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12 Tipps, wie Sie mehr (freie) Zeit gewinnen

Es ist schon ein Kreuz: Die einen wissen nicht, wohin mit ihrer Zeit, und sie würden gern einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Die anderen stöhnen unter der Knute von Arbeit und Co. und hätten einfach gern ein wenig mehr Zeit für sich selbst. Zumindest um letztere kümmert sich eine Heerschar von Zeitmanagement-Experten. Doch oft ist es keine Frage von Methoden, sondern von persönlichen und kulturellen Einstellungen und Blockaden, wenn wir uns verzweifelt nach mehr freier Zeit sehnen. Ich zeige Ihnen hier ein paar Denkmuster, an denen Sie ansetzen können.

Egal, wen man fragt, die meisten Leute scheinen heute vor allem eines zu haben: Keine Zeit. Da heißt es dann „ich würde ja gern … (beliebig ergänzen), aber ich kann nicht, ich habe keine Zeit“. Dann werden diverse Gurus konsultiert oder Zeitmanagement-Methoden gelernt, doch das Problem bleibt: Man hat keine Zeit.

Nun, ich behaupte, das Problem ist weniger eine Frage von Methoden. Es sitzt in unserem Kopf, in unseren Einstellungen und Gewohnheiten. Und wenn wir diese ändern, haben wir auch ein bisschen mehr Zeit. Erwarten Sie deshalb bitte nicht die neuesten Zeitmanagement-Techniken. Doch wenn Sie ein wenig an sich selbst und Ihrem Umgang mit der Zeit arbeiten wollen, bleiben Sie dran. 😉

1. Weniger ist mehr

„Weniger ist mehr“ – das ist seit ein, zwei Jahren einer meiner Lieblingssprüche. Denn wir haben in der Regel nicht zu wenig Zeit, wir haben zu viele Möglichkeiten.

Und wenn wir uns dann zwischen diversen Hobbys, einem aufreibenden Karrierejob, Kind und Kegel, Ehrenamt und Urlaubsplanung zerrissen fühlen, müssen wir uns nicht wundern. Sie werden das, was Sie tun, nur genießen können, wenn Sie sich bewusst für einiges davon entscheiden und auf den Rest verzichten.

Setzen Sie Prioritäten. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist beziehungsweise was für Sie den größten Wert hat oder den meisten Nutzen bringt. Das sind die Dinge, in die Sie Ihre Zeit stecken sollten. Alles andere fliegt raus.

Das gilt auch für den Beruf. So habe ich mich zum Beispiel detektivisch daran gemacht, konsequent alles aufzuspüren und zu streichen, was nicht maßgeblich zum Wohl meines kleinen Unternehmens beigetragen hat. Erstaunlich, wieviel Zeit ich plötzlich hatte. 😉

2. Schrumpfen Sie runter

Unsere Leistungsgesellschaft huldigt ganz gern dem Prinzip des „immer mehr“. Wer beispielsweise nicht freiwillig Karriere macht, obwohl er die Möglichkeit dazu hat, sieht sich oft im Erklärungsnotstand. Zudem holen sich viele Menschen ihre Selbstbestätigung über den beruflichen oder finanziellen Erfolg.

Und wenn Sie eifrig die Karriereleiter hinaufklettern wollen, will ich Ihnen das sicher nicht madig machen. Dann ist das Ihre Wahl und Ihre Priorität. Doch erwarten Sie bitte nicht, dass Sie noch übermäßig Ihre Hobbys pflegen oder sich hingebungsvoll um Ihre Familie kümmern können. Beides wird im Allgemeinen nicht gehen.

Der Weg zu mehr (freier) Zeit bedeutet in der Regel oft: Kürzerzutreten, runterzuschrumpfen, falschen Ehrgeiz zu knicken und sich mit weniger zufriedenzugeben.

Nicht einfach in einer Gesellschaft, die auf solche „Minderleister“ herabsieht, ich weiß. Doch die Kehrseite der Medaille sind die vielen, die früher oder später ausgebrannt auf der Strecke bleiben oder feststellen, dass das Leben ohne sie stattgefunden hat. War es das wert? Und welche Gesellschaft kann es sich leisten, so mit ihren Ressourcen umzugehen?

3. Bauen Sie innere Barrieren ab

Im Grunde haben viele der hier genannten Tipps mit inneren Blockaden zu tun. In diesem Punkt geht es gesammelt um Einstellungen, die einen daran hindern, mehr Zeit für sich in Anspruch zu nehmen.

Das können etwa finanzielle Ängste sein, die einen rund um die Uhr arbeiten lassen, wenn man selbständig ist. Oder die Angst davor, als Angestellter seinen Job zu verlieren, wenn man das nicht tut. Oder das Unverständnis und die Verurteilung von Seiten der Familie, weil man – wie bei einem Freund geschehen – sich eine Auszeit nimmt. Oder die Frage an mich, ob ich kein „schlechtes Gewissen“ habe, als ich das Gleiche tat. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Nun, hier kann ich nur sagen: A) Diese Ängste werden oft überschätzt. Vieles ist möglich, wenn man es versucht. Auch ein entspanntes Verhältnis zu seiner Arbeit. Anderes ist wieder eine Frage der Prioritäten. Und vieles scheitert schlicht am eigenen Glaubenssatz von „es geht nicht“. B) Manchmal muss man, wie bei den Ansichten unserer Mitmenschen, einfach die innere Stärke entwickeln, damit zu leben und für sich einzustehen. Und C) ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil man das Hamsterrad verlässt, zeugt davon, wie viele offenbar diesen Leistungsanspruch verinnerlicht haben. Mmh?

