Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




20 fiese Denkfehler, vor denen Sie sich in Acht nehmen sollten

Das Thema „Denkfehler“ hört sich so abstrakt an. Richtig? Doch unsere Denkblockaden formen unser Leben, beeinflussen unsere Entscheidungen, stecken hinter so manchem kommunikativen Desaster und anderen Katastrophen. Zeit, sich diesen Feind einmal genauer anzusehen, um sich besser vor ihm zu hüten.

Beim kreativen Denken geht es immer auch darum, Denkfehler zu vermeiden. Nur so kann man effektivere Lösungen finden. Deshalb habe ich im letzten Jahr eine entsprechende kleine Artikel-Serie angefangen. Die setze ich nicht mehr fort. Doch als „fulminanten Abschluss“ gibt es hier noch einmal eine Hitliste von 20 fiesen Denkblockaden, vor denen Sie sich in Acht nehmen sollten.

Wenn Sie mögen, können Sie ja einmal überlegen, ob und wo Sie ihnen selbst schon zum Opfer gefallen sind. 😉

1. Die stillschweigenden Annahmen

Wer von sich auf andere schließt, ist auf jeden Fall schon dabei. Sie ziehen die Sicherheit eines Angestellten-Daseins mit regelmäßigem Gehaltseingang vor? Das muss nicht für jeden gelten. Ihnen sind Freundschaften und Beziehungen an sich wichtig, um Geborgenheit und Halt zu finden? Andere fragen sich eher, ob es „inhaltlich“, emotional oder sonstwie passt. Menschen sind verschieden, und ihre Prioritäten sind es auch.

Bei den stillschweigenden Annahmen blenden wir diese Tatsache aus. Wir gehen einfach davon aus, dass etwas so ist, wie wir es meinen, für richtig halten, es unserer Erfahrung oder unseren Bedürfnissen entspricht.

2. Die unbewussten Glaubenssätze

Dieser Punkt wäre ein Artikel für sich: Unbewusste, ebenso stillschweigende Glaubenssätze, die wir in uns tragen. Das können Vorurteile sein wie „vor Ausländern muss man sich in acht nehmen“. Oder auch Einstellungen und Überzeugungen wie „Mädchen müssen lieb und nett sein“ oder „wer an mir herumkrittelt, der mag mich nicht“.

3. Die willkürlichen Schlussfolgerungen

Wir haben zwar keine Beweise für etwas, aber wir ziehen schon mal unsere Schlüsse. Muss ich noch mehr sagen?

4. Die Suche nach der einfachsten Erklärung

Sherlock Holmes soll ein Fan davon gewesen sein, alles Komplizierte auszuschließen und so zur tatsächlichen Lösung zu gelangen. Doch nicht immer ist es so einfach. Das Leben kann sogar ausgesprochen kompliziert sein. Wer generell oder beispielsweise bei komplexen Situationen nach der einfachsten Lösung sucht, macht es sich zu leicht.

Das ist so ähnlich wie in der Mathematik. Wenn der Himmel bewölkt ist, gibt es einen Regenbogen. Wenn der Himmel nicht bewölkt ist, gibt es auch keinen Regenbogen. Also bringen die Wolken den Regenbogen. Alles klar? 😉

5. Das Gewohnheitsdenken

Unser Gehirn ist ein fauler Arbeiter. Wenn wir es nicht antreiben, bleibt es gern bei einmal gefundenen Lösungen. Manchmal mag die Routine ziehen, oft aber auch nicht. Und wenn Sie 99 Mal auf einer Straße Vorfahrt hatten – die nächste Regeländerung ist die Ihre, und Sie brettern beim 100. Mal munter über ein Stopp-Schild.

6. Die Betriebsblindheit

Das geht in eine ähnliche Richtung. Sprichwörtlich ist die Betriebsblindheit bei Unternehmen, die durch lange (meist erfolgreiche) Praxis satt, selbstzufrieden und träge geworden sind. Man hält an einmal bewährten Abläufen fest, schottet sich vor Anregungen von außen ab, meidet jede Selbstkritik und verpasst sämtliche Veränderungen – bis es vielleicht zu spät ist.

7. Der Tunnelblick

Im Tunnel geht es nur geradeaus, gelenkt in eine Richtung. Spontane Abzweigungen nach links oder rechts sind nicht möglich. Ebenso eingeschränkt ist bei einem Tunnelblick auch unsere Wahrnehmung. Oft reagieren wir nur noch oder begnügen uns damit, dem einmal eingeschlagenen Kurs zu folgen.

