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Wie halte ich ein Seminar? Kreative und andere Seminarmethoden.

Wie halte ich ein Seminar? Und wie bringe ich mehr Kreativität in ein Seminar? Ich habe viele Trainer unter meinen Kunden und Lesern, aber auch Leute, die gern zum ersten Mal einen Kurs geben wollen. Beide stellen mir diese Frage. Nun kann ich Ihnen hier keine komplette Trainer-Ausbildung liefern. Doch ich habe Ihnen einen Strauß von kreativen und „ganz normalen“ Seminar-Methoden zusammengestellt. Lassen Sie sich inspirieren.

1. Der Einstieg in ein Seminar

Jeder Trainer wird sicher seine eigene Vorgehensweise haben, und es zwingt Sie niemand, einen bestimmten Ablauf einzuhalten. Doch es hat sich bewährt, zumindest einer gewissen „Grund-Dramaturgie“ zu folgen. Danach steigen Sie zunächst langsam in ein Seminar ein, halten dann Ihre eigentlichen Themen ab, und führen Ihr Seminar schließlich einem guten Ende entgegen.

  • Begrüßung der Teilnehmer: Stellen Sie sich vor, brechen Sie das Eis, sorgen Sie für eine Wohlfühl-Atmosphäre. Vergleichen Sie sich am besten mit einem Gastgeber, der seinen Gästen eine zwar manchmal (arbeits-) harte, doch angenehme Zeit ermöglichen möchte. Niemand will sich in einem Seminar vorkommen, als ob er zum Rapport aufs Amt bestellt wird. 😉
  • Kennenlernen der Teilnehmer: Die berühmte Vorstellungsrunde. Lassen Sie die Teilnehmer sich gegenseitig kennenlernen. Auch das sorgt für eine bessere Arbeits-Atmosphäre.
  • Lernziele der Teilnehmer: Warum haben die Leute Ihren Kurs gebucht? Was wollen sie lernen? Das ist für Sie als Trainer interessant. Es nützt aber auch den Teilnehmern, sich ihre Motive und Ziele noch einmal klarzumachen. So werden sie aufmerksamer zuhören und mitmachen. Achtung: Bieten Sie nur dann an, den Ablauf Ihres Seminars mit beeinflussen zu können, wenn Sie das als Kursleiter wirklich leisten können und wollen. Sonst kommt man sich ziemlich schnell „auf die Schippe genommen“ vor. 😉
  • Der Seminarablauf: Geben Sie Ihren Teilnehmern einen kurzen Überblick, was sie erwartet. Wenn Sie wollen auch visuell, zum Beispiel durch eine MindMap, eine Tabelle oder Kärtchen auf einer Pinnwand.
  • Aufwärmübungen: Ich kombiniere diesen Einstieg in ein Seminar gern mit der Kennenlern-Phase. Doch Sie können beides auch trennen. Lassen Sie die Teilnehmer mit ersten „sanften“ Übungen ins Thema finden. Oder kombiniert mit den Lernzielen können Sie sie auch nach bisherigen Erfahrungen mit dem Thema fragen.

2. Die eigentlichen Seminarthemen

So, jetzt geht’s ans Eingemachte: Es darf gearbeitet und gelernt werden. 😉

Grundsätzlich teilt sich auch dieser Seminarteil meist in mehrere Abschnitte: Sie stellen neues Wissen vor und erläutern es. Sie sorgen dafür, dass die Teilnehmer sich den Lernstoff auch praktisch aneignen. (Meist durch diverse Übungen.) Und wenn Zeit bleibt, können die Teilnehmer ihre Ergebnisse noch präsentieren.

Dazu können Sie aus einem bunten Strauß von Methoden wählen.

Vortragende Methoden

  • Der klassische Lehrvortrag, mit und ohne Unterstützung durch Medien. (Vgl. auch Vorlesungen, Referate und Ähnliches.)
  • Das Lehrgespräch: Durch Fragen gelenktes „Gespräch“ zwischen Teilnehmern und Trainer, das zu einem bestimmten Ergebnis hinführen soll.
  • Die Diskussionsführung: Der Trainer fungiert als Moderator und lenkt die Diskussion zu einem Thema.

Mögliche Medien sind zum Beispiel: Beamer, Diaprojektor, Pinnwand, Flipchart, Video, Audio, Bilder / Collagen, MindMaps, Spiele und deren Zubehör, und mehr.

Die Arbeit an Stoff oder Text

  • Die klassische Textarbeit
  • Die Projektmethode: Sie eignet sich besonders gut für größere, komplexe Aufgaben, die als „Projekt“ an die Teilnehmer vergeben und in Eigenregie (nur unterstützt durch den Trainer) bearbeitet werden.

