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Learning Sabbaticals: Ausstieg auf Zeit

Sich einmal eine Auszeit nehmen – das ist für viele ein Traum. Aber einer, den sich nur wenige gönnen. Zu groß ist die Angst vor Jobverlust oder Karriereknick. Dabei profitieren „Auszeiter“ wie Unternehmen gleichermaßen von einem solchen Sabbatjahr oder Sabbatical. Dann nämlich, wenn es der persönlichen Fortbildung und Entwicklung dient.

Eine Teilnehmerin wanderte den Jakobsweg, eine andere engagierte sich sozial, ein dritter holt sein Studium nach, eine vierte bastelt an ihrer Schriftsteller-Karriere, eine fünfte erholt sich von derselben und eine sechste hat den Drang, alle sechs oder sieben Jahre etwas anderes zu tun – und jetzt ist es eben das Schreiben. :-)

Damit liegen meine Teilnehmer voll im Trend – und bilden doch eine Ausnahme. Denn von einer Auszeit vom Job, einem Learning Sabbatical, träumen zwar viele, doch nur wenige machen sich auch daran, diesen Traum zu verwirklichen.

Motive

Das Motiv des Sabbatjahrs stammt aus der Bibel: Sechs Jahre soll man sein Feld bestellen und dann im siebten Jahr ruhen lassen. Auf die Neuzeit übertragen heißt das: Eine bestimmte Zeit lang soll man seiner Arbeit nachgehen und dann ruhen – oder etwas ganz anderes tun.

Gründe für eine Auszeit von Job und beruflicher Laufbahn gibt es viele, und die wenigsten haben etwas mit Füße hochlegen und ab in die Hängematte zu tun.

Manche wollen vielleicht mehr Zeit für ihre Familie haben, andere fremde Länder sehen und ihren Horizont erweitern. Unverändert bleibt keiner und Reisen bildet bekanntlich nicht nur, sondern fordert zur Auseinandersetzung mit sich selbst, zur persönlichen Entwicklung auf.

Manche wollen sich vielleicht von Druck und Stress im Arbeitsalltag erholen, andere eine schöpferische Pause einlegen. Auch hier kann man zum Kern seiner selbst vordringen, mit aufgetankten Batterien und einem neuen Schwung an Ideen in sein gewohntes Leben zurückkehren.

Wieder andere nutzen die Pause für Umschulung und Weiterbildung oder machen sich gleich daran, Möglichkeiten für eine berufliche oder private Neuorientierung zu suchen.

Wo und wie Sie Ihre Auszeit verbringen, spielt weniger eine Rolle als die Tatsache einer Auszeit an sich. Geht es doch darum, dem Hamsterrad zu entkommen und Neues zu sehen, mit anderen Menschen oder sich selbst konfrontiert zu werden, sein Wissen zu mehren und derart gereift alte oder neue Wege zu betreten.

Vorteile

Management-Guru Tom Peters (Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich) ist deshalb nicht der einzige, der seinen Schützlingen dazu rät, einmal etwas völlig anderes zu tun.

Die Wirkung von Anregung und neuen Perspektiven auf Kreativität und Innovation ist bekannt. Ob durch Einsatz auf einer Farm, als Gast in fremden Unternehmen oder auf Reisen durch die Welt.

Aber auch „handfestere“ Gründe können ein Sabbatical für einen Arbeitgeber interessant machen:

  • Bei Auftragssschwankungen und schlechter Konjunktur kann ein Unternehmen Kündigungen und teure Neueinstellungen vermeiden, so qualifizierte Mitarbeiter und Know-how im Unternehmen halten.
  • Arbeitsbelastungen können gemildert, Burn-Outs vorgebeugt, Motivation und Produktivität gesteigert werden.
  • Und im Kampf um begehrte Fachkräfte und Talente können Arbeitgeber mit Sabbaticals für sich werben und an Attraktivität gewinnen.

