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“Mist, verdammt, schon wieder habe ich das und das vergessen.” Ärgern Sie sich auch darüber, wenn Sie “einfach so” Dinge vergessen? Das ist verständlich. Nur, einfach so vergessen wir etwas nicht.
Wir vergessen zum Beispiel, weil wir etwas nicht richtig wahrgenommen haben. Oder weil wir etwas nicht richtig verarbeitet haben. Oder weil wir es mit ähnlichen Dingen überlagert haben. (Beim 10. Auto fängt man an zu grübeln, welche Farbe das dritte hatte.
)
Und wir vergessen, wenn wir nur eine schwache emotionale Bindung an die Sache haben.
Gedächtnis speichert über Emotionen
Das liegt daran, dass unser Gedächtnis die Dinge nicht nach logischen oder inhaltlichen Kriterien abspeichert, sondern nach emotionalen. Je wichtiger oder je positiver der emotionale Gehalt von etwas für uns ist, desto besser können wir uns das Ganze merken.
Ein schon fast klassisches Beispiel: Wenn ich eine Fremdsprache nur lerne, weil das so im Lehrplan steht, ist meine emotionale Bindung an die Sprache sehr gering. Sobald ich sie nicht mehr lernen muss, werde ich sie vergessen. Lerne ich aber eine Fremdsprache, weil ich mich mit meinem Brieffreund oder Partner in ihr unterhalten will, bekommt sie einen hohen emotionalen Stellenwert für mich – ich kann sie mir leichter merken.
Je tiefer die Emotion geht, je schöner die Erinnerungen sind, desto leichter fällt es mir, etwas im Gedächtnis zu behalten. Je weniger mich etwas emotional berührt oder interessiert, desto eher werde ich es vergessen.
Das Gebot der Stunde lautet also, mein Gedächtnis mit möglichst positiven, tiefgehenden Emotionen zu pushen. Dafür habe ich einige Anregungen für Sie:
Emotionale Grundhaltung fördern
Ich werde umso eifriger meine Physikkenntnisse behalten, wenn ich später mal den Elektro-Betrieb meines Vaters übernehmen will.
Ich werde den Inhalt ganzer Wirtschaftsbücher memorieren können, wenn ein hoher Anteil meines Denkens und meiner Gefühle darum kreist, immer mehr Geld zu verdienen.
Emotionale Grundstimmung fördern
Manchmal kann es ganz nützlich sein, eine (positive) emotionale Grundstimmung zu erzeugen, bevor ich mir meinen Lernstoff vorknöpfe.
So könnten Sie den Lateinunterricht mit Einlagen wie einer lateinischen Theatergruppe aufheitern, oder sich für das heimische Vokabellernen mit einem Pop-Song in Stimmung bringen.
Emotionale Verknüpfung fördern
Auch ein klassisches Beispiel: Wenn ich einen Lehrer nicht leiden kann, werde ich mich damit schwer tun, den Stoff zu lernen. Der ungeliebte Lehrer drückt zu sehr aufs Gemüt.
Mag ich meinen Lehrer hingegen, ist er mir wichtig oder gar ein Vorbild für mich, wird der Lernstoff viel eher hängenbleiben. Deshalb bietet es sich hier zum Beispiel an, gezielt nach solchen Vorbildern oder Mentoren zu suchen.
Emotionale Übertragung fördern
Ich persönlich habe in Schule und Studium zwei „tote“ Sprachen gelernt: Latein fiel mir relativ leicht, weil ich mich für Sandalenfilme und das alte Rom begeisterte. Griechisch fiel mir dagegen sehr schwer, weil ich mit den alten Griechen nie viel anfangen konnte.
Eine Hilfe wäre es gewesen, mir über eine Krücke meinen emotionalen Schub zu holen. Also etwa mir klarzumachen, wie sehr Rom mit Griechenland verbunden war, wie viel die Römer von den Griechen übernommen haben, aber auch die Griechen später von Rom.
Emotionale Ziele fördern
Und ein letztes Beispiel: Will ich meiner Mutter zum Muttertag eine Freude machen und ein Gedicht für sie auswendig lernen, dürfte mir das wieder leichter fallen als die Standard-Abfrage im Deutschunterricht.
Ich bin sicher, Sie finden weitere Beispiele und Anwendungsmöglichkeiten. Hören Sie nur auf Ihre Emotionen.
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 18.03.09
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