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Was ist Kreativität? Mit welchen Eigenschaften kann man sie fördern?

Kreativität ist nicht auf Genies, Künstler und Entdecker beschränkt. Sie kann geweckt und erlernt werden. Mit ganz bestimmten Charaktermerkmalen und Eigenschaften.

Was ist Kreativität?

Was ist Kreativität? Wer ist kreativ?

Das Wort Kreativität ist in aller Munde. Kaum ein Unternehmen, dass nicht von sich behauptet, über kreative Lösungen und innovative Produkte zu verfügen. Kaum jemand, der nicht von sich behauptet, kreativ zu sein, kreativ denken zu können. Keine Frage, kreativ sein ist „in“.

Aber was ist das nun, Kreativität?

Besonders alt ist der Ausdruck nicht. Noch im Duden-Fremdwörterlexikon von 1962 wird er zu den seltenen Begriffen gezählt. Erst mit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wird er von einer breiteren Öffentlichkeit verwandt.

Und wer ist das nun, kreativ?

Wenn Kreativität so verbreitet ist, wie man heute glauben könnte, warum suchen Unternehmen dann händeringend nach kreativen Mitarbeitern? Und werden oft nicht fündig?

Warum ist das überhaupt wichtig, kreativ zu sein? Und wie kann man Kreativität fördern?

Kreativität ist …

… ein schillernder Begriff und vermutlich für jeden etwas anderes.

Sprachgeschichtlich stammt das Wort Kreativität, kreativ vom lateinischen „creare“, was soviel bedeutet wie erschaffen. Das heißt, Kreativität steht zunächst einmal für ein gestalterisches, schöpferisches Potential.

Diese Schaffenskraft kann sich in unterschiedlicher Hinsicht äußern. Im ästhetisch-künstlerischen Bereich ebenso wie in der Produktentwicklung, im zweckfreien Spielen mit Ideen ebenso wie im konkreten Lösen von Problemen.

Der Begriff Kreativität meint also generell

  • die Fähigkeit zu gestalten
  • Erfahrungen neu zu kombinieren
  • Bestehendes zu verändern
  • neue Ideen zu finden und
  • Probleme zu lösen.

Dabei findet Kreativität nicht im luftleeren Raum statt, sondern

  • baut immer auf der (Fach-) Kenntnis des Alten, Bewährten auf und
  • öffnet sich gleichzeitig durch neuartige Kombinationen von bekanntem Wissen für das Unbekannte, Neue.

Ermöglicht wird dies durch ein Denken gegen Regeln, eine Abweichung von der Norm, ein Ausbrechen aus verfestigten Denkstrukturen.

In der Kreativität verbinden sich Fantasie und Logik, Vorstellungskraft und folgerichtiges Denken. (Ein Kreativer ohne Fähigkeit zum logischen Denken bleibt das, was man gemeinhin wenig verständnisvoll einen „Spinner“ nennt.)

Oder mit anderen Worten: Kreatives Denken erfolgt unter ganzheitlichem Einsatz Ihres Gehirns und Ihrer beider Gehirnhälften. Des digitalen Denkens mit seiner Betonung von Rationalität und Logik und des analogen, bildhaften, spielerischen Denkens.

Als „Spinner“ bzw. verkannte Genies gelten allerdings auch Menschen, deren neue Ideen nicht verstanden und akzeptiert werden. Von diesen Künstlern, Erfindern und Entdeckern heißt es dann, dass sie ihrer Zeit zu weit voraus waren.

Das bedeutet, dass eine Idee auch als positiv und wertvoll bewertet werden muss. Und zwar nicht nur von ihrem Schöpfer, sondern auch von dessen Umwelt.

Last but not least muss Kreativität also auch umsetzbar sein. Ein solches „kreatives Produkt“ kann ganz im gegenständlichen Sinne ein Produkt sein. Aber auch eine Idee, eine neue Fähigkeit, eine veränderte Einstellung, ein bewusster Umgang mit sich selbst und seinem Leben.

… warum gerade jetzt?

Warum ist Kreativität heute so wichtig geworden? Warum ist der Begriff plötzlich in aller Munde und aus dem Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken?

