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So finden Sie einen Titel für Ihr Buch

Wenn Sie Ihr Buch bei einem Verlag unterbringen wollen, brauchen Sie einen guten, überzeugenden Arbeitstitel, der Ihr Buch für Lektor und Verlag schmackhaft macht. Und wenn Sie Ihr Buch mit einem Selbstverlag selbst veröffentlichen wollen, brauchen Sie erst recht einen attraktiven, zugkräfigen Buchtitel, der den Verkaufserfolg Ihres Werkes steigern hilft. Aber wie finden Sie einen solchen Titel? Hier habe ich ein paar Tipps für Sie.

Eines vorab: Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. Jeder hat seinen ganz persönlichen, und fertig. 😉 Ein Buchtitel, der Ihnen gefällt, wird einem anderen vielleicht gar nichts geben. Erwarten Sie bei diesem Artikel also bitte keine Schablone à la „mit diesem Titel liegen Sie richtig“. Ich kann Ihnen allerdings einige Kriterien nennen, die Ihnen die Suche nach einem Titel für Ihr Buch etwas erleichtern.

Der Titel ist wichtig für Ihr Buch

Zumindest der Autor von „It’s my life“ hat am eigenen Leib erfahren, wie wichtig der Titel für den Verkaufserfolg eines Buches sein kann. Sein eigener erster Titel floppte, bei der Neuauflage seines Buches setzte der Verlag einen anderen Titel durch – und voilà, das Buch wurde zu einem Kassenschlager.

Doch diese Vergleichsmöglichkeit haben nicht viele Autoren. Und oft genug wird die Sache sicher auch andersherum funktionieren: Dank besseren Marketings, Zeitgeist, richtigem Timing und Ähnlichem läuft das Buch – und damit wird auch der Titel „aufgewertet“, brennt sich in den Köpfen der Menschen ein.

Auf jeden Fall ist das Schicksal von Buchtitel und Buch, ja sogar von Cover, Layout und Gestaltung eng miteinander verknüpft. Alles muss zusammen passen und eine bestimmte „Botschaft“ verkörpern. Und mit dieser Botschaft muss ein Buch dann potenzielle Käufer und Leser anziehen und sich verkaufen. Sie sollten also etwas Zeit in die Suche nach einem guten Buchtitel investieren.

Was suchen Sie genau: Arbeitstitel oder Buchtitel?

Wenn Sie Ihr Buch bei einem (fremden) Verlag unterbringen wollen, wird sich dieser in der Regel die Entscheidung über den letztendlichen Buchtitel vorbehalten. Der Verlag wird prüfen, welcher Titel zu seinem Programm passt und sich voraussichtlich gut verkaufen lässt, und danach wird er auswählen. (Sie sollten aber zumindest auf einem Vetorecht bestehen, falls Sie mit der Wahl des Verlages überhaupt nicht einverstanden sind.)

In dem Fall suchen Sie nicht nach einem Buchtitel, sondern nach einem oder mehreren Arbeitstiteln für Ihr Buch. Geben Sie sich ruhig die gleiche Mühe, als ob das der „richtige Buchtitel“ wäre.

Erstens kann der Verlag durchaus einen Ihrer Titelvorschläge so gut finden, dass er ihn übernehmen will. Oder er kann sich zumindest als Vorlage davon „inspirieren“ lassen. Und zweitens müssen Sie Ihr Buch ja zunächst einmal dem Verlag „verkaufen“ oder schmackhaft machen, um von diesem angenommen zu werden. So wie also der spätere Buchtitel Käufer für das Buch finden soll, muss Ihr Arbeitstitel den Verlag von Ihrem Buch überzeugen.

Wenn Sie andererseits Ihr Buch über einen Selbstverlag selbst verkaufen wollen, müssen Sie natürlich sowieso einen Titel für Ihr Buch finden, logisch. 😉

Was sind die Aufgaben eines Buchtitels?

Ich habe gerade schon einige Aufgaben oder Funktionen eines Buchtitels genannt:

  • Er sollte das Buch verkörpern. Buch, Buchtitel, Cover und Design bilden eine Einheit.
  • Er sollte kurz und knapp auf den Punkt bringen, worum es in dem Buch genau geht.
  • Er sollte dem Leser klar machen, welchen „Nutzen“ er vom Buch erwarten darf.
  • Er sollte unverwechselbar und einmalig sein und ggf. über Stichworte in Datenbanken, Online-Shops und Co. gefunden werden können. (Das gilt vor allem für Sach- und Fachbücher.)

