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So halten Sie eine (Autoren-) Lesung

Selbst im Zeitalter elektronischer Medien halten Autoren noch Lesungen und gehen auf Lesereise. Denn nirgendwo ist der Schriftsteller seinem Publikum näher und kann mit seiner Persönlichkeit punkten. Doch eine Lesung ist nicht jedermanns Sache und vieles kann ins Auge gehen. Lesen Sie hier ein paar Tipps, wie Sie eine Lesung halten.

Warum sollte man Lesungen halten?

Früher gingen Autoren auf Lesungsreise, um ihr neuestes Buch vorzustellen. Heute gibt es dank elektronischer Medien auch andere Möglichkeiten, sein Buch zu bewerben. Doch immer noch sind Lesungen ein schönes Ereignis im Kultur-Kalender einer Stadt und eine gute Präsentationsfläche für einen Schriftsteller.

Nirgendwo ist ein Autor dichter an seinem Publikum, kann seine Persönlichkeit transportieren und Nähe herstellen. Und natürlich sind Lesungen ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit für sich und seine Werke zu wecken.

Allerdings ist nicht jeder der Typ für eine Lesung. Viele haben Angst vor dem Auftritt in der Öffentlichkeit. Schauen Sie einfach selbst anhand der folgenden Tipps, ob Sie sich eine Lesung antun wollen oder nicht. 😉

Meine Quellen: Ich selbst will erst im nächsten Jahr mit Lesungen starten. Deshalb beziehe ich meine Informationen im Wesentlichen aus den Lesungen, die ich bis jetzt – sozusagen zur Vorbereitung – als Gast besucht habe, sowie aus diesen Büchern:

Die Planung: Eine Lesung gut durchdenken

Ich hatte es gerade schon erwähnt: Wenn Lesungen für Sie noch neu sind, können Sie sich erst einmal langsam an sie herantasten. Besuchen Sie Lesungen als Gast und studieren Sie, wie es andere handhaben. Beginnen Sie dann selbst im kleinen Kreis, vielleicht sogar im Freundeskreis und arbeiten Sie sich Stück für Stück an die große Bühne heran. 😉

Ich bin grundsätzlich eher der Typ für durchdachte Lesungen. Wenn jemand nicht gut vorbereitet ist und sein Programm „zusammengestoppelt“ wirkt, kommt das bei mir nicht so günstig an. Doch ich habe auch Lesungen erlebt, wo der Autor sehr spontan vorging und zu Improvisationen griff. Auch diese Lesungen haben begeisterte Aufnahme gefunden. Wie gesagt, eine Typfrage.

Machen Sie sich trotzdem ruhig Gedanken über ein Konzept und eine Struktur. Dieses Konzept können Sie dann mit leichten Anpassungen bei weiteren Lesungsterminen immer wieder neu verwerten. Das spart Ihnen die Arbeit, eine Lesung jedes Mal neu entwickeln zu müssen.

Und was ich wichtig finde: Achten Sie bei thematischen Lesungen darauf, dass Ihr Programm auch zur Ankündigung passt. Wenn dem nicht so sein sollte, enttäuschen Sie erstens eventuell Ihr Publikum, das schließlich für ein bestimmtes Thema Geld bezahlt hat. Und zweitens lassen Sie auch den Veranstalter hängen, der für dieses Thema wirbt und bürgt.

Auch wird nicht jede Lesung oder jedes Angebot für eine Lesung den Einsatz wert sein. Peilen Sie möglichst vorher über den Daumen, ob Zielgruppe, Besucherzahl, Honorar und so fort Ihren Aufwand lohnen. Zum beabsichtigen Ergebnis einer Lesung komme ich gegen Ende des Artikels noch mal.

Die Organisation: Eine Lesung gut vorbereiten

Ich halte es schon bei meinen Seminaren so, dass ich immer Orte mit einer besonderen Atmosphäre für einen Kurs aussuche. Und ich finde, auch bei Lesungen ist der Ort nicht ganz unwichtig. Das kann ganz trivial sein, damit sich das Publikum bei Ihnen gut aufgehoben fühlt. Oder Sie können den Ort sogar zur „Unterstützung“ für Ihre Lesung nutzen.

