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Kolumne: Handle nie gegen deine innere Wahrheit

Es gibt ja viele Ratgeber und Tipps, wie wir glücklicher werden können. Vielleicht sollten wir stattdessen lieber damit aufhören, uns unglücklich zu machen. 😉 Dazu könnten Sie zum Beispiel an einem ansetzen: Hören Sie auf damit, gegen Ihre innere Wahrheit zu handeln.

Ein paar Beispiele

  • Sind Sie aus diversen Gründen nach x in den Urlaub gefahren? Obwohl Sie eigentlich nach y wollten?
  • Waren Sie völlig erledigt nach dem Besuch der neuen Bekannten z? Haben Sie es aber nicht übers Herz gebracht, die Bekanntschaft zu lösen?
  • Standen Sie kurz davor, beruflich einen Weg einzuschlagen, der Ihnen nicht gut tut? Von dem Sie aber glaubten, dass Sie ihn gehen sollen?

Dann haben Sie gegen Ihre innere Wahrheit gehandelt.

Mögliche Folgen, wenn wir nicht auf unsere innere Wahrheit hören

Manchmal ist so etwas nur anstrengend. Bis zum nächsten Besuch der Bekannten haben Sie sich erholt. Latenter Frust, Ärger oder Wut sind irgendwann vergessen.

Manchmal ist der Preis höher. Ich erinnere mich da zum Beispiel an eine ehemalige Arbeitskollegin. Die Atmosphäre in der Firma war schlecht: Angespannte wirtschaftliche Lage, eine hoffnungslos überforderte Führung, Mobbing der Mitarbeiter untereinander, die um ihren Job fürchteten. Ich selbst konnte rückwärts zählen, meine Zeit dort lief ab, das hielt mich aufrecht. Doch meine Kollegin quälte sich Tag für Tag mit Medikamenten durch diese Hölle, fest entschlossen, ihren Job zu behalten. Sicher hatte sie gute Gründe dafür, doch ebenso sicher tat sie sich damit auch Gewalt an, handelte gegen ihre innere Wahrheit.

Wofür steht der Begriff „innere Wahrheit“?

Die innere Wahrheit steht für Ihre Wünsche und Bedürfnisse, Ihre Fähigkeiten und Ihre Grenzen. Sie steht für das, was Ihnen gut tut, und für das, was Ihnen schadet. Sie ist individuell verschieden, jeder wird eine andere innere Wahrheit haben.

Noch einmal zurück zu meiner Arbeitskollegin: Ungefähr die Hälfte der ursprünglichen Belegschaft hatte die Firma im Lauf der Jahre auf eigene Initiative verlassen. Sie waren nicht länger bereit, diese Situation zu ertragen. Doch von denen, die zurückblieben, waren etliche ganz in ihrem Element und nutzten die Lage, um sich „nach oben durchzuboxen“ und sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu holen. Die innere Wahrheit sah für diese Leute ganz anders aus als für die, die ebenfalls blieben – und litten.

Warum handeln wir gegen sie?

Können Sie nicht nachvollziehen, wie man gegen die eigenen Bedürfnisse, gegen sich selbst handeln oder sich sogar Schaden zufügen kann? Das kann ich gut verstehen. Doch ich denke, jeder wird hin und wieder gegen seine innere Wahrheit verstoßen, nicht nur meine Kollegin. (Oder ich selbst, die ich darin aus ganz eigenen Gründen einige Übung erlangt habe. ;-))

Überlegen Sie einmal:

  • Wann hatten Sie zum Beispiel schlicht keine Ahnung, wie Ihre innere Wahrheit aussah? (Häufiger Fall.)
  • Wann sind Sie Angst und Sicherheitsdenken gefolgt und haben ggf. Warnsignale Ihres Körpers geflissentlich überhört? (Sehr häufiger Fall.)
  • Wann sind Sie vielleicht auch mit logisch-rationalen Gründen an eine Sache herangegangen und haben so etwas wie eine „innere Wahrheit“, eine „Grenze des Machbaren“ komplett geleugnet? (In unserer Kultur sicher auch nicht selten.)

    (Meine Kollegin könnte sich vielleicht damit getröstet haben, dass die Lage auch wieder besser wird, sie immerhin die und die Vorteile genießt, sie so schnell keinen ähnlich gut bezahlten, renommierten Job wieder findet und Ähnliches mehr. Auch der Leistungsanspruch unserer Gesellschaft spielt hier hinein.)

