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Inhaltsverzeichnis schreiben

Bücher, Konzepte, Studienarbeiten – ja, manchmal sogar längere Texte, sie alle haben eines: Ein Inhaltsverzeichnis. Nur, wie schreibt man eigentlich ein Inhaltsverzeichnis? Oder genauer: Worauf sollte man dabei achten? Diese ABC-Liste gibt Ihnen ein paar Tipps mit auf den Weg.

A – Aufmerksamkeit erregen

Ein Inhaltsverzeichnis ist meistens mit das Erste, was ein potenzieller Käufer oder Leser wahrnimmt. Nutzen Sie diese Chance und holen Sie ihn hier ab. Wen Sie neugierig machen oder von Ihrer Kompetenz überzeugen können, haben Sie schon halb gewonnen.

B – Bevor Sie schreiben

Schreiben Sie Ihr Inhaltsverzeichnis vor dem eigentlichen Text. Sie können so Gliederungs- und Schreibprozess trennen und anschließend umso schneller schreiben, ohne Gefahr zu laufen, den roten Faden zu verlieren.

Noch besser: Beim Schreiben können Sie sich dann nach Lust und Laune irgendeinen Punkt herausgreifen und bearbeiten. Ihr Inhaltsverzeichnis zeigt Ihnen jederzeit, wo Sie gerade im Konzept sind und woran Sie logisch anschließen müssen.

D – Denkfehler finden

Ihr Inhaltsverzeichnis hilft Ihnen aber nicht nur, den roten Faden zu behalten. Es zeigt Ihnen auch Schwächen in Ihrem Konzept auf. Denn es sammelt alle Gedanken und Inhalte, die Sie ansprechen wollen, und gibt Ihren Argumentationsgang wieder. Denkfehler oder Lücken können Sie so „auf einen Blick“ erkennen.

E – Entscheidung treffen

In diesem Sinne ist ein Inhaltsverzeichnis immer auch eine Art Entscheidungshilfe. Was Sie hier aufnehmen, findet sich auch in Buch oder Arbeit wieder. Was Sie hier ausmerzen, sollte auch bei der anschließenden Umsetzung fehlen. Der Aufbau von Inhaltsverzeichnis und Text bildet eine Einheit.

F – Fragen vermeiden

Nehmen Sie Ihr Inhaltsverzeichnis unter die Lupe und betrachten Sie es aus der Sicht eines potenziellen Lesers. Könnte die eine oder andere Stelle ihn irritieren oder Fragezeichen bei ihm auslösen? Tauchen Begriffe auf, die Sie nicht als bekannt voraussetzen können?

Sie wissen selbst, die Welt ist flüchtig geworden und alles, was man Ihnen noch schenkt, sind ein paar Sekunden. Wenn Sie Ihren Interessenten hier ins Grübeln bringen, wird er Ihre Arbeit zur Seite legen und nicht tiefer in den Text einsteigen.

G – Gliederung am Leser ausrichten

Vermeiden Sie aber nicht nur offensichtliche Unklarheiten. Richten Sie die Gliederung Ihres Inhaltsverzeichnisses am besten gleich am Leser aus.

Zum einen können Sie damit wieder potenzielle Käufer abholen. (Verpacken Sie Ihre Inhalte immer auch als Kaufargumente.) Zum anderen aber auch den Leser „an die Hand nehmen“ und durch den Text führen, Wissenslücken und Rätselraten vermeiden.

Fragen Sie sich dazu immer wieder, was der Leser bis jetzt erfahren hat, was Sie ihm als nächstes sagen wollen und wie Sie dazu vorgehen werden. Umso schlüssiger wird Ihr Konzept werden und umso leichter kann man Ihnen folgen.

I – Inhalte ordnen

Wonach Sie konkret gliedern, können Sie weitgehend selbst entscheiden. Natürlich geben Ihnen Stoff und Thema grobe Richtungen vor. Alles andere hängt aber davon ab, was Sie wie sagen wollen, mit anderen Worten: Ist Ausdruck Ihres eigentlichen Buch- oder Schreibmotivs.

So könnten Sie zum Beispiel einem Leser neues Wissen chronologisch nach der zeitlichen Abfolge vermitteln. Oder in Form einer Auseinandersetzung mit Pro- und Contra-Argumenten. Als Aufzählung oder Hinführung zu einem bestimmten Ziel. Als Spannungsbogen oder Plot bei einem Roman. Und so weiter, und so fort.

Wichtig ist nur, dass Sie Ihr einmal gewähltes Prinzip auch konsequent beibehalten.

K – Kapitel strukturieren

Geben Sie jedem Kapitel eine aussagekräftige, nicht allzu lange Überschrift (Stichwort auch hier wieder: potenzielle Käufer ansprechen) und nummerieren Sie sinnig durch. Achten Sie auch darauf, nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen. Ich tippe mal, dass ich nicht die Einzige bin, die sich von Unterkapiteln fünften Grades wie 1.1.1.1.a „Allgemeine Betrachtungen zu xyz“ verwirren lässt. 😉

In diesem Sinne ist vielleicht weniger mehr. Das heißt, machen Sie nicht jeden einzelnen Gesichtspunkt zum Bestandteil eines Unterkapitels. Fassen Sie nach übergeordneten Kriterien zusammen und strukturieren Sie dann gegebenenfalls im Kapitel selbst weiter durch.

M – Mängel in der Struktur beseitigen

Und noch ein letzter Check-up: Werfen Sie einen Blick „von oben“ auf Ihr Inhaltsverzeichnis. Verkleinern Sie dazu zum Beispiel ruhig die Anzeige Ihres Textverarbeitungsprogramms.

Wie sieht Ihr Inhaltsverzeichnis aus? Macht es einen ausgewogenen Eindruck? „Stimmt“ die Optik?

Beispiel: Wenn sich bei Ihnen Kapitel mit 10 oder gar keinen Unterkapiteln abwechseln, kann einen die abgehackte Struktur aus dem Lesefluss reißen, sieht es nicht mehr „schön“ (und damit einladend) aus.

Steuern Sie dann gegen und passen Sie die Gliederungstiefe beziehungsweise den Umfang Ihrer Unterkapitel an.

V – Verändern und Anpassen

Und bevor Sie fragen: Nein, Sie müssen sich jetzt nicht dogmatisch an Ihr einmal erstelltes Inhaltsverzeichnis halten. Es ist eine Arbeitshilfe, die Ihren Schreibprozess erleichtern und eine Richtung vorgeben soll. Mehr nicht. Wenn Ihnen während des Schreibens neue Ideen kommen oder alte sich überlebt haben, passen Sie einfach Ihr Inhaltsverzeichnis an. Dann bleiben Sie auch drin: In Ihrem Raster und Ihrer Richtung.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 15.04.2008

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