4. Schrauben Sie Ihre Ansprüche herab

Man kann vieles auf zweierlei Art machen: Gut oder perfekt.

Ich kann zum Beispiel jede Woche in meiner Wohnung einen gründlichen Hausputz entfesseln und dafür den Samstag opfern. Oder ich kann laufend das Nötigste tun und mich, sagen wir, alle drei Wochen in die Schlacht stürzen. Das Zweite ist kaum schlechter als das Erste, doch ich gewinne mehr Zeit.

Auch dieser Gedanke ließe sich auf beliebig viele Gelegenheiten übertragen. Beobachten Sie sich mal selbst. Achten Sie auch darauf, wo Sie einfach Verhaltensweisen übernommen haben oder fortführen, ohne sie zu hinterfragen. Muss das Geschirr etwa nach jeder Mahlzeit gespült werden? Muss der Rasen jede Woche gemäht werden? Und so fort.

5. Akzeptieren Sie das Unfertige

Da ich selbst ganz gern dem Perfektionismus fröne, hat es mich eine Weile gekostet, dies zu lernen: Akzeptieren Sie das Unfertige.

Ja, natürlich ist es schön, wenn Sie Ihre beabsichtigte Wohnungsrenovierung in zwei Monaten statt – Stück für Stück – in zwei Jahren über die Bühne gebracht haben. Und ja, natürlich ist es schön, sagen wir ein Buch oder anderes Schreibprojekt in zwei Monaten runtergeschrieben zu haben, statt daran vielleicht über Jahre zu arbeiten.

Doch, wie gesagt, wir können nicht alles gleichzeitig haben. Wenn Sie Ihre Zeit in das Buch oder in die Renovierung werfen, fehlt sie Ihnen anderswo. Und meist speckt man dieses Anderswo zunächst bei Freizeit und Privatem ab.

Und schlimmer noch: Wenn wir so fix mit unserem einen Projekt fertig sind, können wir uns – weil es so schön war – doch gleich in das nächste stürzen. Tja, und das war’s dann mit der Erholung. 😉

Lernen Sie deshalb lieber, sich mit dem Unfertigen anzufreuden. Strecken Sie Ihre Deadlines. Erledigen Sie nicht alles sofort. Wenn es Zeit für Ihre Freizeit ist, dann lassen Sie alles fallen und gönnen Sie sich auch diese freie Zeit.

Sie glauben, dieser Tipp ist eine Binsenweisheit? Wenn Sie wüssten, wie viele ich schon getroffen habe, denen dies – wie mir – extrem schwerfällt. Schließlich: Wer lebt schon gern jahrelang auf einer Baustelle, wenn man auch alles schön fix und fertig haben kann? Doch das Leben ist genau dies: Bauen – es ist kein Rennen.

6. Freunden Sie sich mit Kompromissen an

Lernen Sie, Kompromisse einzugehen.

Mir fällt dazu eine Freundin ein, deren Motto oft lautet: „Keine Kompromisse.“ Das führt dazu, dass sie beispielsweise ein halbes Jahr hinter einem bestimmten Bilderrahmen herhetzt, weil sie nur diesen und keinen anderen für ihre Wohnung haben möchte.

Und wenn Ihnen eine solche Jagd Spaß macht, nur zu, dann hat das schon fast Freizeit-Wert. Doch wenn es für Sie eine Last ist und Sie von Dingen abhält, die Sie lieber tun, lassen Sie es. Verlieren Sie nicht Monate mit der womöglich frustrierenden Suche nach dem perfekten Schrank.

7. Outsourcen Sie oder lassen Sie sich helfen

Erinnern Sie sich noch an die Putz-Nummer von oben? Statt alle drei Wochen selbst den Putzlappen zu schwingen, könnten Sie natürlich auch eine Putzkraft einstellen, die das einmal in der Woche für Sie übernimmt.

Das muss gar nicht so „teuer“ sein, wie es sich anhört. Wir neigen nur oft dazu, unserer Freizeit nicht den Wert beizumessen, den wir zum Beispiel in bestimmte Dinge stecken. Die Ausgabe für die Putzkraft kann ich sehen, den Wert meiner freien Zeit nicht. Und schon sitzen wir wieder im Hamsterrad und machen alles selbst.

Das gilt auch für vieles andere. Lassen Sie sich helfen, delegieren Sie, lagern Sie aus. So arbeite ich beispielsweise seit einiger Zeit für meine Online-Kurse oder Selbstlernkurse mit externen Buchungsservices zusammen. Meine Büroarbeit hat sich dadurch auf einen Schlag radikal verschlankt.

