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15 Tipps für mehr Lebensqualität als Kreativer

Viele Kreative ringen um ihr täglich Brot. Andere ärgern sich über Auftraggeber oder schlechte Chefs. Die Frage nach der Lebensqualität scheint da eher zweitrangig zu sein. Mmh? Sie ist es aber nicht. Denn wer nicht auf die Bedingungen achtet, unter denen er lebt und arbeitet, wird gerade als Kreativer oft so blockiert sein, dass am Ende gar nichts mehr geht. Sorgen Sie vor, damit es Sie nicht auch trifft.

„Lebensqualität“ ist ein recht offener Begriff. Jeder wird ihn wohl anders definieren.

Für eine Freundin, geplagte Unternehmensberaterin, sieht Lebensqualität so aus: Erst gar keinen Tanzkurs belegen können. Dann den Tanzkurs um 21 Uhr belegen können. Jetzt am Kurs um 19.30 Uhr teilnehmen können.

Für diverse Verwandte sieht Lebensqualität so aus: Einfach mal zwischendurch ein oder zwei Tage wegfahren und etwas Schönes sehen oder erleben.

Für einen Freund sieht Lebensqualität so aus: Eine Auszeit von drei Monaten nehmen und mit Frau auf Schusters Rappen durch Nepal tigern.

Doch wie sieht das bei Kreativen, Künstlern und Autoren aus? Was bedeutet für sie „mehr Lebensqualität“?

Dazu habe ich weitere Freunde interviewt, mich selbst zum Vergleich genommen, und auch die Ergebnisse meines letzten Schreibblockaden-Kurses waren sehr aufschlussreich. Denn wenn man das, was meine Teilnehmer blockiert, umdreht, bekommt man schnell diverse Tipps, wie man sein Leben als Kreativer angenehmer gestalten kann.

Nebenbei: Den erwähnten Schreibblockaden-Kurs biete ich nicht mehr an. Doch mein Kurs „Kreativ Schreiben lernen“ zeigt Ihnen Techniken, mit denen zumindest einige Blockaden gar nicht erst entstehen oder sich doch schnell wieder verziehen. 😉

1. Sich und seine Kunst ernstnehmen

Das ist wohl das Haupt-Problem vieler Kreativer: Sie nehmen sich und das, was sie tun, nicht ernst genug. Alles ist wichtiger als das, was viele – einschließlich der Künstler selbst – immer noch als Hobby ansehen. Zumal, wenn dieses „Hobby“ nicht genug Ertrag abwirft und die Haushaltskasse eher belastet als alles andere. Entsprechend stiefmütterlich wird damit umgegangen.

Man stiehlt sich ein paar Stunden, hat ein schlechtes Gewissen, ist reizbar und unzufrieden – mit sich selbst und mit seiner Kunst.

Nun, vielleicht schaffen Sie es, Ihre Kunst profitabel werden zu lassen. Das wäre gut. Doch selbst wenn nicht: Sie haben ein Recht auf Ihr „Hobby“, wie jeder andere auch. Mmh?

2. Sich mehr Zeit für sich und seine Kunst nehmen

Wie gesagt, viele Kreative sind zwischen Tür und Angel tätig, immer auf dem Sprung zu dem, was eigentlich wichtiger ist. Manchmal lässt sich das nicht vermeiden, aber vielleicht können Sie ja doch eine Lösung für sich finden. Lesen Sie dazu auch meine Artikel „10 Tipps, wie Sie Zeit zum Schreiben finden“ und „12 Tipps, wie Sie mehr freie Zeit gewinnen“.

Viele Kreative machen sich aber auch selbst das Leben schwer. So lässt ein 120prozentiger Perfektionismus Autoren wochenlang diverse Quellen verfolgen. Ehrgeizige Ziele fressen Lebenszeit und zurück bleibt dann doch nur das Gefühl, sein Ziel nicht erreicht zu haben.

Schrumpfen Sie runter. Unsere Zeit krankt auch daran, maßlos geworden und mit nichts mehr zufrieden zu sein. Das befällt auch Kreative und Autoren.

3. Ziele und Leitbilder erarbeiten

Sie werden Ihre Kunst automatisch ernster nehmen und produktiver daran arbeiten, wenn Sie damit nicht irgendwie „vor sich hinprötscheln“, sondern klare Ziele verfolgen. Was haben Sie vor? Wo wollen Sie hin? Was wollen Sie als nächstes erschaffen?

4. Entstressen und nicht alles gleichzeitig machen

Viele Kreative schwimmen in Ideen. Da gibt es doch noch so viele interessante Dinge, die man tun kann. Ja, sicher, doch ich nehme an, auch Ihr Tag hat nur 24 Stunden, mmh?

Entstressen Sie. Gehen Sie Stück für Stück vor. Was Sie heute nicht schaffen, machen Sie morgen. Viele Ideen haben sich sowieso nach ein paar Wochen überholt und locken nicht mehr. Wenn Sie sie zunächst irgendwo sammeln, können Sie die Zeit entscheiden lassen, welche Sie nun verfolgen und welche nicht.