Lesen Sie ein regionales Thema in einem guten Restaurant mit regionaler Küche. Lesen Sie ein „politisch-philosophisches“ Thema in einer Kirche. Lesen Sie für die Zielgruppe Teenager bei einem Rockkonzert. Oder handeln Sie mit dem örtlichen Einzelhandel einen Deal aus: Sie lesen, der Händler stellt kostenfrei seine Räume zur Verfügung und gewinnt zum Beispiel durch den Verkauf seiner Produkte, und Sie beide bewerben gemeinsam Ihr „Event“.

Wenn Sie Glück haben, gewinnen Sie durch ungewöhnliche Lesungsorte sogar die Aufmerksamkeit der Presse.

Oder fragen Sie ganz normal bei örtlichen Buchhandlungen und Büchereien nach. Wenn der Buchhändler am Verkauf Ihrer Bücher interessiert ist, wird er umso bereitwilliger eine Lesung (mit-) organisieren und bewerben.

Apropos Verkauf: Achten Sie darauf, dass Sie immer genug Bücher dabei haben, um diese während oder nach einer Lesung zu verkaufen. Mehr dazu beim nächsten Punkt.

Und apropos Bewerbung: Schauen Sie, ob Sie einen Veranstaltungspartner finden und zur (Mit-) Bewerbung gewinnen können. Wenn Sie als Autor noch relativ unbekannt sind, wird die Presse nicht gleich „hurra“ schreien, wenn Sie bei ihr vorstellig werden. 😉 Wenn Sie aber den Buchhandel, die lokale Wirtschaft, die Kirche und Co. ins Gewicht werfen können, sieht die Sache schon anders aus.

Überlegen Sie, welche Werbemittel Sie für Ihre Lesung einsetzen wollen. (Zum Beispiel Flyer, Handzettel, Plakate, Pressemitteilungen, Anzeigen – prüfen, ob das Sinn macht – und mehr.) Bereiten Sie diese Werbemittel dann als Vorlage vor, so dass Sie nur noch den jeweiligen Ort oder Termin einsetzen müssen. Auch das spart Arbeit und Zeit.

Tipp 1: Spannen Sie wieder den Veranstaltungspartner zur Bewerbung mit ein. Bitten Sie zum Beispiel den Buchhändler darum, die Pressemitteilung an die Presse zu schicken. Dadurch bekommt diese wieder mehr Gewicht.

Tipp 2: Schreiben Sie diese Texte (Pressemitteilung, Selbstvorstellung und so fort) am besten selbst. So können Sie sich ins beste Licht rücken und sparen dem Partner einiges an Arbeit.

Tipp 3: Legen Sie der Pressemitteilung zu Ihrer Lesung ein Frei-Exemplar Ihres Buches bei. Vielleicht hat der eine oder andere Journalist Lust und Zeit, dieses zu rezensieren.

Klären Sie auch, wer die Eintrittskarten zu Ihrer Lesung und die Bücher verkauft.

Und machen Sie sich rechtzeitig mit dem Raum und seiner technischen Ausstattung vertraut. (Technische) Pannen sorgen zwar für Heiterkeit, doch irgendwann ist die Geduld des Publikums dahin und Ihre Lesung droht zum Fiasko zu werden. 😉

Die Durchführung: Gekonnt lesen

Gut, Sie sind also soweit: Das Thema Ihrer Lesung steht. Der Raum ist bereit. Die Werbung ist unters Volk gestreut. Die Leute können kommen. 😉

Tipp 1: Seien Sie nicht enttäuscht, wenn nicht gleich die Massen in Ihre Lesung stürzen. Jeder fängt mal klein an – und das kann sogar (Übungs-) Vorteile haben.

Tipp 2: Lesen Sie nicht mehr als etwa 60 Minuten am Stück. Danach wird die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer ins Trudeln geraten. Entweder beenden Sie dann die Lesung oder machen Sie eine Pause, vielleicht sogar eine Essens-Pause (wenn Sie zum Beispiel mit einem Restaurant zusammenarbeiten), und dann geht’s weiter. Mehr als zwei Stunden plus Pause würde ich für eine Lesung nicht ansetzen.