Hindernisse

Trotzdem ist Überzeugungsarbeit nötig – auf beiden Seiten. Denn während die Hälfte bis drei Viertel aller Deutschen von einer Auszeit träumen, sind es nur sehr wenige, die diese auch in Anspruch nehmen.

Nicht zuletzt, weil nur wenige Arbeitgeber organisierte Sabbatjahre mit Job-zurück-Garantie anbieten. Meist sind es Großunternehmen oder auch der öffentliche Dienst. Der Rest schreckt vor dem Aufwand zurück, nach einem Stellvertreter suchen zu müssen, befürchtet, dass dessen Einarbeitung zu teuer ist oder der „Auszeiter“ sich mit der Wiedereingliederung schwer tut und für Unruhe sorgt.

Verständlich, dass deshalb viele Ausstiegswillige um Job oder Karriere fürchten. Zumal sie in unserer Arbeits- und Leistungsgesellschaft mit vielen Vorurteilen kämpfen müssen.

Wer eine Auszeit braucht, ist nicht belastbar genug, heißt es etwa. Die Abwesenheit vom Arbeitsplatz wird mit Faulenzen gleichgesetzt.

Es braucht Mut, bei einer solchen Denkweise für seine Bedürfnisse einzustehen, diese höher als Sicherheit und Anpassung zu bewerten.

Möglichkeiten

Wenn Sie sich davon nicht abschrecken lassen, dann können Sie Ihren Traum vom Ausstieg auf Zeit durch ein Ansparen von Arbeitsstunden, Teilzeitregelungen oder auch unbezahlten Urlaub verwirklichen.

Voraussetzung: Sie machen Ihrem Arbeitgeber klar, dass ein Sabbatical für Sie beide von Vorteil ist. Betonen Sie den Lerneffekt und Nutzen für das Unternehmen.

Reisen Sie nicht einfach durch die Weltgeschichte, sondern verbessern Sie Ihre Sprachkenntnisse, polieren Sie Ihre interkulturelle Kompetenz oder erweitern Sie Ihren Blickwinkel und Erfahrungsschatz. Überlegen Sie, wie Sie Ihr neues Wissen gewinnbringend ins Unternehmen einbringen können und machen Sie es so Ihrem Chef schmackhaft.

Wenn Sie können, gehen Sie noch einen Schritt weiter und greifen Ihrem Vorgesetzten unter die Arme. Bieten Sie ihm Lösungen an, wie Ihre Arbeit weiterlaufen kann, erklären Sie ihm, wie Sie auf dem Laufenden bleiben wollen bzw. arbeiten Sie gemeinsam daran, wie Sie anschließend Ihren Job möglichst problemlos wieder aufnehmen können.

Und wenn gar nichts geht?

Dann ist vielleicht doch der unbezahlte Urlaub oder sogar die Kündigung fällig. Je eher und sorgfältiger Sie hier planen, desto mehr Geld können Sie zur Seite legen oder auf kostspielige, überflüssige Ausgaben verzichten. Nutzen Sie auch Übergangszeiten wie Arbeitslosigkeit oder Ausbildungsabschluss.

So mancher hat schon ein Jahr in seinem Traumland gejobbt – und seine Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt verbessert.

Konsequenzen

Sie meinen, das ist die Sache nicht wert?

Sicherheit ist Ihnen wichtiger und finanzielle Einbußen sind nicht so schön?

Ja, das ist verständlich. Sabbaticals muss man sich gönnen und sie haben ihren Preis.

Aber wir werden durch sie auch reich beschenkt.

Sie schenken uns Zeit. Zeit für Mitmenschen, Freunde und Familie. Zeit zum Innehalten und für uns selbst. Zeit für Neues oder ganz Anderes. Zeit für Träume, Wünsche und Visionen.

Egal, ob nur für wenige Monate oder ganze Jahre.

Richtig genutzt sind es Lern- und Wachstumszeiten. Vielleicht für den Erwerb von neuem Wissen. Vielleicht für neue berufliche Perspektiven. Oder auch für die Arbeit an sich selbst.

Learning sabbaticals eben. :-)

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung April 2007

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