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Intuition fördern durch Scheibchen schneiden

von Heike Thormann

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Wenn Sie einen Geistesblitz oder den richtigen Riecher haben, dann war sie wieder am Werk – Ihre Intuition. Aber Sie müssen nicht darauf warten, dass sie sich aus heiterem Himmel zu Ihnen gesellt, Sie können sie auch trainieren. Zum Beispiel mit dieser Übung.

Verstand ist gut, Bauch nicht selten besser – könnte man neuere wissenschaftliche Erkenntnisse vielleicht auf den Punkt bringen. Ob es darum geht, Entscheidungen zu treffen, komplexe Situationen zu überblicken oder Ideen zu finden – oft ist unser Unterbewusstsein unserem rationalen Denken weit überlegen, haben wir eine Ahnung oder den richtigen Riecher.

Wir – oder genauer unsere Intuition.

Aber was ist das eigentlich, Intuition?

Das intuitive Denken ist ein unbewusstes Denken. Es läuft sozusagen im Untergrund ab und speist sich aus den Informationen, die unserem Unterbewusstsein zur Verfügung stehen.

Vieles von dem, was wir wahrnehmen und erleben, was wir denken, lernen oder fühlen, wird dort verarbeitet und gespeichert. Ohne aktives Zutun und in einem erheblich höheren Maße, als das bei unserem Bewusstsein der Fall ist.

Einige Beispiele:

  • Wir liegen friedlich in unserer Hängematte und lesen. Bis wir unterschwellig ein Donnergrollen wahrnehmen und hochschrecken, um Kissen und Co. vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. (unbewusste Wahrnehmung)
  • Wir ringen mit einem Problem, ohne eine Lösung zu finden. Bis wir die Kontrolle lockern und ungesteuert – vielleicht unter der Dusche oder im Schlaf – Informationen neu verknüpfen, einen Geistesblitz haben. (unbewusste Informationsverarbeitung)
  • Wir kochen gerade Milch, als wir einen Anruf erhalten. Am Telefon sind wir fahrig und nervös, denn wir wissen aus Erfahrung, dass Milch überzukochen pflegt – und es nur eine Frage der Zeit ist, wann das bei uns der Fall sein wird. (Erfahrungswissen)

Alles drei, unbewusste Wahrnehmung, unbewusste Informationsverarbeitung und Erfahrungswissen, sind Elemente unserer Intuition.

Letzteres, das im Laufe eines Lebens angesammelte Erfahrungswissen, ist auch der Grund dafür, warum wir besonders gut auf den Gebieten intuitiv sind, auf denen wir Experten sind, ein entsprechendes Wissen angesammelt haben. Dieses Wissen blitzschnell wiederzuerkennen oder aber mit neuen Informationen zu kombinieren, ist eine Basis der Intuition.

Wir müssen nur einen Zugriff darauf finden.

D.h. wir sollten nicht nur möglichst viel Wissen ansammeln, sondern auf dieses Wissen auch unbewusst zugreifen können. Und das lässt sich trainieren – etwa mit der Scheibchen-Methode.

Ein Beispiel:

Sie sind ein langjähriger Verkäufer, haben unzählige Verkaufsgespräche geführt. Sie brauchen nur Ausschnitte eines solchen zu sehen – und können mit hoher Treffsicherheit voraussagen, wie das Gespräch ausgehen wird. Instinktiv und intuitiv.

Woran liegt das?

Als „alter Hase“ haben Sie sich ein umfangreiches Wissen angeeignet. Was ein Anfänger noch lernen muss, nämlich Argumentation, Körpersprache und Umfeld zu deuten, können Sie auf den ersten Blick einordnen. Sie brauchen nur eine Momentaufnahme und es öffnen sich in Ihrem Gehirn die richtigen Schubladen: Diese Nuance könnte dies, jene scheinbar beiläufige Bemerkung das bedeuten.

Oder mit anderen Worten:

Auf der Basis Ihrer Erfahrungen ist Ihr Unterbewusstsein in der Lage, kleinste Momente davon in einer gegenwärtigen Situation wiederzuerkennen, Muster ausfindig zu machen. Es schneidet das angesammelte Wissen sozusagen in dünne Scheiben und überträgt diese dann vergleichend auf die neue Situation.

Üben Sie doch mal

Und das können Sie fördern – indem Sie zum Beispiel üben,

  • Indizien zu sammeln
  • Wesentliches zu erkennen
  • und Unwichtiges auszusortieren.

Das heißt, um beim Beispiel des Verkäufers zu bleiben:

  • Achten Sie auf die Informationen, die Sie von Ihrem Gegenüber bekommen. Nehmen Sie sie bewusst wahr. Registrieren Sie, soviel Sie können. Kommunikation, Verhaltensweise, alles. (Indizien sammeln)
  • Bringen Sie dann diese Informationen mit dem Ergebnis zusammen. Stellen Sie Vergleiche an, ziehen Sie Parallelen. Die Abschlusswahrscheinlichkeit steigt, wenn Sie Ihr Gegenüber zum Lachen bringen können? Merken. (Wesentliches erkennen)
  • Werfen Sie alle Beobachtungen über Bord, die offenbar nichts mit dem angestrebten Ergebnis zu tun haben oder hatten. Entlasten Sie so Ihr Gedächtnis. (Unwichtiges aussortieren)

Wenden Sie das Ganze doch gleich einmal praktisch an:

  • Überlegen Sie, was Sie das Wetter richtig einschätzen lässt.
  • Hinterfragen Sie, was Sie ein mulmiges Gefühl verspüren lässt.
  • Beobachten Sie, was Sie beim Schach die nächsten Züge erahnen lässt.

Und so weiter, und so fort.

Denn eines ist sicher: Wir alle sind mit der Gabe der Intuition geboren und wir alle sind intuitiv. Wir achten nur zu selten darauf und erst im Rückblick stellen wir fest, ob und dass wir mit unserem “siebten Sinn” richtig gelegen haben.

Diese Gelegenheiten wahrzunehmen und die Gründe dafür zu erkennen, kann unserem Unterbewusstsein dabei helfen, Erfahrungen in Scheiben zu schneiden und Muster zu sehen – kurz, eine Situation intuitiv einzuschätzen, eine Ahnung oder den richtigen Riecher zu haben.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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