Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Die Muster der Seele: Glaubenssätze erkennen

Wir glauben gern, dass wir unser Leben so führen, wie wir es für richtig halten. Doch in Wirklichkeit sind wir oft die Opfer von tiefsitzenden Glaubenssätzen, die uns und unser Leben steuern. Der erste Schritt, dort rauszukommen, ist es, diese Glaubenssätze zu erkennen. Hier gebe ich Ihnen ein paar Tipps dazu.

Wir glauben gern, dass wir unser Leben so führen, wie wir es für richtig halten. Doch in Wirklichkeit setzen wir oft nur das Leben unserer Eltern, unserer Familie, unserer Kultur, der Werte und Normen, mit denen wir großgeworden sind, fort. Selbst wenn wir uns bewusst gegen diese wenden, sind sie immer noch die Blaupause, vor der wir handeln.

Der Grund dafür sind die tiefsitzenden „Glaubenssätze“, die unser Denken und Handeln bestimmen.

Wie Ihre Glaubenssätze Sie steuern

Glaubenssätze können die Form von Sätzen, Redewendungen und so fort haben, müssen aber nicht. Die Formel „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ kann ebenso gut ein Glaubenssatz sein wie die Überzeugung, dass Frauen hinter den Herd gehören oder Teilzeit-Arbeit weniger effektiv, nutzbringend ist als Vollzeit-Arbeit.

Sie prägen unser Leben

Ich bin ein Kind einfacher Verhältnisse. Viele Dinge, die für andere völlig normal sind, waren für mich lange Zeit buchstäblich nicht existent. Oder genauer: Wenn sie existierten, dann nur in der Phantasie.

Für andere ist es beispielsweise normal, aufs Gymnasium oder zur Uni zu gehen. Ich war die erste aus meiner Familie, die das tat. Und das auch nur, weil meine Grundschul-Lehrerin mich gefördert und sich für mich eingesetzt hat.

Andere gehen wie selbstverständlich davon aus, dass ihnen anschließend im Beruf ein Platz in der Führungsetage zusteht. Ich habe nur in meinen Träumen „die Welt gerettet“. (Was wohl eine Kombination aus Geltungsdrang, Idealismus und dem Wunsch war, selbst „gerettet“ zu werden.) In der Realität sah ich mich in einer beruflichen Linie mit dem Rest meiner Familie.

Noch heute habe ich an den Folgen der dahintersteckenden Glaubenssätze zu knacken.

Sie steuern unser Verhalten

Ich habe mich lange Zeit mit dem Glaubenssatz behindert, dass ich zunächst ein konkretes Ziel haben muss, bevor ich handeln kann. Sicher sind Ziele wichtig. Doch auch Ziele entstehen nur, indem man ausprobiert, überlegt, testet und geht.

Auch wenn Sie zum Beispiel glauben, dass Sie alles immer sofort, zack-zack erledigen müssen und Sie sich damit trösten, dass „Sie nur der Stress jung hält“, prägt das Ihr Verhalten.

Sie beeinflussen unsere Kultur

Viele Mütter klagen darüber, bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit einer ungeliebten, wenig interessanten Arbeit abgespeist zu werden. Vor der Geburt ihrer Kinder waren sie noch gefragte Fachkräfte. Wollen sie jetzt in Teilzeit arbeiten, um diese betreuen zu können, greift offenbar der Glaubenssatz, dass man nur als Vollzeit-Kraft sein Bestes geben kann.

Sie machen uns das Leben schwer

Viele Frauen glauben noch heute, dass frau mindestens halbtot oder mit entschieden zu vielen Kindern geschlagen sein muss, bevor sie sich eine Haushaltshilfe zulegen darf. Das erste, was meine männlichen Nachbarn taten, als sie in unser Haus einzogen, war – sich nach einer Putzkraft umzusehen.

Sie stecken uns in Zwänge

Viele von uns glauben zum Beispiel auch, dass sie ihren „Wert“ nur durch „Erfolg“ unter Beweis stellen können. Und zwar Erfolg im Sinne von materieller Erfolg, Karriere und so fort. Ob das auch mit den eigenen Lebenswünschen in Einklang steht, ist eine andere Frage.

Sie behindern uns

Sie werden sich zum Beispiel schwer tun, Freundschaften zu knüpfen, wenn Ihnen die elterliche Ermahnung unbewusst durch den Kopf geistert: „Quatsch keine fremden Leute an.“

Und da ich gerade beim (äußeren) Erfolg war: Wenn Sie diesen nun in der Tat haben wollen, werden Sie sich schwertun, wenn Sie glauben, dass Erfolg unfein ist oder Geld stinkt. 😉

Wenn Sie Ihr Leben ändern wollen, werden Sie oft zunächst einmal an solchen Glaubenssätzen arbeiten müssen. Das Perfide ist, dass sie uns so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass wir sie nicht einmal bemerken. Der erste Schritt zur Veränderung wäre also, die Muster zu erkennen, die Sie prägen.

Woher Ihre Glaubenssätze kommen

Da gibt es sicher viele Möglichkeiten.

Manchmal beruhen sie zum Beispiel auf falschen Grundannahmen. Schon Paul Watzlawick hat in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ die Nöte eines Paars treffend aufs Korn genommen, wenn einer vom anderen glaubt: „Wenn er / sie mich wirklich lieben würde, dann würde er / sie sich so und so verhalten.“ (Und natürlich nicht so, wie er / sie das jetzt tut.)