5. Routinen und Vorgehensweisen entwickeln

Manche halten schon das Wort „Routine“ für mega-unkreativ. Doch Routinen und feste Vorgehensweisen verhelfen Ihnen auch zu mehr Sicherheit in Ihrem Handwerk. Sie müssen sich nicht mehr beständig neu an etwas herantasten und damit unter Stress setzen. Machen Sie das, was gut läuft. Verfeinern Sie es. Und hin und wieder spielen Sie mit etwas Neuem. Das ist erheblich entspannender.

6. Förderliche Arbeitsbedingungen schaffen

Viele Kreative sind im Home Office tätig und können sich deshalb ihren Arbeitsplatz bis zu einem gewissen Grad selbst einrichten. Trotzdem lassen sich meine Teilnehmer zum Beispiel von einem den Rücken malträtierenden Arbeitsstuhl quälen. Oder sie lassen den Partner sich bedenkenlos im gemeinsamen Arbeitszimmer ausbreiten, bis ihnen nur noch ein paar gestohlene Stunden für sich selbst bleiben.

Mit Verlaub: Das ist Selbstschädigung pur. Oft ist es reine Bequemlichkeit, die uns viel zu lange mit dem heimtückischen Stuhl vorlieb nehmen lässt. (Das kenne ich. ;-)) Und der Haussegen sollte ruhig mal für das persönliche Wohl riskiert werden.

Lebensqualität fängt durchaus bei den Arbeitsbedingungen an. Beobachten Sie sich selbst und versorgen Sie sich mit dem, was Ihnen gut tut.

7. Der Arbeit einen Sinn abgewinnen

Es wäre schön, wenn wir immer das tun könnten, was wir wollen und was uns Spaß macht. Doch viele Kreative müssen neben ihrer Kunst auch einem sogenannten Brotjob nachgehen, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Andere müssen immer wieder Aufträge annehmen, die ihnen emotional und künstlerisch nicht viel geben.

Das ist normal und gehört gerade am Anfang zum Leben eines kreativ Tätigen dazu. Versuchen Sie in dem Fall, Ihrer Arbeit und dem Brotjob einen Sinn abzugewinnen. Sagen Sie sich zum Beispiel: „Wenn ich diesen Auftrag erledigt habe, habe ich wieder genug Zeit und Geld, um an meinem neuen Kinderbuch zu schreiben.“

Ihr Brotjob ist dann keine verhasste Pflicht mehr, sondern er macht erst möglich, was Ihnen wirklich etwas bedeutet. Und wer weiß, vielleicht können Sie beides miteinander verzahnen und aus dem Einen einen Nutzen für das Andere ziehen: Kenntnisse, Fertigkeiten, Auftraggeber, und so fort.

8. Die Kasse füllen

Von Kunst und Kreativität allein kann man nicht leben. Sehen Sie deshalb zu, dass Ihre Kasse stimmt, wenn Sie längerfristig und vor allem entspannt kreativ tätig sein wollen. Ich weiß, viele Kreative tun sich schwer damit, doch versuchen Sie, ökonomischer zu denken und rentabler zu arbeiten. Schaffen Sie sich eine gesunde Basis für Ihren kreativen Erfolg.

9. Auftanken und erholen

Eine andere Basis sind Sie selbst, Ihre Arbeitskraft, Ihre Gesundheit und Ihre Motivation. Sie sind die wichtigste Ressource, die Sie haben. Wenn Sie Raubbau mit sich treiben, hat keiner etwas davon.

Gönnen Sie sich deshalb immer wieder Phasen, in denen Sie auftanken und sich erholen können. Das können Auszeiten sein, Urlaube, Inseln in der Zeit. Oder passen Sie sich dem Alltag, den Jahreszeiten, Ihrem Leben an. Machen Sie es beispielsweise wie meine Cousine, die am Winter die Ruhe und Stille schätzt und dann wie die Natur einen Gang zurückschaltet. In jedem Leben gibt es solche Momente, die sich von sich aus als Erholungsphasen und „Aus-Zeiten“ anbieten.

Oder probieren Sie einfach mal etwas aus. Spielen Sie. Seien Sie zweckfrei kreativ tätig, ohne den Druck, produktiv sein zu müssen. Kreativität braucht Abwechslung, Anregung und Spiel.

10. Sich helfen lassen

Viele Kreative sind Einzeltäter, ohne Mitarbeiter oder Kollegen. Doch auch so gibt es Möglichkeiten, sich auszutauschen und zu unterstützen. So arbeite ich flexibel mit etwa einem halben Dutzend KollegInnen zusammen. Wir geben uns Tipps und Feedback, helfen weiter, tauschen Ideen aus oder lernen vom anderen. Kreativität lebt auch vom Miteinander.

Oder legen Sie sich eine Haushaltshilfe zu, vergeben Sie Aufträge, stellen Sie Mitarbeiter ein. Niemand muss alles allein machen. Das kostet nur Zeit und geht auf die Knochen. Effizienter (und rentabler) arbeiten Sie, wenn Sie sich auf Ihre Stärken besinnen und den Rest außer Haus geben. Und ja, ich weiß, das ist ein Lernprozess, durch den viele Kreative hindurchmüssen. Uns blockiert da oft weniger das Portemonnaie als vielmehr die innere Einstellung.

