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Besser lernen mit den Lernregeln von Frederic Vester

Die lernbiologischen Erkenntnisse von Frederic Vester haben seit Jahrzehnten Trainer und Lehrer inspiriert, ihr Wissen lern- und anwenderfreundlich zu vermitteln. Aber warum es bei Trainern und Co. belassen? Nutzen Sie seine Lerngesetze doch selbst. Umso leichter und besser werden Sie lernen.

„Alles ist vernetzt“ – das war das große Thema des Biochemikers und Kybernetikers Frederic Vester. Ob in der Natur oder in sozialen Systemen: Nichts existiert gesondert für sich, alles ist mit allem verbunden. Selbst der Schlag eines Schmetterlingsflügels in China kann nach diesem Modell des „vernetzten Denkens“ einen Tornado in Kanada auslösen.

Frederic Vester ist aber auch noch für eine zweite Sache bekannt geworden: Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse in der Lernbiologie,  die seit Jahrzehnten gute Trainer und Lehrer inspiriert haben, ihr Wissen möglichst lern- und anwenderfreundlich zu vermitteln. (Mehr in seinem Buch „Denken, lernen, vergessen“.)

Nur – warum es bei Trainern und Lehrern belassen? Nutzen Sie die Lernregeln doch gleich für sich selbst. Umso leichter und besser können Sie etwas lernen.

Und los geht’s …

1. Lernziele setzen

Starten Sie nie ohne Ziel – auch nicht beim Lernen. Lernziele wirken wie Leuchtbojen oder Signalschilder. Sie können konzentriert und in voller Fahrt darauf zusteuern, ohne sich zu verzetteln. Und: Sie wecken Ihre Aufmerksamkeit für Lernstoff, der für Ihre Ziele wichtig sein könnte. So können Sie Informationen bewusster wahrnehmen und im Gedächtnis verankern.

2. Sinn klarmachen

Starten Sie auch nie ohne Sinn. Oder genauer: Machen Sie sich klar, warum Sie lernen und welchen Nutzen Sie von Ihrem Lernstoff haben. Und zwar nicht nur, weil Sie so erheblich motivierter lernen, ohne Energie an unbewussten Widerstand zu verschwenden. Lernstoff, dessen Sinn Sie einsehen, können Sie auch schlicht besser lernen und behalten.

3. Realitätsbezug herstellen

Je konkreter Sie Ihren Lernstoff mit Ihrem Leben in Verbindung bringen können, desto leichter fällt es Ihnen auch, ihn zu lernen. Tun Sie alles, damit er für Sie keine abstrakte Größe bleibt. Sammeln Sie Ideen, wie Sie Ihr neues Wissen einsetzen wollen. Helfen Sie mit Beispielen aus Ihrem Alltag nach. Wenden Sie ihn so früh wie möglich in der Praxis an. Und Ähnliches mehr.

4. Lernkanäle nutzen

Niemand hat gesagt, dass Sie Ihren Lernstoff nur in geschriebener Form lernen können. Profitieren Sie von der Tatsache, dass Ihr Gehirn Informationen über verschiedene Sinne aufnimmt und für jeden dieser sogenannten Eingangskanäle unterschiedliche Gehirnbereiche nutzt. Denn je mehr dieser Bereiche Sie aktivieren und vernetzen, desto besser für Ihr Lernen.

Also: Lesen Sie, sehen Sie, sprechen Sie, schreiben Sie, hören Sie, zeichnen Sie, basteln Sie, singen Sie, was auch immer. Hauptsache, Sie nutzen so viele Sinne wie möglich.

5. Überblick vor Detail

Gehen Sie bei neuem Wissen nicht gleich in die Tiefe. Bieten Sie Ihrem Gehirn ein Gerüst, an dem es dann konkretere Details andocken kann. Oder mit anderen Worten: Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick über die Grundstruktur, das Skelett der Informationen. Diesem geistigen Rahmen können Sie dann problemlos wie bei einem Puzzle nach und nach die Einzelteile folgen lassen. (Jedenfalls habe ich bei einem Puzzle immer zuerst mit dem Außenrahmen begonnen. ;-))

6. Erklärung vor Begriff

Versuchen Sie nicht, sich krampfhaft aus dem Stand neue Begriffe zu merken. Fangen Sie mit den Erklärungen an und bereiten Sie so ein Umfeld vor, das Sie verstanden und problemlos vor Augen haben. Erst dann lassen Sie ihm den neuen Ausdruck folgen.

Beispiel: Sie wollen sich den Begriff „Gerontologie“ (Altersforschung) merken. Dann könnten Sie sich dazu eine Frage stellen wie: Welche Wissenschaft untersucht die körperlichen und seelischen Folgen des Alterns? Antwort: Gerontologie.

7. Neues alt verpacken

Verknüpfen Sie das Neue mit dem Vertrauten. So können Sie neues Wissen wieder besser verankern, ohne allzu sehr über dessen Fremdheit zu stolpern. Beispiel: Immer noch die Gerontologie. Ich tippe mal, dass Ihnen dieses Wort zumindest am Anfang etwas mühsam über die Lippen kommen wird. Besser dürfte es mit der Altersforschung gehen, einfach, weil den meisten die Worte Alter und Forschung schon bekannt sind. Verknüpfen Sie also: Gerontologie = Altersforschung.

8. Assoziationen durch Beispiele fördern

Arbeiten Sie, wo immer möglich, mit Beispielen. Beispiele lösen ein ganzes Bündel von Assoziationen (etwas frei: Gedankenverknüpfungen) zu schon bekanntem Wissen aus. Und meistens sprechen sie auch wieder mehrere Eingangskanäle an. So fällt es Ihnen leichter, die neue Information zu verstehen und in Ihr Langzeitgedächtnis zu übernehmen.

Beispiel (genau ;-)): Sie wollen sich das Phänomen „Schwerkraft“ merken. Dann könnten Sie sich dazu einen Apfel vorstellen, der, ein Opfer der Schwerkraft, vom Apfelbaum zu Boden fällt – statt in den Weltraum zu driften o.ä.

9. Zu Wiederholungen greifen

Jedes Mal, wenn Sie etwas lernen, ziehen Sie sozusagen eine neue Bahn in Ihrem Gedächtnis. Am Anfang ist diese Bahn noch dünn und schwach. Wenn Sie nicht aufpassen, wächst der sie umgebende „Wald“ schneller wieder zu, als Ihnen lieb ist. Folge: Sie müssen sich mühsam neue Schneisen schlagen.

Wiederholen Sie deshalb das Gelernte am Anfang regelmäßig. So wird Ihre Bahn immer dicker und kann nicht mehr so leicht zuwachsen. Das neue Wissen bleibt Ihnen länger erhalten.

10. Mit Neugier und Spaß bei der Sache

Gehen Sie neugierig an Ihren Lernstoff heran. Je neugieriger Sie sind, desto aufmerksamer werden Sie sich mit dem fremden Stoff beschäftigen und diesen damit leichter lernen.

Und vergessen Sie auch den Spaß an der Sache nicht. Spaß motiviert uns nicht nur, etwas zu tun. Informationen, die wir mit positiven Erlebnissen verbinden, können wir uns auch wieder einfacher merken.

Also: Heitern Sie sich ruhig hin und wieder mit Spielen auf. Führen Sie einen kleinen Sketch zu Ihrer jüngsten (Wissens-) Eroberung auf. Machen Sie einen Witz daraus und bringen Sie die Leute zum Lachen. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Viel Erfolg beim Lernen.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.07.08

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