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Wie Sie mit einem fiktiven Leser besser und verständlicher schreiben

Es gibt zwei Arten zu schreiben: Entweder Sie schreiben so, wie es Ihnen in den Sinn kommt, und hoffen, dass Sie über genügend Leute stolpern, die Sie lesen wollen. Oder Sie schreiben gezielt mit Blick auf einen bestimmten Leser. So ein fiktiver Leser ist zwar auch keine Erfolgsgarantie. Er hilft Ihnen aber, besser und verständlicher zu schreiben.

Für einen konkreten Leser schreiben oder nicht?

Es gibt sie: Autoren, die einfach nur für sich und vor sich hin schreiben, ohne sich mit dem Gedanken an mögliche Leser zu belasten – und damit auch noch Bestseller landen.

Und diese Verfahrensweise hat durchaus was für sich. So erspart sie einem Leser vielleicht Gekünsteltes à la „das wird meiner Zielgruppe sicher gefallen“, und einem Autor vielleicht so manche Schreibhemmung à la „um Himmels willen, was wird meiner Zielgruppe jetzt bloß gefallen“.

Das ist allerdings die Ausnahme. Ihren fiktiven Leser brauchen Sie nicht nur, um Ihren Text den Medien oder Ihr Buch einem Verlag zu verkaufen, und beide, Text wie Buch, passend zielgruppenorientiert zu konzipieren. Schließlich ist eine Einführung für Laien, die Sie bei einem wissenschaftlichen Fachmagazin unterbringen wollen, nicht unbedingt die beste Wahl. 😉

Sie werden auch allgemein besser und verständlicher schreiben, wenn Sie ungefähr wissen, für wen Sie schreiben wollen.

Mit einem konkreten Leser vor Augen besser und verständlicher schreiben.

Logisch, es muss nicht bei einer Zielgruppe bleiben, und wenn sich Ihrem anvisierten Leser A auch die Leser B, C und D anschließen wollen, werden Sie nichts dagegen haben.

Es ist aber ein Unterschied, ob Sie jetzt für, sagen wir, alle Hobby-Gärtner schreiben oder für alle ausgebildeten Biologen. Wenn sich Ihren Hobby-Gärtnern Biologen anschließen wollen – gern. Wenn Sie aber so schreiben, dass auch Ihre Hobby-Gärtner Sie nicht lesen wollen, haben Sie ein Problem.

Deshalb gilt, machen Sie sich ein Bild von Ihrer bevorzugten Zielgruppe, Ihrem fiktiven Leser. Nur so können Sie einigermaßen sichergehen, dass Sie in Inhalt, Sprache und Stil seinen Geschmack treffen.

  • Welches Vorwissen können Sie beispielsweise voraussetzen? Müssen Sie Fakten und Hintergründe ausführlicher erklären? Oder können Sie davon ausgehen, dass Ihre Leser die meisten Informationen problemlos einordnen können?
  • Welche Fachbegriffe dürften bekannt sein? Was müssen Sie näher erklären oder sollten Sie vielleicht besser ganz meiden?
  • Welchen Stil und welches „Niveau“ können oder wollen Sie pflegen? Wollen Sie von möglichst vielen Menschen verstanden werden oder verfügen Ihre Leser über einen ähnlichen Bildungs- und Sprachhintergrund wie Sie?
  • Welche Beispiele machen Sinn? Was dürften Ihre Leser aus ihrem eigenen Alltag kennen und zuordnen können?
  • Und so weiter, und so fort.

Machen Sie sich ein Bild von Ihrem fiktiven Leser.

Hilfreich ist es, wenn Sie diesen fiktiven Leser beim Schreiben immer präsent haben.

Dazu ein Tipp: Charakterisieren Sie Ihren Leser. Fertigen Sie sozusagen eine kleine „Charakterstudie“ an. So wie Sie die Figur eines Romans zeichnen würden. Und für diesen Leser schreiben Sie dann. So haben Sie ein klares Bild vor Augen, dass Sie durch Ihre Bücher und Texte leiten wird.

Beispiel: Ihr fiktiver Leser ist weiblich. Sie ist Akademikerin. (Ausbildungsgrad und bildungsmäßiger Hintergrund.) Sie stammt aus dem Bildungsbürgertum. (Sozialer und kultureller Hintergrund.) Sie ist über 50 Jahre alt. (Das heißt durch einen bestimmten Zeitgeist, Traditionen und historische Ereignisse geprägt beziehungsweise in einer bestimmten biografisch-biologischen Situation.) Und so weiter, und so fort.

Oder: Ihr fiktiver Leser ist der sprichwörtliche „kleine Mann von der Straße“. Er hat nur einen Volksschulabschluss. Er ist ein ungelernter Arbeiter …

Oder: Ihr fiktiver Leser ist ein selbstständiger Webdesigner. Das bedeutet, er dürfte die und die Fachkenntnisse haben, die und die Fachbegriffe / Fachsprache beherrschen, die und die Interessen haben …

Oder noch anders formuliert: Was immer Sie schreiben, vergessen Sie den nicht, für den Sie es schreiben. Je besser es Ihnen gelingt, sich auf Ihre Leser „einzuschießen“, desto besser und verständlicher werden Ihre Texte.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.08.2009

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