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Probier’s mal mit Humor

Stress und Denkroutinen sind ebenso Gift für unsere Kreativität wie der Wunsch, alles beim Alten zu lassen und dem „Normalen“ zu frönen. Ihren Sinn für Humor zu pflegen, kann da für Abhilfe sorgen. Denn Humor ist gut für Ihre Kreativität. Das weiß nicht nur „Gummibärchen“ John aus meiner Lieblingsserie „Ally McBeal“.

Kreativität ist ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor – das hat sich schon herumgesprochen. Humor, Lachen und Scherze aber auch – und das gewinnt so langsam an Boden. Davon zeugen nicht nur pfiffige Lachtrainer, die die Unternehmenslandschaft aufrollen. Dafür plädieren sogar immer mehr Managementtrainer.

Und zwar nicht nur, weil ein Scherz auf den Lippen so manche Schärfe nehmen kann und sich mit Humor besser führen lässt. Nein, Humor und Kreativität hängen auch eng zusammen, Humor ist gut für Ihre Kreativität.

Das erinnert mich daran, dass ich früher, als ich noch zum fernsehenden Volk gehörte, ein Fan von „Ally McBeal“ war. Ich weiß nicht, ob Sie die Serie kennen.

Es ging um eine ziemlich schräge Anwaltskanzlei, in der ich liebend gerne angefangen hätte. Nicht, weil ich unbedingt Anwältin werden wollte. Sondern weil die Serienhelden eine herrlich unkonventionelle Art hatten, mit dem Leben umzugehen.

Fachlich waren sie alle super drauf, aber immer einen Tick neben dem „Normalen“. Diese Neurosen waren es allerdings auch, dank denen sie Probleme lösen und ihre Prozesse auf spektakuläre Weise gewinnen konnten.

Nun ist es Jahre her, dass ich zuletzt „Ally McBeal“ gesehen habe, und damals war von meiner Tätigkeit als Kreativtrainerin noch nicht mal ein Schimmer am Horizont zu sehen. Und doch, als ich das Thema für diese Kolumne plante, musste ich unwillkürlich daran denken: An schräge Anwaltskanzleien und unkonventionelle Methoden, Lösungen zu finden.

Weniger verbissen sehen

Denn, wie gesagt, Humor und Kreativität hängen eng zusammen.

Das fängt schon damit an, dass Lachen typische Denk- und Kreativblockaden mindern kann.

Sie kennen das vielleicht: Wenn wir uns Sorgen machen, Kummer haben oder gestresst sind, dann kreist unser Denken die ganze Zeit um unsere Ängste und Probleme. Wenn es nicht gleich bei akutem Stress auf Autopilot schaltet.

Wir brauchen alle unsere Kraft, um mit der Situation fertig zu werden. Für ausgefeilte Strategien bleibt da genau so wenig Zeit, wie für kreative Höhenflüge Energien. Das ist aber kontraproduktiv, denn gerade jetzt hätten wir Kreativität und Lösungen dringend nötig.

Humor und Lachen können diese Endlosschleifen und Blockaden aufbrechen, alles in ein leichteres Licht tauchen. Die Probleme verschwinden nicht, nein. Aber wenn wir über sie lachen können, gewinnen wir – und sei es nur für einen kurzen Moment – auch genug Abstand, um sie lockerer und weniger verbissen zu sehen, sie so lösen zu können.

Veränderungen annehmen

Locker nahmen auch die Fernseh-Anwälte alles, sogar, wenn es um diverse Missgeschicke und Katastrophen ging. Nicht nur, dass sie sich selbst nicht sonderlich ernst nahmen. Auch gegenseitig waren sie immer mit einem flotten Spruch zur Stelle, um mit Ironie und einem Augenzwinkern ihre kleinen Schwächen zu kommentieren. Dass das Ganze nicht in gegenseitigen Beleidigungen endete, war dem scherzhaften Tonfall zu verdanken.

Kritik können wir nun mal einfacher wegstecken, wenn sie nicht persönlich vorgebracht wird. Und uns selbst hinterfragen können wir leichter, wenn wir uns nicht angegriffen fühlen. Das Zauberwort heißt – Achtung, jetzt wird’s technisch – indirekte Ironie und humorvolle Selbstdistanz.

Oder anders formuliert: Bei einer direkten Kritik gehen automatisch unsere Verteidigungsschranken hoch. Wird die Kritik als Scherz geäußert, können wir über sie lachen, sie abstrakter und von außen sehen und sie – wenn wir ihr zustimmen – annehmen.