Und er sollte, genau, entscheidend zum Verkaufserfolg eines Buches beitragen.

Dazu muss er

  • die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden erregen und diese dazu bringen, sich näher mit dem Buch zu beschäftigen
  • aussagekräftig und konkret die Inhalte und den Nutzen eines Buches kommunizieren
  •  attraktiv klingen, neugierig machen und doch gleichzeitig glaubwürdig sein.

Der Spagat zwischen Zugkraft und Glaubwürdigkeit

Autoren – oder Verlage 😉 – machen ganz gern zwei Fehler:

  • Entweder sie gestalten den Titel nicht zugkräftig genug, bleiben langweilig, blass und fad, überfrachten den Titel mit Schlagworten oder halten ihn für eine erweiterte Inhaltsangabe.
  • Oder sie gestalten den Titel nicht glaubwürdig genug, neigen zu Übertreibungen, hohlen Phrasen, bedienen sich zusammenhanglos bei Schlagworten, die gerade „in“ sind und wecken falsche Erwartungen.

Ich rezensiere jetzt seit sechs Jahren Bücher und habe x Bücher unter die Lupe genommen. Besonders ungut habe ich immer auf ein Buch reagiert, das nicht gehalten hat, was es mit dem Titel versprach. Denn hier kam ich mir als Käufer „geneppt“ und um mein Geld gebracht vor.

Wenn ein Buch zum Beispiel primär den Perfektionismus behandelt, aber auf dem Buchtitel mit „(Wissen gegen) Perfektionismus und Burnout“ wirbt, ist das so ein Fall. Zumal, wenn der Burnout in dem Buch nur ein kurzes Gastspiel als mögliche Folge von Perfektionismus gibt.

Für mich hat sich der Verlag dann einfach an den Zeitgeist angehängt, um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Da die meisten Verlage eher unsichtbar bleiben und viele Leser nicht wissen, dass die Verlage in der Regel den Titel festsetzen, fällt so etwas dann womöglich auch noch auf den Autor zurück. (Im übrigen ist mir aufgefallen, dass das offenbar relativ typisch für den deutschen Buchmarkt ist. Ausländische Originaltitel sind in der Regel erheblich aussagekräftiger, „echter“ und dichter am Inhalt.)

Etliche diesbezügliche Experten warnen immer wieder davor, den Titel in diesem Sinne zu missbrauchen, um die Leserschar nicht zu verprellen. Offenbar nicht immer mit Erfolg. 😉

Also noch einmal: Ja, Ihr Buchtitel sollte attraktiv klingen und zugkräftig sein. Doch er sollte auch glaubwürdig sein, die Sprache der anvisierten Zielgruppe / Leserschar sprechen, zum Inhalt des Buches passen und halten, was er verspricht.

Eine Einschränkung gibt es: Wenn Sie mit Titel und Untertitel arbeiten (vor allem bei Sachbüchern, Fachbüchern und Ratgebern), können Sie den Titel etwas freier gestalten, müssen dann aber dringend im Untertitel sagen, worum es geht. (Wobei ich auch hier aufpassen würde, den (Ober-) Titel nicht zu sehr vom eigentlichen Inhalt zu lösen.)

Kriterien für die Gestaltung eines Buchtitels

Die Form: Die Form Ihres Titels ist relativ egal. Er kann aus einem Wort bestehen oder auch so sperrig sein wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.“ Zudem kann er, wie gesagt, auch einen Untertitel haben. Dazu gleich mehr.

Die Sprache: Tja, bei der Sprache müssen Sie den Spagat zwischen Glaubwürdigkeit und Attraktivität hinbekommen. Sie können zum Beispiel mit Sprachbildern, Wortspielen, Zitaten, Redewendungen, Alliterationen und mehr spielen. Wortschatz und Sprachgebrauch polieren Sie übrigens mit meinem Kurs „Mit Sprache spielen und Herzen berühren. Fesseln Sie Ihre Leser mit der Welt der Worte.“ Zudem macht es Sinn, sich auf die Sprache Ihrer Zielgruppe einzuschießen (wenn Sie diese kennen / klar umreißen können) oder sie wieder an den Inhalt Ihres Buches anzupassen. (Von seriös bis provokant.)

Das Genre: Manche Autoren unterscheiden auch nach dem Genre des Buches.