Zunächst einmal: wir können auch ohne. Viele Menschen sehen Kreativität als etwas an, was man vielleicht ganz gerne hätte, worauf man aber letzten Endes verzichten kann. Und sie haben in gewisser Weise recht: Solange die Dinge sich nicht ändern, alles beim alten bleibt, kommen wir mit unseren bewährten Anschauungen und Verhaltensmustern sehr gut aus.

Wenn die Verhältnisse sich aber ändern, kommen die Probleme. Und ohne neue Lösungsstrategien bleiben sie auch. Die Gabe des Menschen ist seine Anpassungs- und Lernfähigkeit; Kreativität ist die Fähigkeit, dem Unbekannten zu begegnen.

Da wir mittlerweile in einer Zeit beschleunigter Veränderungen leben, in denen wir nicht mehr auf bewährte Handlungsmuster zurückgreifen können, wird unsere Kreativität letzten Endes zum Garanten unserer Überlebensfähigkeit. Des einzelnen, der, angesichts der Auflösung traditioneller Strukturen, sein Leben selbst in die Hand nehmen muss; wie multinationaler Konzerne, für die kreative Mitarbeiter und Produkte zum Schlüsselfaktor unternehmerischer Leistung werden.

Dabei ist Kreativität nicht, wie lange Zeit angenommen, auf Genies, Künstler und Entdecker beschränkt. Sie ist weniger eine Eigenschaft, die entweder vorhanden oder nicht vorhanden ist, als vielmehr ein Zustand, ein Potential. Eine Fähigkeit, die – wenn auch in unterschiedlichem Maße – erlernt werden kann. Ein Zustand, der durch äußere Umstände begünstigt oder verhindert werden kann. Ein Potential, das in jedem Menschen vorhanden ist und geweckt werden kann.

Merkmale kreativer Menschen

Kontrollierte Spontaneität

Kreative Menschen sind zunächst einmal spontan, spielerisch, emotional. Allerdings nicht unkontrolliert ausgelebt, sondern durchaus zielgerichtet und bewusst. Sie

  • sind aufgeschlossen gegenüber ihren Gefühlen
  • reagieren sensibel auf ihre Umwelt
  • sind eine „Spielernatur“ aus purem Spaß an der Freud’
  • legen großen Wert auf Humor und
  • haben einen Sinn für Ästhetik (oft in Verbindung mit künstlerischen Interessen).

Kreativitätsfördernd sind dabei

  • die Unvoreingenommenheit und Offenheit, mit der sie die Dinge angehen
  • die Achtsamkeit, mit der sie Menschen und Situationen wahrnehmen
  • die Sensibilität für ihr eigenes Leben und dessen Möglichkeiten.

Kreative Menschen vertrauen nicht nur ihrer Intuition und ihrem Bauchgefühl. Sie sind auch bereit, sich auf Neues einzulassen, Pläne umzustoßen, Ziele zu ändern, wenn es notwendig wird. Bei aller Berechtigung von Regeln und Abläufen: Ohne Spielraum für unsere Spontaneität lassen wir uns beherrschen, anstatt zu herrschen, bleiben wir gefangen, statt das Leben zu meistern.

Neugier

Kreative Menschen sind aber nicht nur spontan und emotional, sondern auch chronisch neugierig. Es gibt kaum ein Thema, das sie nicht interessiert, kaum eine Sache, in die sie nicht ihre Nase stecken. Sie

  • wollen immer alles wissen
  • ihre Lieblingsfrage ist „warum“
  • haben vielseitige Interessen und
  • eine breite Allgemeinbildung.

Neugierige Menschen nehmen aktiv an ihrer Umwelt teil und entwickeln ein Bewusstsein für deren Probleme sowie mögliche Lösungen. Ihr breites Wissen und ihr großer Erfahrungsschatz verhindern nicht nur die Engstirnigkeit des Spezialistentums. Ihr interdisziplinäres Denken ermöglicht es ihnen auch, neue Blickwinkel einzunehmen und ungewöhnliche Schlussfolgerungen zu ziehen.

