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Drei Tipps, wie Sie weniger komplex schreiben

Ich nutze ja immer gern die Gelegenheit, einen echten „Fall“ aus meinen Kursen aufzugreifen und zu einem Beitrag zu verarbeiten. So auch hier.

Eine Teilnehmerin aus meinem Kurs „Bücher und Texte konzipieren und planen“ hatte das Problem, ihre Texte alle sehr umfangreich zu planen. Wenn sie einen Artikel schreiben wollte, reichten ihre Konzepte locker für ein ganzes Fachbuch aus. Damit ist sie übrigens auch nicht allein, das geht vielen meiner Teilnehmer so.

Man meint es gut, und möchte noch dieses, jenes und welches aufnehmen. In den seltensten Fällen stehen einem dafür aber auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Entweder man sitzt hinterher schnell Monate und Jahre über so einem Projekt, oder man reißt alles nur flüchtig an und hinterlässt beim Leser einen unausgegorenen Eindruck.

Was aber tun, wenn man zu komplex schreibt, und zum Beispiel für einen Artikel über ein bestimmtes Anglergeschäft die ganze Branche detailliert unter die Lupe nehmen will? Wie kriegt man das weg?

Dazu habe ich hier drei, oder genauer vier Tipps für Sie.

Tipp 0: Manchmal ist es hilfreich

Zunächst einmal: Sie müssen Ihre komplexe Schreibe nicht für immer wegkriegen. Manchmal kann sie sogar sehr hilfreich sein. So zum Beispiel, wenn Sie in der Tat an umfangreicheren Projekten oder Themen arbeiten, die wie ein Branchenbericht eine Vogelperspektive oder einen Überblick erfordern. Dann müssten Sie nur noch Ihre jeweiligen Inhalte und Recherchestrategienan Ihre Ressourcen und Rahmenbedingungen anpassen.

Tipp 1: Machen Sie sich das Ergebnis klar

Es klingt simpel, ist aber oft der eigentliche Grund, warum man bei Adam und Eva anfängt, oder viel zu viel Material sammelt: Man weiß nicht, welches Ergebnis man anvisiert.

Auch da habe ich immer wieder Teilnehmer, die am liebsten einfach loslegen, ohne sich mit so etwas Trockenem wie Konzept, Plan oder Strategie herumzuschlagen.

Das Problem: Ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben, droht grundsätzlich alles schnell auszuufern, eben auch das Schreiben. Überlegen Sie, was Sie ganz genau sagen und mit Ihrem Text erreichen wollen. Nur so können Sie diesen passend zuschneiden.

Tipp 2: Suchen Sie nach Mikrokosmen

Wechseln Sie die Brille. Vertauschen Sie sozusagen Ihr Fernrohr mit einem Mikroskop. Zeichnen Sie kein umfangreiches, komplexes Bild. Suchen Sie lieber nach Mikrokosmen, kleinen Szenen, Ausschnitten. Alles, was Ihnen hilft, Ihr komplexes Thema durch einige charakteristische Details wiederzugeben, ist hier richtig.

Bei einem Artikel über ein Anglergeschäft könnte das zum Beispiel ein Interview mit dem Geschäftsführer sein, oder eine Umfrage unter Kunden und Passanten, oder ein historischer Rückblick, oder ein fiktiver Arbeitstag, oder eine Einordnung in Kaufkraft und Geschäftswelt der Umgebung, und und. Welches Detail Sie wählen, hängt von Ihrem letztendlichen Schreibziel ab. Sie sollten nur nicht alle nehmen. 😉

Tipp 3: Tricksen Sie mit der Benennung

Diesen Tipp hat eine Teilnehmerin beigesteuert: Wenn Sie sich nicht von Ihrer komplexen Sichtweise trennen können, dann setzen Sie Ihrem Thema noch ein „Umfeld“, „Bereich“, oder Ähnliches davor.

Der Trick an der Sache: Bei einem Thema wie „Ein Tag im Anglergeschäft von xx“ könnten Ihre Gedanken ins Wandern geraten und unbeabsichtigt alle möglichen Details in den Text aufnehmen. Nichts und niemand setzt Ihnen eine Grenze.

Heißt Ihre Datei oder Ihr Text aber „Umfeld: Ein Tag im Anglergeschäft von xx“ wirkt das wie ein Signal, bewusst wahrzunehmen, was alles zu diesem Umfeld gehören kann (Geschäftsführer, Mitarbeiter, Kunden, Historie, Wirtschaftsstandort pp.), und was Sie davon für Ihren Text verwenden wollen.

Es ist ein „kann rein, muss aber nicht“-Zeichen, eine Einladung zum Sortieren. Was Sie nicht gebrauchen können, fliegt raus.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.05.09

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