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Kreativ lernen

von Heike Thormann

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Kreativ zu lernen kann vieles bedeuten. Einige vielleicht nicht ganz so übliche Antworten finden Sie hier. Und wie Sie noch kreativ lernen – das erfahren Sie in meinem gleichnamigen Online-Kurs.

Kreativ lernen heißt dieser Beitrag. Kreativ lernen – was verbinden Sie damit?

Erste Übung des Tages: Seien Sie kreativ und assoziieren Sie. Überlegen Sie, was Ihnen spontan dazu einfällt, wenn Sie “kreativ lernen” hören.

Ich lass’ Ihnen auch Platz. Schauen Sie, Sie können sich den Artikel ausdrucken und hier hinschreiben, was für Sie “kreatives Lernen” ist. :-)

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Kommt Ihnen das jetzt vielleicht etwas albern vor? Sie hatten gehofft, eine Antwort von mir zu bekommen und nicht noch selbst aktiv werden zu müssen?

Tja, sehen Sie, das ist der Punkt. Das ist “kreatives Lernen”. Eben nicht nur vorgefertigte Antworten schlucken, sondern selbst denken. Eben nicht nur konsumieren, sondern verarbeiten und umwandeln.

Oder mit anderen Worten: Kreativ lernen ist Arbeit. Aber eine, die sich lohnt. Und, provokativ, kreativ lernen ist lernen im eigentlichen Sinne des Wortes.

Ach, Sie hatten gedacht, das kreativ lernen Spiel, Spaß und Spannung sei? Weil allein schon das Wort kreativ so nach Ringelreihen klingt? ;-)

Nun, niemand hat gesagt, dass Lernen nicht auch Spaß machen kann und Spiele das Lernen nicht fördern können. (Nebenbei: Das tun sie.) Aber das wäre zu kurz gegriffen.

Kreativ lernen bedeutet unter anderem:

Tipp 1: Denken Sie mit.

Wenn der Seminarleiter oder Ihr Fachbuch Ihnen erzählen, dass 2 + 2 = 5 ist, sollten Sie das nicht so ohne weiteres hinnehmen, sondern lieber noch mal hinterfragen.

(Dass Sie obiges Beispiel nur in den seltensten Fällen Ihrem Kursleiter wirklich abkaufen werden, weiß ich. Aber wie oft schalten wir bei schwierigeren Sachen unseren Verstand ab und nicken gläubig mit dem Kopf? Nicht zuletzt, weil es so schön einfach ist zu nicken.)

Also: Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen, trainieren Sie Ihr Urteilsvermögen, hinterfragen Sie. Und vor allem: Fragen Sie! Fragen Sie Ihren Kursleiter, fragen Sie Ihr Fachbuch, fragen Sie sich selbst. Fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Fragen Sie, wenn Sie etwas noch besser verstehen wollen. Fragen Sie sich, ob Sie auch zu dem nicken können, was Sie da gehört haben. Fragen sind die Basis allen (kreativen) Lernens.

Tipp 2: Seien Sie neugierig.

Das ist eine Variante von Tipp 1, dem Fragenstellen. Bleiben Sie nicht bei Ihrem Fachgebiet stehen, sondern “fragen Sie sich weiter durch”.

Blicken Sie über Ihren Tellerrand hinaus, fördern Sie Ihre Wissbegier und vor allem: Vermeiden Sie es, zum “Fachidioten” zu werden.

Warum?

Weil Kreativität zwar auf solidem Fachwissen aufbaut, aber für neue Lösungen und Denkansätze darüber hinaus gehen muss.

Ein Beispiel:

Sie nehmen in Geschichte den römischen Kaiser Konstantin den Großen durch und wie er durch ein Wunder, ein “Kreuzzeichen am Himmel”, zum Christentum bekehrt wurde. (Na ja, genau genommen wurde er nicht wirklich bekehrt, aber immerhin zur Förderung der neuen Religion *ermuntert*. ;-) )

Sie könnten jetzt die alten Quellen wörtlich nehmen und an ein Wunder glauben. Sie könnten sie hinterfragen (Tipp 1), aber zu keiner Erklärung kommen. Oder Sie könnten z.B. Hobbyastronom sein und vom physikalischen Phänomen eines Halos (eines “Ringes”) um die Sonne wissen.

Und schon haben Sie eine erste Deutungsmöglichkeit. Sie muss nicht zutreffend sein, natürlich nicht. Aber ohne Querdenkertum und ein möglichst breites Wissen wären Sie gar nicht erst auf diese Idee gekommen.

Tipp 3: Haben Sie keine Angst vor Fehlern.

Wenn Sie kreativ lernen wollen, dürfen Sie vor allem eines nicht haben: Angst vor Fehlern.

Denn Angst vor Fehlern führt dazu, dass wir uns immer schön bedeckt halten, keine Risiken eingehen und auch so wenig wie möglich Neues beginnen.

Das bedeutet aber auch, dass wir in der Regel nicht mitdenken (oder zumindest keine Konsequenzen ziehen), nicht hinterfragen (oder dies zumindest nicht laut und gegenüber anderen tun) und nicht neugierig sind (denn alles Neue ist nun einmal fehleranfällig, sprich, wird von uns nicht im Schlaf beherrscht).

Wenn Sie Angst vor Fehlern haben, können Sie ein ausgezeichneter Lerner sein. Allerdings eher im Sinne von “angepasstes Lernen”, “nachahmendes Lernen”, “passives Lernen”. Ein kreatives, innovatives, Lösungen findendes Lernen ist das nicht.

Also: Seien Sie hartnäckig. Probieren Sie alles einfach mal aus. Haben Sie keine Angst, sich lächerlich zu machen.

Haben Sie keine Angst vor Fehlern, sondern lernen Sie aus ihnen. Das ist der eigentliche Lerneffekt. :-)

© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Juni 2006

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