Flexibilität

Flexibilität ist für das kreative Denken, was Beweglichkeit für Ihren Körper ist. Ihre Gedanken können sich nicht nur mühelos in jede beliebige Richtung bewegen, sondern auch mit Leichtigkeit neue Ideen produzieren und Dinge auf den Kopf stellen.

Gedanklich flexible Menschen können

  • verschiedene Blickwinkel einnehmen
  • Vorhandenes neu kombinieren und kreative Verbindungen herstellen
  • Standpunkte ändern und Konzepte neu ausrichten.

Sie verfügen über einen hohen Einfallsreichtum („Gedankenflüssigkeit“) und können jederzeit mit dem Trott der Normalität brechen.

Originalität

Damit bringen sie die Grundvoraussetzungen für eine schöpferische Originalität mit. Also für die Fähigkeit, ungewöhnliche und einzigartige Ideen hervorzubringen.

Nicht verwunderlich, dass viele von ihnen als mehr oder minder exzentrisch gelten. Ihr „Stehen außerhalb der Mitte“ ist die Basis wie auch der Preis, den sie für kreatives Denken zahlen.

Kreatives Denken

Kreativität hängt stark mit kreativem Denken zusammen, d.h. mit der optimalen Nutzung von linker und rechter Gehirnhälfte, von Logik und Fantasie.

Erinnern Sie sich? Ein kreativer Mensch ohne Fähigkeit zum logischen Denken bleibt das, was man gemeinhin einen „Spinner“ nennt. Kreativität bedeutet also nicht ein „wildes drauflos kreieren“, sondern meint eine umsetzbare Neukombination bekannter Informationen.

Das kann z.B. ein neues Produkt, eine neue Strategie, ein glücklicheres Händchen für zwischenmenschliche Beziehungen oder auch ein neuer Zugang zum eigenen Ich sein.

Mit kreativem Denken begabte Menschen haben demnach

  • ein hohes Informationsverarbeitungspotential
  • eine gute Kombinationsgabe (Sherlock Holmes war mit Sicherheit kreativ :-))
  • ein klares Unterscheidungsvermögen, mit dem sie den Dingen auf den Grund gehen
  • ein gutes Abstraktionsvermögen, mit dem sie eine Frage so lange verändern, bis sie Wesentliches von Unwesentlichem getrennt haben
  • ein divergentes Denken, mit dem sie über die erstbeste Lösung hinausgehen und nach Alternativen suchen
  • eine ausgeprägte „Problemsensitivität“, mit der sie Unstimmigkeiten und Widersprüche ebenso erkennen wie Chancen und zukünftige Entwicklungen (Antizipation).

Wer also kreativ Probleme löst, schöpft aus dem Vollen und nutzt sein gesamtes Gehirnpotential.

Kommunikationsfähigkeit

Ein breites Wissen, Flexibilität und Originalität, Assoziationsvermögen und kreatives Denken schlagen sich auch

  • in einem reichen Wortschatz
  • Agilität und Einfallsreichtum
  • Fantasie und Vorstellungsvermögen

nieder. Viele kreative Menschen sind daher besonders kommunikativ. Das kann sich im sicheren Umgang mit Sprache, dem Spiel mit Worten äußern. Aber auch Zahlen, Bilder oder Symbole können eine verständigende, verbindende Wirkung entfalten.

Energie und Motivation

Kreative Menschen gelten gemeinhin als entschlossen, hartnäckig, hoch motiviert und begeisterungsfähig. Kein Wunder, wenn Sie an die Hingabe denken, mit der all die Tüftler und Erfinder, Künstler und Entdecker zu Gange sind. Sie und alle, die ihre Eigenschaften teilen und diese in Arbeits- und Privatleben einsetzen,

  • arbeiten hoch konzentriert
  • sind lern- und leistungsfähig
  • haben eine hohe Stresstoleranz
  • identifizieren sich stark mit dem, was sie tun
  • werden mehr von inneren als von äußeren Antrieben geleitet („intrinsische Motivation“)
  • sind eigeninitiativ und haben Spaß am Erfolg.