Vor allem Stress und Zeitdruck können zu so einem reinen Reaktionsdenken führen. Verschaffen Sie sich mehr Zeit, und Sie bekommen auch mehr Lösungen.

8. Das stereotype Denken

Beim Gewohnheitsdenken gehen Sie wie selbstverständlich davon aus, dass etwas so ist, wie es immer war. Sie denken und handeln nach der in Fleisch und Blut übergegangenen Routine. Beim stereotypen Denken legen Sie teils sogar Wert darauf, dass etwas so ist, wie es immer war oder wofür Sie es halten. Beispiel: Der Chef, der sich als tadellose Führungskraft entpuppt, ist Ihnen zumindest, sagen wir, unheimlich. 😉

9. Das Schwarz-Weiß-Denken

Wer schwarz-weiß denkt, denkt im Prinzip in Stereotypen. Er geht nur noch darüber hinaus. Er sieht keine Grautöne, keine Verhältnisse, keine Alternativen. Es gibt nur ein entweder – oder, kein sowohl – als auch.

„Ich bin ein Versager – oder ein Sieger.“ (Und wie wäre es mit einem ganz normalen Menschen?) „Die Welt ist schön – die Welt ist schlecht.“ (Und wie wäre es mit beidem?) Oder eine Standardfrage aus meinem Kurs „Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens“: Hat jemand nur dann Spaß am oder im Leben, wenn er immer Spaß im Leben hat? Erstaunlich viele Teilnehmer sagen hier: Ja. Ich habe nur dann Spaß, wenn ich immer Spaß habe.

Nebenbei: Dass eine derart hohe Anspruchshaltung nur selten zu erfüllen ist, dürfte klar sein, mmh? Muss man dann aber gleich auf jeden Spaß verzichten? 😉

10. Die selektive Wahrnehmung

Wir alle haben Filter im Kopf, die uns davor bewahren, von den Millionen kleiner Informationseinheiten überschüttet zu werden, die täglich auf uns einstürmen. Diese Filter sind ein Segen. Sie können aber auch zum Fluch werden. Und zwar immer dann, wenn wir sie zu starr in eine Richtung lenken und nur noch das wahrnehmen, was wir wahrzunehmen glauben oder erwarten. Alles andere wird ausgeblendet.

Oft sind es unsere Ängste, die unseren Blick lenken und nach Bestätigung für diese Ängste suchen. Ein Kreislauf und perpetuum mobile, das nur bewusst und unter Anstrengung gestoppt werden kann.

Schreibt eine Boulevard-Zeitung über räuberische Ausländer? Zack, das war’s. Wusste ich es doch. Vor Ausländern muss man sich in acht nehmen. Frage ich mich, wie ich auf andere wirke und was andere von mir halten? Schwuppdiwupp, werde ich auch sofort alles, was andere von sich geben, auf mich beziehen und entsprechend interpretieren. Und so fort.

11. Die Erwartungshaltung

Wenn ich mit dem Filter im Kopf herumlaufe, dass mich nur der Strand eines Landes interessiert, werde ich seine anderen Schätze nicht wahrnehmen. Wenn ich zu wissen glaube, was ich vorfinden werde, achte ich nicht mehr auf das, was wirklich da ist.

Das, was ich sehe, und wie ich etwas sehe, hängen eng zusammen.

12. Das Gefühlsdenken

Das gilt auch für Gefühle: Wenn ich mich wie eine „kreative Null“ fühle, werde ich mich auch als kreative Null sehen. In Wahrheit fühlen Sie sich jedoch wie ein höchst unkreatives Etwas, weil Sie denken, dass Sie unkreativ sind. Nicht umgekehrt. Der Ausgang bestimmt die Richtung. Und diese durch eine bestimmte Denkweise produzierten Gefühle lenken wieder Ihr Denken. Es ist ein Kreislauf.

13. Die Wirklichkeitskonstruktion

Die logische Schlussfolgerung aus all dem ist: Wir zimmern uns unsere Welt so, wie wir sie sehen. Nicht so, wie sie „wirklich“ ist. Jeder hat seine eigene kleine Privat-Welt, die schon sein Nachbar nicht mehr wiedererkennen würde. 😉

Glaube ich zum Beispiel, dass alle Menschen schlecht sind? Dann werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nichts anderes wahrnehmen – und überdies noch entsprechende Gesellen anziehen. Unser eigenes Bild im Kopf ist es, das uns als Blaupause dient und nicht selten auch als Magnet fungiert.

