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Kreative Pausen

Wer in der Hektik von Alltag und Beruf nur wenig freie Zeit hat, muss auf Kreativität nicht verzichten. Nutzen Sie Ihre Pausen für Ihre Kreativität. Zehn Minuten während der Frühstückspause oder die Zwangspause im Stau reichen oft schon aus. Hier habe ich ein paar Anregungen für Sie.

Viele Leute meinen, dass man für Kreativität Zeit braucht, viel Zeit am besten. Zeit für ausgedehnte Kreativsitzungen oder umfangreiche Brainstormings zum Beispiel. Wenn diese Zeit in der Hektik von Alltag und Beruf dann fehlt, hat die Kreativität halt ein Nachsehen.

Und ja, es ist richtig, wenn Sie Texte schreiben, Bilder malen oder gemeinsam ein neues Produkt entwickeln wollen, machen größere Zeitblöcke Sinn.

Geht es aber darum, grundsätzlich Ihre Kreativität zu fördern und Ideen zu spinnen, dann reichen wenige Minuten oft aus. Jedenfalls dann, wenn es nicht bei einer Einmal-Aktion bleibt. *schmunzel*

Der ideale Rahmen für diese „Sprinter-Kreativität“: Ihre Pausen.

Nutzen Sie Zwangspausen oder Unterbrechungen im Job, schnappen Sie sich Ihre Frühstücks- oder Mittagspause, schaufeln Sie sich kleine Freiräume frei und füllen Sie diese „Lücken“ dann zugunsten Ihrer Kreativität.

So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie bekommen eine Alternative, um nicht mehr planlos während der Mittagspause im Internet surfen oder sich im Stau auf der Autobahn langweilen zu müssen. Und Sie tun was für Ihre Kreativität. :-)

Abschalten und nichts tun

„Herrje, ich kann jetzt nicht kreativ sein. Dafür bin ich viel zu beschäftigt.“ Das ist eine Standard-Klage nicht nur von überlasteten Redaktionen. Auch andere Berufszweige trifft es ähnlich hart. Fatal, denn der Ruf nach Kreativität gerade bei der Arbeit nimmt ja ständig zu.

Aber wenn wir unter Dauerstrom stehen, uns – vergeblich – im Multitasking versuchen und abends erschöpft aus dem Hamsterrad steigen, haben kreative Höhenflüge einen schweren Stand. Zu abgelenkt und zersplittert, auch durch den Stress zu blockiert ist unser Denken.

Deshalb lautet eine goldene Regel: Wenn Sie Pause machen, dann machen Sie auch Pause. Schließen Sie die Augen und schalten Sie ab. Versuchen Sie, zur Ruhe zu kommen. Nur so kann Ihr Gehirn die vielen neuen Eindrücke des Tages verarbeiten – und sie in kreative Impulse umwandeln.

Abschweifen und spielen

Ich gebe zu, eine Zeit lang war ich ganz vernarrt in diese kleinen Computerspiele wie Tetris, Solitaire, Mahjongg, oder wie sie nicht alle heißen. Ich habe gleich zu Dutzenden die beliebten Moorhühner erlegt oder Kobolde durch virtuelle Gänge gescheucht.

Mittlerweile mache ich das zwar nicht mehr, weil Computerspiele ihren Reiz für mich verloren haben. (Das kommt dabei raus, wenn man zu viel am Rechner sitzt. Man ist froh, wenn man mal türmen kann. ;-)) Aber ein Gutes hatte die Sache doch: Spiele und alles, was uns die Arbeit für einen Moment vergessen lässt, sind eine erstklassige Methode, unsere Kreativität ranzulassen und unser Denken zu beflügeln.

Denn Aufgaben und Probleme, über denen Sie vielleicht bewusst noch brüten, kann Ihr Unterbewusstsein längst auseinander genommen und gelöst haben. Nur dass Sie davon – in Ihr Problem verbissen – nicht viel mitbekommen. Erst das abschweifende, zweckfreie Spielen gibt Ihrem Unterbewusstsein die Gelegenheit, sich zu Wort zu melden und Lösungen zu präsentieren.

Abwechseln und sich anregen lassen

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal mit jemandem aus der Buchhaltung gesprochen? Oder aus dem Marketing, der Schreibstube, der Technik? Jedenfalls aus irgendeinem anderen Berufszweig als Ihrem eigenen? Na?

Wenn es Ihnen so geht, wie den meisten von uns, dann wohl eher selten. Wir Menschen neigen nun mal zum Herdentrieb, sprich: Wir fühlen uns dort am wohlsten, wo uns alles vertraut ist.

Schade, denn für Ihre Kreativität ist kaum etwas wichtiger als Abwechslung und neue Anregungen. Schließlich muss der Input für all die neuen Ideen ja irgendwo herkommen. 😉 Je breiter Ihr Wissen und je größer Ihr Erfahrungsschatz sind, desto leichter fällt es Ihnen, neue Blickwinkel einzunehmen und ungewöhnliche Lösungen zu finden.

Deshalb mein Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn Sie in der nächsten Pause mal Ihren ahnungslosen Kollegen aus der Buchhaltung aufsuchen und ihn nach seiner Arbeit fragen? Mag sein, dass Sie im Augenblick mit seinem Wissen noch nicht viel anfangen können. Aber wer weiß, welche Gedankengänge und Assoziationen Sie dadurch eines Tages herstellen können.

