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In fünf Schritten Denkmuster und Glaubenssätze ändern

Wie wir denken und was wir für wahr halten, beeinflusst unser Verhalten und unser Leben. Und nur allzu oft bremsen uns solche Denkmuster aus oder schaden uns. Zum Glück müssen wir das nicht einfach hinnehmen. Denn unser Denken ist keine Einbahnstraße. Wir können es auch ändern. Zum Beispiel mit den folgenden fünf Schritten.

In meinem Online-Kurs „Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens“ lasse ich meine Teilnehmer immer wieder nach ihren Denkmustern suchen. Danach, was und wie sie denken, oder was sie glauben und für wahr halten. Denn beides beeinflusst unser Verhalten und unser Leben.

Glauben wir zum Beispiel, dass wir nicht schreiben können, werden wir auch entweder einen weiten Bogen um Stift und Papier machen, oder wir werden dermaßen von Manschetten und Zweifeln heimgesucht sein, dass wir uns erheblich schwerer tun als nötig.

Das gilt für beinah jede Situation im Leben. Ob Sie kreativ sein wollen – und glauben, eine kreative Null zu sein. Ob Sie Freude bei der Arbeit haben wollen – und glauben, dass Arbeit eine Last und ein Kreuz sein muss. Oder ob Sie glauben, nicht liebenswert zu sein oder nicht geliebt zu werden – und entsprechende „Abwehrmaßnahmen“ entwickelt haben.

Natürlich sind Ihre Denkmuster nicht an allen Misslichkeiten in Ihrem Leben schuld. Und manchmal können wir vielleicht einfach nicht schreiben, sind aber dafür ganz ausgezeichnet mit Knetmasse und Makramee. Dann wäre es vergebliche Liebesmüh’, weiter schreiben zu wollen, statt es mit der Knetmasse zu versuchen.

Immerhin, einschränkende Glaubenssätze aufzulösen, würde uns einen großen Schritt vorwärtsbringen. Lesen Sie deshalb, wie Sie in fünf Schritten Ihre Denkmuster ändern.

Achtung: Dieses Thema ist sehr komplex, ich kann es mit meinem Artikel nicht annähernd erschöpfend behandeln. Erwarten Sie also bitte keine Wunder. Außerdem ist das hier meine ganz persönliche Methode. Sie kann bei Ihnen funktionieren, muss aber nicht. Bewahren Sie sich bitte auch hier genug Urteilsvermögen, im Zweifelsfall weiter nach Alternativen zu suchen.

Schritt 1: Zweifeln Sie sich und Ihre Denkmuster an

Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie die Wirklichkeit so sehen, „wie sie ist“. Unsere Wirklichkeit ist ein Konstrukt. Jeder lebt in seiner eigenen Wirklichkeit. Unsere Sicht der Welt beruht auf unseren Gedanken und den persönlichen „Filtern“, die sie formen. Und diese Filter wiederum werden durch die oben erwähnten Glaubenssätze („ich bin nicht kreativ“) bestimmt.

Der erste Schritt, Ihre Denkmuster zu ändern, wäre es also zunächst einmal, diese überhaupt anzuzweifeln. Wer davon ausgeht, dass alles, was er denkt, eine unumstößliche Tatsache ist, wird auch nichts daran ändern. 😉

Stellen Sie sich deshalb immer wieder selbst in Frage. Hinterfragen Sie sich. Zweifeln Sie sich und Ihre Denkmuster an.

Schritt 2: Versuchen Sie, Ihre Denkmuster und Glaubenssätze zu verstehen

Versuchen Sie als Nächstes, Ihre Denkmuster zu erkennen und zu verstehen. Warum sind Sie geworden, was Sie sind? Welche Entwicklungen stecken dahinter? Was hat Sie geprägt?

Warum glauben Sie zum Beispiel, nicht schreiben zu können? War es ein Lehrer, vielleicht sogar Ihr Lieblingslehrer, der sich darüber lustig gemacht hat? Hat er Ihnen zu verstehen gegeben, dass Sie es nie zum Schriftsteller bringen?

Warum haben Sie Angst davor, etwas falsch zu machen? Woher stammt diese Angst? War es die frühkindliche Erfahrung, keine Fehler machen zu dürfen, wenn Sie in Ihrer Familie geachtet und geliebt werden wollten?

Wenn Sie verstehen, woher Ihre Denkmuster stammen, welche Ursachen und Gründe sie haben, können Sie auch an ihnen arbeiten, um sie zu ändern.

Schritt 3: Zweifeln Sie die Berechtigung dieser Glaubenssätze an

Sie sehen schon, ich habe es mit dem Anzweifeln. 😉 So auch hier. Zweifeln Sie nicht nur grundsätzlich Ihre Denkmuster an. Zweifeln Sie auch die Ursachen an, die zu ihnen geführt haben. Und zwar sowohl die Berechtigung dieser Ursachen als auch Ihre Reaktion auf diese Ursachen.

Wenn Sie also zum Beispiel Angst vor Hunden haben, weil Sie mal von einem Hund gebissen wurden, muss das noch lange nicht heißen, dass alle Hunde bissig sind.

