeln.

  5. Jetzt folgt die eigentliche Übertragung auf die Ausgangsfrage. Nehmen Sie Ihre gesammelten Assoziationen und versuchen Sie, diese mit Ihrem Problem in Verbindung zu bringen.

    Also etwa: Was könnte Bill Gates mit meinem nächsten Urlaubsort zu tun haben? Mögliche Antworten: Ich könnte einen Trip durch die USA machen, mir Redmond ansehen, ein komplett elektronisch gesteuertes Musterhaus besichtigen, zwei Wochen in einem Astronauten-Camp verbringen (von der Technik IT zur Technik Raumfahrt) und dergleichen mehr.

    Notieren Sie wieder alle Ideen und schrecken Sie auch vor den scheinbar absurden nicht zurück. Im Gegenteil. Je unkonventioneller, desto mehr Potenzial kann hier drinstecken.

  6. Bewerten Sie zum Schluss Ihre Fundstücke und überlegen Sie, ob und wie gut Sie diese auch realisieren können. Redmond interessiert Sie nicht so, aber das Astronautencamp hört sich gut an? Dann ist das die Lösung Ihrer Wahl.

    Und mal ehrlich: Wären Sie ohne Bisoziation und den Umweg über den Computerbildschirm auf einen derartigen Urlaubsort verfallen?

    Viel Spaß in Ihrem nächsten Urlaub. :-)

Artikeltipp

Für diese Methode gibt es auch ein Formular zum Downloaden.


© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung


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