Routine ändern und achtsamer werden

Und wo wir schon bei ungewöhnlicheren Pausen-Aktivitäten und Herdentrieben sind: Lassen Sie doch einfach mal Ihren Stammplatz Stammplatz sein und verschieben Sie den wöchentlichen Hackbraten auf den nächsten Monat.

Tun Sie etwas, was Sie normalerweise nicht tun würden. Ändern Sie Ihre Routine. Gehen Sie zum Beispiel nicht in die Kantine, sondern zum China-Restaurant nebenan. Treffen Sie sich mit Kollegen oder anderen Selbstständigen zu einem Arbeitsessen und tauschen Sie sich aus. Bummeln Sie gemeinsam über den Weihnachtsmarkt. (Und vergessen Sie die Champignon-Pfanne nicht. Hmm, lecker. ;-)) Oder andersherum: Machen Sie nicht mittags eine längere Pause, sondern über den Tag verteilt mehrere kleine.

Sie sehen das Prinzip? Brechen Sie Ihre Routinen auf und legen Sie die Scheuklappen des Alltäglichen ab. Tun Sie etwas anderes und „zwingen“ Sie sich damit, durch das Fremde wieder genauer hinzusehen. Denn Kreativität bedeutet auch Achtsamkeit. Sie können die Dinge nicht verändern, wenn Sie sie vor lauter Gewohnheit gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Dass der „Zwang“ sooo schrecklich nicht sein muss, zeigen ja die Beispiele.

Assoziationen trainieren und neu kombinieren

Aber egal, ob Sie nun auf dem Weihnachtsmarkt sind oder nur kurz vom Schreibtisch aufstehen und aus dem Fenster schauen: Nutzen Sie solche Gelegenheiten auch ruhig, um aktiv Ihre Kreativität zu trainieren. Dafür braucht es keine generalstabsmäßig vorbereiteten Workshops. Fünf Minuten Pausenzeit reichen, zum Beispiel, um Assoziationen zu spinnen.

Schauen Sie also aus dem Fenster. Lassen Sie Ihren Blick schweifen, bis er zufällig an etwas haften bleibt. Und überlegen Sie dann, was Ihnen dazu alles einfällt, welche Assoziationen Ihnen kommen. Sprich, welche Gedanken, Kenntnisse und Erfahrungen Sie blitzartig mit Ihren Sinneseindrücken verbinden.

Ein Beispiel: Sie sehen die Kirchturmspitze im Sonnenlicht funkeln und Ihnen fällt dazu der Roman über das Mittelalter ein, den Sie gelesen haben. Oder: Sie genießen die Aussicht auf einen strahlenden Herbsttag und denken an Ihren nächsten Urlaub.

Warum Sie damit Ihre Kreativität trainieren? Weil Kreativität auch bedeutet, etwas neu zu kombinieren. Etwas zu verknüpfen, was auf den ersten Blick nicht zusammenzugehören scheint. Und diese Verknüpfungen laufen über Ihre Assoziationen, also das, was Sie gedanklich zusammenbringen. Je mehr Gedanken, Eindrücke und Wissen Sie zusammenbringen, desto besser für Ideen und Kreativität.

Sich mit kleinen Kreativübungen für zwischendurch amüsieren

Wie gesagt, um Ihre Kreativität zu fördern, braucht es keine zeitaufwändigen Workshops. Weihnachtsmarkt- und Fenster-Bilder für Assoziationen zu nutzen ist eine Möglichkeit. Eine andere sind kleine Kreativübungen für zwischendurch.

Haben Sie fünf Minuten Zeit? Dann spielen Sie doch mal ein bisschen und lassen Sie, genau, auch wieder Ihre Assoziationen fließen:

  • Schnappen Sie sich Zettel und Papier und überlegen Sie zum Beispiel: Was ist alles blau? In welche fernen Länder könnten die Mauersegler fliegen, die – zumindest bei mir – Ende August in ihre Winterquartiere aufbrechen?
  • Spielen Sie „was-wäre-wenn“-Spiele. Fragen Sie sich etwa: Was wäre, wenn Mauersegler und andere Zugvögel auch im Winter über hier bleiben würden? Was wäre, wenn Sie sich zu Ihrer Arbeitsstelle beamen (teleportieren) könnten?
  • Suchen Sie nach Analogien, also Ähnlichkeiten zu dem, was Sie sehen. Denken Sie bei den Wolken am Himmel auch an die „Wolke“, die Ihre Spraydose produziert? Vergleichen Sie Flugzeuge mit Vögeln oder die Rush-hour unten auf der Straße, sagen wir, mit einem Bienenstock und dem eifrigen Rein-und-Rausfliegen seiner Bewohner?

Machen Sie die Übungen auch ruhig zusammen mit einem Kollegen. Das macht Spaß, und die Ideen des anderen beflügeln Ihre eigenen.

In diesem Sinne: Nutzen Sie Ihre Pausen kreativ. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele ihre besten Ideen unter der Dusche oder im Park haben. Den Kopf freizukriegen, loszulassen, dem Unterbewusstsein Raum zu geben, sich neue Anregungen zu holen und Gedanken zu spinnen – das ist eine gute Voraussetzung für Kreativität und neue Ideen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.11.2008

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