Wenn ein Lehrer meint, dass Sie nicht schreiben können, muss das noch lange nicht heißen, dass dieser Lehrer Recht hat. Und selbst wenn er damals Recht hatte, muss das nicht für immer gelten. Sie könnten auch schlicht lernen, besser zu schreiben.

Wenn Ihre Familie Ihnen zu verstehen gibt, dass man es sich verdienen muss, als Kind angenommen und geliebt zu werden, dann ist diese Familie zu bedauern. Aber ihre Wahrheit ist keine universale Wahrheit. Und eine solche Vorgehensweise ist schon aus „biologischen Gründen“ (das Überleben seines Nachwuchses zu sichern) zu verurteilen.

Versuchen Sie aber auch, das Verhalten der anderen zu verstehen und so deren Wirkung auf Ihre eigenen Denkmuster zu relativieren.

Wenn Ihre Familie Sie zum Beispiel triezt und peinigt, möglichst gute Schulnoten nach Hause zu bringen, kann das auch schlicht bedeuten, dass sie sich Sorgen um Sie macht und Ihnen eine möglichst gute Zukunft mitgeben will.

Wenn Ihre Familie Ihnen nicht genug Liebe, Halt, Geborgenheit, Selbstbewusstsein und all die anderen Dinge mitgeben kann, die wir brauchen, kann das auch einfach daran liegen, dass sie es selbst nie gelernt und erfahren hat.

Schritt 4: Suchen Sie nach neuen Denkmustern

Ersetzen Sie die alten Denkmuster bewusst durch neue. Wählen Sie aus, wie Sie stattdessen über eine Sache denken oder sich in einer Situation verhalten wollen.

Überlegen Sie zum Beispiel: Was wäre Ihnen lieber, als sich in allem nach den anderen zu richten? Was würden Sie lieber tun, als sich ständig zu „verstellen“, um keinen Ärger auf sich zu ziehen?

Suchen Sie gezielt nach Alternativen. Wie wäre es mit einem Denk- und Verhaltensmuster wie „ich kann Schreiben lernen“. Oder: „Ich traue mich auch mal, etwas falsch zu machen, denn Fehler sind normal.“

Ersetzen Sie immer ein Denkmuster, das Sie nicht mehr beibehalten wollen, durch ein neues, besseres. Da unser Gehirn notorisch bequem ist, ist sonst ein Rückfall in die unguten früheren Verhältnisse mehr als nur wahrscheinlich.

Schritt 5: Üben Sie geduldig diese neuen Denkmuster ein

Machen Sie sich zum Schluss noch daran, diese neuen Denkmuster geduldig einzuüben.

Simulieren Sie zum Beispiel: Wie würde es sich anfühlen, wenn Sie sich probeweise einfach mal annehmen würden? So, wie Sie sind? Mit allem Drum und Dran? Mit allen Fehlern, aber auch mit allem Guten. Schlüpfen Sie in diese Vorstellung und schauen Sie, was passiert. 😉

Oder: Handeln Sie so, wie Sie sein wollen, statt es sich nur zu wünschen. Das Gesetz des Handelns hat seine eigene Kraft.

Wenn Sie sich wünschen, offen Ihre Meinung zu sagen, statt sich zu verstellen, dann tun Sie es. Nicht immer, das werden Sie am Anfang nicht schaffen. Aber immer ein bisschen öfter. Manchmal wird man Sie vielleicht ein wenig anbellen. Aber meistens wird gar nichts passieren. Und selbst das Bellen werden Sie überleben. 😉

Je öfter Sie so handeln (und damit denken), wie Sie es wollen, desto stärker werden die Bahnen in Ihrem Gehirn werden, und desto leichter wird es Ihnen beim nächsten Mal fallen.

Oder: Haben Sie sich bei einem Rückfall in ein altes Denkmuster ertappt? Dann halten Sie sofort Ihre Alternative dagegen. Arbeiten Sie mit allen Tricks, die Ihnen nur einfallen, um sie nicht zu vergessen. Manchmal werden Sie es im Eifer des Gefechts natürlich doch vergessen. Aber wenn Sie hartnäckig üben, werden Sie auch hier immer besser werden.

Neue Denkmuster auszubilden, dauert seine Zeit. Erwarten Sie lieber keine schnellen Lösungen. Das würde Sie nur frustrieren, wenn diese ausbleiben.

Man sagt, dass wir oft noch ein halbes bis ein ganzes Jahr zwischen dem alten und dem neuen Denkmuster hin- und herschwanken. Erst danach beginnen die neuen Muster zu greifen. Und bis sie wirklich sitzen, können Jahre vergehen. Hier trotz der Rückschläge weiterzumachen, ist wohl die eigentliche Kunst.

Wobei ich Sie trösten kann: Es funktioniert. Wenn Sie bereit sind, die Zeit und Kraft dafür zu investieren. Im Prinzip müssen wir unser Leben lang an uns arbeiten. Dafür ist es da – zum Lernen und zum Wachsen.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20. März 2010

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