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Kreativitätstechnik: Brainstorming


von Heike Thormann

Kreativitätstechniken führen hierzulande durchaus noch ein Schattendasein. Die meisten von ihnen sind schlicht unbekannt. Brainstorming ist da eine Ausnahme. Wenn jemand nach einer Technik gefragt wird, um Ideen zu finden, fällt ihm vermutlich als erstes – und oft einziges – Brainstorming ein.

Brainstorming ist also bekannt. Durchgeführt wird es dennoch oft fehlerhaft. Viele verbinden mit dem Wort Brainstorming ein wildes In-den-Raum-werfen von Ideen und aus. Das ist allerdings nur teilweise richtig.


Wie funktioniert Brainstorming?

Erfunden hat diese Technik der amerikanische Werbefachmann Alex Osborn, um destruktiven, wenig ergiebigen Ideen-Workshops vorzubeugen.

Dabei wird eine Frage, ein Problem visualisiert – zum Beispiel auf eine Pinnwand geschrieben. Die etwa 5 bis 7 Teilnehmer bringen ihre Ideen ein, die ein Protokollant oder Moderator dann (möglichst für alle sichtbar) schriftlich festhält.

Wichtig ist, auch die erfahrungsgemäß auftretenden Ideenlöcher durchzuhalten und das Brainstorming nicht zu früh abzubrechen. Die Dauer des reinen Brainstormings beträgt so etwa 20 bis 40 Minuten. Wenn man allerdings noch Problemdefinition und Ideenbewertung mit einbezieht, können daraus auch leicht zwei bis drei Stunden werden.

Ganz wichtig beim Brainstorming sind die vier Gebote, die da lauten:
  • Quantität vor Qualität.

    --> Es geht erst einmal nur ums Ideensammeln. Bewertet wird später. Deshalb ist jede Idee auch eine gute Idee.

  • Keine Kritik. Keine Bewertung. Die positiven Aspekte zuerst.

    --> Damit soll verhindert werden, dass Ideen schon im Vorfeld abgewürgt werden bzw. man sich nur zu bereitwillig bei den negativen Aspekten einer Sache aufhält.

  • Klauen ist ausdrücklich erlaubt; Aufgreifen und Weiterentwickeln der Ideen anderer das Ziel.

    --> Damit sollen neue Kombinationen ermöglicht und auf den größeren Wissensschatz einer Gruppe zurückgegriffen werden.

  • Assoziationen und Phantasie sind unbedingt erwünscht. Und wenn sie noch so verrückt klingen.

    --> Das soll den Teilnehmern signalisieren, dass wirklich jede Idee willkommen ist. 

Eigentlich von selbst verstehen sollte sich auch, dass man sich an die „Grundprinzipien guter Kommunikation“ hält. Also: Aktiv den anderen Teilnehmern zuhört, jeden ausreden lässt und seine eigenen Beiträge möglichst kurz fasst. - Da sich das allerdings oft doch nicht von selbst versteht, kann man Brainstorming auch gleich als Kommunikationstraining mit ansehen.


Die Vorteile des Brainstorming sind:
  • Die Technik ist relativ leicht zu erlernen und ohne besonderen Aufwand umzusetzen.

  • Die Gruppe ermöglicht es, auf erheblich mehr Hintergrundwissen zuzugreifen und durch Assoziationen und Weiterentwicklung der Ideen anderer mehr Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Denkblockaden können so minimiert werden.

  • Richtig durchgeführt und zügig durchmoderiert hört dann auch das wilde Ideen-in-den-Raum-werfen auf, das so vielen Besprechungen und Meetings den Todesstoß versetzt.

Nachteile hat die Technik allerdings auch aufzuweisen (was nicht ...):
  • Der Gruppendruck kann dazu führen, sowohl mit möglichst ausgefallenen Ideen, als auch mit ungefährlichen hatten-wir-schon-mal-Lösungen zu kommen.

  • Spannungen in der Gruppe wirken sich nachteilig auf die Ideenfindung aus.

  • Anwesende Vorgesetzte mitunter dito.

  • Schüchterne, weniger zu verbalen Äußerungen neigende Teilnehmer werden sich bei dieser Technik nicht unbedingt wohlfühlen.

  • Sich gerne selbst reden Hörende können erheblich zu Abschweifungen beitragen.

  • Bevorzugt in die Tiefe gehende Fachexperten dito.

  • Die abschließende Ideenselektion kann sich als ziemlich aufwendig erweisen.

Dennoch ist ein Brainstorming immer gut, um
  • für weniger komplexe Themen erste Ideen zu finden bzw.

  • aus in der Gruppe vorliegenden unfertigen Ideen brauchbare Lösungen zu entwickeln.

Wichtig ist allerdings, dass man sich wirklich
  • an die vier Gebote hält

  • für möglichst heterogene Gruppen sorgt

  • den Hierarchiefaktor möglichst ausschaltet

  • ach ja, und ein lockeres, humorvolles Klima kann natürlich auch nicht schaden.

Eine Variante, um wenigstens einige der Probleme des Brainstormings auszuschalten und die gegenseitige Beeinflussung der Teilnehmer teilweise zu unterbinden, wäre es, das Brainstorming mit einer Kartenabfrage zu verbinden. Dabei schreiben die Teilnehmer ihre Ideen zu einem vorher definierten Problem auf Moderationskarten, die dann anonym oder öffentlich an einer Pinnwand gesammelt werden.

Eine weitere Variante ist das Solo-Brainstorming, das auch in Einzelarbeit durchgeführt werden kann. Der Vorteil dieser Methode ist allerdings auch gleichzeitig ihr Nachteil: Die Gruppensituation fällt weg. Also kein Gruppendruck mehr, keine Hierarchiespielchen, kein (vermeintlicher) Anpassungszwang und keine hemmende Beeinflussung der Ideen. Aber auch keine Anregungen und ungewöhnlichen Blickwinkel aus der Gruppe, kein zusätzliches Hintergrundwissen.

© 2005 Heike Thormann, Erstveröffentlichung



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