14. Die Vorwegnahme oder Antizipation

Kinder, die sich auf Weihnachten freuen und ungeduldig die Kläppchen im Adventskalender öffnen, antizipieren. Kurz, sie nehmen Weihnachten gedanklich vorweg und freuen sich darauf.

Eine Antizipation (Erwartungshaltung) kann aber auch weniger gut ausgehen. Wenn Sie zum Beispiel die großen und kleinen Desaster, die Ihnen als junger Katzenbesitzer blühen mögen, gedanklich vorwegnehmen und lieber die Finger von diesen kleinen Biestern lassen. 😉

Wie Sie etwas antizipieren, ob positiv oder negativ, haben Sie hier noch in der Hand …

15. Das Katastrophendenken oder Worst-Case-Denken

Beim Katastrophendenken sehen Sie nur noch rot. 😉 Alles, was nur schiefgehen kann, wird schiefgehen. Sie nehmen in Gedanken den „worst case“, den schlimmstmöglichen Fall vorweg und bereiten sich mental oder tatsächlich darauf vor.

Das kann sehr sinnvoll sein und zum Beispiel zu besseren Ergebnissen führen oder Sie vor bösen Überraschungen bewahren. Doch es kann auch lähmen und Ihnen unnötige Angst einjagen. Vieles, was wir aus Angst sein lassen, hat hier seinen Ursprung.

16. Der vorwegeilende Gehorsam

Sie kennen das Sprichwort „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“? Das beruht auf genau solchen Ängsten. Wer nur rot (oder schwarz) sieht und aus Angst vor einer Katastrophe nicht losgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn nicht nur negative, sondern auch positive Ergebnisse ausbleiben.

Dieses Nichtstun wäre dann eine Art „vorwegeilender Gehorsam“ gegenüber Ihren Ängsten und antizipierten Katastrophen.

In diesem Sinne: Wer wagt, der kann mal scheitern. Aber wer nicht wagt, der scheitert definitiv.

17. Das Gedankenlesen

Katastrophen müssen nicht greifbar sein oder an die Existenz gehen. Oft machen wir uns schon damit fertig, dass wir zu wissen glauben, wie oder was andere von uns denken. Wir „lesen ihre Gedanken“. (Oder wir interpretieren ihre Handlungen und so weiter.)

Dass das Ganze ähnlich konstruiert ist und auf vergleichbar wackeligen Füßen steht wie die Weltsicht von oben, dürfte klar sein. Nur eine direkte, möglichst offene Kommunikation kann den sich daraus ergebenden Missverständnissen vorbeugen.

18. Das personalisierte Denken

Die große Schwester des Gedankenlesens ist das personalisierte Denken.

In gewisser Weise denken wir alle personalisiert. Jeder fühlt sich zunächst einmal angesprochen, gemeint, bezieht etwas auf sich. Das kann ganz unschuldig sein und sich schnell aufklären, wenn etwa der Ärger des anderen die Folge seines Zusammenstoßes mit einem unerfreulichen Kunden ist und nichts mit uns zu tun hat.

Es kann sich aber auch zu einem Denkfehler auswachsen, der uns alles um uns herum nur noch verzerrt und auf uns selbst bezogen wahrnehmen lässt. Zwei Leute stecken die Köpfe zusammen? Das muss gegen mich gerichtet sein. (Hier noch inklusive Worst-Case-Denken.) Und so weiter, und so fort.

19. Die Intelligenzfalle

Ja, selbst intelligente Menschen können in eine Denkfalle tappen oder einer Denkblockade anheimfallen. Das schließt sich nicht aus. 😉

Im Gegenteil. Je intelligenter ein Mensch ist, desto schneller kann er Gefahr laufen, sich in seinem Denken zu verrennen.

Diese Meinung vertritt jedenfalls der britische Psychologe und „Vater des Lateralen Denkens“ Edward de Bono. Und er hat dafür den Begriff der Intelligenzfalle geprägt.

Wer in die Intelligenzfalle tappt, geht sozusagen davon aus, dass er so intelligent ist, dass ihm das nicht mehr passieren kann. Er ruht sich auf seiner Intelligenz aus. Er lässt sich nur ungern verbessern. Und Alternativen zieht er oft gar nicht erst in Betracht. Damit ist er natürlich eine leichte Beute für sämtliche Denkblockaden. 😉

20. Huch, hier fehlt doch noch was

Mmh, das waren jetzt nur 19 Denkfehler. Wissen Sie was? Setzen Sie diese Liste doch selbst fort. Ich bin sicher, Ihnen werden noch ein paar Kandidaten einfallen.

Gute Jagd.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 13.10.2010

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)