  • Beim Fachbuch ist der Titel mit dem Zeitgeist ebenfalls immer „aufmerksamkeits-heischender“ und „emotionaler“ geworden. Der Untertitel sagt dann konkret, worum es eigentlich geht und bringt Stichworte, nach denen Fachleser suchen. Schon ein älteres Beispiel: „Miteinander reden. Psychologie der Kommunikation.“
  • Beim Ratgeber gilt es, die Bedürfnisse der potenziellen Leser anzusprechen und ihnen schon mit dem Titel den konkreten Nutzen des Buches vor Augen zu führen. Also etwa: „Feng Shui für die Seele“ oder „Sieben Wege zur Effektivität“. Ist das Buch eher ein „nice-to-have“ (nette Ergänzung), kein „must“ (unbedingt notwendig), können Sie auch wieder mit der Sprache spielen, sogar ironisch werden wie in „Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen“.
  • Beim Sachbuch ist es noch wichtiger als bei den anderen beiden Gruppen, den richtigen Reiz zu setzen und die Aufmerksamkeit des potenziellen Kunden zu gewinnen. Schließlich geht es hier nicht um Bücher, die man vermutlich schon um des Inhalts willen brauchen wird. Das sind Bücher, die ganz gern gelesen werden, auf die man aber auch verzichten kann, und die deshalb darum „buhlen“ müssen, gekauft zu werden. Das Angebot reicht hier von durchaus noch nüchtern-seriösen „Schlössern in xyz“ bis zu bildzeitungs-ähnlichen Übertreibungen wie „Europa in der Krise“.

Diese und ähnliche Tipps zur Gestaltung von genre-gerechten Buchtiteln lesen Sie bei Oliver Gorus, Erfolgreich als Sachbuchautor: Von der Buchidee bis zur Vermarktung.

Noch kurz zur Belletristik: Hier haben Sie in der Regel nur einen (Ober-) Titel, keinen Untertitel. Das macht die Sache aber auch nicht einfacher, da Sie diesen dann nicht nutzen können, um etwas besser zu erklären und auf den Punkt zu bringen. Dafür sind Sie in der Gestaltung erheblich freier – mit allen Vor- und Nachteilen. Doch auch hier sollten Sie darauf achten, zum einen das Wesen Ihres Buches zum Ausdruck zu bringen / zu sagen, worum es in Ihrem Buch geht, und gleichzeitig attraktiv genug zu sein, um neugierig zu machen.

Einige Besonderheiten: Untertitel und Fortsetzungen

Lassen Sie mich noch zu zwei Besonderheiten kommen.

Der Untertitel: Den Untertitel haben Sie gerade schon kennengelernt. Er kommt vor allem bei Sach- und Fachbüchern und Ratgebern vor. Mit dem Untertitel haben Sie die Möglichkeit, weitere Informationen oder Stichworte unterzubringen, zu vertiefen, die Zielgruppe einzugrenzen, den Nutzen (stärker) zu kommunizieren und mehr. Damit entlasten Sie den (Ober-) Titel oder Haupttitel und können diesen schlagkräftiger und griffiger gestalten. Mal ein paar Beispiele aus meinem Bücherregal:

  • Die Mäuse-Strategie für Manager. Veränderungen erfolgreich begegnen.
  • Wenn das Reptil ins Lenkrad greift. Warum Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nicht den Regeln der Vernunft gehorchen.

Oder auf Englisch:

  • Focus. Your Key to more Productivity at Work.

Oder zwei Bücher aus meinem früheren Studium zur Historikerin:

  • Überall ist Mittelalter. Von der Gegenwart einer vergangenen Zeit.
  • Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert.

(Bei letzterem muss man allerdings schon den Inhalt kennen, um zu wissen, dass die Autorin mit dem „fernen Spiegel“ gemeint hat, dass sich unsere heutige Welt gut im 14. Jahrhundert wiedererkennen kann, dieses wie ein „ferner Spiegel“ wirkt. Dennoch finde ich diesen Titel sehr gelungen.)

Fortsetzungen / Reihen: Hier können Sie mit Titel oder Untertitel bewusst an frühere (erfolgreiche) Bücher anknüpfen. (Beispiel: „xxx. (Ober-Titel) Fortsetzung von … (Untertitel)“) Oder Sie können mit ähnlich aufgebauten Titeln einen Reihen-Charakter erzeugen, den Wiedererkennungs-Wert erhöhen und wieder vom Erfolg früherer Bände profitieren. (Beispiel: Die biblischen Zitate der Buchtitel von Elizabeth George.)

