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Kreatives Lesen: Drei Schritte, um kreativ zu lesen

Lesen ist nicht gleich lesen. Wer aktiv liest, wird seine Texte besser verstehen und leichter behalten als der flüchtige Betrachter. Machen Sie sich das zunutze. Greifen Sie zu den Methoden des Kreativen Lesens, um sich aktiv und kreativ mit Ihren Texten auseinanderzusetzen.

Mit kreativem Lesen Texte besser verstehen und leichter behalten

„Wer Erfolg haben will, muss lesen“, könnte man ein Sprichwort vielleicht umformulieren. Und in der Tat: Allen technischen Entwicklungen zum Trotz sind Texte noch immer eine wichtige Grundlage für Information und Kommunikation. Kein Lernen ohne Text.

Neben den üblichen Lesetechniken helfen auch Kreativitätstechniken und Methoden des Kreativen Schreibens unter dem Begriff „Kreatives Lesen“ dem Leser, Texte besser zu verstehen.

Dabei legt das kreative Lesen besonderes Augenmerk darauf, den Leser von einem passiven Konsumenten in einen aktiv Lesenden zu verwandeln.

Frei nach dem Motto: Wer Texte nicht nur an sich vorbeirauschen lässt, sondern sich aktiv mit ihnen auseinandersetzt, kann diese besser aufnehmen, wiedergeben und weiterdenken. Wir können uns Texte leichter merken, lernen, uns eine eigene Meinung zu bilden, und entwickeln nicht zuletzt unsere Persönlichkeit.

Hier habe ich einige Anregungen für Sie, wie Sie einzelne Formen des kreativen Lesens im Leseprozess einsetzen können.

Phase 1: Vor dem Lesen

Legen Sie noch vor dem eigentlichen Lesen los. Machen Sie zum Beispiel ein Brainstorming und stimmen Sie sich auf das Thema Ihres Textes ein: Worum scheint es zu gehen? Was „verspricht“ der Titel? Welche Assoziationen wecken er und das Thema in Ihnen? Was wissen Sie vielleicht schon über das Thema?

Auf diese Weise setzen Sie „Anker“ im Gehirn, an denen Sie später mit dem Text andocken können. So werden Sie ihn besser verstehen und sich leichter merken.

Nebenbei, schreiben Sie ruhig offene Fragen auf, die Ihnen der Text beantworten soll. So werden Sie aufmerksamer lesen.

Das Ganze funktioniert auch mit einem kleinen Free Writing. Schreiben Sie spontan 5 bis 10 Minuten lang möglichst unzensiert auf, welche Gedanken Ihnen zu einem Titel oder Thema durch den Kopf gehen. Beschäftigen Sie sich wieder schon vor dem eigentlichen Lesen mit Ihrem Text.

Oder greifen Sie zu Stift und Pinsel, und halten Sie Ihre Eindrücke grafisch fest. Je nachdem, was Ihnen eher liegt.

Phase 2: Beim Lesen

Bleiben Sie auch während des Lesens aktiv: Notieren Sie sich zum Beispiel Fragen und Ideen, die Ihnen während des Lesens kommen, in einem sogenannten Lesejournal. Das kann eine Datei oder eine alte Kladde sein. Das Material ist egal. (Wenn Sie diese Notizen etwas ausführlicher halten, können Sie sie auch gleich für ein Exzerpt nutzen.)

Oder greifen Sie wieder zum Stift, und bearbeiten Sie Ihren Text mit Pfeilen und Symbolen. Markieren Sie wichtige Aussagen und Thesen. Verbinden Sie einzelne Argumente. Arbeiten Sie die Reihenfolge und Struktur heraus. Achten Sie auf Lücken und Brüche in der Argumentation des Autors.

Sie wissen schon: Lesen Sie nicht nur, sondern erarbeiten Sie sich Ihren Text. Investieren Sie diese zusätzliche Zeit. Das wird Ihnen gerade bei schwierigeren Texten, Fachbüchern oder wissenschaftlichen Hausarbeiten eine unschätzbare Hilfe sein.

Die Zeit, die Sie in diesen Arbeitsschritt stecken, sparen Sie, indem Sie später nicht alles wieder von vorn lesen müssen oder sich fragen, was Ihnen der Autor eigentlich sagen wollte.

Phase 3: Nach dem Lesen

Noch tiefer durchdringen Sie Ihren Text, wenn Sie ihn nach dem Lesen mit verschiedenen Methoden weiter verarbeiten.

Visualisieren Sie beispielsweise das Grundgerüst, die Hauptaussagen oder Ideen des Textes mit einer Mind Map.

Geben Sie den Argumentationsgang (bei Sachtexten) oder den Handlungsverlauf (bei Erzählungen) mit einem Flussdiagramm wieder.

Führen Sie einen fiktiven Dialog mit dem Autor und fragen Sie ihn nach seiner Schreibabsicht, um sich klar zu werden, ob Sie diese wirklich verstanden haben.

Bilden Sie sich eine eigene Meinung, indem Sie in einer Tabelle den Argumenten des Autors Ihre eigenen Gedanken gegenüberstellen.

Werden Sie selbst zum Autor und schreiben Sie einen kleinen Text, eine Geschichte oder ein Gedicht über das Gelesene. Spinnen Sie den Ausgangstext weiter, bringen Sie Ihre eigenen Gedanken ein, nehmen Sie Stellung.

Machen Sie sich die unterschwelligen Annahmen eines Textes (etwa „Schule macht Spaß“) bewusst, indem Sie diese Prämisse oder Leitidee verändern und den Text dann neu erzählen.

Sie sehen das Prinzip? Rauschen Sie nicht durch Ihren Text, sondern setzen Sie sich aktiv und kreativ mit ihm auseinander. Umso besser werden Sie ihn verstehen, leichter behalten – und nicht zuletzt auf eigene originelle Gedanken und Ideen kommen.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 08.01.09

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