  • Wann haben Sie sich durch widerstreitende Impulse selbst ausgebremst oder zu Fall gebracht, ohne zu wissen, welcher Impuls Ihrer inneren Wahrheit am nächsten kam?
  • Wann haben Sie falsche Prioritäten gesetzt, haben sich zu sehr angepasst, sind den Wünschen oder Vorbildern anderer, falschem Ehrgeiz oder Gier gefolgt?
  • Oder, auch das geht: Wann haben Sie Herz und Ideale über Bauch und eigene Interessen siegen lassen? (Das ist zum Beispiel typisch für viele herzgesteuerte Hochsensible wie mich.)

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will diese Motive nicht verdammen. Sicher nicht das Herz, doch nicht einmal Angst, Ehrgeiz, Geltungsdrang, Gier oder was es sonst so geben mag. Aber sie können einen Schaden anrichten, der größer ist als das, was sie eigentlich erreichen wollten. Darauf gilt es zu achten.

Deshalb möchte ich Ihnen eine Lektion mit auf den Weg geben, die mir das Leben in den letzten Jahren sehr beharrlich unter die Nase gerieben hat: Handeln Sie nie, aber wirklich nie gegen Ihre innere Wahrheit. 😉

Ein Plädoyer für die innere Wahrheit

Bitte, tun Sie sich den Gefallen:

  • Machen Sie sich die Mühe und finden Sie heraus, wie Sie wirklich ticken und was Sie wirklich antreibt. Das ist ein jahrelanger Prozess, doch er lohnt sich.
  • Lernen Sie, mehr auf Abstand zu sich selbst zu gehen und Selbstkritik zu üben. Damit sollen Sie sich nicht selbst kleinmachen, sondern sich besser durchschauen.
  • Beobachten Sie sich selbst. Wie sehen die Reaktionen Ihres Körpers oder Ihre Gefühle auf eine Sache aus? Meine Kollegin dachte sich beispielsweise nichts dabei, dass sich ein netter kleiner Berg von Medikamenten auf ihrem Schreibtisch angesammelt hatte, den sie regelmäßig konsumierte. Warum eigentlich nicht? Mir fiel das sofort auf.
  • Hinterfragen Sie Ihre Motive. Warum fahren Sie zum Beispiel nach x in den Urlaub, obwohl Sie eigentlich nach y wollen? Was sind die tieferen Gründe dafür? Wollen Sie es beispielsweise einem anderen recht machen? Wenn ja: Können Sie dann auch Kompromisse finden, von denen beide etwas haben?
  • Und da wir gerade dabei sind: Suchen Sie nach Alternativen. Einer meiner Lieblingssprüche lautet: „Es gibt immer eine Alternative.“ Und der hat mir schon durch viele Lebenslagen geholfen. Warum hat die eine Hälfte der Belegschaft die marode Firma verlassen, während viele von denen, die blieben, litten? Etliche werden keine Alternative gesehen beziehungsweise sich diese nicht zugetraut haben.
  • Lassen Sie sich nicht von anderen verunsichern. Jeder folgt zunächst einmal seinem eigenen „Bauprogramm“, seinen Ansichten und Prioritäten. Und die werden nur selten mit den Ihren übereinstimmen. Zugegeben, das ist manchmal nicht ganz einfach. Zum Beispiel, wenn Sie selbst (bei etwas) schwanken oder (durch etwas) verunsichert sind. Kümmern Sie sich dann zunächst darum.
  • Trauen Sie sich, nein zu sagen (oder zumindest so zu handeln), wenn etwas gegen Ihre innere Wahrheit geht. Meine oben erwähnte Bekannte z zum Beispiel hatte volles Verständnis, als ich ihr die Lage erklärte. Wir schieden „in beiderseitigem Einvernehmen“, wie man so schön sagt.
  • Vor allem aber: Geben Sie sich die innere Erlaubnis, nach Ihrer inneren Wahrheit zu leben. Wenn Sie sich von Ängsten, Blockaden oder falschen Motiven leiten lassen, und seien sie noch so gut gemeint, zahlt am Ende vor allem einer die Zeche: Sie.

Im Yoga gibt es das Konzept der „inneren Weisheit“ oder des „inneren Führers“. Vielleicht kann man das ein wenig mit der inneren Wahrheit gleichsetzen. Folgen Sie ihm / ihr. :-)

Kurstipps:

Lesetipp:

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 22.06.13

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