Dahinter können eigene Vorlieben und Erwartungen stecken oder auch Dinge, die man von außen, zum Beispiel den Medien aufgeschnappt hat.

Oder es handelt sich um unzulässige Verallgemeinerungen. Beispiel: Sie glauben, dass alle Männer beziehungsweise Frauen gleich sind. Und Sie glauben, dass man aus jeder Beziehung eine gute Beziehung machen kann, wenn man sich nur genug Mühe gibt.

Doch dann werden Sie zumindest einen hohen Preis an „Anpassungs-Leistung“ zahlen müssen. Es wird Ihnen vermutlich eher um die Sicherheit und Nähe gehen, die Ihnen eine Beziehung an sich geben kann, weniger um das, was „sonst noch drin wäre“. Und spätestens, wenn der andere nicht mitziehen kann oder will, haben Sie sowieso ein Problem. 😉 (Übrigens gar nicht mal nur auf Partnerschaften bezogen, und die Liebe komplett ausgeklammert.)

Eine erstklassige Quelle für Glaubenssätze sind Eltern, Familie, Kultur, Werte und Normen. Wobei die Glaubenssätze dann weniger für sich stehen als vielmehr eine Chiffre für die Kultur sind, in der Sie aufwachsen.

Ein Teil meiner Familie ist zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsfamilie von Ostpreußen in den Westen gekommen. Alles, was sie im Krieg, auf der Flucht und in den anschließenden Jahren des Kreuz- und Querverschickens durch die Republik erlebt haben, hat uns noch Generationen später geprägt.

Wieder andere verdichten ihre eigenen Erfahrungen zu Glaubenssätzen und geben sie bewusst oder unbewusst an die Nachfolgenden weiter. So leidet eine Freundin noch heute an der Angst und an dem Hass, den ihre Mutter ihr, mit entsprechend schlechten Erfahrungen, auf Männer eingeimpft hat.

Wie Sie Ihre Glaubenssätze erkennen

Wie gesagt, es ist nicht leicht, Glaubenssätze zu erkennen.

Achten Sie zum Beispiel auf die erwähnten Verallgemeinerungen. („Alle“, „immer“, „nie“, „das macht man nun mal so“ und so fort.) Ertappen Sie sich bei einem solchen Gedanken? Dann „verhaften“ Sie diesen am besten gleich. 😉

Suchen Sie in Ihrer eigenen Biografie. Gibt es Dinge, die sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben ziehen? Gibt es Dinge, bei denen Sie sich immer wieder „aufhängen“? Dann könnte ein Glaubenssatz dahinterstecken. („Quatsch keine fremden Leute an.“)

Nebenbei: Dabei hilft Ihnen auch mein Kurs „Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens“. Oder lesen Sie zunächst meinen Artikel: „Schreiben für die Seele – Tipps für das autobiografische Schreiben“.

Achten Sie auf „Chiffren“ oder Redewendungen, die in Ihrer Familie gebetsmühlenartig wiederholt werden. („Ein Indiander kennt keinen Schmerz.“)

Suchen Sie nach negativen Mustern Ihrer Eltern / Familie. Oft genug übernehmen wir diese bewusst oder unbewusst. („Nur der Stress hält uns jung.“)

Achten Sie darauf, was Sie sagen oder schreiben. Auch hierin zeigen sich oft unbewusste Muster. Gerade Schreiben hilft, flüchtige Gedanken besser greifen zu können.

Fragen Sie andere. Unsere Mitmenschen sehen dort klarer, wo wir blinde Flecken haben oder etwas nicht sehen wollen.

Doch Achtung: Seien Sie ehrlich zu sich selbst, ob Sie das wirklich wissen wollen. Viele fühlen sich bei Feedback von anderen kritisiert, reagieren verletzt oder schlagen zurück. Menschlich. 😉

Und berücksichtigen Sie bitte auch, dass das Feedback des anderen immer durch dessen Brille und Werte gefiltert wird. Der andere sieht zwar etwas, doch wenn er nicht gerade sehr einfühlsam oder geschult ist, verrät die Interpretation eher etwas über dessen eigene Sichtweise.

Fazit

Glaubenssätze sind nicht notwendigerweise negativ. Im Gegenteil, sie hatten ursprünglich oft eine Schutzfunktion. (Etwa: „Quatsch nicht mit Fremden“, wenn die Umwelt zu einer Bedrohung geworden ist.)

Oft haben sie sich allerdings überlebt oder sind durch ihre Einseitigkeit schädigend geworden.

Manchmal macht es beispielsweise Sinn, alles sofort und schnell zu erledigen und zu bewältigen. Doch spätestens, wenn Sie versuchen, dies bei längerfristigen Projekten wie dem Aufbau einer Selbstständigkeit anzuwenden, kann das von Ihnen angeschlagene Tempo ausgesprochen negative Folgen haben. Ich spreche durchaus aus Erfahrung. 😉

(Oder nehmen Sie grundsätzlich den „Geschwindigkeits-Wahn“ der heutigen Leistungs-Gesellschaft. Auch dahinter stecken diverse Glaubenssätze.)

Ich fürchte, ich werde Sie mal wieder auf das so oft von mir erwähnte Urteilsvermögen und die Balance verweisen müssen. Lernen Sie zu denken und Ihren eigenen Weg zu gehen. Ich wünsche Ihnen dabei, genau ;-), viel Erfolg.

PS: Hier zeige ich Ihnen einen Ansatz, wie Sie „in fünf Schritten Ihre Denkmuster und Glaubenssätze ändern“.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.06.12

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)