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Verkaufen Sie Ihre Bücher oder Ideen mit dem Elevator Pitch

„Sagen Sie mal ein paar Sätze über sich.“ Die klassische Aufforderung im Bewerbungsgespräch kann selbst Schriftsteller oder andere Kreative ins Schwitzen bringen. Doch sie ist auch eine Chance: Wenn Sie Ihre Bücher oder Ideen an den Mann oder die Frau bringen wollen. Mit dem Elevator Pitch, dem knappen „Verkaufsgespräch“ zwischen Tür und Angel.

Schön wär’s ja. Wenn die Welt auf unsere Bücher, Texte, Ideen gewartet hätte. Lektoren reißen uns die Manuskripte aus der Hand. Geldgeber stehen Schlange, weil sie unsere coolen Geschäftsideen unterstützen wollen. Nur – meistens sieht die Wirklichkeit ein bisschen anders aus. 😉

Wenn Sie Bücher oder Drehbücher, Ideen oder Projekte an den Mann oder die Frau bringen wollen, müssen Sie dafür in der Regel selbst tätig werden. Sie müssen andere dafür interessieren, sprich, Sie müssen sie verkaufen.

Meistens wird man allerdings, wie gesagt, nicht auf Sie gewartet haben. Es gibt zu viele, die ihre Werke loswerden wollen. Die Aufmerksamkeit von Lektoren oder dem Großkapital ist flüchtig. Deshalb müssen Sie sofort „ziehen“. Sie müssen so schnell wie möglich so gut wie möglich für sich und Ihr „Baby“ begeistern. Sonst heißt es: Der nächste bitte.

Mit anderen Worten: Sie brauchen einen „elevator pitch“.

Stellen Sie sich dieses „Verkaufsgespräch im Fahrstuhl“ so vor: Sie stecken mit Ihrem Lieblings-Regisseur, -Produzenten, -Lektor, -Investor und so weiter im Fahrstuhl. Fortuna hat sie hier zusammengebracht. Sie frohlocken. Sie wollen unbedingt die günstige Gelegenheit nutzen und Werbung für Ihr Drehbuch oder Ihre Idee machen.

Aber die Fahrt im Aufzug wird nicht lange dauern, vielleicht 30, 40 Sekunden. Dann werden sich die Türen öffnen, Ihr Lieblings-Verleger wird entschwinden und Sie stehen da mit Ihrem Talent. Sie müssen Ihr Buch verkaufen, jetzt, sofort. Was sagen Sie?

Natürlich wird diese Szene in der Wirklichkeit wohl nicht allzu oft vorkommen. Frau Fortuna ist launisch. Doch unterschätzen Sie die „Gunst der Stunde“ nicht. Wenn Sie nicht gerade abgeschirmt in einem Iglu am Nordpol hausen, wird es immer wieder solche günstigen Gelegenheiten geben.

Bei einer Messe. Einem Vortrag oder einer Lesung. In der schriftlichen Präsentation. Oder ganz normal am Telefon. Wenn Sie Buch oder Idee knapp und zugkräftig bewerben können, haben Sie immer die besseren Karten.

Machen Sie den anderen mit einem „Elevator Pitch“ neugierig.

Das ist wichtig für Ihren Elevator Pitch

1. Basteln Sie den Text

Überlegen Sie sich ein paar wichtige Vorteile, die andere von Ihrer Idee haben. Welche Probleme Ihrer Leser löst Ihr Buch? Worum geht es in Ihrem Roman? Was ist seine Essenz, sein Kern, sein Wesen? Nehmen Sie nur die zugkräftigsten Punkte, die helfen könnten, andere von Ihrem Buch oder Ihrer Idee zu überzeugen.

Schreiben Sie sich Ihre Argumente auf. Kürzen und feilen Sie dann, bis Sie den Text auf die anvisierten 30 Sekunden runtergebrochen haben. Länger sollte Ihre Präsentation nicht dauern. Wenn Ihr Fisch jetzt nicht neugierig am Haken hängt, wird es kritisch.

