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Kreativ kontern, Schlagfertigkeit trainieren

Schlagfertigkeit ist „in“. Die Menschen erhoffen sich Hilfe bei verbalen Attacken und in peinlichen Situationen. Das muss auch kein frommer Wunsch bleiben, denn Schlagfertigkeit lässt sich trainieren.

Schlagfertigkeit ist „in“

Schlagfertigkeit ist „in“. Die Zahlen von Buch- und Trainingsmarkt sprechen für sich. Die Menschen erhoffen sich Hilfe bei verbalen Attacken und in peinlichen Situationen, wollen ihr Durchsetzungsvermögen verbessern oder Schwächen überspielen. Kurz, sie wollen das Heft in der Hand behalten, ihre Interessen wahren und in Rededuellen nicht länger den Kürzeren ziehen.

Schlagfertigkeit ist „in“. Schlagfertige Menschen sind hochkreativ, fechten mit spitzer Zunge und scharfem Geist. Sie jonglieren mit Bildern und Vergleichen oder konterkarieren mit Witzen und Worten. Sie handeln nach dem Prinzip „Frechheit siegt“, stürzen sich unerschrocken ins Gefecht und verwirren ihre Gegner.

Verständlich, dass so mancher einiges dafür geben würde, an Schlagfertigkeit zu gewinnen. Das muss auch kein frommer Wunsch bleiben, denn Schlagfertigkeit lässt sich trainieren. Solange man eines nicht vergisst: Dass Schlagfertigkeit weniger eine Frage auswendig gelernter Techniken als der Ausdruck einer entsprechenden Denkweise ist.

Techniken …

Schnippisch-beleidigte Phrasen

Als schlagfertig gilt vieles und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber Äußerungen wie „Schließen Sie immer von sich auf andere?“ oder „Und Sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen?“ sind wohl eher in die Kategorie schnippisch-beleidigte Phrasen einzuordnen, die das Gegenüber angreifen und ein Gespräch – und vielleicht den Kontakt – abrupt beenden.

Den Ball zurückspielen

Auch die Technik „den Ball zurückspielen“ ist mit Vorsicht zu genießen. Sie können natürlich miesepetrige Kommentare wie „Sie sind aber heute gut drauf.“ mit einem einfachen „Im Gegensatz zu Ihnen.“, einem komplexeren „Und Ihnen hat es wohl die Stimmung verhagelt.“ oder einem an der Grenze zur Beleidigung stehenden „Besser, als wie drei Tage Regenwetter herumzulaufen.“ kontern.

Alles, was Sie dazu tun müssen, ist, den Vorwurf zu nehmen und ihn mehr oder weniger eloquent auf Ihr Gegenüber zurückzuwerfen. Dennoch: Ein ungutes Gefühl bleibt und ins rechte Licht rücken Sie sich damit nicht gerade. Ganz zu schweigen davon, dass Sie den Vorwurf auch richtig als Vorwurf verstanden haben sollten. 😉

Rückfragen stellen

Um einiges effektiver ist da die Technik „Rückfragen stellen“, mit der Sie den Ball nicht abwürgend, sondern offen zurückwerfen und Ihr Gegenüber unter Zugzwang setzen.

Kontern Sie einfach auf Äußerungen wie „Sie sind aber nicht besonders teamfähig.“ mit einer Frage und haken Sie nach: „Interessant, was bringt Sie zu dieser Meinung?“ oder „Ich bin neugierig, wie kommen Sie darauf?“ Damit verlassen Sie die Rechtfertigungsebene, verschaffen sich eine Atempause und können das Gespräch sogar in konstruktive Bahnen lenken.

Bestätigen

Von bestechender Einfachheit ist die Technik „Bestätigen“. Stehen Sie zu dem, was man Ihnen vorwirft, und nehmen Sie damit Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln. Nur was man sich zu Herzen nimmt und als Vorwurf sieht, kann einen auch als Vorwurf treffen.

