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Gelassenheit kann man lernen

Wir stöhnen heute über Stress, Hektik, Angst, Sorgen oder Ärger. Wir regen uns auf, sind genervt oder verfluchen die Warteschlange an der Kasse. Ach, wenn es doch nur ein bisschen mehr Gelassenheit in unserem Leben gäbe. Nun, hier kommen ein paar höchst subjektive, persönlich erprobte Tipps. Vielleicht können Sie damit ja etwas anfangen.

Wer mich kennt oder meine Texte schon länger liest, dürfte mittlerweile wissen, dass ich früher zu der hitzigeren Sorte Mensch gehört habe. Sprich, ich bin schon mal ganz gern an die Decke gegangen und habe mich über Gott und die Welt aufgeregt. 😉

Da das zwar sehr anregend sein kann, man aber vielleicht auch Stunden braucht, bis man von besagter Decke wieder herunterkommt oder andere damit sogar verschreckt, habe ich das vor einiger Zeit zur „Chefsache“ erklärt.

Heute loben die Teilnehmer meiner Live-Online-Kurse witzigerweise in ihren Feedbacks oft meine „ruhige, kompetente Art“. Offenbar mache ich Fortschritte. 😉

Und da Kreative wie alle Menschen von „Aufregern“ aller Art heimgesucht werden, habe ich hier ein paar persönliche Tipps für Sie, wie Sie mehr Gelassenheit lernen.

1. Mentale Allergene finden

Den Begriff finde ich so gut, dass ich ihn gleich geklaut habe. Und zwar aus dem Buch „Die 7 Geheimnisse der Schildkröte. Geborgenheit in sich selbst finden.“.

Es gibt vermutlich so viele Tipps, gelasssener zu werden, wie es Auslöser gibt, um seine Gelassenheit zu verlieren. Jeder wird hier seine eigenen „roten Tücher“ haben, vom Streit mit dem Galerie-Besitzer bis zum Frust über die 20. Verlagsabsage.

Es wäre also sinnvoll, zunächst herauszufinden, was Ihre Nerven bloßliegen lässt, kurz, was Ihre mentalen Allergene sind, die Sie jucken. Vielleicht sind es Ungeduld, Stress oder Hektik. Vielleicht Überforderung und Überlastung. Vielleicht Ängste und Sorgen. Vielleicht bestimmte Situationen.

Beobachten Sie sich selbst. Je genauer Sie Ihre Auslöser einkreisen können, desto gezielter können Sie gegen exakt diese Auslöser vorgehen.

2. Nicht etwas auf Biegen und Brechen erreichen wollen

Ob uns das nun gefällt oder nicht: Die Welt geht ihren eigenen Gang, sie wurde nicht dafür geschaffen, uns unseren Willen zu tun. Trennen Sie sich lieber von der Vorstellung, dass alles nach Ihren Wünschen laufen muss. Alles andere wird Sie nur gereizt werden lassen. Sie können ja immer noch auf „taktische Art“ versuchen, Ihren Willen zu bekommen.

Ein Beispiel: Früher habe ich mich gern aufgeregt, wenn irgend etwas Handwerkliches nicht klappen wollte. Heute mache ich eine Pause, wenn ich merke, dass ich gereizt werde, kühle ab, suche nach weiteren Lösungen, schalte zur Not andere Leute ein.

Bleiben Sie flexibel. Akzeptieren Sie Ihre eigenen Grenzen, suchen Sie aber auch immer nach Möglichkeiten. Denken Sie an das Wasser, das mit viel Geduld seinen Weg findet. Das ist besser, als sich hineinzusteigern und es auf Biegen und Brechen erzwingen zu wollen.

Extra-Tipp: Akzeptieren Sie auch die Grenzen anderer. Schrauben Sie Ihre Ideale und Erwartungen herunter, und versuchen Sie nicht, andere Menschen nach Ihrem Willen zu formen. Das ist lediglich ein erstklassiger Stressfaktor für Sie selbst.

3. Den anderen sehen und beurteilen lernen

Wo wir gerade bei anderen Menschen sind: Oft könnten wir ein bisschen mehr Gelassenheit in zwischenmenschlichen Kontakten brauchen. Die Gemüter ereifern sich, die Sache kocht hoch – das muss doch gar nicht sein. Lernen Sie, den anderen zu sehen und zu verstehen.

Kommt es zu Unstimmigkeiten? Dann können Sie das persönlich nehmen und zu einer Gegenreaktion greifen. Oder Sie versetzen sich in die Lage des anderen beziehungsweise versuchen, dessen Handlungsmuster zu verstehen. Was könnten diese über ihn selbst, seine momentane Befindlichkeit, seinen Charakter, seine Werte und so fort aussagen?

