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Kolumne: Glaube an dich

Rückschläge und Misserfolge, Krankheiten und Krisen, Alter und Rente, Trennungen und Entlassungen, ja sogar Neues und Unbekanntes – all diese und andere Erfahrungen können uns an uns zweifeln lassen. Doch besonders perfide wird es, wenn es an unser Selbstbild und unseren Selbstwert geht. Da hilft nur eines: Glauben Sie an sich.

Wenn Ihnen der Glaube an sich selbst fehlt

Wissen Sie, was ich mich manchmal frage: Warum machen wir es uns eigentlich so schwer?

Ein Leser wollte seinen ersten Roman herausbringen – und natürlich sollte das so gut wie möglich geschehen, er sollte am besten gleich ein Knaller sein. Also holte er sich Hilfe, von Agenturen, Profis und Co., und überließ ihnen sein Werk. Alle sagten ihm, wie er es machen solle. Zum Schluss war sein Roman allerdings dermaßen entstellt, dass er ihn kaum noch wiedererkennen konnte – und dass besagte Agenturen seine Zukunft nur noch als Grundlage für eine TV-Schmonzette sahen.

Eine Teilnehmerin war in eine tiefe (Schaffens-) Krise geraten. Die Erfolge blieben aus. Sie stellte ihre Kreativität (als Künstlerin) in Frage. Und sie war drauf und dran, alles hinzuwerfen und sich einen „sicheren Brotjob“ zu suchen.

Ein Gast, den ich auf einer Party traf, war ein gestandener Manager von um die 60 Jahren. Vor einiger Zeit musste er neues Wissen erwerben und mit einer mündlichen Prüfung abschließen. Bei dieser Prüfung fühlte er sich „klein mit Hut“ und hatte Schwierigkeiten, sie überhaupt zu einem guten Abschluss zu bringen.

Was haben alle drei Beispiele gemeinsam? Allen Genannten fehlte der Glaube an sich selbst. An sich als Autor, als Künstlerin und als zu Prüfendem. Deshalb taten sie sich sehr schwer, ließen sich die Sache aus der Hand nehmen oder waren gar kurz davor, alles hinzuwerfen.

Warum dieser Druck, der Sie nur an sich zweifeln lässt?

Doch die Sache geht noch tiefer.

Natürlich ist es sinnvoll, sich Hilfe fürs Schreiben zu holen. Zumal, wenn man darin noch wenig Erfahrung hat. Doch warum muss ein Buch gleich der absolute Knaller sein? Noch dazu, wenn es das erste ist? Warum dieser Anspruch und Druck, mit denen man es sich nur schwer macht und seine eigene Sicht auf sein Buch nicht mehr zu vertreten wagt?

Natürlich sind Rückschläge, Misserfolge, schwere Zeiten ein Garant für Selbstzweifel, Sorgen und Tiefs. Doch warum muss das gleich etwas über einen selbst oder die eigene Kreativität und Befähigung als Künstler aussagen? Warum dieser Anspruch und Druck, der nur Erfolge anerkennt und sonst alles hinwerfen lässt?

Natürlich ist eine Prüfungssituation eine Belastung für jeden. Erst recht, wenn man so etwas vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht hat. Doch warum scheint das gleich derart ans Selbstwertgefühl zu gehen, dass man sich ohnmächtig gegenüber den prüfenden Autoritäten fühlt? Warum dieser Anspruch und Druck, der einen Manager nur gut abschließen oder sonst komplett versagen lässt?

Übliche Tipps für mehr Glauben an sich kratzen das Problem nur an

Wissen Sie, was ich meine?

Sicher könnte ich Ihnen jetzt Tipps geben, wie man zum Beispiel Ängste in Prüfungen meistert, Schaffenskrisen überwindet oder an Selbstvertrauen gewinnt. Und häufig tue ich das auch – in meinen Kursen oder Artikeln.

Auch die Ratgeber-Literatur ist voll davon.

  • Da nimmt man wie ein Leistungssportler mental die Prüfungssituation vorweg und stellt sich auf alle Eventualitäten ein. Das lässt einen gelassener in die Prüfung gehen.
  • Oder man bemüht sich, mit sehr kleinen Schritten genug Teil-Erfolge zu erzielen. So kann man die sogenannte Selbstwirksamkeit wiederherstellen und wieder an sich und seine Fähigkeiten glauben lernen.
  • Oder man versucht, jemanden in eine positive Stimmung zu versetzen, wie es die vielen Motivations- und Erfolgstrainer früherer Jahrzehnte taten. Das lässt einen „jaa, du schaffst es!!“ rufen und halb berauscht auf den nächsten Schauplatz eilen. 😉

Alles richtig, wichtig und zumindest teilweise hilfreich.

Alle mischen munter am eigenen Übel mit

Doch das will ich hier gar nicht.

Ich drehe immer noch an meiner eingangs gestellten Frage: Warum machen wir es uns eigentlich so schwer?

Warum dürfen wir nicht auch mal eine Prüfung vergeigen oder eher mau abschließen – selbst wenn wir doch so ein gestandener Manager sind?

Warum dürfen wir nicht auch mal kreative Projekte in den Sand setzen oder um Ideen und Werke ringen – selbst wenn wir uns für einen „berufsmäßig Kreativen“ und Künstler halten?

