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Fünf Tipps, um Ideen zu beurteilen

Wenn Sie beim Brainstormen gut gearbeitet haben, dann haben Sie jetzt Ideen, vielleicht aber auch zu viele Ideen. Denn nicht alle lassen sich gebrauchen oder umsetzen. Damit Sie sich nicht von den falschen trennen, finden Sie hier einige Tipps, wie Sie Ihre Ideen richtig einschätzen und beurteilen.

Ideen zu finden kann mitunter leichter sein, als sie wieder loszuwerden. Das werden Sie spätestens dann merken, wenn Sie nach einer ausgiebigen Kreativsitzung mit einer Unzahl von Ideen dastehen und sich nun für die vielversprechendsten entscheiden müssen.

Bei Brainstorming und Co. ist es ja noch Sinn und Zweck der Übung, möglichst ungebremst nach Ideen zu suchen. Je mehr, desto besser. Egal, wie ausgefallen auch immer. Sich hier zu zensieren, würde bedeuten, Ihre Kreativität zu zensieren. Im Gegenteil, oft sind es scheinbar absurde Ideen, die sich als gangbarer Weg erweisen, braucht es eine Weile, um warm zu werden und sich gedanklich von vorgegebenen Strukturen zu lösen.

Als Ergebnis haben Sie also diverse Ideen, vermutlich mehr, als Sie gebrauchen oder umsetzen können. Sie müssen einen Teil von ihnen wieder loswerden. Nur sollten es die richtigen sein, die Sie verabschieden, damit Sie sich nicht irrtümlich an einer fixen Idee festklammern oder einer Idee den Todesstoß geben, die sich im Nachhinein doch als erfolgreich erwiesen hätte.

Das heißt, Sie müssen Ihre Ideen richtig einschätzen und beurteilen. Einige Ansatzpunkte dazu bekommen Sie hier.

Tipp 1: Schaffen Sie passende Rahmenbedingungen.

Sorgen Sie für die nötigen Rahmenbedingungen.

  • Sammeln Sie zum Beispiel möglichst viele Fakten, die für Ihre Ideen relevant sein können. Je bekannter Ihnen der Hintergrund ist, vor dem Sie agieren, desto geringer ist auch das Risiko für Fehlentscheidungen.
  • Sortieren Sie vor und fassen Sie fast identische Ideen zu einer Idee zusammen. Gruppieren Sie anschließend Ihre Ideen nach Themen, Schwerpunkten oder Ihrer jeweiligen Zielsetzung. So können Sie sich von einem ersten Wust an Ideen trennen, die verbleibenden Punkt für Punkt abarbeiten.
  • Wollen Sie Ihre Ideen von mehreren Leuten beurteilen lassen, dann geben Sie einheitliche Kriterien heraus. Machen Sie klar, welche Fragen Sie interessieren und welche Ziele Sie verfolgen. So können Sie Ihr Feedback bündeln, sich ein möglichst umfassendes und objektives Bild machen.
  • Lassen Sie Ihre Ideen sowohl von Fachfremden als auch von Spezialisten begutachten. Die Neulinge bringen möglicherweise einen unverstellten Blick und frische Ansätze mit. Die Experten können mit ihrem Wissen beurteilen, ob sich Ihre Idee auch umsetzen lässt, beziehungsweise verhindern, dass Sie das Rad von Neuem erfinden.

Tipp 2: Treffen Sie eine erste Vorauswahl.

Reduzieren Sie die Anzahl Ihrer Ideen durch eine erste grobe Vorauswahl.

Fragen Sie sich zum Beispiel:

  • Bietet die Idee einen konkreten Nutzen?
  • Befriedigt sie echte Bedürfnisse?
  • Hat die Idee Entwicklungspotenzial?
  • Ist sie realisierbar?
  • Unter welchen Voraussetzungen?
  • Und mit welchen Kosten und Ressourcen?

Alles, was Sie hier eher zweifeln lässt, wird gestrichen.

Oder stellen Sie zwei bis drei Bedingungen auf, die Ihre Idee unbedingt erfüllen muss. Also etwa: Die Idee muss einfach zu erklären sein, sie sollte so anwenderfreundlich wie möglich sein, sie darf nicht allzu schwer zu bewerben sein und so weiter, und so fort.

Alles, was diese sogenannten K.O.-Kriterien nicht abdeckt, wird ebenfalls gestrichen.

Tipp 3: Grenzen Sie Ihre Ideen weiter ein.

Nutzen Sie verschiedene Methoden, um Ihre Ideensammlung weiter einzugrenzen.

Fertigen Sie zum Beispiel für jede Idee eine tabellarische Gegenüberstellung ihrer Vor- und Nachteile an. Überwiegen die Nachteile in starkem Ausmaß oder hat die Idee schwere Mängel, fliegt sie wieder heraus.

