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Die Rubikon-Methode: Gute Vorsätze halten, statt sie aufzuschieben

Zu Neujahr stürzen viele von uns sich in gute Vorsätze. Doch die wenigsten werden diese halten und in die Tat umsetzen. Manchmal wollen wir zu viel auf einmal. Manche Vorsätze fallen eher in die Rubrik (noch) „unrealistisch“. Bei wieder anderen haben wir nicht genug Durchhaltevermögen. Doch viele Vorhaben scheitern auch daran, dass wir sie bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufschieben. Dagegen könnte die Rubikon-Methode helfen.

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Das alte Jahr verabschiedet sich mit einer mehr oder weniger weißen Winterpracht. Manche – wie ich – ziehen gern Bilanz, räumen auf oder aus und bereiten sich auf das neue Jahr vor.

Viele andere fassen zudem die berühmt-berüchtigten guten Vorsätze: Schon wieder zwei Kilo von der Weihnachtsgans zugenommen – das reicht. Weg mit dem Winterspeck. Das ersehnte Buch – jetzt soll es soweit sein, jetzt wird es geschrieben. Die Fortbildung, der berufliche Aufstieg, mehr Zeit für die Familie – die Liste der guten Vorsätze ist lang.

Doch nach dem verheißungsvollen Glitzern in den Augen verpufft die ganze Energie bald wieder. Der Alltag holt uns ein. Das war es mit den guten Vorsätzen.

Neben manchen unrealistischen Vorhaben, der Kapitulation vor Langzeit-Projekten wie einer Diät oder zu vielen Vorsätzen auf einmal ist daran nicht zuletzt ein Phänomen schuld: Die Aufschieberitis. Auch Prokrastination genannt. Kurz: Wir sind nach wie vor von unseren Projekten und Ideen überzeugt – aber im Zweifelsfall doch lieber morgen, nicht heute.

Und ehe wir uns versehen, ist schon wieder ein Jahr herum – wieder steht Neujahr vor der Tür, wieder werden gute Vorsätze gefasst, und oft sind es auch noch dieselben. 😉

Wenn Sie sich immer wieder an der Verwirklichung von Vorsätzen und Zielen hindern, könnte die Rubikon-Methode etwas für Sie sein. Oder auch die Rubikon-Methoden, denn es gibt mehrere Selbstmanagement-Methoden, die sich alle der Metapher „Rubikon“ bedienen.

Ich werde Ihnen hier Elemente davon vorstellen, die Ihnen beim Kampf gegen das Aufschieben helfen können.

Was ist die Rubikon-Methode?

Das Rubikon-Modell ist nach Julius Caesar benannt, der 49 v.Chr. den kleinen italienischen Fluss Rubikon mit seinen Soldaten überschritt und damit einen Bürgerkrieg auslöste.

Caesar hatte lange gezögert und hin und her überlegt, bis er sich zu dem folgenschweren Schritt entschloss, dessen mögliche Konsequenzen – Bürgerkrieg – ihm bewusst waren.

Seitdem bezeichnet man mit der Metapher „den Rubikon überschreiten“ einen Schritt, den man nicht zurücknehmen kann.

Und genau darum geht es auch für Sie und Ihr Aufschieben: Die Rubikon-Methode will Sie Stück für Stück durch Ihre Vorsätze und Ideen leiten und es Ihnen so schwer wie möglich machen, alles wieder einmal einfach zu verschieben.

Überschreiten Sie den Rubikon. Gehen Sie Ihr Vorhaben an. Folgende Etappen können Ihnen dabei helfen.

Schritt 1: Machen Sie sich Ihre Bedürfnisse klar

Noch vor unseren Wünschen, Vorsätzen oder Zielen kommen die Bedürfnisse. Wo es kein Bedürfnis – beziehungsweise im Gegenteil keine Befürchtung – gibt, gibt es auch kein Wollen. Und ohne Wille gibt es keinen Vorsatz, kein Ziel und keine Handlung.

