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Wenn Sie sich etwas nicht merken können oder wieder vergessen, muss das nicht an einem schwachen Gedächtnis liegen. Vielleicht haben Sie das neue Wissen schlicht nicht richtig wahrgenommen. Zum Beispiel, weil es zu einer Lernhemmung kam. Eine der häufigsten Lernhemmungen ist die Interferenz, die Überlagerung beim Lernen.
Zu meiner Schulzeit scheinen die Gestalter der Stundenpläne noch nicht viel davon gehört zu haben. Sonst hätten sie nicht wahllos Französisch- auf Latein-Unterricht oder Physik auf Mathe folgen lassen: Von der Interferenz, der Überlagerung beim Lernen.
Denn wer gerade noch Latein-Vokabeln gepaukt hat, wird sich schwer tun, unvermittelt ins Französische zu wechseln. Und wer gerade noch am Satz des Pythagoras geknobelt hat, wird sich schwer tun, jetzt die Parallaxe einzelner Sterne zu berechnen.
Das kann zum einen daran liegen, dass sich der Lernstoff zu ähnlich ist. Zum Beispiel gehen viele französische Vokabeln auf ihren lateinischen Ursprung zurück. Sie ähneln sich vom Aufbau her, sie müssen aber nicht die gleiche Bedeutung haben. Das kann zu Verwechslungen führen. (Die sogenannte Ähnlichkeitshemmung.)
Es kann aber auch an vergleichbaren Vorgängen oder anderen Formen, sich „in die Quere zu kommen“, liegen. Das heißt, es kann dem eifrigen Lerner beispielsweise schwerfallen, erst die Zeiten von Sprache A durchzuhecheln, um dann mit Zeitformen von Sprache B zu spielen. Ja, sogar innerhalb einer Sprache kann dieses Kreisen um ähnliche Aufgaben blockieren. Besonders natürlich, wenn sich auch die Inhalte wieder ähneln.
Beide Lernstoffe überlagern und stören sich. (Die sogenannte Überlagerung oder Interferenz.) Entweder hindert der ältere Stoff einen daran, sich den neuen zu merken. (Proaktive Hemmung) Oder der neue Stoff blockiert oder löscht bereits gelernten älteren. (Retroaktive Hemmung)
Die Folge ist immer dieselbe: Wir hindern unser Gedächtnis an seiner Arbeit. Wir vergessen Dinge, die wir bereits gelernt haben. Wir nehmen neue Informationen nicht richtig wahr. Und deshalb können wir uns dieses neue Wissen auch nur sehr schwer merken.
Was können Sie gegen eine solche Interferenz oder Überlagerung tun?
1. Lernen Sie nicht zu viel vom Gleichen.
Vermeiden Sie ähnliche Lernstoffe. Lassen Sie nicht Französisch auf Latein, oder Zeitform A auf Zeitform B folgen. Geben Sie dem neuen Wissen Gelegenheit, sich zu setzen, bevor Sie für ähnlich gelagerten Nachschub sorgen.
2. Lernen Sie zunächst nur das eine.
Gehen Sie sicher, dass Zeitform A wirklich sitzt, bevor Sie ihr Zeitform B folgen lassen. Lernen und wiederholen Sie A so lange, bis Sie es sicher beherrschen. Erst dann ist B dran.
3. Lernen Sie nichts, was sich widersprechen könnte.
Vermeiden Sie es, sich gleichzeitig mit, sagen wir, der Vererbung in Biologie und in Geschichte zu befassen. Der vermeintlich gleiche Inhalt kann in höchst unterschiedliche Richtungen gehen. Und Sie können Probleme bekommen, diese auseinanderzuhalten.
4. Sorgen Sie für mehr Abwechslung beim Lernen.
Wechseln Sie Ihren Lernstoff. Sorgen Sie für ein abwechslungsreiches Programm. Lassen Sie zum Beispiel Vokabeln Berechnungen folgen, Mathe Sport oder Texten Bilder und Grafiken. Je unterschiedlicher, desto besser. So kann ein Teil Ihres Gehirns in Ruhe die Vokabeln verdauen, während Sie mit einem anderen Teil Ihre Zahlenkolonnen wälzen.
5. Machen Sie Pausen.
Noch eine Möglichkeit, Ihrem Gehirn die Gelegenheit zu geben, neue Eindrücke schrittweise zu verarbeiten: Machen Sie Pausen beim Lernen. Und Achtung, machen Sie „richtige“ Pausen.
Das heißt, tun Sie nicht etwas, was in die gleiche Richtung geht. Haben Sie gerade noch mit Zahlen jongliert? Dann greifen Sie nun nicht zu Ihrer Monatsabrechnung. Sorgen Sie für Ausgleich, tun Sie etwas ganz anderes. (Oder tun Sie auch gar nichts.
)
Ihnen viel Erfolg beim Lernen.
© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21. Oktober 2009
Lesetipp: Mehr zum Thema gibt’s auch in meiner ABC-Liste Nichts mehr vergessen, sowie in meiner Checkliste Vokabeln lernen.
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