Bewerten Sie Ihre Ideen nach Umsetzbarkeit und Nutzen. Tragen Sie in einem Koordinatensystem auf der x-Achse ein, wie nützlich Sie die Idee finden, und auf der y-Achse, für wie umsetzbar Sie sie halten. Setzen Sie für jede Idee einen Klebepunkt auf die Schnittstelle der beiden Werte. In die nähere Planung kommen dann alle Ideen, die möglichst nützlich und umsetzbar sind.

Abbildung Koordinatensystem

(Idee 1 ist durchschnittlich umsetzbar, aber nicht von besonders hohem Nutzen. Idee 2 scheint leicht umzusetzen zu sein und auch Bedürfnisse besser zu befriedigen. Und so weiter, und so fort.)

Mit Klebepunkten können Sie auch bei der Punktabfrage arbeiten. Geben Sie entweder wieder bestimmte Kriterien vor, die beurteilt werden sollen, oder lassen Sie alle Beteiligten ihre Favoriten mit Punkten markieren. Die Ideen mit den meisten Punkten bleiben im Rennen, alle anderen fliegen – genau – ebenfalls raus.

Tipp 4: Klopfen Sie einzelne Ideen ab.

Klopfen Sie die noch verbliebenen Ideen auf Herz und Nieren ab. Überprüfen Sie sie zum Beispiel anhand folgender Fragen:

  • Wie gut passt die Idee zu mir, in unser Unternehmen?
  • Will ich die Veränderungen, die mit der Idee verbunden sind?
  • Welche Schwächen hat die Idee? Wie lassen sie sich minimieren?
  • Was ist das Beste, was mir mit der Idee passieren kann? Was das Schlimmste?
  • Kann es Schwierigkeiten bei der Umsetzung geben, steht die Idee zu bisherigen Lösungen im Widerspruch?
  • Welche Konsequenzen könnten daraus entstehen? Wie werden die Betroffenen reagieren?
  • Wer ist bereit, die Idee mitzutragen? Wer muss noch gewonnen werden?
  • Kann ich mir die Idee überhaupt leisten? Was sagt mein Gefühl: Ja oder Nein?
  • und so weiter, und so fort

Sie können dazu auch auf einzelne Kreativitätstechniken wie etwa Edward de Bonos Sechs Hüte des Denkens zurückgreifen. Dabei steht jeder Hut für einen bestimmten Aspekt, unter dem Sie eine Frage betrachten können. (Etwas verkürzt für: Fakten, Emotionen, Chancen, Risiken, Alternativen und übergeordnet-ganzheitliche Elemente.)

Ein Beispiel: Ihre Ausgangsfrage lautet „Wer kann mir helfen, meine Idee umzusetzen?“

Unter dem Hut für Fakten könnten Sie jetzt alle Leute aufzählen, die rein sachlich als Unterstützung für Ihre Idee in Frage kommen. Unter dem Hut für Emotionen anmerken, dass Ihnen Person A nicht ganz geheuer ist, weil sie Ihnen schon beim letzten Mal nur zögernd zur Seite gestanden hat. Unter dem Hut für Chancen, dass Sie vielleicht Person B für Ihre Sache gewinnen können, wenn Sie ihr einen Nutzen für ihr Lieblingsprojekt in Aussicht stellen. Und so weiter, und so fort.

Durch den gezielten Wechsel der Betrachtungsweise können Sie Ihre Ideen genauer durchdenken, Schwachstellen ausfindig machen oder neue Perspektiven entwickeln.

Tipp 5: Verfeinern Sie Ihre Ideen.

Verfeinern Sie zum Schluss Ihre noch verbliebenen Ideen. Versuchen Sie,

  • sie zu verbessern und ihr Potenzial herauszuarbeiten
  • sie auszubauen und weitere Aspekte, Variationen zu finden
  • sie auf eine konkrete Situation zuzuschneiden und abzustimmen.

Auch hier können Ihnen Kreativitätstechniken wie die Methode 6-3-5 oder Osborns Checkliste gute Dienste leisten.

Die Ideen, die Sie am besten an Ihre Bedürfnisse anpassen, aus denen Sie das Optimum herausholen können, sind die Ihren. Alle anderen wandern wieder in die Mottenkiste.

PS: Wenn Ideen es jetzt nicht bis in die Zielgerade geschafft, sich unterwegs aber als interessant erwiesen haben, dann nehmen Sie das „Rausfliegen“ nicht allzu wörtlich. Halten Sie sie in einem Ideentagebuch oder Ähnlichem fest und holen Sie sie bei Gelegenheit wieder hervor. Bedingungen können sich ändern und neue Anforderungen entstehen. Eine Idee, die gestern noch vielversprechend war, kann morgen der Knüller sein. Gut, wenn Sie sie dann parat haben.

Viel Erfolg beim Beurteilen Ihrer Ideen.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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