Wer auf Kommentare wie „Sie wollen mir doch nur etwas verkaufen.“ mit einem fröhlichen „Stimmt, dafür werde ich bezahlt.“ antwortet oder ein „Das gehört aber jetzt nicht zur Sache.“ mit einem entwaffnenden „Genau, ist mir auch gerade aufgefallen.“ pariert, hat nicht nur die Lacher auf seiner Seite.

Voraussetzung ist allerdings, dass Sie nicht persönlich angegriffen und unter der Gürtellinie getroffen werden (dann sind härtere Gangarten gefragt) bzw. der Vorwurf auch inhaltlich stimmt (logisch ;-)).

Positiv umformulieren

Sie werden doch persönlich angegriffen und müssen mit Abwertungen und Unterstellungen fertig werden? Dann greifen Sie zur Technik „positiv umformulieren“ und wandeln das negative Urteil in einen positiven Sachverhalt um.

Der Personalchef moniert, dass Ihr Lebenslauf viele Sprünge aufweist? Kein Problem. Weisen Sie ihn darauf hin, dass Sie dafür umso mehr Lebenserfahrung mitbringen. Ihr Vortrag ist jemandem entschieden zu kurz geraten? Lächeln Sie freundlich, dass Sie das Publikum nicht langweilen wollten.

Antwort ablehnen

Wenn es die Situation erlaubt, können Sie eine Antwort auch ganz ablehnen oder gelassen zur Tagesordnung übergehen. Machen Sie deutlich, dass Sie den Einwurf wahrgenommen haben, sich aber nicht darauf einlassen werden. Von einem „Danke für Ihre Meinung.“ über ein „Lassen Sie uns beim Thema bleiben.“ bis zu einem „Zu Unterstellungen äußere ich mich nicht.“ ist alles drin.

Und genau, der Ton macht auch hier die Musik. Je sachlicher Sie reagieren, desto souveräner wirken Sie – und können das Gespräch in die entsprechende Richtung lenken.

Vergleiche oder Bilder

Die Sachlichkeit ist nicht Ihr Ding und Sie wollen alle kreativen Register ziehen? Dann wenden Sie Vergleiche oder Bilder an.

Kontern Sie ein „Besonders viel Energie zeigen Sie aber nicht gerade.“ mit einem augenzwinkernden „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“ oder einem „Tarnung ist alles.“ Parieren Sie ein „Na, besonders pünktlich waren Sie aber heute nicht.“ mit einem „Das ist wie in der Politik. Da gehen die Uhren auch anders.“ Je farbiger, desto besser – jedenfalls, wenn Sie es sich leisten können. 😉

Absichtlich falsch verstehen

Und wenn Sie schon dabei sind, können Sie nicht nur mit einem flotten Spruch, sondern gänzlich unerwartet reagieren. Verstehen Sie etwas absichtlich falsch, wechseln Sie die (Bedeutungs-) Ebene oder machen Sie ein Kompliment.

Nach diesem Prinzip funktionieren nicht nur Witze. Auch Ihr Gegenüber werfen Sie aus der Bahn – und vielleicht in ein amüsiertes Schmunzeln. Genug Humor bei kleinen Gefechten wie „Nun machen Sie aber mal einen Punkt.“ –> „Für Striche habe ich auch keine Zeit.“ oder „Nun bleiben Sie mal auf dem Teppich.“ –> „Keine Bange. Meinen Putztag hatte ich gestern schon.“ vorausgesetzt.