Damit können wir eine blockierende Verteidigungshaltung überwinden, wird der Weg für Kreativität und kreative Veränderungen frei.

Aber nicht nur eine latente Veränderungsbereitschaft gehört zur Kreativität.

Denkmuster neu setzen

Wenn Sie die Serie kennen, können Sie sich dann noch an das „Gummibärchen“ John erinnern? Der Charakter des Anwalts John war definitiv nicht als ständig possenreißender Mensch gezeichnet. Im Gegenteil. Für ihn waren eher Ruhe und Bedachtsamkeit typisch. Nun, zumindest nach außen hin.

Denn in Wirklichkeit war es John, der durch seine Art immer wieder für – durchaus liebevolle – Erheiterung sorgte. Und zwar allein durch seine Marotte, nichts als gegeben zu nehmen und sich an keinen konventionellen Denk- und Verhaltensmustern zu orientieren.

So war es John, der sich zum Beispiel Frösche als Haustier hielt und sie auch als Maskottchen mit zur Arbeit nahm, mit ihnen redete. Es war John, der regelmäßig für einen Schluck Wasser bei Auseinandersetzungen im Gerichtssaal mindestens zehn Minuten brauchte und damit den gegnerischen Anwalt aus der Fassung brachte. Es war John, der die absurdesten Vorschläge mit einer kindlichen Selbstverständlichkeit äußerte – und damit durchbrachte. Und so weiter, und so fort. Dabei immer völlig ernst vorgetragen und doch mit einem Schalk gemeint.

Sie merken es vielleicht schon: John war mein Held. Aber John war auch der Held der Kanzlei. Wenn es brenzlig wurde, dann musste er ran.

Denn was ihn auszeichnete, das war seine Fähigkeit, auch scheinbar Aberwitziges für völlig normal zu halten, anders als erwartet zu reagieren – und damit ungewöhnliche Lösungen zu finden.

Nach dem selben Prinzip funktionieren auch Witze und Humor. Beide leben davon, dass sie sich über Grenzen hinwegsetzen. Sie kombinieren mehrere Bedeutungsebenen und schließen mit einer überraschenden Pointe. Doppeldeutigkeiten und Hintersinniges, Wortspiele und Perspektivwechsel – das alles macht sie aus.

Voraussetzung dafür ist immer ein Wechsel der Denkmuster.

Oder anders formuliert: Wenn etwas wie gewohnt abläuft und wir den Ausgang vorausahnen können, ist es nicht komisch. Komisch finden wir es dagegen, wenn etwas einen ganz anderen Verlauf nimmt als gedacht. Wenn etwas hinter der Biegung wartet, womit wir nicht gerechnet haben und was unser geradliniges Denken mit einer neuen Wende verblüfft.

In diesem Sinne haben Humor und Kreativität viel gemeinsam. Sie brechen verkrustete Denkstrukturen auf, spielen mit Möglichkeiten, begnügen sich nicht mit dem „Normalen“, suchen stattdessen nach dem Andersartigen.

Der Anwalt John in „Ally McBeal“ war komisch, weil er mit Fröschen redete oder halbe Ewigkeiten für einen Schluck Wasser brauchte. Der Anwalt John war aber auch im Wortsinn kreativ, nämlich schöpferisch, weil er es für völlig normal hielt, mit Fröschen zu reden, damit seine Wirklichkeit neu schuf. Und er war erfolgreich, weil er mit dieser neuen Wirklichkeit eine Möglichkeit fand, gegnerische Anwälte zu verunsichern und zu entnerven.

Das Fazit

Und was ist nun das Fazit des Ganzen?

Wenn Sie etwas für Ihre Kreativität tun wollen, dann pflegen Sie Ihren Humor.

  • Humor entspannt, bekämpft Stress und Denkblockaden, hält den Kopf frei. (Denk- und Kreativblockaden mindern)
  • Humor erlaubt es, sich selbst zu hinterfragen und damit kreativ zu verändern. Ob als Einzelperson oder Unternehmen. (Veränderungsbereitschaft wecken)
  • Humor stellt Gegebenheiten in Frage, provoziert den Perspektivwechsel und überrascht mit ungewöhnlichen Wendungen. (Denkmuster wechseln)

Humor schafft günstige Voraussetzungen für Kreativität, fördert die Bereitschaft, sie anzunehmen, und setzt sie frei.

In diesem Sinne: Heute schon gelacht? :-)

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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