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Kolumne: Ich erlaube mir. Freiheit muss man sich nehmen.

Für gewöhnlich sehen wir uns von Sachzwängen umzingelt. Von einem freien Leben können die meisten von uns nur träumen. Doch nur ich selbst kann mir ein eigenes Leben erlauben. Und die Freiheit dazu muss ich mir nehmen.

Letzte Woche war ich bei einer Lesung von Friedrich Schorlemmer (Biografie auf Wikipedia.de), Theologe, Bürgerrechtler und Schriftsteller. Was mir von dieser Lesung besonders im Gedächtnis blieb, ist seine Aussage: „Freiheit muss man sich nehmen“.

Nun galt das in diesem Zusammenhang in erster Linie für Politik, Demokratie und Menschenrechte. Demokratie und Umstände, die ein gutes Leben ermöglichen, fallen nicht vom Himmel. Sie sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen immer aufs Neue erkämpft werden. Man muss unbequem sein, auch an bestehenden Missständen Kritik üben. Die Freiheit muss man sich nehmen.

Doch auch das eigene Leben ist keine Selbstverständlichkeit. Es kann, es muss aber auch immer wieder geformt werden. Und auch hier muss man sich die Freiheit dafür nehmen. Niemand wird sie einem auf dem Tablett servieren. 😉

Schorlemmer schloß mit den Worten: „Und dafür braucht man Mut.“

Ja, es braucht Mut, um vielleicht sogar gegen Panzer anzugehen und Schreckens-Regime zu stürzen. Doch es braucht auch Mut, um sich die Freiheit für sein eigenes Leben zu nehmen.

Schließlich sind wir Menschen von Natur aus auf Sicherheit geeicht. Schon unser Gehirn will zunächst einmal Schmerzen vermeiden, bevor es sich daran macht, nach Freude zu streben.

Wir sind Sicherheits-Tiere. Durchaus mit Sinn; aber leider führt das auch zu vielem Un-Sinn. Die Versicherungen, die wir abschließen, um uns vor allem und jedem zu schützen, sind noch eine harmlose Variante. Der Job, der Partner, die Freunde, das Leben, das wir gegen unsere eigentlichen Bedürfnisse um der Sicherheit willen wählen, können erheblich mehr kosten.

Doch es geht noch tiefer: Erziehung, Kultur, innerer Zensor, unbewusste Glaubenssätze engen uns ein, nehmen uns unsere Freiheit. Und selbst wenn wir es gut meinen und aus Liebe zu uns und anderen handeln, können wir noch Schaden zufügen – uns und anderen.

Wir sind von einem ganzen Sumpf umgeben, der uns prägt und formt und daran hindert, wirklich frei zu sein. Denn, seien wir ehrlich, die Freiheit hat ebenfalls ihren Preis. Ich überlasse es Ihnen, sich diesen ganz persönlich auszumalen.

Und doch würde ich es nicht anders haben wollen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein freies Leben zu führen. Und ich versuche es weiterhin. Sicher mit unterschiedlichem Erfolg. Doch ich kann nur dann ein eigenes Leben führen, wenn ich mir die Freiheit dazu nehme, wenn ich es mir erlaube.

Und so erlaube ich mir:

  • Ich erlaube mir, so zu sein, wie ich bin. Nicht so, wie andere mich haben wollen oder wie sie es für richtig halten.
  • Ich erlaube mir, meinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Nicht der Masse hinterher zu laufen oder das zu tun, was man angeblich tut.
  • Ich erlaube mir, mein eigenes Leben zu führen. Nicht nach den Prioritäten anderer zu leben oder ihren Erwartungen zu genügen.
  • Ich erlaube mir, mir einen Beruf aus Überzeugung zu suchen. Nicht um es der Familie, dem Partner oder dem Portemonnaie und damit der Anerkennung anderer recht zu machen.
  • Ich erlaube mir, mir Freunde aus Neigung zuzulegen und einen Partner aus Liebe zu wählen. Nicht um der Sicherheit willen oder um auf die Wünsche anderer zu reagieren.
  • Ich erlaube mir, zunächst an mein eigenes Wohl zu denken. Denn erst, wenn meine eigene Schale gefüllt ist, kann ich anderen von dem Überfluss abgeben.
  • Ich erlaube mir, mir Raum für mich selbst zu nehmen. Denn erst, wenn mein persönlicher Freiraum gegeben ist, kann ich die Nähe zu anderen suchen.
  • Ich erlaube mir, zu meinen Grenzen zu stehen und um Hilfe zu bitten. Denn erst, wenn ich gut zu mir bin, kann ich auch gut zu anderen sein.
  • Ich erlaube mir, eine eigene Meinung zu haben und Kritik zu üben. Denn erst, wenn ich selbst Autoritäten widerspreche, nehme ich mich so wichtig wie den anderen.
  • Ich erlaube mir, auf einer guten und fairen Behandlung zu bestehen. Denn erst, wenn ich für meine Rechte kämpfe, lerne ich, mich selbst zu achten.
  • Ich erlaube mir, nein zu sagen und zu enttäuschen. Denn ich bin nicht auf der Welt, um andere glücklich zu machen.

Ich könnte noch eine ganze Weile so weitermachen, doch ich höre hier mal auf. Wenn Sie wollen, setzen Sie gern selbst fort.

Dazu brauche ich: Mut, Selbstvertrauen und ein gutes Bild von mir selbst. (Denn sonst werde ich die Kraft nicht aufbringen, diesen Weg zu gehen.) Ich brauche Selbstwertschätzung. Das heißt, ich muss mich selbst lieben können, ich muss mir das wert sein.

Und noch einmal Schorlemmer: „Hoffen bedeutet, das zu tun, was einem wichtig ist. Nicht das, was leicht, eingängig, realistisch oder machbar erscheint. Nicht das, wozu der Optimismus rät.“ (Im Wortsinn wiedergegeben.)

Ich brauche Hoffnung, um mein eigenes Leben zu leben, um ein freies Leben zu führen.

Ich bin eine freie Frau. Ich erlaube mir …

PS: Ihr Bild von sich verbessern Sie mit meinem Kurs „Erkenne dich selbst. Stärken sehen und Selbstbild verbessern“.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.11.12

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