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Sechs Tipps, um kreativ Entscheidungen zu treffen

Je mehr Wahlmöglichkeiten wir haben, desto mehr Entscheidungen müssen wir auch treffen. Ein Segen, der schnell zum Fluch werden kann. Aber Entscheidungen zu treffen kann man auch lernen: Zum Beispiel mit diesen sechs etwas unorthodoxeren Methoden für kreative Entscheidungen.

Heute haben wir mehr denn je die freie Wahl.

Wir können zwischen Alternativen wählen und Arbeit und Privatleben zu einem guten Teil selbst gestalten. Doch je mehr Wahlmöglichkeiten wir haben, desto mehr Entscheidungen müssen wir auch treffen. Ein Segen, der schnell zum Fluch werden kann. Und zwar spätestens dann, wenn wir uns womöglich aus lauter Sorge, ja richtig zu entscheiden, selbst blockieren und gar nichts mehr entscheiden.

Entscheidungen zu treffen kann man aber auch lernen.

Da gibt es zum Beispiel die mehr oder weniger systematische Herangehensweise, bei der man Argumente sammelt, gewichtet und sich für die vielversprechendste Alternative entscheidet.

Kreativitätstechniken wie die Sechs Hüte des Denkens von Edward de Bono oder die Walt-Disney-Methode können hier helfen. Denn mit ihnen können Sie die einzelnen Alternativen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und leichter auf ihre Vor- und Nachteile abklopfen.

Sie können aber auch etwas unorthodoxere Methoden wählen, um kreativ Entscheidungen zu treffen.

Methoden, bei denen es darum geht, kreativ eine Entscheidung und ihre möglichen Konsequenzen in Gedanken durchzuspielen. Frei nach dem Motto: Je klarer Ihre Vorstellung von einer Entscheidung ist, desto leichter können Sie sie auch treffen.

Ausgangssituation klarmachen

Bevor Sie mit dem Entscheiden loslegen, machen Sie sich am besten noch einmal die Ausgangssituation klar. Vor welchem Hintergrund steht Ihre Entscheidung? Wollen Sie sie freiwillig treffen oder müssen Sie auf Druck?

Und dann auch: Warum wollen Sie sie treffen? An welchen Problemen soll Ihre Entscheidung ansetzen, welche Lösungen erhoffen Sie sich von ihr? Beziehungsweise: Was ist das für ein möglicher Druck? Selbstgemacht? (Wenn ja, wodurch und warum?) Oder von außen herangetragen? (Von wem und warum?)

Nicht zuletzt: Welche Konsequenzen kann Ihre Entscheidung haben? Bis wann müssen Sie sie treffen? Was passiert, wenn es Ihnen nicht gelingt, sich zu entscheiden?

Je sorgfältiger Sie hier arbeiten, desto mehr „Futter“ haben Sie für Ihre Entscheidung, können auf der Basis von Fakten arbeiten und Ihre Gefühle besser verstehen.

Der imaginäre Freund

Bei Entscheidungen immer hilfreich: Alle Pros und Contras mit einem Vertrauten oder Freund durchzuspielen.

Und zwar nicht nur, weil dieser Freund vielleicht noch weitere Ideen hat oder uns auf Denkfehler hinweisen kann. Sondern vor allem, weil wir unsere Gedanken klären können, wenn wir die einzelnen Argumente einer Entscheidung mit einem anderen durchspielen. Das Wirrwarr von Gefühlen, in das uns eine Entscheidung zu stürzen pflegt, lässt sich so besser handhaben.

Nur: Manchmal ist gerade leider kein Freund zur Hand, der uns helfen könnte. Dann gibt es einen Trick: Reden Sie mit Ihrem imaginären Freund.

Ich weiß nicht, hatten Sie als Kind einen imaginären Freund? Einen Freund, den es nur in Ihrer Phantasie gab? Die meisten Kinder haben einen solchen Freund, egal, ob Mensch, Tier, Fabelwesen oder Fernsehheld. Wir können uns nur selten daran erinnern.

Wenn auch Sie Ihren imaginären Freund im Laufe der Jahre verloren haben sollten, dann erschaffen Sie sich jetzt einen neuen. Erklären Sie Ihrem Phantasiefreund, was alles für und gegen eine Alternative spricht, warum eine Entscheidung eine gute oder weniger gute Wahl wäre. (Sie können auch zu Stift und Papier greifen und mit Ihrem Phantasiefreund durch Aufschreiben kommunizieren.)