Manchmal macht es auch Sinn, Mitarbeiter einzustellen. Doch Achtung: Sie haben nicht automatisch mehr Zeit, nur weil Sie jetzt andere haben, die für Sie arbeiten. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Ihre Arbeit wird eine andere, ja, ihre Inhalte verändern sich. Doch sie wird nicht im gleichen Ausmaß geringer. Wägen Sie sorgfältig ab, wo Mitarbeiter Sinn machen, wo externe Dienstleister und wo das Prinzip „Runterschrumpfen“.

8. Arbeiten Sie nach dem Biorhythmus

Dies ist ein klassischer Tipp aus dem Zeitmanagement. Doch da viele – ich eingeschlossen – dazu oft nur mit dem Kopf nicken und zur Tagesordnung übergehen, nenne ich ihn noch einmal extra: Arbeiten Sie nach Ihrem Biorhythmus.

Sie können ebenfalls mehr Zeit gewinnen, indem Sie produktiver arbeiten, also mehr in weniger Zeit schaffen. Achten Sie deshalb darauf, wann Sie sich beispielsweise besonders fit und leistungsfähig fühlen, und wann Sie eher in ein „Mittags-Koma“ oder in ein persönliches Tief fallen. Heben Sie sich anspruchsvolle Arbeit für Ihre Hoch-Zeiten auf. Übermüdet produktiv sein zu wollen, kostet Sie nur Zeit.

9. Arbeiten Sie rentabler

Dieser Tipp wird nicht für alle machbar sein, ich erwähne ihn trotzdem: Versuchen Sie, Ihre Arbeit so gut wie möglich bezahlen zu lassen. Und zwar nicht nur, weil gerade Kreative den Wert ihrer Arbeit gern unterschätzen. (Wobei die Gesellschaft ihnen leider munter Schützenhilfe leistet.)

Doch je besser Sie bezahlt werden und je rentabler Sie arbeiten, desto weniger Zeit brauchen Sie, um das zu verdienen, was Sie zum Leben brauchen. Ergo gewinnen Sie mehr Zeit. (Sie können die freiwerdende Zeit natürlich auch nutzen, um noch mehr zu arbeiten und noch mehr zu verdienen. Doch das wollten wir hier ja ausdrücklich nicht. ;-))

10. Vereinfachen Sie Ihren Lebensstil

Das ist sozusagen das Gegenstück zu Punkt 8: Sie können auch mehr freie Zeit für sich gewinnen, wenn Sie einfach weniger verdienen und arbeiten müssen.

Wenn ich zum Beispiel mehrere hundert Euro im Monat verdienen muss, nur um mir ein Auto leisten zu können, wäre die Frage, ob das wirklich sein muss. Vielleicht würde es reichen, auf öffentliche Verkehrsmittel, Car-Sharing / Leasing oder Ähnliches zurückzugreifen. Und schon habe ich wieder ein paar Stunden gespart und Zeit für mich gewonnen.

11. Eliminieren Sie Ihre Zeitfresser

Jeder von uns hat seine persönlichen Favoriten, die ihn aufhalten und seine Zeit fressen. Die einen lassen sich gern von sozialen Netzwerken in Beschlag nehmen. Viele andere hängen vorm Fernseher ab. Manche sind mit zu vielen Meetings gestraft. Und so fort.

Gehen Sie auf die Suche, was Ihre Zeit frisst, und versuchen Sie, das jeweilige Übel zu beheben. Eine erste Hilfestellung kann Ihnen meine „Checkliste Zeitdiebe“ geben.

12. Sorgen Sie für attraktive Alternativen

Und noch ein letzter Tipp: Viele decken sich nur deshalb bis über beide Ohren mit Arbeit zu, weil ihnen schlicht die Alternative dazu fehlt. Andere beziehen, wie gesagt, ihren Wert als Mensch aus ihrer Arbeit. Freie Zeit ist in dem Fall nicht gewollt, sondern schon fast eine Strafe.

Viele frischgebackene Rentner merken zum Beispiel schmerzlich nach dem Wegfall der Arbeit, wie wenig ihnen eigentlich vom und zum Leben geblieben ist.

Lassen Sie es nicht so weit kommen. Rund um die Uhr zu arbeiten, ist schlecht für Ihre Gesundheit. Und nach dem Verlust der Arbeit überhaupt nichts mehr zu haben, der schleichende Tod für Ihre Seele. Sorgen Sie deshalb für attraktive Alternativen.

Genießen Sie das Leben. Legen Sie sich ein Hobby zu. Engagieren Sie sich für Familie oder Ehrenamt. Geben Sie Ihr Wissen weiter. Treffen Sie sich mit Freunden. Gehen Sie ins Kino. Fangen Sie etwas ganz Neues an. Was auch immer.

Ich garantiere Ihnen: Wenn Sie etwas haben, was Sie zieht, werden Sie auch Möglichkeiten finden, es zu erreichen. Und Sie werden Möglichkeiten finden, dafür mehr freie Zeit zu gewinnen. Sie müssen es nur zulassen. Mmh? 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.08.11

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