Bedürfnisse formen unsere Gefühle und lenken unser Denken. Wenn Sie der Aufschieberitis entkommen wollen, machen Sie sich zunächst Ihr jeweiliges Bedürfnis so klar wie nur irgend möglich.

Schritt 2: Machen Sie aus einem Bedürfnis einen konkreten Wunsch

Nehmen wir an, Sie haben das Bedürfnis „ich will anerkannt sein“. Und Sie haben das Bedürfnis „ich will viel Geld verdienen“. Dann könnte daraus der Wunsch werden „ich möchte Bestseller-Autorin werden“. Je konkreter Sie Ihren Wunsch zu fassen bekommen, desto besser.

Klopfen Sie Ihren Wunsch auch gern noch ein wenig ab, bevor Sie sich auf ihn einschießen. Ist er überhaupt machbar – theoretisch und einigermaßen realistisch? Müssen Sie eventuell einen Preis dafür bezahlen? Lohnt sich die ganze Sache dann überhaupt? Welche Folgen könnte Ihr Wunsch haben?

Informieren Sie sich, wenn Ihnen noch Wissen fehlen sollte, um Ihren Wunsch besser beurteilen zu können. Haben Sie schon erste Erfolge in dem Bereich erzielt? Das wäre ein Pluspunkt, weil es für Sie mehr Knowhow und einen Motivationsschub bedeuten kann. Auf eigenen Erfolgen aufzubauen, lässt Sie selbstbewusster und motivierter an etwas herangehen.

Hilfreich sind auch Überlegungen, wie Sie mit Ablenkungen und Störungen umgehen wollen.

Schritt 3: Treffen Sie eine klare Entscheidung

So, Sie haben Material gesammelt. Sie haben Pluspunkte gesammelt. Sie haben sich mit möglichen Konsequenzen befasst. Jetzt brauchen wir eine klare Entscheidung von Ihnen.

Halbherzige „eigentlich sollte ich mal abnehmen“ oder Ähnliches sind ein erstklassiges Ticket für die Aufschieberitis. Bis Sie sich zu einem energischen „ich werde“ durchgerungen haben, hat Ihr innerer Schweinehund schon längst den Sieg davongetragen.

Alles, was Sie bis jetzt getan haben, war für diesen einen Moment gedacht. Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Rubikon. Sollen Sie über den Fluss setzen oder nicht? Wollen Sie wirklich Ihren Vorsatz in die Tat umsetzen? Stehen Sie voll und ganz dahinter?

Okay, dann überlegen Sie, wie Sie Ihren Wunsch, Ihr Projekt oder Ihre Idee verwirklichen können. Machen Sie einen Plan.

Wie können Sie Ihr Ziel erreichen? Was müssen Sie dafür tun? Welche Reihenfolge ist sinnvoll? Womit wollen Sie anfangen? Auch hier gilt wieder: Je genauer, desto besser. Viele Wünsche und Vorsätze sind schon gescheitert, weil man nicht darüber nachgedacht hat, wie man jetzt zum Beispiel ganz konkret abnehmen will.

Bereiten Sie sich auch mental vor.

Gehen Sie jeden Schritt, den Sie tun wollen, in Gedanken durch. Erzeugen Sie passende Bilder und lassen Sie sie wie einen Film vor Ihrem inneren Auge ablaufen. Schwachstellen sehen Sie so sofort. Vor allem aber können Sie damit Ihren Willen stärken und auch bei Gegenwind leichter auf Kurs bleiben, aus Ihrem inneren Film Kraft schöpfen.

Schritt 4: Holen Sie sich Schwung durch „gute Gefühle“

Das Vertrackte selbst bei klaren Entscheidungen ist, dass wir sie zwar noch fällen mögen. Doch dann werfen wir sie wieder um oder vertagen ihre Ausführung auf morgen. Das Aufschieben hat uns wieder. So geht das nicht, so wird nichts aus unseren Vorsätzen.

Bisherige Erfolge können motivieren, nach dem Motto „ja, das schaffe ich“. Ein „Gedankenfilm“ kann Ihnen die nächsten Schritte zeigen und Sicherheit geben.

