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Lebendiger schreiben mit bildhaften Verben

Viele Texte sind nichtssagend, trocken oder schwer verständlich. Ihnen fehlen Feuer und Pep, Leichtigkeit und Eleganz. Oder anders formuliert: Ihnen fehlt eine Sprache, die die Sinne berührt. Würzen Sie Ihre Texte mit Worten, die eine Farbenpracht an Bildern bei Ihren Lesern auslösen, ihre Inhalte anschaulich und lebendig erklären. Bildhafte Verben gehören dazu.

Sinneseindrücke und Sprache sind eine Einheit

Wir Menschen nehmen die Welt durch unsere Sinneseindrücke wahr. Über unsere Sinne empfangen wir Reize, die unser Gehirn in Informationen umwandelt, verarbeitet, interpretiert.

Sehen Sie zum Beispiel einen Schwan, ist es Ihr Gehirn, das in Ihnen das Abbild eines Schwans erzeugt. Es ist Ihr Gehirn, das dieses Bild mit ebenfalls empfangenen Tönen oder Gerüchen verbindet. Und es ist Ihr Gehirn, das diesem kunstvoll zusammengesetzten Puzzle von Impulsen das Wort „Schwan“ verleiht – so, wie man es Ihnen als Kind oder beim Lernen einer Fremdsprache beigebracht hat.

Beide, Sinneseindrücke und Sprache, bilden in Ihrem Gehirn eine Einheit. Wenn Sie das nächste Mal das Wort Schwan hören, tauchen vor Ihrem inneren Auge womöglich ein weißes Federkleid und wildes Geschnatter auf. (Okay, das könnte auch eine Gans sein. ;-))

Und das hat Folgen (nein, nicht die Gans).

Worte, die ein Bild in uns erzeugen

Denn besonders gut springen wir auf alle Worte und Texte an, die in uns ein Bild erzeugen, unsere gespeicherten Sinneseindrücke abrufen. Wer hier auf der Klaviatur zu spielen versteht und uns mit Sprachbildern (sic) überschüttet, kann ein ganzes Feuerwerk an Eindrücken in unserem Kopf auslösen. Weiße Federn, ein langer S-förmiger Hals, ein rauhes nääk-knääk, ein Rauschen und Schatten am Himmel, heftiges Flügelschlagen und Gischtspritzer beim Landen auf dem See – all das und mehr gibt sich ein Stelldichein beim harmlosen Wort Schwan.

Das bedeutet?

Wenn Sie Feuerwerke in Ihren Lesern entzünden wollen, bewerfen Sie sie mit Schwänen.

Nun, nicht ganz so schlimm. *schmunzel*

Aber gebrauchen Sie Worte, die an Sinneseindrücke anknüpfen und Bilder hervorrufen. So macht es nicht nur mehr Spaß, Ihre Texte zu lesen. Umso leichter werden Sie auch verstanden – greifen Sie doch direkt auf die Erfahrungswelt Ihrer Leser und deren Sinne zu, können eine Gänsehaut erzeugen oder zu einem Schmunzeln einladen. Ganz, wie Sie wollen.

Mit Verben lebendig und verständlich schreiben

Was für Texte im Allgemeinen gilt, gilt auch für Ihre Verben im Besonderen. Denn Verben können entscheidenden Einfluss auf Tempo und Verständlichkeit Ihrer Texte haben.

Mit Verben („Tu-Wörter“) drücken wir Aktion und Handlung aus. Verben erklären, wer etwas wie macht, wie etwas passiert. Verben können einen Text anschaulich, lebendig und leicht verständlich machen. Nun, zumindest in der Theorie.

Denn allzu oft kommen Verben künstlich aufgebläht daher und ähneln eher schwerfälligem Behördendeutsch, als dass sie unsere Sinne ansprechen.

Ein Beispiel: Sie können natürlich schreiben, dass jemand eine Sache problematisiert oder in Erwägung zieht. Daran ist nichts falsch. Anschaulicher wäre es aber, wenn Ihr Jemand etwas aufzeigt, anspricht, freilegt, den Finger in die Wunde legt oder überlegt, grübelt, prüft, abwägt, beherzigt – was immer der Zusammenhang hergibt.

Genauso können Sie – völlig richtig, aber ziemlich trocken – schreiben, dass jemand schnell fährt. Sie könnten aber auch schreiben, dass er jagt, dahinrast, Gas gibt.

Ein Fluss kann einen Ort durchqueren. Er kann sich aber auch durch den Ort winden oder schneiden.

Und so weiter, und so fort.

Mit bildhaften Verben unsere Vorstellung aktivieren

Es sind die bildhaften Verben, in denen nicht nur das Was, sondern auch das Wie steckt. Es sind die bildhaften Verben, die unsere Sinne ansprechen oder eine Vorstellung in uns auslösen.

Wann immer Sie anschauliche Texte wollen, greifen Sie hier zu. Schreiben Sie schlendern, sprinten, quetschen, packen, wirbeln, jagen. Verwenden Sie dynamische Verben, lebendige Verben, intensive Verben. Alles, was Ihnen hilft, Bilder zu erzeugen und Aussagen zu stützen.

Sprache und Vorstellungsvermögen hängen eng zusammen. Wenn Ihre Leser sehen sollen, was Sie Ihnen sagen wollen, dann wählen Sie Worte, die ihnen den Zugang dazu erleichtern. Bildhafte Verben gehören dazu.

© 2007 Heike Thormann, Erstveröffentlichung

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