Im Allgemeinen ist es üblich, dass der Veranstalter (so Sie das nicht selbst sind) den Autoren vorstellt und auch wieder verabschiedet. Stellen Sie sich anschließend noch einmal selbst vor.

Besonders gut kommt bei mir an, wenn der Autor etwas über seine Motivation fürs Schreiben, das Buchthema oder seine Zielgruppe sagt. Vielleicht sogar mit ein paar Anekdoten aus seiner Biografie angereichert. So kann ich ihn als Mensch besser (be-) greifen und fühle mich ihm und seinen Büchern näher.

Es heißt zwar Lesung, aber lesen Sie auf keinen Fall die ganze Zeit nur vor. Die Szene kann noch so spannend sein, irgendwann schweifen die Gedanken Ihrer Zuhörer ab.

Ich finde eine Mischung aus Vorlesen und freiem Erzählen gut. So kann ich dem Geschehen besser folgen. Wenn der Autor die gerade erwähnten Anekdoten oder vielleicht auch ein paar Hintergrund-Infos aus seinem Schreib-Alltag einstreut, habe ich noch mehr Spaß daran.

Und, vergessen Sie nicht: Sie haben ein Publikum vor sich sitzen. Das ist Ihre Chance für ein bisschen persönlichen Schnack. 😉 Beziehen Sie es mit ein. Eine Autorin hat zum Beispiel die Zuhörer die Passagen durch Zufallswahl selbst auswählen lassen, die gelesen wurden. Andere haben (zum Schluss oder mittendrin) eine Frage- und Diskussionsrunde angeboten. Vielleicht bietet sich auch die Gelegenheit für „Aktivierungs-Übungen“, bei denen die Zuhörer selbst aktiv werden müssen.

Manche Schriftsteller bringen eine musikalische Begleitung mit beziehungsweise singen / spielen selbst. Andere arbeiten mit Schauspielern zusammen und führen regelrechte Sketche auf. Vielleicht machen auch Bilder oder Filme Sinn. Schauen Sie selbst. Lassen Sie nur diese Hilfsmittel nicht selbst wieder zur „Berieselung“ werden. Dann schalten wieder alle ab. 😉 Der Mix macht’s.

Wenn Sie Lesungen durchführen, ist es natürlich wichtig, dass Sie eine gute, verständliche Vortrags-Stimme haben. Wenn Sie hier noch Schwächen haben, kann ein Gesangs- oder Stimm-Training helfen.

Gut kommt bei mir auch an, wenn die Autoren natürlich bleiben, locker mit dem Publikum reden. Nicht steif, gezwungen oder gar abgehoben.

Wenn Sie unter Redeangst leiden, können diese Tipps helfen: „So überwinden Sie Ihre Redeangst“.

Achten Sie auf einen guten Abschluss. Vergessen Sie nicht, Ihr Buch zu erwähnen, dass im Vorraum käuflich erworben werden kann. 😉 Und danken Sie allen, dass sie zu Ihrer Lesung gekommen sind. Wenn vorhanden, wird Sie auch der Veranstalter noch einmal selbst verabschieden.

Bieten Sie spätestens zum Schluss auch an, Ihre Bücher zu signieren. (Wenn Sie eine Pause machen, können Sie diese ebenfalls dafür nutzen.) So können Sie die Aufmerksamkeit noch einmal auf Ihre (zu kaufenden) Bücher richten und die Bindung an Leser und Fans verstärken.

Tipp: Entwickeln Sie im Laufe der Zeit einen eigenen Stil mit der einen oder anderen persönlichen Marotte. So müssen Sie zum einen nicht jedes Mal wie ein blutiger Anfänger in Ihre Lesung stolpern. 😉 Und zum anderen können Sie damit auch einen gewissen Wieder-Erkennungs-Effekt schaffen, sich selbst ein bestimmtes Image zulegen.