Und nein, das soll jetzt nicht heißen, dass Sie unbedingt auf Kuschelkurs umschalten müssen. Das bedeutet nur, dass Sie die Situation gelassener angehen können. Es geht hier nicht um Sie. Es geht hier ausschließlich um den anderen, und was diesen antreiben könnte.

Ziehen Sie sich auch aus Situationen, Konflikten und Ähnlichem heraus, die Sie nicht weiterbringen. Sie müssen es nicht unbedingt bis zum Ende ausfechten. Sie können auch einfach gehen. Wägen Sie selbst ab, ob Sie etwas klären und bereinigen müssen, damit sich zum Beispiel keine falschen Muster herausbilden, oder nicht.

4. Einstellung und Wahrnehmung ändern

Sie können sich nicht herausziehen, aber auch (noch nicht) für Abhilfe sorgen? Dann gehen Sie nicht solange auf dem Zahnfleisch, bis Sie endlich erlöst werden. Verändern Sie Ihre Einstellung und Wahrnehmung.

Ein Beispiel: Nehmen wir meine aktuelle Wohnungssuche. Ich will aus meiner jetzigen Wohnung aus diversen Gründen heraus, das steht fest. Doch die Sache ist nicht so einfach. Eine passende Wohnung ist noch nicht in Sicht.

Deshalb suche ich zum einen kontinuierlich weiter, ja. Doch es hat ja keinen Sinn, sich solange über meine alte Wohnung aufzuregen, bis ich eine neue gefunden habe. Ich versuche, sie stattdessen zu genießen und ihre guten Seiten zu sehen. So kann ich hier entspannt wohnen, bis ich endlich fündig werde.

Ähnlich hält es auch eine Teilnehmerin: Ihr Job ist nicht ihr Traumjob. Doch er bietet ihr viele Vorteile. Warum soll sie die nicht gelassen genießen, bis sie vielleicht einmal einen „Ruf“ zu einer anderen Tätigkeit verspürt – und diesem dann mit Macht nachgeht.

Oder anders formuliert: Den Unterschied zwischen „gelassen sein“ und „nicht gelassen sein“ macht oft unsere Einstellung aus. Wie wir etwas wahrnehmen, bestimmt, wie wir damit umgehen. Setzen Sie hier an und versuchen Sie, Lösungen zu finden.

5. Abstand zu sich selbst gewinnen

Den Abstand hatten wir oben als Abstand zum anderen und zu dessen Verhaltensweisen. Etwas für Fortgeschrittene ist es auch, zu sich selbst auf Abstand zu gehen.

Das ist etwas, was mir nach fast einem Jahr Yoga und Meditation möglich ist: Ich kann sozusagen auf eine „Meta-Ebene“ gehen und meine eigenen Gedanken von außen beobachten. Ich kann zwischen meiner Person und meinen Gedanken trennen. Das hört sich vielleicht etwas verrückt an, doch es geht wirklich. Und diese Gedanken kann ich dann ganz nach Belieben zulassen, formen oder verwerfen.

Was das mit Gelassenheit zu tun hat? Ganz einfach: Ich kann jeden Gedanken, der mich potenziell aufregen könnte, zurückdrängen, belächeln oder in nichts auflösen. Ähnlich geht man übrigens beim NLP vor. Versuchen Sie eines davon bei Interesse einmal selbst.

Extra-Tipp 1: Das geht natürlich auch, wenn Sie Ihre Gedanken kontinuierlich hinterfragen, statt sie wie beim NLP zum Beispiel mit Visualisierungen aufzulösen oder wie beim Yoga „von außen zu betrachten“. Es ist nur ein bisschen mehr Arbeit. 😉

Extra-Tipp 2: Überlegen Sie gut, welche Gedanken Sie zulassen wollen und welche nicht. Selbstzensur oder die Gewohnheit, „auf taub zu schalten“, hindern Sie eventuell daran, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen, an sich zu arbeiten und zu lernen. Dies ist ein zweischneidiges Schwert, wie vieles im Leben. Wie Sie damit umgehen, liegt in Ihrem eigenen Ermessen.

So, und nun wünsche ich Ihnen ein bisschen mehr Gelassenheit in Ihrem Leben. 😉

–> Buchtipp: Lesen Sie auch mein Workbook „So finden Sie Ihre innere Ruhe. Stress abbauen, gelassener werden und souveräner handeln.“

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.02.2011

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