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9 Tipps, wie Sie kreativ Konflikte lösen

Konflikte sind normal. Sie müssen nicht einmal schlecht sein. Doch die Art, wie mit ihnen umgegangen wird, kann oft zu großem Schaden führen. Lernen Sie, wie Sie Konflikte kreativ lösen. Hier habe ich ein paar Ideen für Sie.

Eines vorweg: Konflikte sind normal.

Wann immer Menschen zusammenkommen, liegt das Potenzial für einen Konflikt in der Luft. Die Nachbarn, die sich über den neuen Mieter ärgern. Das Kreativteam, das sich über das weitere Vorgehen nicht einig wird. Das Autoren-Duo, das sich spinnefeind werden kann.

Konflikte müssen auch nicht schlecht sein.

Sie legen den Finger auf offene Wunden, Unzufriedenheit und nicht erfüllte Bedürfnisse. Sie erlauben eine produktive Auseinandersetzung und einen „Funkenflug“ der Gedanken, statt angepasst im Gleichschritt zu marschieren. Sie tragen in sich die Saat der Veränderung und der Verbesserung, statt alles unter einem Mantel von (scheinbarer) Harmonie zu begraben.

Was die Kreativität angeht, heißt es sogar, dass zu viel Harmonie schädlich sein kann.

Sich um der Harmonie willen zurückzunehmen, bedeutet im Allgemeinen, auf verschiedenartigere und ungewöhnlichere Ideen zu verzichten. Wer es allen recht machen will, wird, wie ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, bald feststellen, dass er zwischen allen Stühlen sitzt. Und manche Kreativitätstrainer meinen auch: Wer kreativ sein will, sollte sich jemanden suchen, mit dem er so richtig gut streiten kann. 😉

Dennoch: Konflikte sind nicht schön. Sie kosten viel und können schweren Schaden anrichten.

Oder genauer, die Art, wie mit ihnen umgegangen wird, kann schweren Schaden anrichten. Wer die Beherrschung verliert und in Wut gerät, kann sich und anderen Schaden zufügen. Wer kalt schneidet und schweigt, fügt den gleichen Schaden zu. Wer in Deckung und aus dem Weg geht, ist auch nicht besser dran. Wer dem anderen droht, Rache nimmt oder dritte Parteien mit einbezieht, trägt ebenfalls zur Eskalation bei.

Konflikte, die nicht gelöst werden, lähmen, sabotieren oder verhärten. Beziehungen gleich welcher Art zerbrechen daran. Und der wirtschaftliche Schaden durch Konflikte bei der Arbeit ist enorm.

Konflikte sollten also gut geführt und produktiv gelöst werden, wenn man ihre Chancen nutzen will, ohne Gefahr zu laufen, destruktiv zu werden. Das ist nicht leicht, nicht zuletzt, weil die Beteiligten bei einem Konflikt in der Regel voneinander abhängig sind oder sich zumindest gebunden fühlen. Das heizt die Temperaturen erst recht an.

Immerhin, hier habe ich ein paar Ideen, wie Sie Konflikte kreativ lösen. Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich gehe davon aus, dass die Beteiligten den Wunsch haben, den Konflikt friedlich zu lösen. „Zwangsmaßnahmen“ werden Sie hier nicht finden. 😉

1. Betreiben Sie Ursachenforschung

Suchen Sie nach den Ursachen des Konflikts. Sie können etwas nicht lösen, dessen Ursache Sie nicht kennen. Warum ist der Konflikt ausgebrochen? Worum geht es in ihm? Was wollen die Beteiligten? Was stört sie, so dass sie in einen Konflikt geraten sind?

2. Achten Sie auf Marotten Ihres Gehirns

Unser Gehirn hat die eine oder andere Marotte, die es uns erschwert, einen Konflikt zu lösen.

Wir neigen zum Beispiel dazu, Recht haben zu wollen. Wir mögen es gar nicht, verunsichert und angezweifelt zu werden. Aus dem gleichen Grund schieben wir die Schuld auch gern anderen in die Schuhe. Auch das entlastet und bestätigt uns. Oder wir neigen dazu, bemitleidet werden zu wollen. Das tröstet zumindest und baut auf.

So löst man aber keinen Konflikt. Achten Sie darauf, ob Sie Ihr Gehirn und damit sich selbst bei so einer „Abwehrmaßnahme“ ertappen.

3. Wechseln Sie die Perspektive

Das ist eine Grundvoraussetzung, um Konflikte zu beenden: Lösen Sie sich von der Fixiertheit auf sich selbst. Wechseln Sie die Perspektive und versuchen Sie, den anderen und seine Motive zu verstehen.

Reden Sie offen miteinander und hören Sie ruhig zu. Vielleicht helfen Ihnen auch Techniken wie das Paraphrasieren und das aktive Zuhören weiter.

Lernen Sie, sich selbst zu hinterfragen. Üben Sie es, Ihren eigenen Anteil und Ihre eigenen Fehler zu sehen.

