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6 Tipps, wie Sie Ihren inneren Kritiker zähmen

„Unser schlimmster Feind sind wir selbst.“ Das ist ein kluger Spruch. Denn kein äußerer Feind könnte uns so fertigmachen, wie wir das täglich mit unserem inneren Kritiker tun. Mit dem Ergebnis, dass Autoren vielleicht nicht mehr schreiben, Kreative ihr Werk begraben und Otto-Normalos sich das Leben unnötig erschweren. Lesen Sie, wie Sie mit diesem inneren Zensor besser umgehen.

Viele Menschen, ob kreativ tätig oder nicht, fürchten die Kritik von anderen. Dabei sitzt der schlimmste Kritiker uns nicht gegenüber, sondern mitten in unserem Kopf. Es ist der sogenannte innere Kritiker oder innere Zensor.

Schriftsteller leiden an einer Schreibblockade, weil ihr innerer Kritiker ihnen erzählt, dass sie nicht schreiben können. Trainer kasteien sich nach einem Seminar selbst, was sie alles hätten besser machen können. Otto-Normalbürger findet sich zu dick, zu dünn, redet sich ein, er sei ein Versager, und bedenkt sich mit Nettigkeiten, die man seinem schlimmsten Feind nicht ins Gesicht sagen würde.

Was ist der innere Kritiker?

Der innere Kritiker ist der kleine Mann in unserem Ohr, der uns von früh bis spät an unsere Fehler und Schwächen erinnert, bis wir uns selbst blockieren und nichts mehr geht. Tödlich für unsere Kreativität, denn wer fängt schon gern etwas Neues an, wenn die Stimme in ihm flüstert, dass das sowieso schiefgehen wird.

Der innere Kritiker begleitet uns seit frühester Kindheit. Er ist die Stimme der personifizierten Ratschläge, mit denen wir großgeworden sind.

Das Problem ist, dass er einseitig operiert.

Wenn Eltern oder andere prägende Personen uns früher ermahnt oder kritisiert haben, gab es wohl meistens auch Gegenbeispiele von Lob, Anerkennung und Co. Selbst wenn diese nicht ausdrücklich geäußert wurden und man genauer hinsehen musste.

Die blendet der innere Zensor komplett aus beziehungsweise hat sie nicht bewusst wahrgenommen. Die evolutionäre Grundeinstellung unseres Gehirns, stärker auf Fehler zu achten, weil die einen im schlimmsten Fall das Leben kosten können, lässt grüßen.

Dabei meint es unser Hausfreund gar nicht mal böse. Er will uns – ähnlich wie der innere Schweinehund – nur vor Schaden oder schmerzlichen Erfahrungen bewahren, indem er uns entweder trimmt oder ausbremst.

Denn je unbarmherziger wir uns selbst kritisieren (und entsprechend an uns herumlaborieren), desto weniger haben andere Anlass, das zu tun. Und je weniger wir uns zutrauen, desto weniger kann auch schiefgehen.

Allerdings hat das – ebenfalls ähnlich wie beim inneren Schweinehund – nur die fatale Folge, dass wir uns damit erst recht Schaden zufügen.

Nur die wenigsten überstehen ein solches Gewitter an Selbstvorwürfen, ohne dass ihre Seele leidet. Wer beständig gegen sich selbst kämpfen muss, macht sich das Leben schwerer, als es ist. Und kreative Träume, Taten und Werke landen womöglich dort, wo sie ungut Schimmel ansetzen: In der Schublade.

Was also tun, wenn wir vor lauter Selbstkritik nicht mehr dazu kommen, unsere Kreativität zu leben? Dafür habe ich hier 6 Tipps für Sie.

Achtung: Bitte nehmen Sie diesen Artikel, wie andere ähnlich gelagerte Beiträge, nur als Anregung. Ich kann und will hier keine psychologische Beratung geben, sondern kann nur den Finger auf etwas legen, an dem Sie gegebenenfalls selbst weiterarbeiten müssen.

1. Machen Sie Ihren inneren Kritiker sichtbar

Wenn Sie die Stimme in Ihrem Ohr als solche erkennen, ist das schon die halbe Miete. Viel zu viele nehmen das tägliche Gewitter als naturgegeben hin. Als höhere Gewalt, der wir blind folgen.

Dabei ist es nur ein Teil von uns, den wir selbst erschaffen haben, um bestimmten Dingen Ausdruck zu verleihen. Wir können ihm seine Gestalt wie seine Macht auch wieder nehmen.

Manchmal verkörpert der innere Kritiker auch eine bestimmte Person für uns: Ein strafendes Elternteil zum Beispiel. Hier hilft es ebenfalls, uns klarzumachen, dass wir keinen ehernen Wahrheiten lauschen, sondern etwas Äußerem und / oder selbst Erschaffenem.

2. Hinterfragen Sie Ihren inneren Kritiker

Wer mich kennt, weiß, dass das zu meinen Lieblings-Gewohnheiten gehört: Alles und jeden zu hinterfragen. Manchmal ist es lästig, manchmal stelle ich mir damit selbst ein Bein, aber meistens ist es recht nützlich. In diesem Fall bewahrt es mich davor, unreflektiert solchen vermeintlichen Wahrheiten zu folgen.