Der Vorteil: Je intensiver Ihre „Zwiesprache“ mit Ihrem imaginären Freund ist, desto besser können Sie Ihre Gedanken sortieren und leichter eine Entscheidung treffen.

Das Zufalls-Prinzip

Immer schon beliebt bei Entscheidungen: Eine Münze zu werfen oder sonstwie den Zufall zu Hilfe zu nehmen.

Dahinter steckt eine einfache Erkenntnis: A) Es fällt uns Menschen oft schwer, eine Entscheidung zu treffen. Viele sind regelrecht erleichtert, wenn das ein anderer für sie übernimmt. Und B) Wir neigen dazu, uns an eine Entscheidung zu gewöhnen und sie zu rechtfertigen, sobald wir sie einmal getroffen haben.

Daraus kann man dann C) machen: Einen anderen – das Prinzip Zufall – entscheiden zu lassen und zu lernen, an dieser Entscheidung Gefallen zu finden. Frei nach dem Motto: Es ist wichtiger, mit seiner Entscheidung glücklich zu werden, als sich auf der Suche nach der „richtigen“ Entscheidung den Kopf zu zermartern.

Keine Bange, falls Ihnen die Sache nicht ganz geheuer sein sollte: Wenn Ihre Münze oder Ihr Abzählen von Gänseblümchen-Blättern und Co. Ihnen eine Entscheidung bescheren sollte, die Ihnen absolut gegen den Strich geht, wird Ihr Bauch Ihnen das schon sagen. Und Sie werden unbewusst nach Möglichkeiten suchen, den Versuch zu wiederholen, um ein günstigeres Ergebnis zu erzielen.

Auch eine Methode, durch äußeren Druck („diese Wahl ist jetzt bindend“) diejenigen Alternativen auszusieben, mit denen Sie auf keinen Fall leben können.

Den einfachsten Weg wählen

Es ist nichts Neues: Wir machen uns das Leben bekanntlich oft schwer. Je einfacher etwas zu sein scheint, desto weniger trauen wir ihm über den Weg und suchen nach der „richtigen“, weil komplexen Lösung.

Nur, oft genug ist tatsächlich der einfachste Weg auch der beste Weg, das hat nicht nur Sherlock Holmes erkannt. („Schließe alle komplexen Faktoren aus und was dann übrig bleibt, muss die Lösung sein.“)

Wenn Sie also eine Entscheidung treffen müssen, dann gewichten Sie die zur Wahl stehenden Alternativen und greifen zu derjenigen, die für Sie die einfachste ist.

Auch bei dieser Methode geht es, wie beim Zufalls-Prinzip, wieder darum, eine Entscheidung anzunehmen und sich ihrer Vorteile bewusst zu werden, egal, wie sie zustande gekommen sein mag.

Und auch hier gilt: Wenn Ihnen der einfachste Weg Magendrücken bereitet, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass Sie nach dem zweiteinfachsten Weg Ausschau halten sollten. 😉

Mit der Wunschfee arbeiten

Diese Methode ist auch ziemlich beliebt: So zu tun als ob beziehungsweise eine Wunschfee vorbeikommen zu lassen.

Im Klartext: Sie stellen sich vor, dass Sie Ihre Entscheidung schon getroffen und verwirklicht haben (eine Wunschfee hat sie Ihnen erfüllt), und Sie fragen sich nun sozusagen rückblickend, ob das auch die richtige Entscheidung war.

Beispiel:

Sie stehen vor der Entscheidung, ob Sie sich selbstständig machen wollen oder nicht. –> Ihre Wunschfee hat Ihnen diesen Wunsch erfüllt. –> Sie stehen jetzt in Gedanken sozusagen mit Ihrem fertigen kleinen Unternehmen da, x Jahre in der Zukunft.

Sie stellen sich so konkret wie möglich vor, was das alles für Sie bedeutet bzw. bedeuten kann: Harte Aufbaujahre, viel Arbeit, ständiges Jonglieren mit dem Geld, für alles verantwortlich und zuständig zu sein, und so weiter, und so fort. Aber auch: Viel Freiheit und Gestaltungsspielraum, eine Arbeit nach den eigenen Interessen machen zu können, niemandem Gehorsam schuldig oder jederzeit kündbar zu sein.

Horchen Sie in sich hinein, wie sich diese Entscheidung für Sie anfühlt. Gut? Dann treffen Sie Ihre Wahl. Nicht so gut? Dann überlegen Sie sich die nächste Alternative und lassen wieder die Wunschfee ans Werk.