11. Sich Anerkennung holen

Wenn wir schon bei unseren Mitmenschen sind: Manche Kreative haben das Glück, über ein wohlmeinendes Umfeld zu verfügen, das sie in ihrer kreativ-künstlerischen Tätigkeit stützt. Bei vielen ist das aber nicht (nur) der Fall.

Suchen Sie sich dann „Freunde und Förderer“. Umgeben Sie sich mit Menschen, die Verständnis für Sie haben und Ihnen gut tun. Anerkennung durch andere ist der sicherste Weg, an dem, was man tut, Gefallen zu finden und auch Durststrecken durchzuhalten. Und setzen Sie Menschen Grenzen, die Sie Ihre Kraft kosten, ohne dafür einen angemessenen Gegenwert einzuspielen.

12. Der Selbstkritik begegnen

Stichwort Anerkennung: Vergessen Sie nicht die größte Quelle von Anerkennung – Sie selbst. Viele Kreative werden notorisch von Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen geplagt. Ich sehe es bei meinen Teilnehmern: Eine der größten Kreativblockaden ist fast durchgängig die Angst, nicht gut genug zu sein. Innerer Kritiker, ein maßloser Perfektionismus und entschieden zu hohe Ansprüche an sich selbst lassen grüßen.

Selbstkritik ist ja gut und schön, denn sie lässt uns an unserer Kunst feilen und permanent besser werden. Doch übertreiben Sie es nicht. Lernen Sie, sich so anzunehmen, wie Sie sind. Und lernen Sie, Geduld mit sich zu haben und Stück für Stück als Mensch und in Ihrer Kunst zu wachsen.

13. Sich über Erfolge freuen

Wer nur das Perfekte gelten lässt, wird die kleinen Erfolge oft gar nicht sehen. Kein Wunder, dass der Weg bis zum endgültigen Ziel entsetzlich weit erscheint oder eine Enttäuschung so manchen Kreativen vernichten kann.

Dabei sind es die kleinen Erfolge, die das Leben als Kreativer lebenswert machen. Die Zufriedenheit nach getanem Tagewerk, wieder eine Seite geschrieben, eine interessante Besprechung in der Presse erhalten, und und.

Lernen Sie, sich über diese kleinen Erfolge zu freuen. Lassen Sie sich von ihnen Ihren Weg versüßen. Halten Sie dazu Rückschau, führen Sie Tagebuch, egal was. Hauptsache, Sie machen sich diese Erfolge auch bewusst.

14. Sackgassen und Fehlschläge loslassen

Verbeißen Sie sich nicht allzu lange in Dinge, die für Sie ungut ausgegangen sind. So etwas wirkt demotivierend und hindert Sie daran, Ihre Kraft in neue Projekte zu stecken.

Ihr Buch wird von den Verlagen nicht angenommen? Okay, dann versuchen Sie es eine Zeitlang und legen es hernach zur Seite. Machen Sie etwas anderes. Starten Sie zu gegebener Zeit einen neuen Versuch. Vielleicht haben Sie jetzt mehr Glück, oder Sie haben hinzugelernt und sind besser geworden. Auf jeden Fall haben Sie keinen Schwung verloren, indem Sie sich an etwas festgebissen haben, womit es nicht weiterging.

Erfahrene Autoren beginnen aus diesem Grund gleich ein zweites Buch, sobald sie ihr erstes abgeschlossen haben. Machen Sie es ihnen nach. So haben Sie immer etwas, was Ihre Motivation hochhalten wird.

15. Gut zu sich sein

Dieser Punkt sollte eigentlich selbstverständlich sein, er ist es aber nicht: Viele Kreative sind schreib- oder sonstwie blockiert, weil sie nicht auf das achten, was ihnen gut tut.

Es klang ja die ganze Zeit schon an:

Kreative nehmen sich und ihre Kunst nicht ernst. Sie nehmen sich nicht genügend Zeit. Sie quälen sich mit unpassenden Arbeitsstühlen herum, bis der Leidensdruck endlich groß genug wird, um in Aktion zu treten und nach einem neuen Stuhl zu suchen. Sie machen sich selbst nieder, leben von der Hand in den Mund und sind dankbar, wenn man beispielsweise ihre Artikel ohne Zahlung eines Honorars veröffentlichen will. Und so weiter, und so fort.

Der ganz normale Wahnsinn eben, der sicher nicht nur Kreative trifft. Wundert es noch irgendwen, dass darunter auch die Lebensqualität leidet?

Liebe Kreative, gebt besser auf Euch acht: Steht selbstbewusst zu dem, was Ihr seid und was Ihr tut, pflegt einen gesunden Egoismus, lasst Euch angemessen bezahlen, achtet auf Eure wichtigste Ressource, Euch selbst, und tut Euch und Eurer Kreativität Gutes.

Ich bin sicher, Ihr werdet diese Liste aus eigener Erfahrung noch um einiges verlängern können. Tut das. Und dann haltet Euch daran. 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.08.11

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