Denn Kritik, egal ob innere oder äußere, ist zunächst einmal nur eines: Eine Sichtweise. Mehr nicht. Niemand zwingt mich, mich ihr anzuschließen und zu folgen.

Wenn Sie nicht schon in der Pubertät gegen Ihre Eltern rebelliert und Ihren eigenen Standpunkt vertreten haben, sollten Sie das spätestens jetzt mit dem inneren Kritiker tun. 😉 Entscheiden Sie immer selbst, ob das, was Ihr Hausfreund Ihnen da sagt, Ihrer Meinung nach gerechtfertigt ist oder nicht.

3. Entkräften Sie den inneren Zensor durch Gegenbeispiele

Leichter geht das, wenn Sie Gegengewichte suchen. Wenn die Stimme in Ihrem Ohr Ihnen also zum Beispiel zuflüstert, dass Sie eine Niete sind, ist es höchste Zeit, dies durch Gegenbeispiele zu entkräften.

Machen Sie sich Ihre Erfolge bewusst. Erkennen Sie Ihre Stärken. Fragen Sie auch ruhig andere Menschen und lassen Sie sich Feedback geben.

Ich würde mich nicht wundern, wenn es Ihnen so geht wie einer Teilnehmerin von mir, die neulich verwundert bis entrüstet war, dass ich so wenige „Fehler“ in ihrem Text angestrichen habe. Bei ihr hatte sich die Überzeugung verfestigt, dass sie die größte Niete im Schreiben sei, die es geben könne. 😉

4. Entwickeln Sie Ihre eigenen Maßstäbe und Werte

Leichter geht das Hinterfragen auch, wenn Sie Ihre eigenen Maßstäbe und Werte ausbilden. Wenn Ihr Kritiker Ihnen zum Beispiel erzählen will, dass Sie zu bequem sind, es für Sie aber völlig in Ordnung ist, bequem zu sein, solange Sie Ihre Aufgaben bewältigt bekommen, halten Sie ihm das entgegen.

Schließlich stecken hinter der Stimme Ihres Kritikers oft nur Muster und Ansichten, die Ihnen von anderen vorgehalten wurden oder werden, die diesen noch nicht einmal selbst folgen müssen.

Werte sind beliebig. Nur Sie entscheiden, bis zu welchem Grad Sie mit Ihrer Bequemlichkeit noch auskommen und wann Sie vielleicht etwas gegen diese unternehmen müssen.

5. Seien Sie liebevoll zu Ihrem inneren Kritiker

Nehmen Sie Ihrem Zensor viel von seiner Schärfe, indem Sie ihn liebevoll umärmeln. Zucken Sie nicht unter seinen vermeintlichen Schlägen zusammen. Sie wissen ja jetzt: Er meint es eigentlich nur gut mit Ihnen.

Wenn Sie so wollen, haben Sie hier eine Mischung aus übernommenen Autoritätsfiguren (Eltern, andere Bezugspersonen, Medien pp.) und Ihrem eigenen ängstlichen Ich vor sich.

Besänftigen Sie dieses zeternde kleine Kind, das seine Deckung nicht verlassen will. Machen Sie ihm Mut herauszufinden, dass die Annahme „ich bin zu dick“ oder „ich bin die größte Niete im Schreiben, die es geben kann“, völlig aus der Luft gegriffen ist.

6. Verwandeln Sie Ihren inneren Kritiker in einen inneren Freund und Führer

Wie gesagt, Ihr Hausfreund meint es eigentlich gut mit Ihnen. Er schießt nur über das Ziel hinaus beziehungsweise versteht es nicht, „richtig zu kommunizieren“.

Da heißt es dann „ich bin ein Versager“ statt „ich bin ein Schüler, ich wachse noch, wir wachsen im Prinzip alle unser Leben lang“, oder Ähnliches mehr.

Nehmen Sie ihm den negativen Filter, finden Sie heraus, was er eigentlich für Sie tun will, und suchen Sie Möglichkeiten, dies zu erreichen.

Wenn Ihr Kritiker Ihnen zum Beispiel sagt „das schaffst du nicht“, dann fragen Sie ihn, warum er das glaubt. Und wenn er berechtigte Einwände hat, weil Sie zum Beispiel noch Wissenslücken haben, dann suchen Sie nach Wegen, diese zu schließen oder trotz der Lücken weiterzumachen.

Ein Freund, der es wirklich gut mit Ihnen meint, wird Sie nicht blauäugig in Ihr Unglück rennen lassen, sondern versuchen, Ihnen mit seiner Perspektive weiterzuhelfen. Und sei es als „Kritik“.

Oder anders formuliert: Der innere Kritiker ist nicht von sich aus schlecht. Er kann Ihnen helfen, mehr aus sich herauszuholen, und er kann Sie vor manchem Fehler bewahren. So wie auch Ihre Eltern, Bezugspersonen oder sonstigen Vorbilder Ihres Kritikers es vermutlich wollten. Sie müssen nur lernen, mit ihm umzugehen. Mmh? 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 15.06.10

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