4. Kalkulieren Sie Wahrnehmungs- und Kommunikationsfehler ein

Denken Sie daran, dass wir alle über persönliche Filter verfügen, die uns etwas einmal so und dann wieder so verstehen lassen. Das gilt für unsere Kommunikation, die wir subjektiv und emotional deuten. Und das gilt auch für die Art, wie wir etwas, Handlungen und Geschehenisse zum Beispiel, interpretieren.

Das ist bereits im „Normalzustand“ so. Bei einem Konflikt verengt sich unsere Wahrnehmung erst recht. Die üblichen Missverständnisse und Kommunikationsprobleme heizen die Sache weiter an.

5. Gehen Sie vom Positiven aus

Wie gesagt, bei Konflikten sind Denk- und Kommunikationsfehler an der Tagesordnung. Es hilft deshalb, wenn Sie sich an das Motto halten „in dubio pro reo“. Also etwa: Im Zweifel für den Angeklagten. Gehen Sie zunächst einmal davon aus, dass der andere es positiv meint. Negative Schlüsse können Sie immer noch ziehen.

Legen Sie die Worte des anderen auch nicht auf die Goldwaage. Bei Konflikten neigen wir schnell dazu, unzutreffend zu verallgemeinern, zu übertreiben oder im Ton abzurutschen.

Ein aktueller Fall: Eine Freundin liegt in einem „sanften Dauer-Clinch“ mit ihrem Chef. Beide sind sich nicht wirklich grün, kommen aber im Normalfall noch gut miteinander aus. In potenziellen Konfliktsituationen verschärfen sich Ton und Interpretation jedoch. Da kann ein sachlich gemeintes „darüber sprechen wir noch“ des Chefs bei meiner Freundin als Beziehungsaussage und Drohung ankommen.

6. Lassen Sie sich von Außenstehenden helfen

Manchmal hilft es, Dritte oder Außenstehende hinzuzuziehen. Diese können weitere Perspektiven bieten, entschärfen, moderieren, vermitteln, Lösungen vorschlagen und anderes mehr. Das können Freunde und Co. sein. (Die dann aber objektiv und unabhängig genug sein müssen, beide Seiten sehen und beide Positionen vertreten zu können, ohne ein Ende der Freundschaft zu befürchten.) Oder auch Profis wie Mediatoren, Coaches, Berater und Therapeuten.

7. Nutzen Sie Kreativtechniken

Wenn Sie mit Ihrer Mit-Autorin oder Ihrer besseren Hälfte spinnefeind sind, ist es vielleicht keine so gute Idee, als nächstes eine Kreativtechnik aus dem Hut zu ziehen. Dafür sollten Sie erst den Boden bereiten. Doch bei Gruppen, Teams, im beruflichen Umfeld oder mit einem externen Profi als Unterstützung können Kreativitätstechniken weiterhelfen.

Gerade Methoden, die den Perspektivwechsel fördern, können zur Entschärfung der Lage und zu gegenseitigem Verständnis beitragen. Also beispielsweise Edward de Bonos 6 Hüte des Denkens, die Methode Other Peoples Views vom gleichen Erfinder oder – je nach Konflikt – auch die Walt-Disney-Methode. Mit dem Fischgräten-Diagramm können Sie nach der Ursache des Konflikts suchen.

8. Suchen Sie nach Lösungen

Ideen und Lösungen zu finden, scheint fast synonym mit Kreativität zu sein. Also werden Sie kreativ und suchen Sie nach Lösungen für Ihren Konflikt. 😉

Brainstormen Sie und sammeln Sie Ideen. Halten Sie einen Konfliktlösungs-Kreativ-Workshop ab. Setzen Sie sich mit dem oder den Beteiligten zusammen und suchen Sie nach win-win-Lösungen. Also nach Lösungen, von denen alle Parteien profitieren.

Wenn Sie selbst nicht ruhig genug dafür sind, ziehen Sie wieder die erwähnten Externen hinzu. Klären Sie auch, wie die Lösungen umgesetzt werden sollen. Vereinbaren Sie dazu klare Ziele.

9. Ziehen Sie gegebenenfalls eine Trennung in Betracht

Nicht jeder Konflikt lässt sich lösen. Manchmal ist die Situation so unhaltbar geworden, dass Rettungsmanöver nicht mehr greifen. Manchmal stimmt das Verhältnis nicht. Ein Autoren-Duo, das sich nicht unter einen Hut bringen lässt, wird nie auf einen grünen Zweig kommen. Und so weiter, und so fort. In so einem Fall kann auch eine Trennung eine Lösung sein.

Wie gesagt, Konflikte sind nicht an sich schlecht, nur die Art, wie mit ihnen umgegangen wird. Etwas ungeklärt im Keller brodeln zu lassen, wird früher oder später zur Explosion führen. Es liegt in Ihrer Hand, ob Sie Konflikte kreativ lösen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 29.07.10

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