Nach dem Ideal suchen

Das geht in die gleiche Richtung. Allerdings lassen Sie jetzt keine Wunschfee zu Hilfe eilen, um in Gedanken das Ergebnis zu begutachten. Sie machen sich erst noch auf die Suche nach der idealen Lösung.

Dazu sammeln Sie zuerst einmal Alternativen, schreiben diese irgendwo gesondert auf und – wichtig – legen diesen Zettel dann beiseite. Das ist sozusagen die logische Vorarbeit, basierend auf Fakten und den Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Als nächstes suchen Sie dann (allein oder in der Gruppe) nach Ihrer Ideallösung. Jetzt dürfen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf lassen und nach dem Optimum greifen, egal wie praktikabel auch immer.

Und zum Schluss vergleichen Sie Ihre Alternativen mit dem Optimum und picken sich die heraus, die dem Ideal am nächsten kommt.

Beispiel:

Sie haben ein Haus auf den Lofoten geerbt und überlegen nun, was Sie damit machen wollen.

Ihre Alternativen sind: Das Haus verkaufen, das Haus an Einheimische (als Dauermieter) vermieten, es an Feriengäste vermieten, es leerstehen lassen und in den Ferien für sich selbst nutzen, dorthin ziehen und es selbst bewohnen.

Ihr Ideal ist: Sie wollen mit dem Haus Geld machen, es aber auch bewohnen können.

Ihr Abgleich mit den Alternativen könnte dann zum Beispiel sein: Es die Hälfte der Zeit an Feriengäste zu vermieten und die andere Hälfte für sich selbst zu nutzen.

Buridans Esel oder scheinbar gleichwertige Alternativen

Zum ersten Mal habe ich die Fabel von Buridans Esel in einer Science-Fiction-Geschichte von Marion Zimmer Bradley gelesen.

Verkürzt geht es darum, dass ein Esel zu seiner Rechten und Linken jeweils ein offensichtlich gleich großes und leckeres Bündel Heu hat, sich aber nicht entscheiden kann, von welchem er fressen soll und deshalb kläglich verhungert.

Der Prinzip dahinter ist weniger die Tatsache, dass wir uns nicht zwischen den Heuballen entscheiden können.

Es ist die Tatsache, dass es uns oft schwerfällt, auf die eine der beiden, anscheinend gleichwertigen Alternativen zu verzichten. (Also den einen Heuballen zugunsten des anderen links liegen zu lassen.)

Eine Lösung wäre, bewusst nach Nachteilen und dem Haar in der Suppe zu suchen, um die eine Alternative gegenüber der anderen aufzuwerten und auf die zweite einfacher zu verzichten.

Beispiel:

Ihre „Heuhaufen“ oder Alternativen sehen so aus, dass Sie – als Frau – überlegen, ob Sie lieber Karriere machen wollen oder Ihnen eine Familie und Kinder wichtiger sind. (Für viele sicher immer noch ein Handicap. Die volle Vereinbarkeit von beidem dürfte nur selten gegeben sein.)

Dann könnte Ihr Haar in der Suppe bei Karriere zum Beispiel so aussehen: Keine Kinder haben oder diesen nur einen Bruchteil Ihrer Zeit widmen zu können, bei Kindern mit einer Doppelbelastung hantieren zu müssen, auf den Halt und die Geborgenheit einer Familie verzichten zu müssen. Und so weiter, und so fort.

Das Haar in der Suppe bei der Präferenz Familie: Ein Karriereknick, von dem Sie sich vielleicht nie wieder erholen, wahrscheinlich finanzielle Einbußen, eventuell Abhängigkeit von Ehepartner und Co., eine Ausbildung, die Sie nicht (mehr) nutzen können pp.

Wichtig: Zählen Sie bitte nur die negativen Folgen auf, nicht wie bei der Wunschfee-Methode das komplette Bild mit Vor- und Nachteilen.

Das Ziel dieser Methode ist es, die Nachteile Ihrer jeweiligen Wahl in aller Härte zu erkennen. So fällt es Ihnen leichter, die Waage in die eine oder andere Richtung kippen zu lassen und auf die plötzlich nicht mehr so attraktive Alternative zu verzichten.

Entscheidungen sind immer harte Arbeit. Aber je klarer unsere Vorstellung von den Möglichkeiten und Konsequenzen einer Entscheidung ist, desto leichter werden wir diese auch treffen können.

Nutzen Sie die kreativen Entscheidungsmethoden, um diese Vorstellung zu schärfen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 03.08.08

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