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13 Tipps, wie Sie Geduld lernen

Wenn Sie nicht durchzuhalten drohen, brauchen Sie Geduld. Wenn Sie dringend entschleunigen wollen, brauchen Sie Geduld. Wenn Sie vor Ärger zu platzen drohen, brauchen Sie ebenfalls Geduld. Und glauben Sie mir, das sind nur ein paar Beispiele, wohin einen die Ungeduld bringen kann. Doch wie werden Sie geduldiger? Nun, aus eigener Erfahrung habe ich hier 13 Tipps, wie Sie Geduld lernen. 😉

Der eine schreibt ein Buch – und stöhnt, weil er noch sooo weit vom letzten Kapitel entfernt ist. Der andere baut sich ein eigenes kleines Geschäft auf – und birst fast vor lauter Ideen und Tatendrang. Der dritte steht in der Schlange vor der Kasse – und platzt vor lauter Ärger. 😉

Kennen Sie das auch? Allen dreien fehlt im Grunde das Gleiche: Ein bisschen Geduld.

Geduld ist nicht gleich Geduld.

Ich selbst bin zum Beispiel einerseits ein sehr geduldiger Mensch: Ich bin relativ genügsam, kann verzichten und Bedürfnisse aufschieben. Ich kann geduldig auf etwas hinarbeiten, bin hartnäckig und habe eine hohe Selbstdisziplin. Warten und geduldig sein macht mir hier nichts aus.

Andererseits will ich nach Möglichkeit immer alles sofort erledigt haben, hasse Unfertiges und Baustellen. Ich bin oft im kreativen Flow und fühle mich vorwärtsgezogen, möchte meine vielen schönen Ideen möglichst schnell umsetzen. Und früher hätte ich auch schon mal in der Warteschlange an der Kasse hochgehen können. 😉 Da fehlt mir dann die besagte Geduld.

(Anm.: Flow ist ein Begriff aus der Kreativitätsforschung. Er bezeichnet einen bestimmten Moment, Situation oder Zustand, in dem alles nur so „zu flutschen“ scheint. Die Zeit scheint stillzustehen. Man geht selbstvergessen in dem auf, was man tut. Bei Kreativen sind es oft Schaffensdrang und kreative Leidenschaft, die sie diesen Flow spüren lassen.)

Was ist Geduld?

Tja, was also ist Geduld? Geduldig ist zum Beispiel,

  • wer abwarten und Wünsche zurückstellen kann (Impuls-Kontrolle)
  • wer aushalten und Mühen, Schmerzen, Leid ertragen kann (Duldsamkeit)
  • wer dranbleiben, durchhalten, auf etwas hinarbeiten kann (Durchhaltevermögen)
  • wer Rückschläge meistern, neu starten, weitermachen kann (Frustrationstoleranz)
  • wer Gefühle wie Gereiztheit, Ärger oder Wut beherrschen kann (Affekt-Kontrolle)
  • wer Hilflosigkeit, Verstöße gegen seinen Willen hinnehmen kann (Gelassenheit)
  • wer Eile, Unrast, Oberflächlichkeit im Zaum halten kann (Sorgfältigkeit)
  • und so weiter.

Bei Kreativen kommt oft noch hinzu: Wer dem kreativen Flow, dem Rausch des Schaffensdrangs widerstehen und sich zügeln kann. Wer Projekte auch in mühsamer Kleinarbeit umsetzen kann, statt sich nur an den schönen Ideen zu erfreuen. Wer bei einer einzigen Sache bleiben kann, statt mit diversen Dingen gleichzeitig zu jonglieren. Und Ähnliches mehr. Das sehe ich bei mir, aber auch bei meinen Teilnehmern.

Wie gesagt, es gibt verschiedene Arten von Geduld. Jeder hat hier seine Stärken und Schwächen, niemand wird in allem gleich ungeduldig sein.

Für diesen Artikel habe ich mir im Wesentlichen die Kreativen vorgenommen. Zudem schöpfe ich natürlich auch aus meinen eigenen Erfahrungen. 😉

–> Zur Vertiefung: Hier lesen Sie, wie Sie mehr Durchhaltevermögen entwickeln.

