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Wie reden Sie denn mit sich? Vorsicht vor negativen Selbstgesprächen.

Wir reden permanent mit uns, und meistens nicht besonders wohlgesonnen. Zu tief sitzt oft die Gewohnheit, an sich herumzukritteln und sich schlecht zu machen. Das Problem ist, dass aus solchen Gedanken sehr oft entsprechende Taten werden. Und wer sich einredet, dass er eben nicht kreativ ist, der wird auch Schwierigkeiten haben, kreativ zu sein.

Sich in negativen inneren Dialogen fertigmachen

„Ich bin ein Versager.“ – „Ich wusste doch, dass ich nicht schreiben kann.“ – „Die wollten bestimmt nur nett zu mir sein, als sie mein Bild gekauft haben.“

Je nachdem, wie wir veranlagt sind, können wir uns den lieben, langen Tag mit solchen „Nettigkeiten“ verwöhnen. Dann kasteien wir uns selbst, halten den kleinsten Misserfolg für die Bestätigung unserer Unfähigkeit und verdächtigen jeden Erfolg, reine Glückssache oder der gute Wille anderer zu sein.

Negative Selbstgespräche oder negative Selbstverbalisierungen nennt man diese – hier negativen – beurteilenden inneren Dialoge. Und die Praxis, sich in so einem Selbstgespräch fertigzumachen, ist beileibe kein Randphänomen. Das zeigen mir meine Teilnehmer immer wieder, wenn ich sie bitte, Beispiele für solche Dialoge zu sammeln, und ihnen zu den negativen Selbstgesprächen erheblich mehr Antworten einfallen als zu positiven.

Das ist aber verheerend, weil aus so einem inneren Dialog ganz schnell eine sich selbst erfüllende Prophezeiung wird. Und ehe wir uns versehen, sind wir so weit, nichts mehr schreiben oder malen oder tun zu wollen, weil das sowieso nichts bringt. Zumindest aber werfen wir beim geringsten Widerstand alles hin, nur um diese Selbstprophezeihung nicht Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Mechanismus dahinter ist die Bewertungsschiene in unserem Kopf

Denn egal, was wir tun oder was uns widerfährt, immer sind wir dabei, uns selbst und unsere Erfahrungen zu bewerten. Wie war ich bei der Grillparty? Konnte ich mich sehen lassen? Wie war ich in der Prüfung? Nicht so gut abgeschnitten? Typisch für mich, warum wollte ich auch so hoch hinaus.

Das Problem ist nur, dass diese Bewertungen nicht „objektiv“ sind.

Sie sind nicht objektiv, weil es Objektivität in diesem Sinne gar nicht gibt. Wir sind Menschen und wir handeln und urteilen rein subjektiv. Wir können allenfalls versuchen, möglichst viele Perspektiven hinzuzuziehen oder Blickwinkel einzunehmen, um ausgewogener zu urteilen. Oder wir können versuchen, unsere eigenen Überzeugungen außen vor zu lassen, um neutraler zu urteilen.

Und sie sind nicht objektiv, weil es uns – gerade auf uns selbst bezogen – schwerfällt, ausgewogen und neutral zu urteilen. Nur zu oft driften wir in die eine oder andere Richtung ab, und dann sind wir entweder ein Versager oder der andere ist unfähig, unsere Qualitäten zu erkennen. 😉

Es dauert lange, bis man von sich selbst zum Beispiel sagen kann: Ja, ich bin in vielen Bereichen in Mathe eine Niete. Aber in manchen Bereichen bin ich auch sehr gut. Und ich habe, bedingt durch die Versäumnisse mancher Lehrer oder die Lücken im Lehrplan Mängel, die ich selbst noch angehen müsste, um herauszufinden, ob sie mir liegen oder nicht.

Meistens machen wir es uns zu einfach und bleiben bei den Interpretationen unserer inneren Dialoge im Positiven oder Negativen hängen. Und viel zu viele wählen aufgrund ihrer Erziehung oder übernommener Überzeugungen dann das Negative.

Wie kann man hier gegensteuern?

Nun, das Ideale wäre wohl, diese Art der hinterfragenden, kritischen Interpretation von sich selbst ausbilden zu können, um wirklich beide Seiten zu sehen.

Zumindest aber sollten Sie versuchen, die Finger von allem reflexhaft Negativen zu lassen. 😉

  • Achten Sie bewusst darauf, wie Sie mit sich selbst reden. Ertappen Sie sich bei Ihren inneren Dialogen bei so einer pauschalen Verurteilung, halten Sie inne. Kneifen Sie sich zum Beispiel schmerzhaft oder drücken Sie auf ein Quietsche-Entchen. Hauptsache, Sie reißen sich selbst aus diesem automatischen Gedankenstrom.
  • Hinterfragen Sie Ihre Selbstgespräche. Sind Sie beispielsweise sicher, dass man Ihre Bilder nur kauft, weil man nett zu Ihnen sein möchte? Wie wahrscheinlich ist das? Welcher Mensch würde so etwas tun? (Von Freunden und Familie mal abgesehen. Aber auch hier dürfte sich das Engagement – schon aus finanziellen Gründen – in Grenzen halten.)
  • Formulieren Sie positiv um: Gut, die Grillparty war also ein Fiasko. Aber wie viele andere sind dafür gut über die Bühne gegangen? Und hat nicht auch das Fiasko noch seine guten Seiten gehabt? Haben nicht zumindest alle herzhaft gelacht und ihren Spaß gehabt? Oder werden Sie nicht aus dem Fiasko für das nächste Mal lernen können? Und so weiter, und so fort.
  • Hinterfragen Sie die Motive Ihrer Mitmenschen. Niemand handelt ohne Grund, und dieser Grund ist in der Regel bei demjenigen selbst zu suchen. Ernten Sie einen frustrierenden Verriss Ihrer neuesten Veröffentlichung? Wer weiß, ob derjenige nicht neidisch auf Sie war, sich an einem wunden Punkt getroffen fühlte oder einfach einen schlechten Tag hatte.

Übernehmen Sie nicht blind solche Urteile und lassen sich in Ihrem negativen Selbstbild bestätigen. Es ist Ihre Aufgabe zu entscheiden, was Sie näher prüfen wollen und was nicht.

Wenn Sie schon beurteilende Selbstgespräche führen – und das tun wir alle –, dann halten Sie es wie beim Tennis: Werfen Sie sich die Argumente wie Bälle zu. Glauben Sie mir, das macht Spaß. In diesem Sinne: Spiel – Satz – und Sieg. 😉

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07. Oktober 2009

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