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Erste Eindrücke für Ihren Text festhalten

von Heike Thormann

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Halten Sie erste Eindrücke, spontane Bilder oder Erinnerungsfetzen fest, solange sie Ihnen noch frisch präsent sind. Damit beugen Sie nicht nur der gefürchteten Schreibblockade vor. Sie werden auch farbiger und lebendiger schreiben.

Diesen Tipp können Sie in manchem Bewerbungsratgeber lesen: Verschwinden Sie nach einem Vorstellungsgespräch nicht einfach in der nächsten U-Bahn oder machen sich auf die Socken zu Ihren heimischen vier Wänden. Gönnen Sie sich vorher einige Minuten und halten Sie die Erinnerungen und Eindrücke aus dem Gespräch in groben Zügen fest.

Jetzt sind Ihnen einzelne Szenen noch klar vor Augen. Szenen, aus denen Sie vielleicht für das nächste Mal lernen können. Aber auch Eindrücke, die Ihnen helfen, ein besseres Bild von Ihrem potenziellen Arbeitgeber zu gewinnen. Später werden Ihnen diese Details verlorengehen.

Eindrücke und Erinnerungen festhalten

Genauso läuft es auch beim Schreiben, egal, ob Sie vergleichbar von Außeneinsätzen und Interviews kommen, oder eine Nacht über den Büchern gehockt und recherchiert haben.

Nehmen Sie den Stift zur Hand, greifen Sie zur Tastatur oder nutzen Sie ein Aufnahmegerät. Die Technik ist nicht so wichtig. Hauptsache, Sie halten alles an ersten Eindrücken, spontanen Bildern oder Erinnerungsfetzen fest, solange sie Ihnen noch frisch präsent sind.

Dazu könnten Sie sich Fragen stellen wie:

  • Was ist mir an Einzelheiten aufgefallen?
  • Was fand ich eindrucksvoll oder bemerkenswert?
  • Welche Szenen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben?
  • Welche Ideen sind mir beim Lesen oder Schreiben gekommen?
  • Welche Fragen will ich beantworten oder beantwortet haben?

Kümmern Sie sich nicht um eine logische Abfolge oder schöne Formulierungen. Sie schreiben schließlich noch keinen fertigen Text, Sie sammeln nur Fragmente dafür.

Vielleicht beginnt eine Charakterstudie in Ihrem Kopf Gestalt anzunehmen. Vielleicht sind Ihnen farbige Details aufgefallen, die Ihrem Text mehr Atmosphäre geben. Vielleicht haben Sie erste Ideen, welches Gerüst Sie Ihrem Text geben wollen.

Was auch immer schlaglichtartig vor Ihrem geistigen Auge auftaucht: Ihre Wahrnehmungen oder Reaktionen auf das Gelesene sind kostbarer Rohstoff für Ihren Text.

Dem Text Farbe und Leben geben

Das ist nicht nur eine praktische Vorgehensweise, um der gefürchteten Schreibblockade vorzubeugen. Angesichts der zahllosen, wild hingeworfenen Fragmente kann Sie zumindest eines nicht mehr schrecken: Ein leeres Blatt, das gefüllt werden will. ;-)

Der Reiz ist vor allem, dass Ihre Texte so erheblich farbiger und lebendiger werden.

Eine witzige Bemerkung des Interviewpartners, über die Sie herzhaft lachen mussten, kann auch Ihre Leser zum Lachen bringen. Ein farbiger Vergleich, der Ihnen unaufgefordert durch den Kopf schießt, kann auch Ihren Lesern helfen, die Szene besser zu sehen. Eine Anekdote kann zum Aufhänger für Ihren Text werden. Fakten und Informationen können ihm zusätzliches Gewicht geben.

All das würden Sie verlieren, wenn Sie erst mit einigem Abstand zum Gesehenen oder Gelesenen anfangen würden zu schreiben.

Ihr Gehirn würde sich nur noch an Grautöne statt an farbige Highlights erinnern. Es würde die scharfen Einzelheiten nivellieren und Ihnen nur noch einen Gesamteindruck präsentieren. Sie hätten zwar noch den Wald vor Augen, aber den Zauber eines vom Blitz gefällten und geschwärzten, moosüberzogenen, feucht schimmernden Astes können Sie Ihren Lesern nur noch mit bewusster Anstrengung bieten.

Ihre Kreativität beflügeln

Ja, selbst wenn Sie Ihre Fragmente im späteren Text nicht mehr verwenden sollten, profitieren Sie noch von ihnen: Indem sie Sie im Geiste „an den Ort des Geschehens“ zurückkehren, weitere Erinnerungen auftauchen und Ihre Kreativität die Spur aufnehmen lassen.

Vielleicht schreiben Sie also nicht über den vom Blitz gefällten Ast. Dafür lassen Sie ein Gewitter Ihre Heldin in Angst und Schrecken versetzen. Je nachdem, wohin Ihre Assoziationen Sie führen. ;-)

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.02.09

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