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Überleben im Informationsdschungel

Das Informationsangebot wächst ins Uferlose, der Informationsbedarf aber auch. Einige einfache Handgriffe und Tricks können Ihnen dabei helfen, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden.

Die Panik, in der Informationsflut zu ertrinken

Bücher sind ein Segen. Bücher sind ein Fluch.

Ich bin mir sicher, viele von Ihnen kennen das: Diese Gier nach mehr. Das Verschlingen der Seiten. Atemlos, gebannt folgen wir dem Faden, den der Autor für uns spinnt. Die Stunden verrinnen, die Zeit vergeht. Wenn das eine Buch ausgelesen ist, kommt das nächste.

Allerdings: Was in unserer Freizeit noch amüsant sein mag, erweist sich als Bumerang, wenn wir nicht zum Vergnügen lesen, sondern um zu lernen, nachzuschlagen, uns zu informieren. Informationsflut ist hier das Stichwort oder auch information overkill.

Etwa 80.000 Neuerscheinungen gibt es jedes Jahr allein auf dem deutschen Buchmarkt. Dazu kommen eine Unzahl von Zeitungen, Zeitschriften, Internetseiten, Firmenverlautbarungen und was derlei Nettigkeiten mehr sein mögen. Das Informationsangebot wächst ins Uferlose, der Informationsbedarf aber auch.

Wir können uns nicht mehr auf dem ausruhen, was wir einmal in Schule und Beruf gelernt haben. Zu schnell verändert sich unsere Welt, zu rasant ist nicht nur der technische Fortschritt. Wir müssen heute up-to-date sein. Um mitreden zu können, uns weiterzubilden, unseren Job zu bewältigen.

Bücher sind da nach wie vor oft die Informationsquelle Nummer Eins. Und das ist ja auch eigentlich kein Problem. Es gibt sie schließlich in allen Größenordnungen, Sprachen, zu allen Themen dieser Welt. Wenn, ja, wenn da nicht die Sache mit dem Verschlingen der Seiten wäre.

Mal ehrlich, wieviel Zeit verbringen Sie so mit dem Lesen von Fachaufsätzen und Sachbüchern, von Nachschlagewerken und Ratgebern? Stunden? Tage? Wochen? Und fühlen Sie sich gut dabei, haben Sie alles im Griff oder kommt nicht doch die Panik hoch? Die Panik, nicht mehr nachzukommen mit dem Lesen, nicht mehr anzukommen gegen den Stapel, nicht mehr wegzukommen von den vorwurfsvoll wartenden Büchern? Die Panik, in der Informationsflut zu ertrinken?

Sollten Sie jetzt zu den Normalsterblichen und damit zur letzteren Gruppe gehören, ist das kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Es gibt ein paar einfache Handgriffe und Tricks, die Ihnen dabei helfen können, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden.

Tipp 1: Gehen Sie gezielt vor.

Überlegen Sie ganz genau, was Sie eigentlich suchen und was Sie wissen wollen. Machen Sie sich einen Fahrplan – und zwar, bevor Sie auch nur ein Buch in die Hand genommen haben. Fragen Sie sich:

  • Was will ich wissen? (Z.B. etwas über den Kinderfreund Tyrannosaurus Rex.)
  • Was will ich genau wissen? (Z.B. etwas über seine Essgewohnheiten.)
  • Was will ich demnach also nicht wissen? (Z.B. wer als Erster über sein Skelett gestolpert ist.)

Und dann halten Sie sich auch dran. :-) Machen Sie einen großen Bogen um alles, was nichts mit den Essgewohnheiten von Freund Tyrannosaurus zu tun hat. Und sei es noch so verlockend.

Tipp 2: Gehen Sie selektiv vor.

Halten Sie sich Ihr Leseziel vor Augen und schalten Sie alles andere aus.

  • Lesen Sie nicht alles Seite für Seite, sondern überfliegen Sie Ihr Buch und halten lediglich bei allem an, was nach Essgewohnheiten des Tyrannosaurus Rex aussieht. (Stichwortverzeichnisse, Indices und ähnliches sind auch immer schön.)
  • Versehen Sie alle diese Seiten mit kleinen Lesezeichen und bearbeiten Sie auch nur diese Seiten. Ignorieren Sie den Rest.
  • Versuchen Sie Doppelungen und Stellen mit ähnlichem Inhalt ausfindig zu machen und treffen Sie eine Auswahl. Verzichten Sie hier ganz bewusst und sparen Sie eine Menge Zeit.

Tipp 3: Überprüfen Sie Ihre Ausbeute auf Brauchbarkeit, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.

  • Konnten alle Ihre Fragen beantwortet werden?
  • Wie zuverlässig sind die Antworten?
  • Ist Ihr Informationsbedarf gestillt?

Machen Sie rechtzeitig einen Schnitt

Achtung: Seien Sie bitte bei dem letzten Punkt ehrlich zu sich selbst und machen Sie rechtzeitig einen Schnitt. Verfallen Sie nicht der Verlockung, noch mehr zu suchen, weil es irgendwo noch die eine oder andere interessante Antwort geben könnte. Die gibt es mit Sicherheit. Aber wie effizient ist das? Der Grat ist schmal zwischen einer sauberen Informationssuche und einem unkontrollierten Informationshunger.

Informationsjunkies sind ständig auf der Suche nach dem letzten Kick, der ultimativen Antwort. Sie haben Angst, dass ihnen etwas entgeht, wollen glänzen mit dem, was sie wissen und wissen doch nie genug. Die letzte Grenze ist einfach nicht zu erreichen und bevor Sie auf dem Weg dorthin zugrunde gehen:

  • Hören Sie rechtzeitig auf.
  • Begnügen Sie sich mit dem, was Sie wissen.
  • Stehen Sie zu Ihrem Nichtwissen. Sie sind auch nur ein Mensch.

Haben Sie keine Angst vor der Informationsflut. Lernen Sie schwimmen.

© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Mai 2006

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