Noch ein paar Tipps zur Vorgehensweise

So, wenn Sie jetzt nach Ihrem Buchtitel fahnden, könnten Sie zum Beispiel Folgendes tun:

1. Ein Gefühl für die Sache bekommen

Stöbern Sie zum Beispiel in Buchhandlungen oder im Internet. Fragen Sie sich bei Büchern, deren Titel Ihnen gut gefallen ODER überhaupt nicht gefallen, was genau Ihnen am Titel gefällt oder nicht gefällt. Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung: Welche Titel ziehen Ihre Aufmerksamkeit an und warum?

Zweiter Schritt: Gehen Sie dann auch in die Tiefe und fragen Sie sich, ob diese Bücher aus einem Guss zu sein und ihre „Versprechen“ halten zu können scheinen. Studieren Sie dazu ggf. Klappentexte, Inhaltsverzeichnis und Co.

2. Die Sprache an die Zielgruppe anpassen

Schreiben Sie für eine konkrete / eingrenzbare Zielgruppe wie etwa ein bestimmtes Fachpublikum, akademisches Bildungsbürgertum, die gestresste oder verwöhnte (je nachdem) Nur-Hausfrau oder den „einfachen Arbeiter“? In welcher Sprache ist diese Zielgruppe dann zuhause? Mit welchen Begriffen oder welcher Wortwahl können Sie Nähe herstellen?

3. Nutzen und Inhalt kommunizieren

Schreiben Sie in Stichpunkten auf, worum es in Ihrem Buch geht (der Inhalt) bzw. welchen Vorteil der Leser davon hat / wobei Sie dem Leser helfen wollen (der Nutzen). Spielen Sie dann mit diesen Stichpunkten, schieben Sie sie hin und her, kombinieren Sie sie immer wieder neu, suchen Sie nach Sprachbildern, die zu diesen Stichpunkten passen.

4. Ausprobieren und testen

Testen Sie Ihre Favoriten an Ihrem sozialen Umfeld, Freunden, Bekannten, Kollegen aus. Wenn Sie Stammkunde bei einem Buchhändler, Verleger oder Ähnliches sind und der Sie kennen sollte, können Sie ggf. auch diesen um eine Meinung bitten. Aber denken Sie bitte daran: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Sie werden vermutlich so unterschiedliche Antworten bekommen, wie Ihr Testpublikum beschaffen ist. Die letztendliche Entscheidung für Arbeitstitel oder Buchtitel müssen Sie selbst treffen.

Zu guter Letzt: Bitte den Titelschutz beachten

Achtung: Spätestens, sobald Sie Ihr Buch in den offiziellen Handel bringen, greift der gesetzliche Markenschutz. Klauen Sie deshalb keine Titel oder Untertitel und lehnen Sie sich auch besser nicht zu eng an schon vorhandene an. (Obwohl manche Verlage gerade das Spiel mit der Ähnlichkeit sehr weit treiben, um von erfolgreichen Vorläufern zu profitieren.) Damit verstoßen Sie gegen geltendes Recht und das kann teuer werden.

Wenn Sie nur Arbeitstitel formulieren, muss Ihr Verlag die Titelprüfung übernehmen und ggf. dafür geradestehen. Wenn Sie selbst verlegen, ist das Ihre Aufgabe. Recherchieren Sie dazu zum Beispiel im Verzeichnis lieferbarer Bücher oder bei der Deutschen Nationalbibliothek. Manche Buchagenturen übernehmen auch gegen Entgelt die Recherche und fahnden auch nach Büchern, die noch nicht veröffentlicht wurden, für die aber schon Titelschutz in Anspruch genommen wurde.

Diesen Titelschutz können Sie übrigens auch für Ihre eigenen, noch nicht vergebenen Buchtitel in Anspruch nehmen. Schalten Sie dazu zum Beispiel eine Titelschutzanzeige im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel oder im titelschutzanzeiger. de. Sobald Ihr Buch veröffentlicht ist und der Titel noch frei ist, ist er automatisch durch die Ingebrauchsnahme geschützt.

Ich wünsche Ihnen eine gute Jagd nach Titeln für Ihr Buch. 😉

Kurstipp:

Literaturtipps:

Daneben auch vereinzelt unter anderem:

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 19.10.13

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