Warum dürfen wir nicht auch mal an Verlagen scheitern oder nur mit einer kleinen Leserschar starten – selbst wenn wir uns als hoffnungsvollen jungen Autor sehen?

Das zieht sich durch unsere ganze Gesellschaft und unser Leben.

Kinder werden von ihren Eltern gedrillt, ja nie etwas falsch zu machen. In der Schule wird dem Wettbewerb gefröhnt, der Schüler und Geschwister zu Rivalen werden lässt. Im Beruf ist Versagen nicht erlaubt – was doch nur Ellbogenkultur, innere Kündigungen, Mobbing und Burnout produziert. Leistungsschwächer werdende Ältere schieben wir ab in Ruhestand und Altenteil – und wundern uns, wenn das zu tiefen Sinnkrisen, Selbstwertproblemen und Depressionen führt.

Fragen Sie sich selbst

Ich habe noch einen Tipp in der Ratgeber-Literatur gefunden, den ich selbst auch schon – nicht ohne Grund – seit Jahren „predige“: Verringern Sie Ihre „Selbsterwartung“, wie es die Psychologen nennen. Man könnte es auch so ausdrücken: Runter mit den Ansprüchen und der Messlatte.

Das bedeutet: Es fällt leichter, an sich zu glauben, wenn man nicht gleich ein womöglich unerreichbares, perfektes, der Situation nicht angemessenes und so weiter Ideal vor Augen hat.

Wie steht es damit bei Ihnen?

  • Müssen Sie immer etwas leisten und gelten – oder können Sie auch einfach sein?
  • Können Sie nicht ohne Vergleich leben – oder sehen Sie auch die eigenen Gaben?
  • Sehen Sie nur, was nicht mehr ist (Jugend, Schönheit, Stärke …) – oder auch, was stattdessen ist (Erfahrung, Weisheit, Reife …)?
  • Halten Sie sich streng an Vorlagen, um alles richtig zu machen – oder können Sie auch ausprobieren und eigene Wege gehen?
  • Muss bei Ihnen alles sofort gelingen – oder können Sie sich auch entwickeln und lernen?
  • Müssen Sie immer perfekt sein – oder können Sie auch scheitern und Fehler zugeben?
  • Zählt für Sie nur der Erfolg – oder auch der Versuch?

Ich könnte damit noch eine Weile weitermachen, doch ich denke, Sie sehen das Prinzip.

Je öfter Sie beim zweiten Teil des Satzes *aus tiefstem Herzen* ja sagen konnten, desto gefestigter, in sich ruhender ist Ihre Persönlichkeit. Und desto leichter wird es Ihnen auch gelingen, an sich zu glauben.

Glaube an dich

Wenn also wieder die Stimmen kommen und wispern „das mit dem Roman, das schaffst du nicht, den Millionen-Seller packst du nicht, lass das mal die anderen machen“ – dann glauben Sie an sich. Werfen Sie den Millionen-Seller über Bord, holen Sie sich ggf. gezielt Hilfe, glauben Sie an das, was Sie sagen wollen – und haben Sie aus sich selbst heraus Erfolg.

Wenn sich alles gegen Sie verschworen zu haben scheint, Sie schwere Zweifel an Ihrer Kreativität haben und nichts mehr geht – dann glauben Sie an sich. Lassen Sie Hänger zu, holen Sie sich zum Beispiel neue Anregungen, brechen Sie aus Spuren aus und zu neuen Ufern hin – und seien Sie noch immer Künstler und kreativ.

Wenn Sie in der Prüfung in Panik verfallen und sich entsetzt wieder wie ein ängstlicher Siebenjähriger fühlen – dann glauben Sie an sich. Ignorieren Sie die Einflüsterung, dass ein gestandener Manager auch souverän durch eine Prüfung zu gehen hat, konzentrieren Sie sich nur auf den Stoff, erinneren Sie sich an das, was Sie gelernt haben – und schnappen Sie sich Ihre Note.

So geht es auch

Dann könnte das Ganze nämlich auch so aussehen, wie es mit meinen Beispielen ausgegangen ist:

Der hoffnungsvolle Autor hat neues Selbstvertrauen gewonnen und sich sein Buch wieder vorgenommen. Er lässt sich jetzt Zeit, herauszufinden, was er wirklich schreiben will und was seine Figuren ihm sagen wollen. Wenn nötig, wird er sich dafür punktuelle Hilfe holen und später selbstbewusster auf passende, auch kleinere, Verlage zugehen.

Die Künstlerin hat eine Fortbildung angefangen, um neues Wissen, neue Ideen, einen alten Traum und einen anderen Ansatz in ihre Kunst zu bringen. So gestärkt hat auch ihr Beruf gute Chancen, neuen Drive zu gewinnen, ohne dass sie sich einen „sicheren Brotjob“ suchen muss.

Na, und der Manager hat schweißgebadet seine Prüfung bestanden – und viel daraus für zukünftige Prüfungen gelernt. 😉

Glauben Sie an sich, mmh? Das ist immer noch mehr, als nur mit Mentaltraining seine Erfolgschancen zu vergrößern. Glauben Sie AN SICH.

Kurstipps:

Weitere Literatur:

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.09.13

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