13 Tipps, wie Sie geduldiger werden

A) Tipps für Selbstmanagement und Lebensgestaltung

1. Nicht zu viel Stress: Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Stress. Machen Sie nicht zu viel auf einmal. Setzen Sie sich nicht zu enge „Deadlines“ (Termine, Abgabefristen). Bauen Sie Puffer ein. Stress und (Zeit-) Druck sind kontraproduktiv zu jedem Versuch, geduldiger werden zu wollen.

2. Feste Termine zuordnen: Geben Sie Ihren Tätigkeiten mehr oder weniger feste Termine. Also etwa: In KW 21 schließe ich das neue Buch ab. Oder: Im Juni plane und organisiere ich meinen Sommerurlaub. Oder: Erst nachdem ich Aufgabe A und B erledigt habe, werde ich mich Aufgabe C zuwenden, nicht eher. So verhindern Sie, dass Sie vor Ihrem Knäuel von „Todos“ (zu erledigenden Dingen) stehen und von dem Drang getrieben werden, alles möglichst schnell abzuarbeiten und loszuwerden.

3. Teilerfolge sehen: Viele von uns starren nur auf das ferne Gesamtergebnis. (Beispiel: Das fertige Buch.) Das kann dazu führen, dass man entweder nur schwer durchhält („Gott, noch 200 Seiten!!“) oder im Eiltempo dort hinrasen will („endlich fertig“). Teilen Sie die Dinge lieber in einzelne Schritte / Arbeits-Päckchen auf und feiern Sie jedes einzelne Zwischen-Ergebnis. Seien Sie auch dankbar für jeden Teilerfolg. Das lässt Sie geduldiger auf das ersehnte Ziel zustreben.

4. Auf Belohnung warten können bzw. sich Teil-Belohnungen gönnen: Widerstehen Sie Ihren Impulsen, Ihre Wünsche und Bedürfnisse sofort erfüllt zu bekommen. Achtung: Das fällt vielen Menschen schon von ihrer Veranlagung her ziemlich schwer. Sollten Sie dazu gehören, sind gerade für Sie kleine Teilerfolge oder Teil-Belohnungen umso wichtiger. Statt der neuen Küche gibt’s eben erst einmal zwei neue Stühle, und wieder zwei Stühle, und dann einen Tisch. Und so fort.

5. Inseln der Ruhe finden: Bauen Sie Pausen und Ruhe-Inseln in Ihren Alltag ein. Entschleunigen Sie.

6. Gegengewichte haben: Gerade Kreative im Flow gehen oft völlig in dem auf, was sie tun. Sie verlieren das Bewusstsein dafür, dass es noch viele andere schöne Dinge neben ihrer Leidenschaft (für Musik, Kochen, Schreiben, was auch immer) gibt. Suchen Sie gezielt Tätigkeiten oder Situationen, die hierzu ein Gegengewicht bilden und Sie „erden“.

7. Sich ablenken: Das geht in eine ähnliche Richtung. Egal, ob Sie in der Warteschlange vor der Kasse „Ihre Betriebstemperatur langsam steigen fühlen“ 😉 oder in einer anderen Situation Ihre Geduld zu verlieren drohen – lenken Sie sich ab. Tun Sie etwas, was Sie völlig heraus- beziehungsweise herunterbringt. Lesen Sie ein Buch, wenn das neue Regal sich beim Aufbauen querstellt. Tagträumen Sie, wenn Sie die Warteschlange nervt.

B) Tipps aus dem Mentaltraining

8. Linear, nicht assoziativ denken: Das ist auch etwas für Kreative. Kreative lieben assoziative Gedankensprünge. Sie folgen gern mehreren Gedanken gleichzeitig. Für die Kreativität ist das gut, für die Geduld weniger. Denn dieses ständige mentale Hin- und Her-Springen kann Sie in einen regelrechten Rausch versetzen. Denken Sie zeitweise lieber bewusst linear, konzentrieren Sie sich immer nur auf eine Sache.

