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Fort mit dem Abstrakten. Werden Sie konkret.

Ersparen Sie Ihrem Leser Rätselraten und Textwüsten: Werden Sie konkret. Konkrete Begriffe und Details machen Ihren Text anschaulicher und leichter verständlich.

Abstrahieren und Zusammenfassen ist nützlich

Bello ist nicht nur Bello. Bello ist auch ein Hund. Genauso wie Fiffi und Lassie und Kommissar Rex und wie sie nicht alle heißen. Hunde und andere Sammelbegriffe sind die höhere Mathematik unseres Denkens. Sie fassen einzelne Teile zu einem Ganzen zusammen. Wer das Wort „Hund“ hört, sieht eben nicht nur Bello, sondern theoretisch auch noch viele andere Bellos neben ihm.

Eigentlich eine feine Sache, dieses Abstrahieren und Zusammenfassen.

  • Nützlich, wenn man gerade nicht weiß, ob man einen Pekinesen oder eine Dogge vor sich hat. (Hund ist eben Hund.)
  • Notwendig, wenn man es mit Gruppen und nicht mit Individuen zu tun. (Hundesteuer für alle Hunde und nicht nur für Pekinesen.)
  • Praktisch, wenn man weder Zeit noch Lust hat, zwischen Pekinesen und Doggen zu unterscheiden. (Sie haben halt gerade einen Hund sein Geschäft machen sehen.)

Nur: Anschaulich, lebendig, verständlich werden Texte voll abstrakter Hunde damit nicht.

Aber es hat auch seine Nachteile

1. Der Leser muss mühsam entschlüsseln: Was ist eigentlich gemeint?

Wissen Sie, was ein Autor mit „Pflanzen“ meint? Sind es Moose und Farne, Gänseblümchen, Efeuranken oder etwa die Hagebutten in Nachbars Garten? Wenn Sie nicht konkret werden, weiß Ihr Leser nicht, was gemeint ist. Erst wenn Sie die Gänseblümchen nennen, kann er Ihnen folgen, wird er Sie und Ihre Texte wirklich verstehen.

2. Der Leser wird nicht informiert: Worum geht es ganz genau?

Manche Autoren wollen es gar nicht: Dass ihre Leser Anteil am Text nehmen und sich eine eigene Meinung bilden. „Personal freizusetzen“ klingt harmloser als „den Meier von der Post nach 10 Jahren loyaler Arbeit zu feuern“. Entsprechend hüten sie sich davor, zu konkret zu werden und in die Einzelheiten zu gehen.

Sollten Sie aber überzeugen statt ruhigstellen wollen, sollen Ihre Leser mitdenken, mitfiebern und -erleben, dann greifen Sie zu konkreten Details. Leser, die mitdenken, sind auch Leser, die an Ihren Texten dranbleiben.

3. Der Leser hat kein Bild vor Augen: Wie sieht die Sache aus?

Können Sie „Hund“ sehen? Mal ganz ehrlich. So richtig als Bild in Technicolor, vielleicht noch mit Ton dazu? Also ich nicht. Die Bilder vor meinem geistigen Auge sind bestenfalls eine Abfolge oder Überlagerung einzelner Vertreter der Spezies. Mehr nicht.

Servieren Sie mir dagegen einen „Dalmatiner“, sehe ich einen schlanken, mittelgroßen Körperbau und das charakteristische glatte Fell mit den vielen Punkten. Ich sehe sogar den Zeichentrickfilm „Aristocats“ vor mir, weil Dalmatiner darin eine wichtige Rolle spielen.

Lassen Sie Ihren Leser Ihre Texte „sehen“. Sprechen Sie seine Sinne, seine Erinnerungen, seinen Erfahrungsschatz an. Umso reicher, lebendiger und vielschichtiger werden Ihre Texte.

4. Der Leser muss sich durch Textwüsten quälen: Was will der Autor sagen?

Habe ich Sie noch nicht überzeugt, „Dalmatiner“ zu schreiben, wenn Sie auch einen Dalmatiner meinen?

Dann überlegen Sie doch mal, wie lange Sie sonst brauchen, um Ihrem Leser klarzumachen, worum es nun geht. Bei einem Dalmatiner mit seinen typischen Flecken mag es noch relativ schnell gehen. Bei einem, sagen wir, Dackel sieht es schon anders aus. Etwa so: „Also da ist dieser Hund. Sehr klein, langgestreckter Körper, Schlappohren, manchmal langes weiches Fell, manchmal eher kurz und drahtig …“

Sie sehen, was ich meine? Werden Sie konkret und kommen Sie auf den Punkt. Ein Dackel braucht keine weitere Erklärung. Ein Hund schon.

Werden Sie konkret

Meiden Sie abstrakte Zusammenfassungen und verwenden Sie, wann immer möglich, konkrete Begriffe.

a) Werden Sie konkret und schreiben Sie Dackel oder Gänseblümchen, wenn Sie sie meinen. Geben Sie Ihren Lesern Wörter, die sie sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen können.

b) Brechen Sie auf die kleinste Einheit runter und schreiben Sie Suppenteller statt Geschirr, Löffel statt Besteck.

Üben Sie das Ganze gleich mal mit der folgenden Übung.

Schreibübung: Konkret schreiben

So, jetzt sind Sie dran. Schreiben Sie anschaulich, lebendig, verständlich und … konkret. 😉

a) Zum Aufwärmen: Frischen Sie Ihren Wortschatz auf. Wenn Sie die Namen der Dinge nicht kennen, können Sie diese kaum erwähnen. Studieren Sie Pflanzenbücher, fragen Sie Hundehalter nach der Rasse ihres Hundes, gehen Sie Ihr Besteck durch.

Kleiner Nebeneffekt: Sie schulen so auch Ihre Wahrnehmung, setzen sich aktiv mit Ihrer Umwelt auseinander. Ein Schriftsteller ist vor allem eines: Ein Beobachter. Beobachten Sie.

b) Ein Gefühl für die Sache kriegen: Halten Sie in Artikeln, Büchern und so weiter nach abstrakten, allgemeinen Formulierungen Ausschau und ersetzen Sie diese durch konkrete.

Beispiel:

Der Mann ging mit seinem Hund Gassi. (abstrakt)

Herr Meyer pfiff einmal kurz, griff nach der Leine und schon trabte die Dackeldame Tessi munter neben ihm her. (konkret)

c) Konkret schreiben: Schreiben Sie einen Text von einer halben DIN A4 Seite zu einem Thema Ihrer Wahl. Achten Sie darauf, so konkret wie möglich zu werden, und verwenden Sie Sammelbegriffe und Zusammenfassungen nur dort, wo sie wirklich sinnvoll sind.

Ran an die Dalmatiner …

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.09.08

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