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“Ein bisschen mehr Fantasie, bitte.” Das sagt sich so leicht. Aber was, wenn wir aus unserem Tunnelblick nicht rauskommen und uns von unseren Denkmustern nicht lösen können? Üben Sie dann den Rollentausch und wechseln Sie Denkmuster und Identität.
Mit Rollen spielen und Fantasie anregen …
Kennen Sie diese Filme, in denen Menschen ihre Körper oder ihr Alter und damit auch ihre Rollen tauschen? In denen zum Beispiel ein Mann plötzlich im Körper einer Frau aufwacht, oder ein Junge über Nacht zu einem Erwachsenen wird? „Big“ mit Tom Hanks ist für mich nach wie vor eines der schönsten – und einfühlsamsten – Beispiele dafür.
Ich liebe solche Filme. Ich liebe sie, weil sie einem wunderbar vor Augen führen, wie beliebig unsere Wertvorstellungen und Konventionen sind, wenn beispielsweise ein und derselbe Mensch ganz anders behandelt wird, nur weil er sein Geschlecht ändert.
Ich liebe sie aber auch, weil sie meine Fantasie anregen, mich mit Möglichkeiten spielen lassen und das enge Korsett meiner üblichen Betrachtungsweise sprengen.
Vorstellungsvermögen, Phantasie – das sind auch immer wieder Schlagworte, wenn es darum geht, kreativer zu werden.
Aber so einfach ist das nicht. Mich hinzusetzen und mir zu sagen, „ich werde jetzt phantasievoller“, dürfte nicht allzu effektiv sein. Da braucht es handfesteres Material, um unseren notorisch trägen Geist in Schwung zu bringen sowie den Trott unserer immer gleichen Denkmuster zu überwinden, die jeder von klein auf mit sich herumschleppt.
Deshalb lautet mein Vorschlag: Üben Sie den Rollentausch.
Üben Sie es, in den Schuhen des anderen zu gehen und mit den Augen des anderen zu sehen. Kommen Sie aus dem Tunnelblick der Fixiertheit auf Ihr eigenes Leben heraus. Tauschen Sie die Rolle und streifen Sie damit auch die Denkmuster dieser Rolle ab.
Dafür habe ich hier ein paar Übungsmöglichkeiten für Sie:
Lesen Sie Fiktives oder Historisches
Lesen Sie Geschichtsbücher, historische Romane, Science Fiction oder Fantasy-Bücher. Es gibt kaum etwas Wirkungsvolleres für Ihre Fantasie, als mit vergangenen oder fiktiven Leben und Welten zu spielen.
Versuchen Sie dabei, Anteil zu nehmen. Stellen Sie sich die Szenen bildlich vor, tauchen Sie in die fremden Welten ein, streifen Sie Ihre eigenen Denkmuster ab.
Wer hat gesagt, dass Worte nicht auch Magie haben und totes Holz zum Blühen bringen können? Wer hat gesagt, dass Frauen nicht die Krieger und Männer die Helfer und Heiler stellen können? Wie würde eine solche Gesellschaft dann aussehen?
Extra-Tipp für alle Spiele-Fans: Spielen Sie Rollenspiele wie „Das Schwarze Auge“. Denken Sie sich eine Geschichte aus, übernehmen Sie einen Charakter („Rolle“) in ihr und füllen Sie diesen mit Leben. Werden Sie zu Ihrem Charakter.
Blicken Sie über den Tellerrand
Blicken Sie über Ihren Tellerrand und versuchen Sie, in den Schuhen eines anderen zu gehen. Stellen Sie sich gedanklich das Leben Ihrer Freunde, Nachbarn oder Bekannten vor. Können Sie es vor sich sehen? Überlegen Sie konkret, wie Sie sich an deren Stelle in bestimmten Situationen verhalten hätten, welchen Rat Sie ihnen geben könnten.
Schreiben Sie einen fiktiven Brief
Schreiben Sie einen fiktiven Brief Ihres Chefs, Mitarbeiters, Kunden oder Ähnliches mehr, dessen Perspektive Sie gern teilen würden.
Versetzen Sie sich in die Rolle Ihres Chefs, der, sagen wir, seinen Mitarbeitern schreibt. Oder in die Ihres Kunden, der Ihnen schreibt. Und dann lassen Sie Ihrer Phantasie freien, aber zugleich möglichst realistischen Lauf. Schließlich wollen Sie sich ja in die fremde Rolle einfühlen.
Welche Wünsche könnte der Chef an seine Mitarbeiter haben? Welche Sorgen könnten ihn quälen? Was davon könnte er seinen Mitarbeitern wie anvertrauen? Welche Wünsche würde vielleicht der Kunde haben? Was könnte ihn stören? Und so weiter, und so fort.
Nehmen Sie neue Rollen ein
Versuchen Sie, Ihre eigenen Rollen zu erkennen und bewusst neue einzunehmen.
Wir alle haben verschiedene Rollen inne, nicht nur, was unsere “Funktion” angeht. (Ehepartner, Mitarbeiter, Nachbar oder Ähnliches mehr.)
Wir bekleiden auch “charakterliche” Rollen. Mal sind wir vielleicht der Skeptiker vom Dienst, mal der Klassenclown. Mal fühlen wir uns zum Anführer berufen, und mal sind wir ganz froh, wenn wir uns in der Position der perfekten rechten Hand ausruhen dürfen.
Gehen Sie in Gedanken Ihre verschiedenen “Einsatzfelder” (Beruf, privat, Hobby und so weiter), Ihre Kontakte (Kollegen, PartnerIn, Kinder pp.) und Lebensabschnitte (als Teenie, Twen, in den Vierzigern …) durch. Klopfen Sie sie auf mögliche Rollen ab.
Und wechseln Sie dann die Denkmuster, die Sie durch Ihre Rolle prägen, indem Sie sich in Ihrer Phantasie eine neue, vielleicht ganz andere Rolle zulegen. Wie wäre es mit dem Hausmann, der die Kinder großzieht? Der Unternehmerin? Dem Selbstdarsteller, der das Rampenlicht sucht?
Damit üben Sie nicht nur Fantasie und Vorstellungsvermögen. Sie profitieren auch von dem schönen Nebeneffekt, sich selbst besser kennen zu lernen und positiv beeinflussen zu können.
Wer sagt beispielsweise, dass Sie immer nur der knallharte Held der Straße sein dürfen? Gönnen Sie sich auch Ihre weichen Seiten. Je mehr Facetten und Wesenszüge Sie sich selbst erlauben, desto besser für Ihren Seelenfrieden – und für Ihre Kreativität.
© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 26.10.08
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