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Kreative Schreibtechnik: Clustering


von Heike Thormann

Mit Clustering können Sie die Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte unterstützen, Ideen und neue (Schreib-) Ansätze finden.

Clustering


Clustering (oder auch Clustern) ist eine von der amerikanischen Schreibforscherin Gabriele L. Rico in den 70er Jahren entwickelte Schreibtechnik, um über eine bildliche Vorgehensweise die Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte zu unterstützen, Kreativität zu fördern und das Ideen finden zu erleichtern.
 
Beim Clustering arbeiten Sie mit Assoziationen so, wie sie sich gerade einstellen: Stichpunktartig gesammelt, in Ketten verdichtet oder zu einem Oberbegriff gruppiert. Das Clustern ahmt damit die Arbeitsweise des Gehirns nach und wird deshalb von Rico auch die “Kurzschrift des bildlichen Denkens” genannt.


Wie funktioniert es?

Sie starten wie üblich wieder mit einem Blatt Papier.

(Genauer gesagt, ist das Material ziemlich egal. Sie können – z.B. als Gruppe – genauso gut mit Flipchart oder Pinnwand arbeiten. Es soll auch Leute geben, die sehr gut am Rechner clustern können (so wie ich das hier zur Veranschaulichung versucht habe). Allerdings würde ich immer noch zur „händischen“ Vorgehensweise raten, weil Sie hier Ihre Einfälle wesentlich spontaner nachzeichnen können.)

Legen Sie es am besten quer und schreiben Sie den Begriff in die Mitte, den Sie assoziativ weiterverfolgen wollen (Kernbegriff). Sie dürfen auch gerne mit Hervorhebungen, Farben und Bildern arbeiten. Mit allem, was Ihnen hilft, Ihr Vorstellungsvermögen zu fördern und Ihre Gedanken zu visualisieren.


Nehmen wir als Beispiel mal Ihre Urlaubsplanung für dieses Jahr. Dann sieht es bei Ihnen jetzt etwa so aus:


Grafik Clustering


Zu diesem Kernbegriff bilden Sie nun Assoziationen und verbinden diese zu Assoziationsketten. Setzen Sie dazu jede Assoziation in einen eigenen Kreis und verbinden Sie sie mit der vorhergehenden durch einen Strich.


Grafik Clustering


PS: Der Kernbegriff „Sommerurlaub 2006“ sollte bei Ihnen natürlich schon in der Mitte des Blattes stehen. Das fand ich hier „aus Gründen der Lesbarkeit“ nicht sinnig. :-)


Neue Assoziationsketten setzen Sie wieder beim Kernbegriff an oder ergänzen damit die Assoziationen in anderen Kreisen.


Bild Clustering


Ganz wichtig: Freie Assoziationen, die Sie (noch) nicht mit einer Kette verbinden können, lassen Sie einfach stehen. (So wie im obigen Beispiel das Wort „Luise“.) Genau das ist nämlich die Stärke von Clustering: Sie können einer Assoziationskette folgen, müssen es aber nicht. Schreiben Sie einfach auf, was Ihnen spontan durch den Kopf geht. Vielleicht ergibt sich daraus noch ein Muster, vielleicht auch nicht.


(Ich kann Ihnen jetzt schon sagen: Meistens ja. Ihr Unterbewusstsein ist da mal wieder schneller als Ihr „wacher Verstand“ und hat Sie möglicherweise auf die Idee gebracht, dass Sie ja mit Luise zusammen in Urlaub fahren könnten. :-))

 
Anders herum gilt: Wenn Sie eine Verbindung zwischen Assoziationen verschiedener Ketten sehen – machen Sie dies durch entsprechende Verbindungslinien deutlich.


Bild Clustering


Vielleicht ist Ihnen ja eingefallen, dass
  • Sie Luise fragen könnten, ob sie mit Ihnen zusammen an einem Fotokurs teilnehmen will

  • Sie sich noch schlau machen müssen, ob Sie Fotokurs und Tauchkurs beim selben Bildungsträger belegen können

  • Sie Ihren Sommerurlaub statt im Reisebüro ja auch übers Internet buchen können.

Wie bei jeder Kreativtechnik gilt auch beim Clustering: Alles ist erlaubt. Schalten Sie Ihren inneren Zensor aus. Es gibt keine richtigen oder falschen Cluster.

Wenn sich tatsächlich eine Idee als irrig bzw. als Sackgasse erweisen sollte: Sei’s drum. Den Versuch war’s wert. Wichtig ist: Nutzen Sie alle Muster und Zusammenhänge, die Sie erkennen. Verfolgen Sie alle Ideen, die Ihnen kommen. Rico nennt diese Phase auch das Versuchsnetz (trial-web). Wenn das Versuchsnetz trägt, ist dies das Zeichen, dass Sie an einer Sache dran sind, dass Sie einen Fisch an der Angel bzw. einen kreativen Impuls haben. Nutzen Sie ihn.


PS: Für alle, die sich so richtig kreativ austoben wollen, gibt es auch noch die Variante des Doppelclusters. Dabei beginnt das Cluster mit zwei Zentralworten, z.B.


Bild clustering


und lenkt Ihre Gedanken über (nicht nur) Gegensatzpaare in neue Bahnen. Das weitere Vorgehen ist dann dasselbe wie beim Einzelcluster – weshalb ich mir auch eine Beschreibung spare. :-)

© 2005 Heike Thormann, Erstveröffentlichung



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