Bleiben Sie auf dem Laufenden:
Newsletter lesen »
Feed lesen »




Kreativer lernen mit Action Learning

Gibt es einen Weg, gleichsam nebenbei zu lernen, sich über konkrete Ergebnisse zu freuen, motiviert zu bleiben und auch noch seiner Kreativität freien Lauf zu lassen? Den gibt es: Action Learning von Reginald Revans. Nicht nur Unternehmen schlagen damit mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Lernen durch praktisches Tun

Gute Lehrer oder Trainer versuchen einiges, um ihren Unterricht oder ihr Seminar interessanter zu machen. Statt blanker Theorie gibt es auch Praxiseinlagen. Manchmal versucht man, die Lebenswelt der Teilnehmer einzubeziehen. Und manchmal forciert man auch ein „vernetztes“ Lernen, indem man zum Beispiel in Projektwochen die unterschiedlichsten Fachgebiete miteinander verknüpft.

Trotzdem: Es bleibt „Lernen“, also ein Aneignen von Wissen in künstlich hergestellten Situationen. Die einen können sich damit identifizieren, die anderen nicht.

Schöner wäre es doch, wenn man nicht bewusst, sondern sozusagen nebenbei lernen könnte. Einfach, indem man bei etwas, was man sowieso tut, lernt. Zum Beispiel durch das Tüfteln an ganz realen Herausforderungen und Problemen.

Das kommt nicht nur einem Motivationsschub gleich oder produziert konkrete Ergebnisse, die man sofort für sich nutzen kann. Dieses Knobeln an Problemen regt auch unsere Kreativität an. Wenn man will, ein Training in angewandter Kreativität. Eine Kombination von Kreativität und Lernen.

Action Learning

Genauso sah das auch der britische Kernphysiker Reginald Revans, der in den 1940er Jahren die neue Lernmethode des Action Learning begründete.

Action Learning steht für aktions- oder erfahrungsorientiertes Lernen. Im Mittelpunkt stehen reale Arbeitssituationen und –probleme, die „lernend“ gelöst werden. Das heißt, statt wie im Unterricht Wissen auf Vorrat anzusammeln, legt Action Learning Wert darauf, etwas praktisch zu erforschen und nur bei Bedarf noch nötiges theoretisches Wissen hinzuzunehmen.

Nutzen von Action Learning

Im anglo-amerikanischen Raum sehr verbreitet, ist die Methode hier noch ziemlich unbekannt. Unternehmen oder Organisationen, die sie dennoch einsetzen, können damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Sie bekommen die Lösung für ein aktuelles Problem.
  • Sie ermuntern ihre Mitarbeiter dazu, kreativ Ideen zu finden.
  • Sie stärken die Lernkultur in den einzelnen Unternehmensbereichen.
  • Und die Mitarbeiter können ihre Kompetenzen und Fähigkeiten weiterentwickeln.

Erfolgsfaktoren für Action Learning

Für den Erfolg eines Action-Learning-Projekts sind dabei Faktoren ausschlaggebend wie:

  • Ein reales, möglichst drängendes Problem, so dass die Teilnehmer auch motiviert und aufmerksam genug an die Sache herangehen.
  • Learning by doing als bevorzugte „Vermittlungsmethode“. Das heißt, Teilnehmer, die zuerst noch eine Schulung haben wollen, sind hier verkehrt. 😉 Unterstützt wird der Prozess – wenn vorhanden – durch einen erfahrenen Lerncoach. Zusätzliches Fachwissen holt man immer dann ein, wenn es nötig wird, vorher nicht.
  • Eine möglichst heterogene Gruppe, die die unterschiedlichsten Perspektiven einbringen und zur Problemlösung beisteuern kann.
  • Kritische Fragen, so dass das neue Wissen nicht passiv aufgenommen, sondern aktiv, fragend und begutachtend erarbeitet wird.
  • Eine offene Haltung bei den Beteiligten, die sich als „Unwissende“ verstehen. Nur dadurch ist man aufnahmefähig genug, um wirklich zu lernen, statt sich auf seinem Expertenstatus auszuruhen.
  • Die Bereitschaft, von- und miteinander zu lernen. Machtspiele in der Gruppe sind kontraproduktiv.
  • Genug Zeit zur Reflexion. Die Erfahrungen und Erkenntnisse des learning by doing müssen überdacht und verdaut werden, wenn sie zu Wissen werden sollen.
  • Ein permanenter Ansprechpartner („Auftraggeber“), der für Fragen zur Verfügung steht, Ziele abnimmt, Ressourcen und Verantwortungen zuteilt, und Ähnliches mehr.
  • Und idealiter ein Moderator oder Lernbegleiter, der den Lernprozess unterstützt und dem Team hilft, seine Erfahrungen zu reflektieren und auszuwerten.

Vorgehensweise bei Action Learning

Und wenn Sie selbst sich mal an einem Action-Learning-Projekt versuchen wollen, dann:

  • Legen Sie das Projektziel fest: Welches Ergebnis soll angestrebt werden?
  • Stellen Sie ein Lernteam nach den obigen Kriterien zusammen.
  • Analysieren Sie das Problem.
  • Erarbeiten Sie Strategien, um es zu lösen.
  • Holen Sie, wenn nötig, noch zusätzliche Informationen ein.
  • Führen Sie die Strategien und Maßnahmen durch, und testen Sie.
  • Wiederholen Sie praktisches Tun und Lernen solange, bis das Problem gelöst ist.
  • Reflektieren Sie während des ganzen Prozesses, zum Beispiel:

o Wie das Problem angegangen wird.

o Welche Maßnahmen ergriffen werden.

o Welche davon das Problem lösen helfen.

o Welche Informationen eingeholt werden.

o Welche davon das Team weiterbringen.

Kurz: Welche Lernwege Sie mit welchem Erfolg gehen.

  • Notieren Sie nach jeder Lernphase das bisher Gelernte.
  • Dokumentieren Sie den Prozess als Referenz.

Nebenbei: Nicht ganz so kompliziert und detailliert, aber ähnlich habe ich mir meine ganze selbstständige Existenz aufgebaut. Ohne vorheriges Fachwissen, nur durch eine Kombination von praktischem Tun, Reflektieren und gelegentlichem Einholen von Informationen. Es scheint also zu funktionieren. 😉

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 26.02.09

Möchten Sie meinen Beitrag weiterempfehlen? Dann sage ich mal: Danke. :-)