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Drei kleine Tipps, wie Sie Ihre Gefühle besser nutzen, um Ihre Ziele zu erreichen.
Kennen Sie den Marshmallow-Test?
(Ahm, Sie wissen doch, was Marshmallows sind? Das ist diese Zuckerwatte, die Amerikaner immer so gern am Feuer rösten.
)
Also, kennen Sie den Marshmallow-Test?
Der Marshmallow-Test
Nein? Kennen Sie nicht das hinterhältige kleine Experiment, das amerikanische Psychologen in den 60er Jahren mit einer Gruppe von Vierjährigen betrieben haben und das in seinen Konsequenzen einigermaßen enthüllend war?
- Kennen Sie nicht die Versuchung, vor die die Kleinen gestellt wurden: „Schau, ich habe hier zwei Marshmallows. Die bekommst Du, wenn ich gleich wieder da bin. Wenn Du nicht so lange warten kannst, bekommst Du nur einen, aber den sofort.“
- das Ergebnis (die einen schnappten sich den Marshmallow, die anderen warteten tapfer, bis sie ihre zwei Marshmallows bekamen)
- und vor allem die faszinierende Feststellung zehn Jahre später, dass die tapfer Wartenden durch die Bank intelligenter, durchsetzungsfähiger und kontaktfreudiger, mit anderen Worten „erfolgreicher“ als die nach der „was ich hab, das hab ich“-Devise Verfahrenden waren?
Ein anderes Beispiel
Wie steht es mit Ihnen, wenn Sie fahrig und nervös in eine Prüfung gehen, wenn Sie vor Angst wie gelähmt sind? Nutzt Ihnen dann noch all Ihr Wissen, all Ihre Intelligenz etwas, wenn Sie diese Angst nicht in den Griff bekommen?
Wie steht es mit Ihnen, wenn Sie wutentbrannt Ihrem Arbeitgeber gegenüber stehen, wenn all Ihre Reflexe zum Angriff blasen? Nutzt Ihnen dann noch all Ihr Wissen (um voraussehbare Folgen), all Ihr berufliches Können etwas, wenn Sie hier auf Autopilot schalten und die Zügel schießen lassen?
Wie steht es mit Ihnen, wenn Sie verachtungsvoll Ihrem Ehepartner gegenüber stehen, wenn Sie vor Selbstgerechtigkeit blind sind? Nutzt Ihnen dann noch all Ihr Wissen (um menschliche Verletzlichkeit), all Ihre Erfahrung etwas, wenn Sie den Menschen nicht vom Grund Ihres Überdrusses trennen und Gerechtigkeit walten lassen?
Intelligenz
Oder mit anderen Worten: Intelligenz ist mehr, viel mehr als das, was landläufig darunter verstanden wird. All Ihre Klugheit, all Ihre geistigen Fähigkeiten werden Ihnen nicht weiterhelfen, wenn Sie eines nicht im Griff haben: Ihre Emotionen.
Es ist die Fähigkeit, seine Emotionen und Impulse (Marshmallow-Test!) steuern zu können, die darüber bestimmt, inwieweit Sie Ihre Talente nutzen und Ihre Lebensziele verwirklichen können. Das gilt für Schule und Beruf genauso wie für Freizeit und Privatleben.
Sie müssen ja nicht gleich soweit gehen und eine Schulung dazu buchen (obwohl emotionale Intelligenz und die „Schulung der Gefühle“ – self science – in den USA als Unterrichtsfach boomen). Ein paar handfeste Tipps sollten für den Anfang reichen.
Tipp 1: Erkennen Sie Ihre Gefühle.
Beobachten Sie sich selbst. Horchen Sie in sich hinein. Versuchen Sie, zu verstehen und zu benennen, was Sie wann fühlen. Wenn Sie Ihre Gefühle benennen können, sind Sie ihnen nicht ausgeliefert. Wenn Sie ihre Ursache kennen, können Sie handeln.
Wenn Sie wissen, dass Sie gerade am typischen Lampenfieber vor einer Prüfung leiden, dass dieses aber gegenstandslos ist (weil Sie gut gelernt haben) und erfahrungsgemäß verschwinden wird, sobald die Prüfung angefangen hat, haben Sie gute Karten, mit Ihrer Panikattacke fertig zu werden.
(Wenn Sie allerdings nicht gut gelernt haben, haben Sie ein Problem …
)
Tipp 2: Handhaben Sie Ihre Gefühle.
Stehen Sie zu Ihren Gefühlen. Nehmen Sie sie an und versuchen Sie, bewusst mit ihnen umzugehen. Verstärken Sie, wo gegengesteuert werden muss, und schwächen Sie ab, wo des Guten vielleicht zuviel wäre.
Wenn Sie wissen, dass Sie vor jeder Prüfung generell von Angstgefühlen heimgesucht werden, dann:
1. Stehen Sie dazu.
Es ist Ihr gutes Recht, Angst zu haben, und eine gewisse Portion Angst ist auch gar nicht so verkehrt, weil sie unsere Aufmerksamkeit steigert und unserer Selbstzufriedenheit vorbeugt.
2. Lernen Sie, mit ihr umzugehen.
Vielleicht können Sie mit positiven Gegenbildern Ihre Angst abschwächen, vielleicht sich mit Talismanen und dem einen oder anderen Kniff selbst beruhigen.
Tipp 3: Nutzen Sie Ihre Gefühle.
Bleiben Sie nicht beim Erkennen und Handhaben stehen, sondern nutzen Sie Ihre Gefühle. Stellen Sie sie in den Dienst eines Zieles, gehen Sie produktiv mit ihnen um.
Wenn Sie karriereorientiert sind und über ein gewisses Maß an Aggressivität verfügen, nutzen Sie es. (Bitte nicht falsch verstehen. Sie sollen sich nicht nach oben „durchboxen“. Allerdings werden Sie es als friedliebender, harmonieorientierter Mensch nun mal ungleich schwerer an die Spitze haben.)
Und wenn Sie davon träumen, Schriftsteller zu werden, dann kultivieren und verstärken Sie diese Sehnsucht. (Ansonsten werden Sie die Durststrecken nicht überleben, die Ihnen auf dem Weg begegnen werden.)
Wenn Sie Ihre Gefühle verstehen, handhaben und nutzen können, haben Sie den ersten, wichtigen Schritt getan. Den Schritt, mit „emotionaler Intelligenz“ nicht nur Ihre Persönlichkeit zu formen, sondern auch Ihren Weg durchs Leben zu gehen.
Verschwenden Sie Ihre Talente nicht, sondern nutzen Sie sie – emotional und intelligent.
© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Juni 2006
Literaturtipp: Den Marshmallow-Test und mehr zur emotionalen Intelligenz finden Sie im gleichnamigen Buch von Daniel Goleman, München / Wien 1996.
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lebenshilfe, mentaltraining, persönlichkeitsentwicklung, selbsterkenntnis
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