Das Ergebnis: Den Wert einer Lesung bestimmen

Was hat Ihnen Ihre Lesung gebracht? Außer – hoffentlich – Spaß und – natürlich – Arbeit? 😉

Wenn Sie können, sehen Sie als erstes zu, dass Sie für eine Lesung, für die Sie „eingekauft“ werden, auch (möglichst anständig) bezahlt werden. Autoren-Ratgeber empfehlen ein Lesungs-Honorar von etwa 200 bis 300 EUR zuzüglich Übernahme von Spesen.

Das werden Sie leider längst nicht immer durchsetzen können. Erst recht nicht, wenn Sie nicht ein vielgefragter Top-Autor sind. Immerhin: Verhandeln sollten Sie über ein anständiges Honorar in jedem Fall und Ihre Auslagen sollten gedeckt sein. Wenn der Veranstalter nicht in der Lage ist (oder zu sein glaubt), Ihnen mehr als ein „Taschengeld“ zu zahlen, können Sie auch überlegen, auf dieses Geld zu verzichten und kostenfrei zu lesen. Das allerdings nur, wenn es sich für die Presse werbewirksam nutzen lässt. (Große Ankündigung als Benefiz-Veranstaltung oder Ähnliches mehr.)

Wenn Sie die Lesung selbst veranstalten, gehen die Eintrittsgelder abzüglich Auslagen an Sie.

Eine weitere Einnahmequelle sind die verkauften Bücher selbst. Sind Sie Selbstverleger, geht hier wieder der Erlös abzüglich Auslagen an Sie. Wenn Sie bei einem Verlag unter Vertrag sind, könnten Sie überlegen, Ihre Bücher zu einem Autoren-Rabatt einzukaufen und dann selbst weiterzuverkaufen. Damit können Sie Ihr üblicherweise eher niedriges Autoren-Honorar von etwa 5 – 10% pro Buch auf etwa 50% steigern.

(Achtung: Im Normalfall sind Sie durch die Buchpreisbindung an den Verlagspreis gebunden. Greifen Sie nicht zu Dumpingpreisen.)

Diese Bücher können Sie in der Pause oder nach einer Lesung verkaufen / verkaufen lassen. Sie können durch Signierrunden darauf aufmerksam machen. Und Ziel einer Lesung ist es natürlich auch, Ihre Bücher selbst zu bewerben. Sehen Sie nur zu, dass Sie das nicht allzu platt tun und Ihre Lesung zu einer Verkaufs-Veranstaltung ausartet. Ihre Zuhörer möchten schließlich einen netten Abend verbringen und zahlen dafür auch noch Geld. 😉 Ihre Buchwerbung kann hier nur indirekt sein.

Ein weiteres Ergebnis Ihrer Lesung ist natürlich der Werbeeffekt. Durch die Werbung für die Lesung werben Sie auch immer für sich selbst. Zudem können Sie auf der Lesung weiteres Werbematerial zum Beispiel für ergänzende Angebote oder Veranstaltungen auslegen.

Vielleicht können Sie auch einen kostenfreien Bonus anbieten, für den man sich in einem Verteiler anmelden oder Ihnen Ihre Adresse geben muss. So bleiben Sie im Kontakt mit Interessenten, Lesern und Fans. Und irgendwann gibt es vielleicht Folgekäufe.

Überdies fördern Sie natürlich Ihren Bekanntheitsgrad. Sie gewinnen neue Leser. (Auf manchen Autor bin ich erst durch eine Lesung aufmerksam geworden.) Sie binden treue Fans. (Manche reisen „ihren“ Schriftstellern sogar meilenweit hinterher. ;-)) Und Sie knüpfen viele hilfreiche Kontakte in der Buchszene.

Doch, wie gesagt, Sie sollten eines auf keinen Fall vergessen: Die Sache sollte Spaß machen. Einfach nur Spaß. Wenn Ihnen diese Form von „Unterhaltung“ liegt und dann auch noch unterm Strich eine gute Summe für Sie übrig bleibt, kann sich der Abend gelohnt haben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Lesungen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.12.12

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