9. Affirmationen, Parolen und so weiter nutzen: Lassen Sie sich von Affirmationen („kleine, inspirierende, bekräftigende Sätze“) und Co. immer wieder darin bestärken, jetzt geduldiger sein zu wollen. Ertappen Sie sich zum Beispiel wieder dabei, Ihrer Ungeduld die Zügel schießen lassen zu wollen, steuern Sie mit einem aufmunternden „Eile mit Weile“ gegen. Das hilft Ihnen, auch wirklich wieder einen Gang herunterzuschalten, ohne zum Beispiel ein schlechtes Gewissen deshalb zu bekommen.

10. Vorstellungsvermögen aktivieren: Stellen Sie sich vor, was Ihnen alles drohen könnte, wenn Sie *nicht* ein bisschen geduldiger werden. Ihr Buch wird vielleicht nie geschrieben. (Weil Sie schon vorher das Handtuch geworfen haben.) Nach einem fulminanten Geschäfts-Start müssen Sie erst mal eine Auszeit einlegen. (Weil Sie sich verausgabt haben; das ist mir teilweise passiert.) An der Kasse geraten Sie in eine handfeste Schlägerei. (Weil Sie sich in Rage mit Ihren Mit-Wartenden angelegt haben. ;-))

C) Tipps aus der Körperarbeit

11. Das vegetative Nervensystem beruhigen: Ich habe vor einiger Zeit die Wirkung von Mantras schätzen gelernt. (Das sind kurze, gesungene oder gesprochene Wortfolgen, die über einen längeren Zeitraum wiederholt werden. Hier schätze ich vor allem den Mantra-Gesang.)

Mantras wirken extrem beruhigend auf das vegetative Nervensystem. Dieses Nervensystem steuert die automatisch ablaufenden Prozesse in unserem Körper wie Herzschlag, Atmung, Blutdruck, Verdauung, Stoffwechsel und so weiter. Und es reagiert sehr empfindlich auf unsere kleinsten (Ver-) Stimmungen.

Wenn Sie also Ihr vegetatives Nervensystem beruhigen, können Sie damit gleichzeitig direkt auf Ihren Körper einwirken und sämtliche Körperprozesse „herunterfahren“. Das geht teils auch mit normaler Entspannungs-Musik oder Entspannungs-Methoden wie Yoga und Autogenem Training. Probieren Sie es einfach aus.

D) Tipps, um Ihre Einstellung zu ändern

12. Die Reise schätzen: Ich habe mal eine Kolumne zum Thema „Wandern zum Ziel“ geschrieben. Im Prinzip ging es dabei darum, den Weg, die Reise schätzen zu lernen. Ich hatte oben schon erwähnt, warum Sie nicht nur auf das Ziel starren, sondern auch Teilerfolge feiern sollten. Hier könnte man überspitzt sagen: Wir sind unser Leben lang auf Reisen oder Wegen unterwegs, ohne das Ziel dieser Reise (sofort) zu erreichen. Wir lernen beispielsweise jahrelang für eine Ausbildung – und irgendwann schließen wir sie ab. Doch das Leben sollte auch unterwegs seinen Reiz entfalten. 😉

–> Übrigens: Wenn Sie, wie ich, eine starke Zukunfts-Orientierung haben, ist das genau Ihre Übung. (Oft typisch für Kreative mit ihren vielen Ideen.) Lernen Sie, stärker im Hier und Jetzt zu sein; das „ewige Jetzt“ zu lieben.

13. Pampern und pflegen: So will ich diesen Tipp mal nennen. Denn was mir zur Geduld auch noch einfällt, sind Dinge wie liebevoll prötscheln, bosseln, hätscheln. Sprich, mit Liebe zum Detail den Dingen beim Wachstum zusehen. Es ist ein bisschen der grüne Daumen des Gärtners, der von Ihnen gefragt ist. Den Blumen und Co. erlauben, sich nach ihren eigenen Gesetzen zu entwickeln. Sie nicht ständig zerren und ziehen, bis sie endlich groß und gediehen sind. (Das gilt natürlich nicht nur für Blumen.)

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen einen grünen Daumen. 😉

–> Kurstipp: Brauchen Sie noch die eine oder andere kleine Motivationsspritze? Dann ist vielleicht mein Kurs „Motiviert ans Werk. 7 Tipps für eine kreative Selbstmotivation.“ etwas für Sie.

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 10.05.13

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