… und Eigenschaften

Selbstbewusstsein

Ihnen ist das Ganze zu heikel? Verständlich, aber dann dürften Sie Probleme mit Ihrer Schlagfertigkeit bekommen. Eine gewisse Unverfrorenheit gehört einfach dazu. Und eine gute Portion Selbstbewusstsein. Schließlich kann Ihr Konter nicht nur gründlich daneben gehen. Sie laufen auch Gefahr, ungut aufzufallen oder sich bis auf die Knochen zu blamieren. Wer meint, dass man selbstbewusster wird, wenn man schlagfertig ist, irrt. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Kreativität und Mutterwitz

Vor allem aber brauchen Sie eine gehörige Portion Kreativität, Mutterwitz und geistige Beweglichkeit. Und zwar nicht nur, weil Ihnen die Zeit davonläuft und Sie binnen weniger Sekunden angemessen reagieren müssen – wenn Ihnen die besten Paraden nicht erst im Nachhinein einfallen sollen.

Sprachfähigkeit und Phantasie

Sie müssen aufmerksam wahrnehmen und schnell denken. Sie brauchen ein gerüttelt Maß an Sprachfähigkeit und Phantasie. Sie sollten nicht alles verbissen sehen und stattdessen humorvoll reagieren können. Perfektionismus ist ebenso fehl am Platz wie Improvisation erwünscht. Und eine breite Allgemeinbildung liefert Ihnen das Hintergrundwissen für Ihren nächsten verbalen Einsatz.

In diesem Sinne:

Beobachten Sie Ihre eigene Kommunikation und die der Menschen um sich herum. Spielen Sie die einzelnen Szenen durch, malen Sie sich passende Antworten aus. Lernen Sie, auf verschiedenen Ebenen zu denken und mögliche Reaktionen vorherzusehen.

Erweitern Sie Ihren Wortschatz und spielen Sie mit Sprache und Mehrdeutigkeiten. Assoziieren Sie und überlegen Sie, was Ihnen zu bestimmten Begriffen alles einfällt. Und vor allem: Lesen Sie, sprechen Sie, schreiben Sie. Lernen Sie durch Aufnahme und aktives Tun.

Tun Sie etwas für Ihre Allgemeinbildung – und zwar nicht nur für einen Fundus an Zitaten. Bleiben Sie informiert, pflegen Sie Ihre Neugier und eignen Sie sich neues Wissen an. Umso leichter wird es Ihnen fallen, Zusammenhänge herzustellen oder sich bewusst absurd zu verhalten. 😉

Und last but not least: Bleiben Sie locker. Nehmen Sie nicht alles ernst – sich selbst schon mal gar nicht. Eine gewisse Distanz zu sich selbst, ein wenig Flachs (nicht die Pflanze ;-)) und etwas mehr als nur ein Fingerhut voll Selbstironie helfen Ihnen dabei. Wer keine Angst davor hat, sich lächerlich zu machen, kann auch kreativ denken – und schlagfertig reagieren.

PS: Bei aller Liebe zur Spiegelfechterei sollten Sie eines nicht vergessen – Ihre Schlagfertigkeit angemessen zu dosieren. Bleiben Sie freundlich, schwingen Sie nicht die Keule und achten Sie darauf, wieviele „Schläge“ Ihr Gegenüber verträgt. Verbeißen Sie sich lieber einen geistreichen Kommentar statt sich auf Kosten eines anderen zu profilieren.

Vergessen Sie nicht: Schlagfertig sind kleine Pointen, keine Beleidigungen. Schlagfertigkeit ist Ausdruck eines flexiblen Geistes und kein Vorschlaghammer, um den Rest der Welt zum Schweigen zu bringen. Sie ist eine Geisteshaltung.

Wer selbstbewusst ist, kann auch zu seinen Schwächen stehen. Wer unabhängig denkt, wird sich nicht verteidigen müssen. Wer sich nicht angegriffen fühlt, kann humorvoll Grenzen aufzeigen.

Und genau darum geht es letzten Endes. Augenzwinkernd mit seinen Schwächen umzugehen, seine Unabhängigkeit zu wahren und Angreifer in ihre Schranken zu verweisen. Geradlinig im Denken und mit einem Schalk auf den Lippen. :-)

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Januar 2007

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