Doch wir Menschen sind Instinktwesen. Unser Verstand ist der letzte, den wir im Zweifelsfall fragen. Was Sie brauchen, ist die Kraft Ihrer Gefühle. Nur sie wird Sie vorwärtstreiben – oder von etwas abhalten wollen. (Der Weihnachtsgans, zum Beispiel.)

Und je positiver die Gefühle sind, die Sie mit etwas verbinden, desto eifriger werden Sie daran arbeiten und darauf zustreben wollen. Aktivieren Sie deshalb auch Ihr „unbewusstes Entscheidungssystem“, Ihre Gefühle. Geben Sie sich durch so genannte positive Affekte (auf gut Deutsch: gute Gefühle) den entscheidenden Kick, um Sie vom Sofa fernzuhalten und ins Handeln zu bekommen.

Versuchen Sie deshalb, Ihre Vorsätze von möglichst guten Gefühlen begleiten zu lassen. Rufen Sie sich also zum Beispiel wieder entsprechende positive Erfahrungen und Erfolge ins Bewusstsein – diesmal aber so bildhaft wie möglich, um sich auch an die Gefühle zu erinnern, die Sie damals begleitet haben.

Wenn Sie stark visuell denken, greifen Sie ruhig auf solche Koppelungen von Bildern und Gefühlen zurück. Führen Sie sich dazu entsprechende vergangene Ereignisse vor Augen.

Oder projezieren Sie in die Zukunft. Malen Sie Ihre Zukunftsbilder möglichst positiv aus. Stellen Sie sich zum Beispiel die Freude vor, wenn Sie Ihr erstes Buch in Händen halten. Öffnen Sie in Gedanken stolz die Pforten zu Ihrer Event-Agentur – das ist Ihr großer Augenblick. Genießen Sie ihn.

Andere nehmen ihre Gefühle eher als warmes Glühen wahr. Wieder andere als Töne. Manche werden im Kopf hell und frei. Andere verspüren ein sattes Gefühl im Magen. Das ist so verschieden, wie wir Menschen es sind.

Schritt 5: Handeln und springen Sie

Und noch immer sind Sie nicht davor gefeit, ins Aufschieben zurückzufallen. So schwerfällig sind wir, und so unwillig setzen wir uns oft in Bewegung.

Da gibt es nur eines: Setzen Sie über den Fluss. Tun Sie irgendetwas, was Sie am Handeln bleiben lässt und Ihnen die Rückkehr zum Sofa-Zustand erschwert. Riskieren Sie Ihren Rubikon. Fangen Sie an.

Buchen Sie einen Schreibkurs, wenn Sie schreiben lernen wollen. Machen Sie bei einem Gründer-Wettbewerb mit, wenn Sie sich selbstständig machen wollen. Allein schon die Tatsache, dass Sie sich überhaupt anmelden, wird Sie am Handeln bleiben lassen.

Wichtig ist dabei auch der Zeitaspekt. Überlegen Sie in dieser Phase nicht mehr lange, sondern handeln Sie möglichst umgehend. Je länger Sie warten, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Sie noch in Aktion treten.

Und: Wägen Sie auch nicht mehr ab. Trennen Sie diese Schritte sorgfältig. Jeder Zweifel kann Sie ins Straucheln bringen und „in den Fluss fallen lassen“. Greifen Sie ruhig zu mentalen Scheuklappen und schauen Sie nicht mehr rechts oder links.

Schalten Sie auf stur und handeln Sie einfach. Wenn Sie eine gute Vorarbeit geleistet haben, können Sie sich von dieser sicher ans Ziel führen lassen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Vorsätze, Wünsche und Ziele.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.12.2010

Literaturtipp: Mehr zur Rubikon-Methode bzw. zu den Rubikon-Methoden lesen Sie bei Felizitas Pokora „Ressourcen- und lösungsorientierte Beratung: Ein integratives Konzept für Therapeuten, Coaches, Berater und Trainer“ (Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich). Die Autorin stellt hier die von ihr entwickelte Variante dieses Pools von Selbstmanagement-Methoden vor.

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