(Achtung, denken Sie daran: Sie werden in der Regel mündlich präsentieren. Sprechen Sie sich den Text also vor und stoppen Sie die Zeit.Vergessen Sie auch Puffer für Räuspern, Versprecher und Pausen nicht.)

Extra-Tipp: Sie werden widersprüchliche Angaben finden, ob Sie bei einem Elevator Pitch das Ende, zum Beispiel von einem Roman, offen lassen sollen. Manche sagen: Ja, nicht alles preisgeben. Man will den anderen schließlich neugierig machen. Andere sagen: Nein, bringen Sie auch das Ende. Der andere soll schließlich einen Gesamteindruck von Ihrem Werk bekommen, um entscheiden zu können, ob er es nehmen will oder nicht.

2. Feilen Sie an den Worten

Sie wissen ja: Sie haben wenig Zeit. Und der andere muss sofort Feuer fangen.

Achten Sie deshalb zum einen darauf, einfach und klar zu formulieren. Keine Satzmonster, keine Fremdsprache, nichts, was Ihr Zuhörer nur schwer verstehen kann oder was ihn ins Grübeln bringt.

Und schauen Sie zum anderen, ob Sie ein „Bild“, einen Aufhänger, einen starken Einstieg finden. Können Sie die Aufmerksamkeit des anderen wecken und ihm Argumente bieten, die er förmlich vor sich sehen kann? Oder fällt Ihnen vielleicht eine kurze Geschichte oder Frage ein? Metaphern und Vergleiche?

Je besser das Bild ist, desto eher wird Ihr Zuhörer ruckartig aufmerken. (Zum Beispiel anschaulich: „Wir liefern Ihnen ‚Essen auf Rädern’.“) Zudem kann sich Ihr Gegenüber das Ganze auch leichter vorstellen und merken.

Meiden Sie alles, was Ihren Zuhörer langweilen könnte.

Extra-Tipp: Ihr Pitch wird nicht immer gleich ausfallen. Vielleicht wollen Sie damit Ihr Buch bei Verlagen verkaufen. Vielleicht wollen Sie eine Lesung arrangieren. Vielleicht suchen Sie für Ihre Idee Kapitalgeber. Oder Sie sitzen zufällig einem potenziellen Auftraggeber gegenüber.

Passen Sie Ihren Pitch einigen möglichen Haupt-Zielgruppen an. Und halten Sie verschiedene Versionen bereit. (Behalten Sie sie im Idealfall im Kopf. ;-))

3. Üben Sie alles ein

Wie gesagt, es ist sinnvoll, alles vorzubereiten. Zumal, wenn Sie voraussichtlich in eine Situation kommen, in der Sie Ihren Elevator Pitch anwenden können.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie Ihren Zuhörer überrumpeln und zu Tode quatschen sollen. Nach dem Motto: „Hab ich Dich. Du hörst mir jetzt zu.“ 😉

Wenn man Sie auffordert „sagen Sie mal ein paar Sätze über sich / Ihre Idee / Ihr Buch“, dann sind Ihre Sätze dran.

Genauso kann sich daraus aber auch ein Dialog entwickeln. Das ist vielleicht sogar besser, als nach Ihrem kleinen Monolog erleichtert mit Höchstgeschwindigkeit die Bühne zu verlassen. 😉 Zeigt Ihr Gegenüber ehrliches Interesse an einem Gespräch, ist das die halbe Miete. Fördern Sie das ruhig, indem Sie mit Fragen oder Ähnlichem dazu einladen.

Wichtig ist nur, dass Sie immer mit wenigen kurzen Sätzen Ihr Anliegen auf den Punkt bringen. Und das am besten so begeistert und überzeugend wie möglich.

Üben Sie vorher auch ruhig allein oder mit Publikum. Lassen Sie sich ehrliches Feedback geben, wie Sie mit Ihrer Botschaft rüberkommen.

Haben Sie sich und Ihren Text gedrillt, bis alles sitzt? Dann auf mit Ihnen in das „Verkaufsgespräch im Fahrstuhl“.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 01.07.10

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