Kommunikative, gestalterische oder spielerische Methoden

  • Paar- oder Gruppenarbeiten
  • Rollenspiele oder Planspiele (den Ernstfall simulieren)
  • Visualisierungen wie etwa ein Lernposter (der oder die Teilnehmer sammeln nach Art einer Collage Informationen zu einem Thema)
  • Erlebnispädagogik und Exkursionen
  • Superlearning und Suggestopädie

Eigentlich kreative oder künstlerische Methoden

  • Collagen, kreatives Malen, die Arbeit mit Fotos und Bildern
  • Gesang und Tanz
  • Phantasiereisen

Und andere mehr. Und nein, ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei der Einteilung richte ich mich teils nach dem Dozentenleitfaden von Rolf Arnold und anderen. (Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich)

3. Zwischen den Seminar-Einheiten

Niemand kann non-stop und rund um die Uhr lernen – oder lehren. Machen Sie deshalb regelmäßig Pausen, schon allein aus Eigeninteresse.

Zusätzlich können Sie die Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit der Teilnehmer zwischendurch auch mit weiteren Tipps und Methoden hochhalten.

  • Aktivierungsübungen: Schrecken Sie die Teilnehmer aus ihrem Mittagskoma – oder anderen „komatösen Anwandlungen“ 😉 – auf. Machen Sie irgendwas, was Ihre Leute wieder munter werden lässt. Körperübungen oder Spiele sind gut, oder erzählen Sie Witze / lassen Sie Witze erzählen. Humor ist überhaupt eine gute Methode, um miteinander warm zu werden.
  • Entspannungsübungen wie Haltungen aus dem Autogenen Training oder die Progressive Muskelentspannung
  • Die Blitzlicht-Abfrage: Sind Ihre Teilnehmer noch arbeitsfähig? Sind sie voll da? Müssen sie gerade etwas „verdauen“? Wie sind sie bis jetzt mit dem Kurs zurechtgekommen? Fragen Sie nach.

Übrigens: Es ist nicht nur ein guter Pausenfüller, sondern hilft Ihren Teilnehmern prinzipiell beim Lernen, wenn Sie

  • regelmäßig zu einem neuen Thema hinführen: Stimmen Sie die Teilnehmer auf das nächste Thema ein. So schaffen Sie einen Rahmen, an dem das Gehirn das neue Wissen verankern kann.
  • den Leuten sagen, welche Vorteile sie von dem neuen Stoff haben: Motivieren und Erwartungshaltung wecken.
  • ggf. nach jedem Abschnitt fragen, was die Teilnehmer aus dem gerade Gelernten für sich mitnehmen wollen: Den berühmten Transfer sichern und die praktische Anwendung erleichtern.
  • ggf. bei längeren Seminaren auf bisherige Fortschritte und Veränderungen aufmerksam machen: Das merkt man oft selbst nicht; es motiviert, hält auf Kurs und überzeugt vom Nutzen des neu Gelernten.

Und ebenfalls anderes mehr.

4. Der Abschluss eines Seminars

Wenn sich Ihr Seminar dem Ende nähert, werfen Sie nicht einfach alles hin und sagen: Das war’s. 😉 Der Abschluss ist genauso wichtig wie der Einstieg. Beide Seminarteile bleiben oft länger im Gedächtnis als der eigentliche Kurs.

Zum Abschluss eines Seminars können gehören:

  • Der Transfer in die Praxis: Helfen Sie Ihren Teilnehmern, das Gelernte später in der Praxis anzuwenden. Wenn es sich anbietet, können Sie das ganze Seminar über schon einiges in der Hinsicht anbieten. Doch spätestens hier sollten Sie sich gezielt dem Transfer widmen. Lassen Sie die Teilnehmer zum Beispiel brainstormen, was sie aus dem Kurs umsetzen wollen und wie sie dazu ganz konkret vorgehen wollen. Und / oder lassen Sie sie nach Hindernissen suchen, die sie von ihren Zielen abhalten können. Was könnten die Teilnehmer dann gegen diese Hindernisse unternehmen?

    Sie können das als Gruppen- oder Einzel-Brainstorming machen. Sie können jeden still ein paar Gedanken aufschreiben lassen oder Kreativtechniken einsetzen. Ich habe vor Jahren die Methode „ich packe meinen Koffer“ aufgeschnappt und lasse seitdem meine Teilnehmer oft einen „Koffer mit Vorsätzen oder Todos“ packen. Setzen Sie selbst Ihre Kreativität ein. Solange Sie das Prinzip treffen, ist alles erlaubt.

  • Der Nutzen aus dem Seminar: Lassen Sie die Teilnehmer rekapitulieren: Was haben sie im Seminar gelernt? Was wollen sie daraus für sich mitnehmen? Welchen Nutzen hat ihnen das Seminar gebracht?
  • Fragen und Feedback: Hier können Sie sich offen oder anonym Rückmeldungen der Teilnehmer zu Ihnen und zum Seminar geben lassen. Klären Sie noch offene Fragen.
  • Verabschiedung: Schicken Sie die Teilnehmer mit guten Wünschen nach Hause. Machen Sie ggf. Werbung für Ihre weiteren Angebote.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Seminaren.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 23.04.12

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