Kein Wunder, dass auch aus diesen Gründen kreative Mitarbeiter heutzutage in der Wirtschaft so gefragt sind.

Dabei verfügt jeder Mensch über ein individuelles „Energiepotential“, das unterschiedlich ausgeprägt sein und durch äußere Umstände beeinflusst werden kann.

Psychische Stabilität

Kreativität und Wahnsinn scheinen nah bei einander zu liegen. Stereotype von unkontrolliert agierenden kreativen Genies, von Dr. Frankensteins, gibt es genug. Nichts könnte ferner liegen. Es ist die willensstarke, stabile Persönlichkeit, die es ermöglicht, kreative Betätigungen auch bis zur Umsetzung durchzuhalten. Viele Erfinder, Schriftsteller usw. wissen, dass Gott vor den Erfolg die harte Arbeit gesetzt hat. Selbstkontrolle und Selbstvertrauen sind unerlässlich, wenn man eine Idee nicht nur haben, sondern auch Wirklichkeit werden sehen will.

Konsequenterweise besitzen kreative Menschen

  • ein größeres Selbstvertrauen als andere
  • ein stark ausgeprägtes Ich-Bewusstsein
  • eine hohe Frustrationstoleranz und
  • ein inneres Gleichgewicht.

Sie sehen in Fehlern die Möglichkeit zu lernen, akzeptieren auch ihre schwachen und destruktiven Seiten und lassen sich von den diversen Katastrophen des Alltags nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

Unabhängigkeit

Das Persönlichkeitsmerkmal Selbstbewusstsein deutet es schon an: Als geradezu synonym für kreative Menschen gilt ihre Eigenständigkeit, ihr unabhängiges Denken. Sie mögen es nicht, von anderen gelenkt und kontrolliert zu werden, finden sich nur schwer in hierarchischen Strukturen zurecht und respektieren nur den Menschen, nicht aber Titel und Funktionen.

Sie bewahren sich ein eigenes Urteil und lassen sich von ihren eigenen ethischen Maßstäben leiten. Dabei ist es ihnen völlig egal, was andere von ihnen denken. Durchaus nach Dominanz strebend, scheuen sie notfalls auch vor Konflikten nicht zurück, um ihre Ansichten durchzusetzen.

Soziale Unabhängigkeit und nonkonformes Verhalten helfen ihnen, die Sackgassen konventionellen Denkens zu überwinden, Bestehendes kritisch zu hinterfragen und den Weg für Neues zu bereiten. Kreative Menschen sind das Salz in der Suppe, der Gärstoff in der Hefe, der den Teig quellen und die Schwachstellen finden lässt.

Ausblick

Kreativität ist gefragt, kreativ sein ist „in“. Viele halten sich für kreativ und sind es nicht. Viele wollen es sein, wissen aber nicht, wie. Und viele halten sich zu Unrecht für wenig kreativ begabt. Dieser Widerspruch unterstreicht die Unkenntnis, aber auch die Bedeutung, die sich mit dem Begriff Kreativität verbinden.

Kreativität ist eine menschliche Grundfähigkeit. Wir alle verfügen über das entsprechende kreative Potential. Ob wir es auch zu nutzen verstehen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sehr wir den Mut aufbringen, uns zu unserem kreativen Ich zu bekennen und es zu entfalten.

Die Angst vor unserer Kreativität ist unser größtes Hemmnis. Wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen. Und am wenigsten erkennen wir uns als das, was wir schon sind – kreativ. Wer sich ausschließlich als nüchternen, rationalen, von Sachlogik geleiteten Menschen sieht, beraubt sich einer ganzen Hälfte seines Seins.

„Erkenne dich selbst“, wie die alten Griechen zu sagen pflegten, ist heute als Auftrag aktueller denn je. Nur wenn wir unser ureigenstes Geburtsrecht, unsere Kreativität, nutzen, werden wir in der Lage sein,

  • die Probleme der Gegenwart zu lösen
  • Innovationen und Strategien für die Zukunft zu finden
  • Verständnis für unsere Mitmenschen zu entwickeln
  • unser Leben zu gestalten und zu uns zu finden.

© 2005 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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